Tuning-Auspuffanlagen im Test (Archivversion)

Tuning-Auspuff

Leistung ist immer gut, noch mehr Leistung noch besser. Und kaum eine andere Clique in der Motorradszene schraubt und tüftelt mehr an Motor und Leistung als die Zweitakt-Freaks. Zwangsweise. Hier eine abgesoffene Kerze, da ein festgebackener Kolbenring oder ein ausgeleierter Auslaßschieber - es gibt immer was zu werkeln. Und nicht zu vergessen: die Leistung. Polierte Kanäle, fein angepaßte Übergänge, ein Span am Zylinderkopf abgedreht für mehr Verdichtung - oder vielleicht noch ein Span? Die passende Bedüsung, schön mager, daß es richtig knistert im Brennraum. Und dann der Auspuff, mein Gott der Auspuff, da hängt ja alles dran. Eine Philosophie für sich. Dick und drehzahlbereit oder lieber schlank für satten Durchzug? Na ja, selber machen wir heute die Dinger nimmer. War ja auch eine Schweinearbeit damals. Nein, heute kaufen wir die Kunstwerke der Feinblechner im Laden. Zum Beispiel für die Aprilia RS 250. Bislang war klar: Die italienischen Jolly Moto-Birnen sind der Hit (Preis 1599 bei G&L Motorrad Technik, Telefon 07432/14141). Aufwendig aus vielen einzelnen Segmenten zusammengefügt und sauber verschweißt, zeigen die Jollys bereits durch ihre Form, wo´s langgeht. Großer Durchmesser am zylindrischen Mittelteil, der in Rechtskurven gelegentlich aufsetzen kann, und realtiv dünne Endrohre sorgen für eine hohe Spitzenleistung. Es gibt aber noch mehr begnadete Kunstschmieden in Italien, zum Beispiel die Firma Arrow (Preis 1390 Mark bei Race-Point, Telefon 09081/25544), die auch die Birnen für Mick Doohans NSR 500 zurechtdengeln. In der Bauart der Konusformen etwas einfacher gehalten und im Durchmesser rund 10 Millimeter kleiner, geht die Auslegung hier klar in Richtung Durchzug. Also, dann basteln wir mal die Referenz-Teile von Jolly an die Aprilia. Geht an sich ganz gut, nur sollten die Alu-Stutzen mit Kupferpaste oder Silikon bestrichen werden, damit der Krümmer leichter in den Aluminium-Flansch hineinflutscht und sich durch die Vibrationen nicht so schnell ins Alu einarbeitet. Hoppla, da steht der rechte Topf an der Federlasche des linken an. Bevor sich´s deshalb verspannt, machen wir eine kleine, runde Beule ins Blech. Schön spannungsfrei montieren, wenn nötig an der zentralen unteren Halterung ausdistanzieren, dann paßt das schon. Dämpfer aufstecken, auch mit Kupferpaste, die etwas lieblose und grobschlächtige Halterung anpassen und bohren - fertig. Auf dem Prüfstand freuen wir uns über 67 PS und sagenhafte 8,6 Kilogramm Gewichtsersparnis gegenüber den Serientöpfen. Die Arrow-Birnen sind noch etwas leichter und mit einer eleganteren Befestigung ausgestattet. Auch hier sollten die Krümmer mit Kupferpaste oder hitzebeständigem Silikon eingesetzt werden. Die Bohrungen an den Arrow-Flanschstücken müssen um 0,5 Millimeter aufgebohrt werden, damit sie sich sauber über die Stehbolzen stecken lassen. Beide Anlagen sind mit einer glänzenden Klarlackschicht überzogen, die jedoch nach wenigen Stunden Fahrzeit durch die Hitzeeinwirkung abgebrannt ist. Dann muß der Ansatz von Flugrost durch regelmäßiges Abreiben mit Korrosionsschutzöl bekämpft werden.Nach rund 2000 bis 3000 Kilometern sollten die Schalldämpfer nachgestopft werden. Denn mit zusammengefallenem oder ölverklebtem Dämmaterial leidet nicht nur die Schalldämpfung, sondern auch die Motorleistung. Beide Firmen bieten deshalb fertige Kartuschen mit Dämmstoff an. Bei der Revision nimmt der Bastler erleichtert die Verschraubung der Jolly-Nachschalldämpfer zur Kenntnis, bei Arrow muß zur Demontage der Kevlar/Karbonummantelung gebohrt und neu genietet werden. Die maximale Leistung der Arrow-Anlage liegt zwar obenraus knapp zwei PS unter den Jollys, dafür bleibt diese im mittleren Drehzahlbereich konstant ein knappes PS darüber. Gemessen wurde mit dem serienmäßigen Aprilia RS-Motor, lediglich die Hauptdüsen wurden bei der Arrow-Anlage auf 250/260 verkleinert, während bei den aggressiveren Jollys die Serienbedüsung beibehalten wurde.Fazit: Beide Tuning-Anlagen bringen deutlich mehr Leistung über den gesamten Bereich und eliminieren das Loch bei 8000/min praktisch gänzlich. Mit zusätzlicher gezielter Feinarbeit am Motor erreichte eine von MOTORRAD präparierte RS mit den Tuninganlagen knappe 70 PS und deutlich mehr Punch im Durchzug. Für den Sporteinsatz auf abgesperrten Rennstrecken taugen beide Auspuffvarianten gleichermaßen gut. Für den Straßenbetrieb gilt die Sache jedoch nicht: trotz überraschend guter Geräuschdämmung immer noch zu laut und vor allem keine Abgasreinigung durch den fehlenden Kat. Leider.
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