01.01.2004 Von: Holger Hertneck
Erschienen in: 02/ 2004 MOTORRAD

Vergleichstest Rückenprotektoren Rückendeckung

Pressiert’s, passiert’s. Oftmals sind aber auch andere Verkehrsteilnehmer schuld, wenn ein Motorradfahrer auf dem Rücken liegt. Wie gut schützen in solchen Fällen Protektoren? 15 Modelle im Test.

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Rückenprotektoren im Praxistest: Anprobe  

Foto: Rettenmayr  

Allen Motorradfahrern, deren Kleidung keinen integrierten Rückenschutz aufweist, kann das Tragen eines separaten Protektors nur sehr empfoh-
len werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die nachgerüsteten Rückenprotektoren einwandfrei unter die vorhandene Schutzkleidung passen und fest sitzen. Weiteres Kriterium: Der ausgewählte Rückenschutz sollte nach der CE-Norm geprüft sein (siehe auch Kasten auf
Seite 61). Damit ist ausgeschlossen,
dass es sich lediglich um ein Modell
aus Weichschaum handelt, das im Falle eines Falles nur unzureichend schützt. Erfüllt ein Protektor die Norm, gilt es zu beachten: Er muss die gesamte Wirbelsäule vom Hals bis zum Steiß abdecken, ohne die Beweglichkeit beim Fahren merklich einzuschränken.
Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Wahl eines passenden Rückenprotektors spielt die getragene Fahrerkleidung. Wer versucht, unter seine hautenge, maßgeschneiderte Lederkombi einen voluminösen Panzer zu schieben, wird ebenso
wenig zufrieden sein wie Fahrer von weit geschnittenen Textilanzügen, die sich für einen unzureichend fixierbaren Schutz entscheiden. Deshalb zur Anprobe unbedingt mit Leder- beziehungsweise Textilkombi erscheinen. Denn was für den
Tourer taugt, kann den Sportfahrer behindern. Gutes Beispiel: ein breiter Nierengurt. Dieser schützt den Tourenfahrer und sorgt außerdem für einen festen Sitz des Protektors unter der weiten Jacke. Bei sportlicher Sitzhaltung drückt ein
breiter Gurt hingegen unangenehm in
den Magen. Die Fixierung spielt unter
einer engen Lederkombi nur eine untergeordnete Rolle, weshalb ein breiter Nierengurt gar nicht nötig ist.
Außer dem subjektiven Trageverhalten, das MOTORRAD mit zahlreichen Testpersonen ermittelte, wurden die 15 aktuellen Rückenprotektoren bezüglich Sicherheit und Schlagdämpfung beurteilt. Während das Kriterium Sicherheit beispielsweise Punkte wie Größe und Ausführung der Schutzzone sowie Sitz des Protektors berücksichtigte, geht es bei der Schlagdämpfung um die im Labor der Firma Viscotec ermittelten Restkraftwerte (siehe Tabelle auf Seite 61). Hierbei fällt ein fünf Kilogramm schwerer Fallkörper mit einer abgerundeten Kante (Bordsteinsimulator) aus einem Meter Höhe
auf den zu testenden Rückenprotektor, der auf einem leicht gewölbten Amboss mit integrierter Kraftmess-Einrichtung liegt. Zwei Kandidaten konnten auf dem Prüfstand besonders überzeugen: BMW und Jofama. Die erzielten Restkraftwerte liegen bei beiden sehr niedrig und erstaunlich konstant im Bereich von nur
fünf (BMW) beziehungsweise 6,5 Kilo-Newton (Jofama).
Besonders aufwendig gestaltete sich die Ermittlung des Trageverhaltens. Sämtliche Protektoren wurden zig-mal sowohl unter Lederkombis als auch unter Textilanzügen ausprobiert. Außerdem gehörten Tests auf dem Motorrad zum Programm. Wie gut ist die Beweglichkeit
auf dem Fahrzeug? Lassen sich Kopf
und Rumpf ausreichend bewegen, oder behindert der Protektor? Auch Druckstellen tauchen oft erst in Sitzhaltung auf.
Das abschließende MOTORRAD-
Urteil für die einzelnen Kandidaten ergibt sich zu gleichen Teilen aus den drei
Kriterien Schlagdämpfung, Sicherheit und Trageverhalten. Das erfreuliche Ergeb-
nis: Im Vergleich zu vergangenen Tests schneiden die aktuellen Modelle klar
besser ab. Neue Werkstoffe und Technologien helfen, die Schutzwirkung der Protektoren zu verbessern. Fehlt eigentlich nur noch eine stärkere Berücksichtigung des Komfortfaktors Belüftung, den momentan lediglich Dainese und Rukka mit ihrer Waben- beziehungsweise Gitterkonstruktion erfüllen. Dann würden in Zukunft bestimmt noch mehr Protektorenmuffel zu dem nach Meinung von MOTORRAD unverzichtbaren Rückenschutz greifen.


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