Sie kam nicht nur überraschend, sondern auch überraschend anders: Seit Herbst steht die halbverkleidete FZ6 – nur sie trägt jetzt noch den Beinamen Fazer – beim Händler, und abgesehen von den beiden Schlitzaugen in ihrer Verkleidung zeigt sie technisch wenig Verwandtschaft zur überaus erfolgreichen Vorgängerin. Klar, ein 600er-Vierzylinder dient als Kraftquelle, aber während jener aus der alten FZS 600 noch Vergaser trug, setzt die Neue auf eine Einspritzanlage. YZF-R6 heißt die Organspenderin, im Hinblick auf das neue Einsatzgebiet war also einige Detailarbeit nötig, um aus dem spitzen Sprinter einen lässigen Vielkämpfer zu formen. Abgesehen von Eingriffen ins elektronische Management fallen noch geänderte Einlasskanäle und Nockenwellen ins Gewicht. Die 98 PS produziert der Vierzylinder dennoch weniger homogen als der FZS-Motor, prompt liefert er geringfügig schlechtere Durchzugswerte ab.

Aber er spurtet besser. Okay, das macht den Abschied von der Alten noch nicht wirklich leicht. Also zum Fahrwerk, denn hier wirkt der aus zwei Gussteilen zusammengefügte Rahmen kleine Wunder. In Sachen Kurvenstabilität nämlich reicht dieses Gebilde beinahe an die artifiziellen Konstruktionen edelster Supersportler heran. Verlässliche Mitstreiter findet er in einer von 41 auf 43 Millimeter Standrohrdurchmesser gewachsenen Gabel und einem direkt angelenkten Federbein, die beide straffer gedämpft sind als früher und dennoch sehr sensibel ansprechen. Das Fazer-typische agile Handling blieb gewahrt, leider verlangen die breiteren Reifen nach festerer Hand, damit die Fuhre in Schräglagen bleibt, leider hat sich das Aufstellmoment etwas erhöht. Leider hat Yamaha bremstechnisch einen Rückschritt getan und die wunderbaren Vier- gegen stumpfere Doppelkolbensättel getauscht. Aber dafür – ja, wir hören nicht auf, ans Gute im Ingenieur zu glauben – dem Fahrer einen ergonomischen Traumplatz geschaffen.

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