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Die Zweiräder der Redaktion Schmieders Yamaha XJ 900 N, Schwalbe und CB 900 F Bol d’Or

Viele Erlebnisse und Geschichten verbinden Tester Thomas Schmieder mit einer Yamaha XJ 900 N. Doch auch für seine drei ganz anderen Zweiräder schlägt sein Herz.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Wie sie da auf der IFMA 1984 stand, mit ihren eleganten Rundungen, den zeitlosen Formen und vier chromglänzenden Krümmern. Ihrem Charme, ihrer klassischen Schönheit verfiel ich sofort. Dabei war ich erst 17, noch Schüler, und wartete sehnsüchtig auf den nahen Einser-Führerschein. Aber mein Traummotorrad hatte ich bereits gefunden: Die zur Saison 1985 exklusiv für den deutschen Markt lancierte Yamaha XJ 900 N. Nur dass die Zeit, oder besser gesagt mein Portemonnaie, noch nicht reif war für uns. Daher gab’s erst einmal alle nur greifbaren Prospekte und Testberichte (die habe ich heute noch) von ihr.

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Hochemotionale Affären mit SR 500 und XJ 650

Und zum Trost hochemotionale Affären mit einer gebrauchten SR 500 und später ­einer XJ 650. Im Zivildienst war es dann so weit, etwas Geld angespart, großzügiger Kleinkredit vom Vater dazu, und im Mai 1987 fanden die Yamaha XJ 900 N und ich endlich zusammen. 20 Jahre jung, besaß ich also ein echtes Big Bike, mit damals noch verdammt mächtigen 98 PS. Mensch, was war ich glücklich. 6000 Mark kostete die erst zwei Jahre alte 900er. Heftigst heruntergehandelt, weil der Vorbesitzer sie unter einer Plane fast hatte verrotten lassen. Egal, mit Lack- und Chrompolitur konnte ich umgehen, und Zeitmangel kannte ich noch nicht. Außerdem gab es von der verkleideten Schwester XJ 900 F bereits reichlich gute Gebrauchtteile.

Nach Wochen des Frischmachens, des Jede-Schraube-Entrostens, stand die „Icks-Jott“ strahlend vor mir. Meine dritte Yamaha mit riesigem 200-Millimeter-Rundscheinwerfer. Unvergessliche Trips und Erlebnisse mit dem unverkleideten Tourer folgten. Etwa die erste Fahrt mit der Freundin hintendrauf vom Ruhrpott nach München. Oder der Besuch bei Freund Peter in Schweden zum Mittsommer 1988 mitsamt anschließender Rückfahrt durch die DDR – in welche West-Motorradfahrer offiziell gar nicht einreisen durften. Inklusive Betankung mit Zweitakt-Gemisch nach einer Spritpanne und Besuch bei Verwandten in Dresden. Dort war der 50 Zentimeter schmale Vierzylinder damals eine mittlere Sensation.

Was mich von Anfang an begeisterte? Wie das unverwüstliche Herz im Takt soliden japanischen Maschinenbaus schlägt. Lässig und gelassen. Solche Motoren haben Nippon groß gemacht. Im Falle der XJ mit nur zwei Ventilen pro Zylinder, aber zwei obenliegenden Nockenwellen und zuverlässigen Tassenstößeln. Trotzdem trennte ich mich 1989 von der 900er. Ich müsste kürzertreten fürs Studium, dachte ich. Ein schwerer Fehler. Denn die folgende Liaison mit einer günstigen Suzuki GR 650 verlief unglücklich. Zu viele Defekte und zu wenig Tourentauglichkeit hatte dieser Softchopper-Twin. Also bändelte ich im Sommer 1990 mit XJ 900 N Nummer zwei an, wieder in Schwarz-Bordeauxrot. Der blieb ich lange treu, mehr als ein Jahrzehnt. Doch irgendwann ließ ich sie mit einem Arbeitskollegen durchbrennen. Immerhin war Tom in der XJ-Interessengemeinschaft, ein echter Liebhaber.

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Mit der Yamaha XJ 900 N sollen sie mich beerdigen!

Bei mir folgten diverse Triumph-Triples; Sprint RS 955, Speed Triple und aktuell eine Sprint ST 1050. Mit ihr, einem Ex-MOTORRAD-Dauertestbike, war ich auf Korsika und auf der Nordschleife, in Spa-Francor­champs und in der Ukraine am Unglücksreaktor von Tschernobyl.

Es folgten weitere Liebschaften: Mit der edel lackierten Honda CB 900 F Bol d’Or war ich beim Thundersprint in England, einem verrückten 400-Meter-Sprintrennen, bei den Bikers’ Classics und rückte zu einem ­Federbein-Test aus. Über meine perfekt
restaurierte Simson-Schwalbe stolperte ich bei ­einer Reportage auf dem ehemaligen Simson-Werksgelände in Suhl. Sie stand
im früheren Ausstellungspavillon des sozialistischen Kombinats, keine 100 Meter von den einstigen Produktionsbändern
entfernt. Meine Schwalbe ist ein 1986er-Modell, eines der letzten von über zehn Millionen gebauten Exemplaren. Maximaler Fahrspaß aus 50 Kubikzentimetern!

Nein, diese letztgenannten drei Mopeds werde ich bestimmt nicht mehr hergeben. Und meine mittlerweile dritte Yamaha XJ 900 N erst recht nicht. Mit ihr zusammen sollen sie mich dermaleinst beerdigen. Als Zeichen einer großen Liebe.

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