02.12.2009 Von: Franz Josef Schermer
Erschienen in: 26/ 2009 MOTORRAD

Ratgeber Werkstatt Vergaser synchronisieren

Läuft der Motor ruppig, vibriert und bringt keine ordentliche Leistung? Dann könnte es sein, dass die einzelnen Zylinder eher gegen- als miteinander laufen. Gefragt ist jetzt eine saubere Vergaserabstimmung. Genau der richtige Zeitpunkt, um einen Synchrontester anzustöpseln.

Synchrontester

Unerlässliches Hilfsmittel, wenn es um die saubere Vergaserabstimmung geht: Synchron-tester mit feiner Skalierung. Das empfehlenswerte Gerät von Boehm kostet mit zwei Uhren rund 85, mit vier Uhren 170 Euro.  

Foto: Schermer  

Vergaser müssen vor allem dann synchronisiert werden, wenn im Zuge großer Inspektionen die Ventilspiele kontrolliert und eventuell neu eingestellt wurden. Ein Arbeitsschritt, der nach Werksvorschrift der jeweiligen Marken im Regelfall alle 12000 bis 15000 Kilometer nötig ist. Um ein optimales Ergebnis zu erhalten, muss der Motor in einem mechanisch einwandfreien Zustand laufen: Unter anderem sollten der Luftfilter gereinigt und die Zündkerzen geputzt oder Neuteile eingesetzt sein.

WICHTIG: Besorgen Sie sich vor Beginn der Arbeiten die modellspezifischen Einstellwerte und Vorschriften für Ihre Maschine. So lässt sich unter anderem auch die Lage der Leerlaufdrehzahl-, Gemisch- und Luftregulier-Einstellschrauben genau lokalisieren. Ein Tipp, wie Sie an solche Unterlagen kommen: Fragen Sie beim (freundlichen) Markenhändler nach, ob er Ihnen Kopien aus dem Werkstatthandbuch machen kann. Eine Spende in die Kaffeekasse hilft fast immer! Und noch etwas ist wichtig: Alle Schrauben und Muttern an den Vergasern Ihrer Maschine, die mit rotem oder blauem Siegellack gekennzeichnet sind (und wenn der Tropfen noch so klein ist) bitte NICHT verdrehen!

HINWEIS: Zur Sychronisierung der Vergaser muss der Motor laufen. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, bei Arbeiten mit laufendem Motor in geschlossenen Räumen für ausreichende Belüftung zu sorgen. Abgase enthalten giftiges und geruchloses Kohlenmonoxid, das Bewusstlosigkeit verursachen und zum Tod führen kann. Alle Fenster und Türen öffnen! Am sichersten ist eine Abgas-Absauganlage, welche die giftigen Gase ins Freie führt. Wenn keine Be- und Entlüftung der Werkstatträume mög-lich ist, im Freien arbeiten.

 

Einstellgeräte und Werkzeug

Um den Gleichlauf der Zylinder einzustellen, gibt es im Zubehörhandel einige Prüf- und Einstellgeräte. Wir arbeiten mit dem "Boehm-Synchrontester" (Infos: Telefon 089/888591, www.boehm-synchrontester.de). Zum Verstellen der (federbelasteten) Einstellschrauben an den Verbindungshebeln der Vergaser brauchen Sie einen entsprechend langen Kreuzschlitz-Schraubendreher. Bei manchen Maschinen kommt man nur mit einem Winkelschraubendreher weiter.

Vergaser synchronisieren

Ziel der Arbeiten: Der Motor sollte im Anschluss "weicher" laufen, besser beim Gasgeben ansprechen und sauber "aus dem Keller heraus" durchziehen.

  1. Motor mindestens zehn Minuten warm laufen lassen, besser ist eine Probefahrt: Dann hat man ein frisches Gefühl, wie der Motor läuft und nach den Einstellarbeiten bessere Vergleichsmöglichkeiten. „Warmer Motor“ bedeutet: Die Öltemperatur soll 80 bis 90 Grad betragen.
  2. Bei den meisten Maschinen müssen Tank und Seitenverkleidungen abgebaut werden. Den Tank auf einem Montageständer seitlich und oberhalb des Motorrads anordnen.
  3. Wenn ein Unterdruck-Benzinhahn angebaut ist: Mit extra Schlauch und T-Stück eine Verbindung zum Unterdruckstutzen am Benzinhahn herstellen.

Schritt 1: Vorarbeiten: Zum Einstellen der Vergaser müssen diese frei zugänglich sein. Also runter mit dem Tank...

Hier geht's zur Foto-Show für die verschiedenen Arbeitsschritte der Synchronisation.   5 Bilder

Alternativ: Im Lieferumfang des von uns empfohlenen „Boehm-Synchrontesters“ ist ein kleiner Behälter in Form eines Mini-Kanisters enthalten. Dieser wird mit Sprit befüllt, oberhalb der Maschine aufgehängt und über den mitgelieferten Schlauch mit dem Vergaserzulauf verbunden.

  1. Vakuumschläuche des Synchrontesters an die dafür vorgesehenen Anschlussstutzen an den Ansaugstutzen oder den Vergasern anschließen (siehe Foto-Show Schritt 3).

    Wenn serienmäßig keine Stutzen angebracht sind, müssen Sie auf die mit Schrauben verschlossenen Gewindebohrungen zugreifen: Schrauben ausdrehen, die beim Synchrontester mitgelieferten Gewindestutzen einschrauben.
  2. Sicherstellen, dass die Gaszüge ein wenig Spiel haben: 0,5 bis ein Millimeter im Zug ergeben zirka drei bis fünf Millimeter Leerweg am Gasgriff (siehe Foto-Show Schritt 4).
  3. Motor starten. Leerlaufdrehzahl an der zentralen Standgas-Einstellschraube (siehe Foto-Show Schritt 5) auf den vorgeschriebenen Wert einstellen. Bei Drei- und Vierzylindern liegt dieser im Regelfall zwischen 1200 und 1300/min.
  4. Einige Male kurz Gas geben und beobachten, ob bei »Gas zu« die Leerlaufdrehzahl auf den vorgeschriebenen Wert absinkt und stabil bleibt.
  5. Jetzt die Vakuumdifferenz zwischen den Zylindern prüfen: Sie sollte nicht mehr als 0,03 bar betragen.

    Falls die Vakuumdifferenz zwischen den Zylindern größer ist als 0,03 bar, die Einstellschrauben am Vergasergestänge (siehe Foto-Show Schritt 5) entsprechend aus- oder eindrehen: Damit wird die Stellung der Drosselklappen (bzw. Gasschieber) der einzelnen Vergaser zueinander verändert.
  6. Zwischendurch immer wieder etwas Gas geben (auf 3000 bis 4000/min) und so prüfen...
    ...ob der Motor sauber Gas annimmt und
    ...die Zeiger aller Unterdruckuhren möglichst gleichmäßig ansteigen und abfallen.

Wenn das Prüfbild stimmt, ist der Motor korrekt synchronisiert. Sollte das nicht der Fall sein, könnte der Vergaser verdreckt sein, oder die Ansaugstutzen sind möglicherweise porös. Dadurch kann der Motor Falschluft ziehen. Eine weitere Fehlerquelle lauert bisweilen in einer defekten Zündelektrik. Generell gilt: Ohne eine genaue Fehleranalyse und -beseitigung lässt sich der Motor nicht synchronisieren!

Beim Abbau des Synchrontesters inklusive der Schläuche und Anschlussstutzen prüfen, ob die Gummikappen der serienmäßigen Stutzen nicht porös sind. Schrauben Sie die Verschlussschrauben der Anschlussbohrungen "handfest" ein und legen Sie eine Dichtscheibe unter, wenn diese serienmäßig vorgesehen ist.


Literaturtipp: In den modellspezifischen "Motorrad-Reparaturanleitungen" aus dem Bucheli-Verlag sind die Einstellungen von Vergaser- und Einspritzmaschinen enthalten.


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