Allgemeines

Vorderrad-Federung

Zwar ist die Telegabel noch die am häufigsten vorkommende Federungsart, doch es wurden einige Alternativen entwickelt.

Nach wie vor führt und federt eine konventionelle Telegabel das Vorderrad nahezu aller Motorräder. Die Standrohre sind in die Gabelbrücken geklemmt, die Tauch- oder Gleitrohre mit der Achsaufnahme gleiten über den Standrohren auf und ab. Ein entscheidendes Maß für die Verwindungssteifigkeit der Telegabel ist der Standrohrdurchmesser, dieser liegt je nach Einsatzgebiet des Motorrads zwischen 35 und 45 Millimeter. Das Gabelöl dient zum einen als Schmiermittel zwischen den Stand- und Gleitrohren, zum anderen als Hydraulikflüssigkeit zur Dämpfung der Federbewegung.



Die Upside-down-Gabel ist im Prinzip eine auf den Kopf gestellte Telegabel, bei der sich die Gleitrohre nun innerhalb der Standrohre auf und ab bewegen. Die Vorteile dieser umgekehrten Anordnung sind zum einen die höhere Gabelsteifigkeit durch den großen Durchmesser der Standrohre im Bereich der Gabelbrücken, zum anderen reagieren Upside-down-Gabeln durch die längere Führung der Gleitrohre in den Standrohren sensibler auf Fahrbahnunebenheiten.

Allerdings haben Maschinen mit Tele- oder Upside-down-Gabeln die Unart, beim Bremsen vorn einzutauchen. Ihrer eigentlichen Aufgabe, Fahrbahnschläge abzufangen, kann die Gabel dann nicht mehr nachkommen. Aus diesen Gründen machten sich einige Hersteller auf die Suche nach Alternativen.



Bei der neuen BMW-Boxer-Generation mit Telelever stützt ein Längslenker die Tauchrohre bereits knapp oberhalb des Reifens nach hinten ab. Der Hebelarm für angreifende Bremskräfte ist somit sehr kurz, die Biegekräfte in den Gleit- und Standrohren sind deshalb gering. Die Stand- und Gleitrohre übernehmen ausschließlich die Funktion der Vorderradführung, ein am Längslenker befestigtes Federbein ist für das Federn und Dämpfen verantwortlich.



Einen völlig anderen Weg schlug Yamaha mit der Achsschenkellenkung der GTS 1000 ein. Ein Längslenker stützt bereits in Höhe der Radachse die auftretenden Kräfte nach hinten ab. Zusammen mit dem Achsschenkel ist dieser untere Längslenker für die Führung des Vorderrads zuständig, ein auf dem Längslenker sich abstützendes Federbein übernimmt die Aufgabe des Federns und Dämpfens.


Für die Großserie am wenigsten geeignet scheint die Radnabenlenkung der Bimota Tesi, bei der eine Zweiarmschwinge das Vorderrad aufnimmt. Die auftretenden Längskräfte beim Bremsen können sich zwar ideal nach hinten über die Schwinge abstützen, der Aufwand an Lenkgestänge und sonstigen Hebeln und Gelenken rechtfertigt diesen Vorteil aber kaum.

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Herkömmliche Telegabel: Die Tauchrohre nehmen das Vorderrad auf und gleiten über die Standrohre auf und ab.

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Upside-down-Telegabel: konventionelle Telegabel auf den Kopf gestellt, mit Vorteilen in der Steifigkeit und beim Ansprechverhalten.

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BMW-Telelever: Ein Längslenker stützt die Tauchrohre der neuen Boxer-Generation nach hinten ab.

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Achsschenkellenkung: Zum ersten Mal bei der Yamaha GTS 1000 in ein Serienmotorrad eingebaut.

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Radnabenlenkung der Bimota-Tesi: Das Vorderrad wird von einer Zweiarmschwinge aufgenommen und über ein Lenkgestänge gesteuert.

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