Bremspumpe 19 RCS Corsa Corta von Brembo im Test

Innovation oder Schnickschnack?

Brembos jüngste Radialkolbenpumpe besitzt ein kleines Einstellrad, das variiert, nach wie viel Bremshebel-Leerweg die Stopper zupacken. Echte Innovation oder überflüssiger Schnickschnack?

Beim Fahrtermin steht zuerst ein Abstecher auf der Landstraße auf dem Programm, der die Vorteile der neuen, straßenzugelassenen Pumpe Brembo 19 RCS Corsa Corta auf öffentlichem Terrain zeigen soll. Ironischerweise bedeutet Corsa Corta wörtlich „kurzes Rennen“, soll laut Brembo aber den Racing-Charakter der Pumpe mit verkürztem Leerhub am Bremshebel unterstreichen. Ein Rädchen (Foto) ändert diesen Leerhub über eine zum Patent angemeldete Mechanik und bietet die drei Stufen N (Normal), S (Sport) und R (Race). Auf „N“ greift die Bremse erst nach längerem Leerweg, was laut Hersteller dem sicheren VerzögernbeischlechtemFahrbahnbelag oder im Stadtverkehr dient. „S“ unterstützt sportliches Fahren, und auf „R“ sollen die Stopper bereits nach minimalem Leerweg zubeißen.

Für den Landstraßentest stattete Brembo unter anderem zwei serienmäßige BMW mit der neuen Pumpe 19 RCS Corsa Corta aus, die nackte S 1000 R und das Superbike S 1000 RR. Besonders auf dem Naked Bike konnten wir keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Stufen feststellen, im Gegenteil. Es hatte den Anschein, als würden die Stopper auf N früher zubeißen als auf R. „Beim Einstellen des Leerhubs ist es wichtig, auch die Weitenverstellung am Bremshebel anzupassen“, erklärte Pellegrini. „Wählt man eine Stufe mit kürzerem Leerweg, sollte auch der Hebel etwas weiter nach vorn gestellt werden.“ Eine weitere Ursache sah der Brembo-Mann im Bremskreislauf: „Jedes noch so kleine Luftbläschen kann das Bremsgefühl beeinträchtigen. Korrektes Entlüften ist entscheidend.“

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Brembo 19 RCS Corsa Corta für um 400 Euro

Definitiv perfekt entlüftet waren die BMW für die Rennstrecke: knackiger Druckpunkt, tolles Bremsgefühl. Doch auch hier unterschieden sich die einzelnen Positionen der Brembo 19 RCS Corsa Corta nur marginal voneinander. „Wir müssen mit einem gewissen Spiel arbeiten, um den sich ändernden Zustand von Metall, Gummi und Bremsflüssigkeit bei Hitze zu berücksichtigen“, erklärte Andrea Deponti, einer der beiden Entwickler des Systems. „Außerdem gibt es bei Fertigungsprozessen natürlich auch immer minimale Toleranzen.“

Bleibt als Fazit zu sagen, dass jene, die schon die Vorgängerpumpe besitzen und damit zufrieden sind, nicht zwingend die neue Brembo 19 RCS Corsa Corta brauchen. Wer sich jedoch ohnehin nach einem anderen Teil umsieht, kann zuschlagen. Brembo überlässt die Preiskalkulation zwar den jeweiligen Importeuren, doch der Preis sollte um 400 Euro liegen. Selbstverständlich bietet auch die Corsa Corta zwei Möglichkeiten, das Kraft-Wege-Verhältnis einzustellen: entweder mehr Bremshebelweg bei geringerem Kraftaufwand, oder umgekehrt. Aktuell gibt’s nur die 19er-Pumpe für Bremssättel mit großen Kolbendurchmessern. Eine 17er-Version für Sättel mit kleineren Kolben (Beispiel: Brembo M50) ist in Vorbereitung.

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