Fahrwerks-Grundabstimmung

Fahrwerks-Grundabstimmung

Die Fahrwerksabstimmung beginnt mit der Überprüfung aller Fahrwerksteile. Die folgenden Punkte beeinflussen die Straßenlage maßgeblich:

 

Die Fahrwerksabstimmung beginnt mit der Überprüfung aller Fahrwerksteile. Die folgenden Punkte beeinflussen die Straßenlage maßgeblich:


Räder: Auf ausreichende Profiltiefe, sorgfältige Auswuchtung und den korrekten Luftdruck der Reifen achten. Reifen und Felgen auf Seiten- oder Höhenschlag checken. Die Radlager penibel auf Seitenspiel überprüfen, gegebenenfalls austauschen.


Gabel: Spiel und Leichtgängigkeit des Lenkkopflagers kontrollieren. Gabelölviskosität und -pegel prüfen. Undichte Gabeldichtringe austauschen.

Federbein: Undichte Federbeine (Öl an der Kolbenstange) revidieren lassen oder austauschen. Sämtliche Schwingen- und Umlenkungslager auf Höhen- und Seitenspiel prüfen. Verschlissene Lager wechseln.


Kette: Korrekt spannen und ausreichend schmieren. Beim Durchdrehen auf gleichmäßige Spannung und klemmende Glieder achten.


Jeder gewissenhafte Fahrer kontrolliert alle aufgezählten Punkte regelmäßig.
Die eigentliche Fahrwerksabstimmung beginnt mit der Federvorspannung. Dieser etwas mißverständliche Begriff bezeichnet die Einstellung der Federbasis an Gabel und Federbein, die das Verhältnis von Positiv- und Negativfederweg bestimmt. Es hat sich bewährt, den Negativfederweg am Federbein auf zirka 30 Prozent des Gesamtfederwegs einzustellen. Bei der hier als Beispiel gewählten GSX-R 750 stehen dem Hinterrad 133 Millimeter Federweg zur Verfügung. Also: 40 Millimeter Negativfederweg einstellen.


Und so wird's gemacht: Zunächst einen Bezugspunkt oberhalb der Hinterradachse markieren (siehe Abbildung). Dann das Motorrad am Heck bis zur völligen Entlastung des Hinterrads aus der Federung heben. Den Weg zwischen Radachse und Markierung messen. Jetzt auf das Motorrad sitzen. Nochmals den Weg zwischen Achse und Markierung messen. Die Differenz zwischen den beiden Messungen entspricht dem nutzbaren Negativ-Federweg. Am Federbein die Federbasis verstellen, bis die Differenz den berechneten 30 Prozent entspricht. Bleibt der Negativ-Federweg trotz Einstellung zu groß, ist die Feder zu weich. Bleibt er immer zu klein, ist sie zu hart. In solchen Fällen helfen Tauschfedern.


An der Gabel wie folgt vorgehen: Zunächst das Vorderrad entlasten, dann den gesamten Federweg abmessen und markieren. Anschließend einen Kabelbinder direkt am Gabeldichtring um eines der Gleitrohre ziehen. Der Positivfederweg ist dann richtig eingestellt, wenn sich der Kabelbinder im Fahrbetrieb bis fast an die Markierung schiebt, ohne daß die Gabel beim scharfen Bremsen auf Block geht. Die Federbasis erhöhen, bis auch bei harten Bremsmanövern zumindest etwas Restfederweg bleibt. Notfalls helfen auch hier andere Gabelfedern oder die Erhöhung des Gabelölstands.


Zu wenig "Vorspannung" läßt das Motorrad tief in der Federung hängen. Das Federbein gerät zu schnell in die Progression, die Gabel zu schnell auf Block. Die Maschine schlingert, reagiert unsensibel und büßt Bodenfreiheit ein. Bei zuviel Vorspannung heben die Reifen bei Straßenunebenheiten zu schnell ab, die Haftung geht verloren.


Die Dämpfung wirkt dem Nachschwingen der Federung entgegen. Fürs Einfedern ist die Druckstufe, fürs Ausfedern die Zugstufe zuständig. Die Druckstufe verlangsamt das Einfedern und verhindert so ein als Stempeln bekanntes Springen der Räder, das zu eingeschränktem Fahrbahnkontakt führt. Die Zugstufe dagegen bremst das Ausschwingen von Gabel und Federbein nach einer Kompression.


Die Dämpfungsabstimmung wird am stehenden Motorrad überprüft: Die Gabel am Lenker ruckartig zusammendrücken. Sie darf nicht bis zum Anschlag eintauchen und nur einmal kurz und leicht nachschwingen. Das Heck ebenfalls mit einem Ruck zusammendrücken. Der Ausfedervorgang muß deutlich langsamer ablaufen. Das Heck darf auf keinen Fall nachschwingen.

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Zunächst das Heck entlasten und den Abstand messen. Anschließend Platz nehmen und wiederum messen. Die Differenz entspricht dem nutzbaren Negativ-Federweg.

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Schiebt sich der Kabelbinder (Pfeil) nach harten Bremsungen nur so weit herunter, ist die Gabel korrekt vorgespannt.

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1. Zugstufe vorn
2. Vorspannung vorn
3. Druckstufe vorn
4. Druckstufe hinten
5. Vorspannung hinten
6. Zugstufe hinten

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1. Die Zugstufen-Stellschraube sitzt in der Regel am oberen Gabelende (exotische Gabeln verfügen hier über eine nach Gabelholmen getrennte, gesondert gekennzeichnete Druck- und Zugstufeneinstellung). Die Zugstufendämpfung verhindert das Nachschwingen der Gabel beim Ausfedern. Ist die Zugstufe zu weich, federt die Front zu weit aus. Bei zu harter Einstellung bleibt die Gabel nach dem Einfedern "stecken". Die Front federt zu langsam aus und reagiert auf kurz aufeinanderfolgende Bodenwellen bockig.

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2. Die Gabelfederbasis wird an der "Vorspannschraube" oben an der Gabel eingestellt. Durch "Vorspannen" wird die Fahrzeugfront angehoben, die Gabel gewinnt größere Reserven bei hohen Belastungen (etwa harte Bremsmanöver). Das Luftpolster in den Gabelholmen wirkt unter Kompression wie eine progressive Zusatzfeder. Deshalb kann das Anheben des Gabelölniveaus die Federung zusätzlich unterstützen.

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3. Die Druckstufen-Stellschraube befindet sich unten an der Gabel. Die Druckstufe reguliert die Einfedergeschwindigkeit. Bei zu harter Druckstufe springt das Vorderrad bockig über Unebenheiten, die Gabel reagiert unsensibel. Bei zu weicher Druckstufe verliert das Rad bei Bodenunebenheiten ebenfalls den Fahrbahnkontakt und beginnt unkontrolliert zu springen.

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4. Die Druckstufen-Verstellung befindet sich oben am Federbein, und zwar entweder (wie im Bild) an einem "Huckepackbehälter" oder an einem extern angeschlossenen Behälter. Wie an der Gabel bremst sie auch am Federbein die Einfedergeschwindigkeit. Ist die Druckstufe zu hart, springt der Hinterreifen bockig über Wellen, das Fahrzeugheck reagiert unsensibel, der Reifen neigt zum Rutschen. Bei zu weicher Druckstufe neigt das Hinterrad auf Bodenwellen ebenfalls zum Springen. Der Fahrbahnkontakt wird stark eingeschränkt.

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5. Die Federbasis läßt sich über eine mehrstufige Rastung, durch Nutmuttern oder mittels einer Hydraulik verstellen. "Vorspannen" verändert die wirksame Länge des eingebauten Federbeins. Das Fahrzeugheck wird angehoben, die Stellung der Umlenkhebel ändert sich. Das Federbein ist korrekt vorgespannt, wenn bei Belastung durch einen sitzenden Fahrer etwa 30 Prozent des Gesamtfederwegs verbraucht werden.

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6. Die Verstellung der Zugstufendämpfung sitzt unten am Federbein. Wie an der Gabel bremst sie die Ausfedergeschwindigkeit. Bei zu weicher Zugstufe schwingt das Fahrzeugheck nach und ist ständig unruhig. Bei zu harter Zugstufe bleibt die Federung stecken, das Heck taucht bei mehreren hintereinander folgenden Schlägen immer tiefer in die Progression und beginnt zu bocken.

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