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Zehn Thesen zum Thema Motorrad: Was stimmt, was nicht? Fakt oder Mythos?

Auf den Zahn gefühlt: Zehn oft gehörte Motorradfahrer-Thesen, und was tatsächlich dran ist. Vielleicht ist Hubraum ja doch durch irgendwas zu ersetzen!?

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Am Nordkap muss man mal gewesen sein

Seit 1969 ist das auf der norwegischen Insel Mageroia liegende Nordkap touristisch erschlossen. Man kann hier nach endloser, eintöniger Anfahrt über die E10 eine stilisierte Weltkugel aus Stahl besichtigen, ein Museum und ein Fischerdorf besuchen, auf dem Campingplatz oder in Hotels nächtigen und auf schönes Wetter hoffen. Am Nordkap zählt eher die Bedeutung des geografischen Punktes als die unmittelbare Dramatik der Natur oder eine spannende Anreise. Nur wer unbedingt überall sein Fähnchen in die Weltkarte stecken muss, sollte mal dort gewesen sein.

Falsch!

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Große Zweizylinder haben den besten Durchzug

Das ist bedingt richtig. Hubraumstarke Zweizylinder haben mehr Drehmoment im unteren Drehzahlbereich, sind aber auch oft länger übersetzt, weil sie nicht so hoch drehen können. Zudem kommt es zu unrundem Motorlauf in niedrigen Drehzahlen, wegen der „halbierten“ Zündfolgen beim Twin.

Zum Teil richtig!

Reifenfreigaben sind Pflicht

Das kommt darauf an, was in den Fahrzeugpapieren steht. Eine generelle Reifenfabrikatsbindung besteht schon lange nicht mehr. Wenn in der Zulassungsbescheinigung jedoch ein oder mehrere Reifenmodelle als freigegeben eingetragen sind, so ist ein anderes Fabrikat (oder auch eine abweichende Größe) nur mit entsprechender Herstellerfreigabe zulässig. Dasselbe gilt, wenn der Satz „Reifenfabrikatsbindung gemäß Betriebserlaubnis beachten“ in den Papieren steht. Auch ohne Reifenbindung ist laut StVZO die Unbedenklichkeitsbescheinigung des Reifenherstellers mitzuführen.

 

Zum Teil richtig!

Bei erloschener Betriebserlaubnis erlischt auch Haftpflichtschutz

Stimmt nicht, zumindest nicht generell. Sinn und Zweck der gesetzlich vorgeschriebenen Haftpflichtversicherung ist, dass sie in jedem Fall haftet, ganz egal, wodurch der Schaden verursacht wurde. Das gilt selbstverständlich auch bei erloschener Betriebserlaubnis, z. B. durch eine manipulierte, zu laute Abgasanlage. Einschränkungen hierbei gibt es jedoch. Dazu zählen Vorsatz und Trunkenheit.

Doch selbst wenn ein Kfz-Haftpflichtschaden absichtlich oder von einem erwiesenermaßen betrunkenen Fahrer verursacht wurde, muss die Haftpflicht ihn begleichen. Sie kann anschließend jedoch Regressforderungen an den Verursacher stellen. Dasselbe gilt, wenn am Fahrzeug ein Mangel bestanden hat, der unfallursächlich war, z. B. wenn ein Motorrad mit völlig abgefahrenen Reifen in der Kurve wegrutscht und an einem anderen Fahrzeug einen Schaden verursacht oder eine sogenannte Gefahrenerhöhung (z. B. durch gefährliche An- oder Umbauten) vorlag.

Falsch!

Ein lauter Auspuff bringt mehr Leistung

Das stimmt vom Grundsatz her schon, ist aber keineswegs bei jedem lauten Auspuff der Fall. Etwa dann garantiert nicht, wenn der Auspuff einfach mit der Bohrmaschine gelöchert oder sonstwie ausgeräumt wurde. Denn laute Auspuffanlagen haben einen geringen Abgasgegendruck und können einfacher abgestimmt werden als leise. Leise und leistungsstark sind Abgasanlagen nur dann, wenn sie ein großes Volumen aufweisen. Grobe Faustregel: Für einen Motor mit 1000 Kubikzentimetern Hubraum benötigt man einen Schalldämpfer mit mindestens zehn Litern Volumen, um ein straßenzulassungsfähiges Geräuschverhalten zu erzeugen.

Zum Teil richtig!

Ernst „Klacks“ Leverkus war MOTORRAD-Chefredakteur

Klacks, so der Spitzname von Ernst Leverkus, war bei MOTORRAD Cheftester und Hans Dampf in allen Gassen. Die ersten Artikel des damals noch jungen Mannes aus Bremen finden sich 1953 in „Das MOTORRAD“. Ab 1956, dem Jahr, in dem er mit einer Kleinanzeige im Heft das erste Elefantentreffen angezettelt hatte, steht Ernst Leverkus als fester Mitarbeiter im MOTORRAD-Impressum. Das blieb er bis 1973. Ein Jahr später brachte er sein eigenes Magazin, „PS Die Motorrad-Zeitung“, heraus, dessen Chefredakteur er einige Jahre lang war. Chefredakteur von MOTORRAD war er aber nie. Aus der „Motorrad-Zeitung“ wurde nach 1979 das MOTORRAD-Schwesterblatt „PS Das Sport-Motorrad-Magazin“. Ernst Leverkus starb 1998 im Alter von 75 Jahren.

Falsch!

Leder ist sicherer als Textil

Das stimmt ganz grundsätzlich schon. Denn kein Obermaterial aus Kunstgewebe ist abriebfester als Leder. Aber auch bei Leder gibt es riesige Unterschiede. Hierbei kommt es auf die ­Lederqualität, die Dicke und die Verarbeitung an. Dass Känguruleder generell besser als Rindleder sein soll, lässt sich jedoch nicht so pauschal sagen.

In der Hauptsache ist es aufgrund der Faserstruktur abriebfester als Rind- oder Ziegenleder. Weshalb man es dünner verarbeiten kann, und so gegenüber 0,2 bis 0,4 Millimeter dickeren Rindlederkombis zehn bis 20 Prozent Gewicht spart. Aber auch hier kommt es grundsätzlich auf die Qualität des verwendeten Materials an.

Aufgrund hoher Nachfrage wird in den unteren Preiskategorien anstelle des robusten Narbenleders (von der „Haarseite“) auch viel Spaltleder (von der „Fleischseite“) als Motorradbekleidung angeboten. Aramidfaserverstärktes Kunstgewebe (z.B. Schöller Dynatech) oder Cordura mit hoher Garnstärke (z. B. 1000 Denier) haben deutliche Vorteile gegenüber schlechtem Leder. Das haben diverse MOTORRAD-Tests belegt. Und kevlarverstärkter Jeansstoff ist sicher besser als eine billige Lederschnürjeans.

Neben der Abriebfestigkeit ist auch der feste Sitz von Protektoren wichtig. Hier hat eng an­liegendes Leder generell Vorteile gegenüber bequem geschnittener Textilkleidung.

Richtig!

Gefängnisstrafe in der Schweiz wegen Tempoverstoß

Das ist seit Januar 2013 richtig. Seither gilt: Wer in einer 30er-Zone mit 70 oder mehr km/h erwischt wird, bei erlaubten 50 bereits 100 km/h oder mehr auf dem Tacho hat, außerorts 140 oder mehr statt der erlaubten 80 km/h fährt oder auf der Autobahn bei generellem Limit von 120 km/h mit 200 oder mehr gemessen wird, kann dafür ins Gefängnis kommen. Höchststrafe: vier Jahre. Geldbuße und Sicherstellung des Motorrads kommen noch dazu.

Richtig!

Breiterer Hinterreifen = mehr Schräglage

Stimmt nur bedingt, denn in Schräglage muss die Aufstandsfläche des Hinterreifens nicht viel größer sein als die des Vorderreifens. Nur beim Beschleunigen aus Schräglage nützt eine große Kontaktfläche dem Grip. Ist der Hinterreifen zu breit (zu große Auflage mit zu viel Grip), stimmt die Gripbalance vorn zu hinten nicht mehr und das Motorrad kann übers Vorderrad wegrutschen. Was ganz anderes ist die Tatsache, dass man mit breitem Reifen – egal ob vorn oder hinten – mehr Schräglage bei gleichem Speed fahren muss. Der Grund: die Reifenaufstandsfläche verlagert sich stark aus der Mittelachse nach innen, was dazu führt, dass der Schwerpunkt auf der Hochachse nach innen wandert und durch mehr Schräglage ausgeglichen werden muss.

Zum Teil richtig!

Route 66 ist DIE amerikanische Traumstraße

Das war mal. Ab Mitte der 1920er-Jahre trägt die Route 66 als eine der ersten durchgehenden Straßenverbindungen von Chicago an die US- Westküste zum Wirtschaftsboom in Kalifornien bei. Ihr Mythos gründet sich auf den Roman „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck, den Song „Get Your Kicks On Route Sixty-Six“ von Bobby Troup, etliche Rennveranstaltungen und vor allem auf zahlreiche Filme, allen voran „Easy Rider“. Doch schon Mitte der 80er-Jahre hatten Interstate-Highways die 66 bedeutungslos werden lassen. Heute gibt es etliche Initiativen zur Wiederbelebung, doch den wahren Spirit von einst kann man nur noch auf wenigen Teilstücken erleben, die nicht selten verkappte Touristen-Nepp-Meilen sind. Als Fotomotiv eignen sie sich aber nach wie vor.

Falsch!

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