Gebrauchtberatung Honda CB 500

Zehntausend

Die Wahl der Vernunft«, bejubelt der Honda-Händler jeden CB 500-Käufer. Doch bei allem Respekt gegenüber seinem Gewerbe steht zu vermuten, daß er dabei an Einstandspreis (annehmbar) oder Kilometerkosten denkt (niedrig, siehe Dauertest in MOTORRAD 4/1996). Man ist diese aufs Materielle verkürzte Schludrigkeit ja mittlerweile gewohnt.
Vernunft also: Nach jahrzehntelangem Herumirren hat mich vor geraumer Zeit die friedvolle Gewißheit ereilt, daß nur Motorräder wie die CB 500 unser Leben wahrhaft bereichern. Weil sie es nicht zusätzlich belasten. Halt- und dankbar, maß- und gehaltvoll eben. All das hat nichts mit prüder Anspruchslosigkeit zu tun: Neben die ordentlich abgestimmte Drosselversion stellt Honda eine 50- und eine 58-PS-Variante, die munter auf 170 beziehungsweise knapp 180 km/h beschleunigen. Der agile, wassergekühlte Vierventiler gilt nicht gerade als Durchzugswunder, macht diesen Nachteil aber durch ein gut schaltbares Sechsganggetriebe wieder wett. Handling, Geradeauslaufqualitäten und Eigenlenkverhalten - alles erfreulich, die Bremsen befriedigen, und die Fahrwerksabstimmung landet bei zwei minus.
In ihrer Gesamtheit erlaubt die CB Fahrerlebnisse, die von nüchtern bis berauschend reichen - und genau da liegt ihre Stärke: Kaum war die unauffällige Honda auf dem Markt, da empfahl sie sich mir als Sportgerät für kleine Straßen. An einem unvergeßlich warmen Februar-Tag, nördlich von St. Tropez. Ans Herz gewachsen ist sie mir aber Monate später, auf dem Heimweg vom Bol d«Or. 800 Kilometer auf einen Rutsch. Bequemer Sitz, der gut verzurrte Elefantenboy bot angenehmen Windschutz, die Hände fallen quasi von selber auf den Lenker, Dauertempo 140. Soll ich über das Design lästern? Laßt sie lachen. Ist doch alles Quatsch. Vernunft kann keiner predigen, bei Motorrädern kann man sie immerhin erfahren. Also tut«s oder glaubt mir: Das Leben ist CB 500. Und das ist - meistens - gut so.
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