Ratgeber Werkstatt: Batterie

Alles über die Batterie

Es ist kurz vor knapp, die Saison geht bald los. Damit sich die Kurbelwelle aber auch zuverlässig dreht und der Motor garantiert anspringt, benötigt die Batterie einiges an Zuwendung.

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Es ist kurz vor knapp, die Saison geht bald los. Damit sich die Kurbelwelle aber auch zuverlässig dreht und der Motor garantiert anspringt, benötigt die Batterie einiges an Zuwendung.
Es ist kurz vor knapp, die Saison geht bald los. Damit sich die Kurbelwelle aber auch zuverlässig dreht und der Motor garantiert anspringt, benötigt die Batterie einiges an Zuwendung.
Meist sitzt die Batterie irgendwo versteckt unter der Verkleidung oder der Sitzbank und schafft vor sich hin. Und oft wird ihr wenig Bedeutung geschenkt, sie hat einfach nur zu funktionieren, was sie in der Regel auch tut. Bis zu dem Moment, wo sie nicht mehr will und kollabiert. Dann geht elektrisch nichts mehr. Damit dieser Moment möglichst nicht eintritt, gilt es, einige Grundsätze zu beachten und dem Akku etwas Zuneigung zu geben – er wird es mit Zuverlässigkeit danken!

Eine Batterie muss immer in bestem Zustand sein, damit sie auch bei kalter Witterung aus­reichend Energie vor allem beim Startvorgang liefern kann: Elektrostarter, Zündung, elektrische Anlage und Einspritzung verlangen Saft, Saft, Saft! Heutige Maschinen haben ein 12-Volt-Bordnetz; Veteranen dagegen sowie ältere 50er und 80er eines mit 6 Volt. Für 6- und 12-Volt-Batterien gelten die gleichen Pflegevorschriften.
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Neue MF-Batterie mit Säure füllen, danach Verschluss sicher wieder aufdrücken.
Neue MF-Batterie mit Säure füllen, danach Verschluss sicher wieder aufdrücken.
Seit einigen Jahren sind wartungsfreie, ver­siegelte MF-Batterien auf dem Markt, sie haben die klassische Blei-Säure-Batterie mit den farbigen Stopfen auf der Oberseite und dem seitlich aufgesteckten Entlüftungsschlauch nahezu verdrängt. »MF« bedeutet »Maintenance free«, was so viel heißt wie »wartungsfrei«. Doch dieses Versprechen ist trügerisch, denn ab und zu muss die Batterie ausgebaut, gereinigt und geladen werden. Dann bleibt sie auch mehr als nur zwei oder drei Jahre lang voll gebrauchstüchtig. Eine Batterie kann bei guter Pflege sechs oder sieben Jahre alt werden! Das »wartungsfrei« bezieht sich also vorwiegend darauf, dass kein destilliertes Wasser nachgefüllt werden muss, weil aus ihr keines verdunstet.

Eine versiegelte MF-Batterie hat keinen Entlüftungsschlauch, weil bei richtiger Ladung nur Sauerstoff entsteht (im Gegensatz zu herkömmlichen Batterien, die auch Wasserstoff freisetzen). Dieser reagiert an der Minusplatte mit dem dort gebundenen Wasserstoff und verwandelt sich wieder in Wasser. So bleibt der Flüssigkeitsstand der Batterie stets konstant. Bei Überladung kann jedoch auch Wasserstoff entstehen.

Vorteil dieses Prinzips ist die bessere Ausnutzung des Raums, denn es wird kein Sicherheitspolster (»Ausdehnungsvolumen«) benötigt. Eine MF-Batterie baut kleiner und ist leichter. Zur Sicher­heit ist ein Ventil eingebaut, das bei Überdruck öffnet und bei Erreichen des Normaldrucks wieder schließt. Zusätzlich befindet sich unter dem Deckel auf dem Sicherheitsventil ein Keramikfilter, der als Schutz gegen Entzündung oder Explosion dient.
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Wenn ein Batteriespannband vorgesehen ist, sollte es auch eingehängt sein, sonst hoppelt die Batterie in ihrem Sitz herum.
Wenn ein Batteriespannband vorgesehen ist, sollte es auch eingehängt sein, sonst hoppelt die Batterie in ihrem Sitz herum.

Batteriekapazität

Die volle Batteriekapazität wird vor allem für den Startvorgang benötigt; sie richtet sich sowohl nach dem Hubraum als auch der Art des Motors: Ein japanischer 1200er-Vierzylinder kommt mit einer relativ kleinen Batterie aus (12/12 Ah oder 12 V/10 Ah), während ein 1200er-Zweizylinder-Boxer (BMW) oder ähnlich großer V-Motor (Ducati, Moto Guzzi, Harley) eine große Batterie braucht, die um die 19 Amperestunden liefert. 600er-Vierzylinder haben sehr kleine 12 V/10 Ah- oder 12 V/8 Ah-Batterien, die zudem noch schräg oder sogar quer liegend eingebaut sind; einer 125er genügt oft eine 6-Ah-Batterie.
Egal ob Gel-Batterie, wartungsfreie MF- oder Blei-Säure-Batterie: Eine Batterie muss geladen werden, wenn ihre Spannung weniger als 12,3 Volt (beziehungsweise 6,3 Volt) beträgt. Dies ist am »müden« Elektrostarter zu spüren, wenn dieser den Motor nicht mehr richtig durchdreht (oder am flackernden Licht, wenn der Motor mit niedriger Drehzahl läuft). Zum Messen des Ladezustands bleiben die Kabel an den Batteriepolen angeschlossen. Entsprechende Messgeräte sind im Kfz- oder Motorradzubehörhandel erhältlich.

Neue Batterie
Eine neue Batterie muss vor ihrem Einbau zunächst mit Säure befüllt und dann geladen werden. Dies gilt bei einer »nicht wartungsfreien« Blei-Säure-Batterie genauso wie bei einer wartungsfreien MF-Batterie. Beide sind zwar trocken vorgeladen und nach der Erstbefüllung mit Säure theoretisch sofort einsatzbereit, doch je sorgsamer eine neue Batterie auf ihren ersten Einsatz vorbereitet wird, desto länger lebt sie.

Bei einer Bleibatterie muss die Batteriesäure mit Hilfe eines Trichters in die einzelnen Zellen eingefüllt werden. Bei einer wartungsfreien MF-Batterie ist es etwas einfacher.
1. Klebestreifen über den Einfüllöffnungen der Batterie entfernen.
2. Schutzfolie vom Säurebehälter abziehen. Säurebehälter genau auf die Einfülllöcher der Batterie ansetzen und gleichmäßig eindrücken. Wichtig: Säuremenge und Fließgeschwindigkeit sind exakt auf die Batterie abgestimmt. Die Behälter NICHT anstechen in dem Glauben, dass die Säure nur dann fließt! Wenn der Säureabfluss stockt, Behälter leicht mit einem Finger anstoßen.
3. Nach zirka einer Stunde ist die Säure in die Batterie gelaufen: leeren Säurebehälter von der Batterie abziehen. Stopfenleiste fest aufdrücken, gegebenenfalls mit Gummihammer leicht nachklopfen.
4. Batterie vorschriftsmäßig laden, danach mindestens 30 Minuten ruhen lassen, dann einbauen.

Ausbauen, laden, einbauen: so geht's!

Ausbauen
1.Die Zündung ist ausgeschaltet! Batteriefach öffnen: Es ist meist irgendwo unter der Sitzbank oder einem Seitendeckel zu finden; ab und zu auch unterm Tank (in der Betriebsanleitung nachsehen).
2. Zuerst den Minuspol der Batterie abschrauben, dann den Pluspol.
3. Sicherungsband abnehmen, Batterie ganz herausnehmen.

Laden
1. Ausgebaute Batterie unter fließendem warmen Wasser reinigen, Wurzelbürste zu Hilfe nehmen.
2. Batterie gut abtrocknen. Polanschlüsse mit einer Messingbürste oder mit Schmirgelleinen blank putzen.
3. Batterie an Ladegerät anschließen: zuerst Pluspol anklemmen, dann Minuspol. Bei Blei-Säure-Batterien unbedingt ALLE Stopfen entfernen!
4. Ladegerät einschalten, Batterie mit kleiner Ladespannung laden.
Beim Laden dürfen die auf der Batterie (oder im Beipackzettel einer neuen Batterie) angegebenen Ladeströme und Ladezeiten nicht überschritten werden, weil durch zu hohen Ladestrom und zu lange Ladezeit die Batterie beschädigt werden kann.
4. 1 Normalladung mit 1/10 der Amperestärke der Batterie, Ladezeit 5 bis 10 Stunden.
Wenn am Batterieladegerät die kleinste einzustellende Ladespannung 1 Ampere beträgt, sollte man die Batterie damit aufladen. Dies gilt auch für eine 6- oder 9-Ah-Batterie, die ja nur mit 0,6 bzw. 0,9 Ampere geladen werden sollte.
Eine Schnellladung darf nur im Notfall stattfinden, ein langsames Laden ist vorzuziehen.
5. Batterie von Ladegerät abklemmen: zuerst Minuspol abklemmen, dann Pluspol.
Nach der Ladung die Batterie mindestens 30 Minuten ruhen lassen, also nicht sofort einbauen und losfahren.

Einbauen
1. Vor dem Einbau folgendes abchecken:
Ist eine Gummiunterlage für die Batterie im Batteriekasten vorhanden? Wenn nein, schnippeln Sie sich eine aus säurefestem Gummi, etwa einer alten Auto-Fußmatte; zur Not kann man auch einige Streifen Fensterdichtgummi unter die Batterie kleben. Batterie nicht ohne Gummi einbauen, sonst drohen Vibrationsschäden.
Sind die Batterie-Kabelanschlüsse sauber und ohne Korrosion? Wenn nein, auf beiden Seiten mit feinem 400er-Schmirgel abziehen.
2. Ladedatum auf der Batterie vermerken, Batterie in Batteriekasten einsetzen.
3. Schrauben mit etwas Kupferpaste einschmieren, das sichert guten elektrischen Kontakt und beugt Korrosion vor.
4. Zuerst Pluskabel an Batterie anschließen, dann Minuskabel. Kabel exakt verlegen, sie dürfen sich nicht übermäßig stark knicken oder irgendwo scheuern.
5. Schutzkappen auf Anschlüsse aufstecken.
6. Deckel des Batteriekastens schließen.

Entlüftungsschlauch
Sollte Ihre Maschine mit einer wartungsfreien MF-Batterie ausgestattet sein und Sie sind aus irgendeinem Grund einmal gezwungen, eine nicht wartungsfreie Bleibatterie anstatt einer wartungsfreien Batterie einzubauen, wird ein Entlüftungsschlauch benötigt. Dieser muss unbedingt knickfrei nach unten verlegt werden, und sein Ende muss so ins Freie gelangen, dass austretende Dämpfe mit keinem Teil des Fahrzeugs in Berührung kommen, sonst entstehen an der Maschine in kürzester Zeit hässliche Säureschäden.

Bei Blei-Säure-Batterien unbedingt beachten

! Eine nicht wartungsfreie Bleibatterie ist mit Batteriesäure (Schwefelsäure) gefüllt. Der Flüssigkeitsstand sinkt mit der Zeit durch Verdunstung ab. Wenn er sich unterhalb der auf der Batterie angebrachten Markierung befindet, muss destilliertes Wasser aufgefüllt werden. KEINE Säure zum Nachfüllen verwenden!
! Einer neuen, nicht wartungsfreien Batterie ist ein Entlüftungsschlauch beigepackt, der sehr eng zusammengewickelt ist. Dem gerollten Schlauch kann das Ringeln abgewöhnt werden, wenn man ihn mit einem Föhn erhitzt und gerade zieht; er behält danach seine Form.
! Säuredichte prüfen: Zum Prüfen der Säuredichte wird ein Säureheber, auch Aärometer genannt, benötigt. Damit man an die Säure rankommt, müssen die Stopfen aus den Bohrungen entweder ausgezogen oder ausgedreht werden.
Säuredichte beträgt 1,26 Gramm pro cm³: Batterie ist in Ordnung.
Säuredichte weniger als 1,18 Gramm: Batterie ist defekt und muss erneuert werden.

Batterieladegerät

Wenn Sie im Schuppen von Opa ein Ladegerät finden, mit dem dieser früher die Batterie seines Traktors geladen hat, dann hängen Sie daran keine Motorradbatterie, denn es kann sein, dass sie dann während eines Ladevorgangs kaputtgeht.

Kaufen Sie sich ein Batterieladegerät speziell für Motorradbatterien, bei dem sich kleine Ladeströme einstellen lassen. Es gibt heute auch ganz prima elektronische Batterieladegeräte, die nach dem Anschließen zunächst einige Zeit mit der Batterie korrespondieren und deren Lade- und Allgemeinzustand ab­checken. Aufgrund dieser Ergebnisse werden Ladestrom und Ladezeit automatisch eingestellt (»Ladekurve«).

Umbau auf Gel-Batterie?

Relativ neu sind sogenannte Gel-Batterien, bei denen die Säure in Form von dickflüssigem Gelee in der Bat-terie gelagert ist. Bei sehr modernen Maschinen mit elektronischen Ladestrom-Reglern kann grundsätz­lich eine Gel-Batterie anstelle einer MF-Batterie eingebaut werden. Höchste Vorsicht ist jedoch geboten, wenn ein älteres Motorrad serienmäßig mit einer »nicht wartungsfreien« Blei-Säure-Batterie ausgestattet war und jetzt eine Gel-Batterie bekommen soll: Das geht meistens nicht gut, weil die Ladekurve des Licht­maschinenreglers nicht flach genug verläuft und die Gel-Batterie immer wieder einen allzu heftigen Schuss Ladestrom bekommt. Weiterhin benötigen Gel-Batterien spezielle elektronische Ladegeräte, sodass sich der Kauf einer teuren Gel-Batterie meist nicht lohnt. Mit einer versiegelten MF-Batterie, die gut gepflegt wird, ist man jedenfalls immer auf der sicheren Seite.

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