Materialkunde Textil

Klimamembranen

Foto: Jahn

Drei von vier verkauften Motorradfahrer-Kombis bestehen heutzutage aus Textilgewebe. Woraus genau, wissen aber nur die wenigsten Kunden.

Es ist bezeichnend: Nahezu alle aktuellen Kataloge der einschlägigen Motorradfahrer-Ausrüster beginnen mit Textilkombis. Besonders in der preislichen Mittelklasse bis 500 Euro boomt der Markt. Leder bietet im Sturzfall zwar immer noch das bessere Abriebverhalten, aber gut gemachte und mit hochwertigen Protektoren bestückte Textilbekleidung ist mittlerweile nah dran. Tragekomfort und Allwettertauglichkeit sprechen eindeutig fürs feine Stöffchen, doch viele Motorradfahrer wissen gar nicht, womit genau sie unterwegs sind. Da werden Membranen mit Oberstoffen verwechselt („Meine Jacke ist aus Gore-Tex”), die genaue Funktion kann kaum jemand erklären. Etwas Nachhilfe tut vielleicht Not.

Verschiedene Bauarten

Gore-Tex: Die Poren dieser Membran sind rund 20 000-mal kleiner als ein Wassertropfen,   jedoch 700-mal größer als ein Wasserdampfmolekül

Sympatex: besteht zu 70 % aus wasserabweisendem („hydrophobem”) Polyester, zu
30 % aus Polyether, dessen wasserliebende („hydrophile”) Moleküle die Feuchtigkeit auf physikalisch-chemischen Weg nach außen befördern

Die Grundfunktion ist immer gleich:
Das Gefälle von Körper- zu Außentemperatur leitet Schweiß und Feuchtigkeit durch Verdampfung nach außen, Wind und Regenwasser können jedoch durch das dichte Material nicht nach innen. Als lose Folie (Liner) oder als Laminat wird die Membran mit dem Ober- und Trägermaterial verbunden, welche vor mechanischen Einwirkungen schützen sollen. Außerdem sollte der Oberstoff wasserabweisend sein und sich keinesfalls komplett vollsaugen, ansonsten funktioniert die beste Membran nicht.
Mikroporöse Membranen lassen Wasserdampfmoleküle durch mikroskopisch kleine Öffnungen passieren. Kompaktmembranen hingegen erreichen ihre Atmungsfähigkeit auf chemischem Weg. Sie leiten mittels Transportmolekülen den Wasserdampf nach außen, sind in der Regel weniger atmungsaktiv als mikroporöse Membranen, dafür aber leichter zu pflegen, da keine Poren durch Schmutz oder ungeeignete Waschmittel verstopfen können.

Membranen

Foto: Künstle
Hersteller-Latein: Etiketten mit kryptischen Bezeichnungen und Informationen baumeln an der Kleidung. Eine Übersicht hilft einzuordnen, was für ein Material wo mit welcher Funktion im Einsatz ist.

Erwünschte Eigenschaften: Wetterschutz und Klimatisierung. Membranen sollen Wind und Regen abhalten und gleichzeitig vom Körper produzierte Feuchtigkeit (Ausdünstung) nach außen transportieren

Typische Rohmaterialien: Polytetrafluorethylen, Polyurethan, Polyester

Üblicherweise verwendete Membranen für Mittelklasse: meist in Fernost von spezialisierten Herstellern wie Hipora, Reissa oder Toray produziert. Einige Bekleidungshersteller versehen diese mit eigenem Namen, z. B. D-Dry, H2Out, Polo-Tex + Premium-Tex, Sheltex, Wind-Tex

Üblicherweise verwendete Membranen für gehobene Mittel- und Oberklasse: Gore-Tex und Gore-Tex XCR: mikroporöse Folie aus Polytetrafluorethylen (PTFE), XCR steht für „extended comfort range“ und ist eine noch dampfdurchlässigere und deshalb sommertauglichere Version. Sympatex: dünne, porenlose Klimamembran auf Polyesterbasis, die Wasserdampf entlang der Molekülketten von innen nach außen transportiert. c-change (seit 2007): porenlose, klimatisierende Membran von Schoeller, die je nach Temperatur ihre Polymerstruktur ändert

Außenstoffe mit Schwerpunkt Tragekomfort
Erwünschte Eigenschaften: weicher Griff, typischerweise wasserabweisende, leichtere Stoffe (300 und 500 D) mit hoher Atmungsaktivität. Abrieb- und Reißfestigkeitswerte müssen ausreichend sein. Für Sommer: grobmaschigere, luftdurchlässige Stoffe

Typische Rohmaterialien: Polyamid, Polyester (UV-beständige, sehr reiß- und abriebfeste Kunstfaser)

Üblicherweise verwendete Materialien für Mittelklasse: 300/500-D-Textilgewebe: Gewebe aus Polyamid-Fasern ohne eigenen Handelsnamen. 3M Scotchlite: Reflexmaterialien mit weitwinkligem Rückstrahlsystem. Cordura: siehe rechts. Oxford-Nylon: leichtes Polyamidgewebe (210 D und 420 D) mit deutlich geringerer Abriebfestigkeit als Cordura

Üblicherweise verwendete Materialien für gehobene Mittel- und Oberklasse: Cordura (siehe rechts) und Cordura AFT: eine äußerst leichte Faser für sommertaugliche, reißfeste Gewebe. Lumidex: Gewebe mit reflektierenden Eigenschaften aus geschnittenem 3M-Scotchlite. schoeller-Reflex: komplexes Gewebe aus einem 3M-Reflexionsgarn. Taslan: Stoffe, deren Polyamid-Fasern durch Dampf aufgebauscht werden und dadurch weicher im Griff sind. Teflon: wasser-, schmutz- und ölabweisende, nicht sichtbare Umhüllung von Garnen

Innen- und Außenstoffe

Foto: Jahn

Erwünschte Eigenschaften: Isolierung und Klimatisierung. Futter sorgen durch bauschende Materialien (in der Regel Kunstfasern) dafür, dass die Körperwärme gespeichert wird. Modernere Materialien passen sich den Außentemperaturen an, damit es bei Wärme keinen schweißtreibenden Hitzestau gibt

Typische Rohmaterialien:
Polyester, Polyamid

Üblicherweise verwendete Materialien für Mittelklasse: in der Regel namenlose, gesteppte Futter mit nicht klassifizierter Kunstfaserfüllung. Thinsulate: hochwertige Wattierung von 3M aus Hohlfasern. Thermolite: isolierende Mikrofaser-Wattierung von Du Pont

Üblicherweise verwendete Materialien für gehobene Mittel- und Oberklasse: Thinsulate und Thermolite: siehe oben. Outlast und schoeller-PCM: temperaturausgleichendes Material mit wachsähnlichen Kügelchen, die abhängig von der Außentemperatur ihren Aggregatzustand verändern und so unterschiedlich Wärmeenergie aufnehmen.

Außenstoffe für sturzgefährdete Zonen
Erwünschte Eigenschaften: Die Stoffe sollen extrem abrieb- und reißfest sein. In der Regel werden gröbere, schwerere Gewebe verwendet, die erst bei Temperaturen deutlich über 200 Grad Celsius schmelzen. Außerdem sollen die Gewebe wasserabweisend sein. Tragekomfort und Atmungsaktivität spielen eine untergeordnete Rolle

Typische Rohmaterialien: Polyamid (sehr dehnbare, trotzdem reiß- und abriebfeste Kunstfaser mit bedingter UV-Beständigkeit), Aramid (sehr feste und zähe sowie hitze- und feuerbeständige Faser), Lederapplikationen

Üblicherweise verwendete Materialien für Mittelklasse: 500/600/900/1000-D-Textilgewebe: Gewebe aus Polyamid-Fasern ohne eigenen Handelsnamen. Die Zahl vor dem „D“ steht für die textile Maßeinheit „denier“ und beziffert das Gewicht in Gramm je 9000 Meter Fadenlänge. Je höher die Zahl, desto schwerer ist das Gewebe. Cordura: Gewebe aus Garn von geschnittenen und erneut versponnenen Polyamidfasern. Duratec: für den Motorradbereich entwickelt, aus speziellen Polyamidfasern. Dynax: Besonders viele Polyamid-Fasern werden sehr eng und fest zu Garn versponnen. Hitena: hoch abriebfestes Material aus gedrehtem Polyamidgarn. Kevlar: Para-Aramid-Fasern mit Schmelzpunkt bei 450 °C. Nomex: hitzebeständiges Material aus Aramidfasern

Üblicherweise verwendete Materialien für gehobene Mittel- und Oberklasse: ARMACOR: Mix aus Kevlar und Cordura. dynatec: Gewebe von Schoeller mit Schmelzpunkt 290 °C. Dynax: siehe oben. keprotec: Schoeller-Mischgewebe mit hoher Dehnbarkeit aus Kevlar- und Polyamid-Fasern

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