Gebrauchtkauf: Yamaha Mt-07

Tipps zum Gebrauchtkauf

Gerade einmal vier Jahre alt ist Yamahas großer Wurf, die MT-07. Als eines der bestverkauften Motorräder in Deutschland empfiehlt sie sich trotz ihres jungen Alters auf dem Gebrauchtmarkt.

Masters of Torque, Meister des Drehmoments. Dafür steht das Kürzel MT, zunächst in der bullig-brachialen, aber wenig erfolgreichen MT-01 und ab 2013 als Paukenschlag wiederbelebt – zunächst im Dreizylindermodell MT-09, im Folgejahr in der allseits beliebten MT-07. Zu Beginn schon für gerade mal 5495 Euro zu haben, verkaufte sich dieses 690-Kubik-Zweizylinder-Bike stante pede derart gut, dass es sich nicht nur direkt in die Top Drei der Zulassungszahlen kämpfte, sondern heute – nur vier Jahre später – dank des riesigen Bestands auch schon in großer Zahl auf dem Gebrauchtmarkt zu finden ist. Und die gute Nachricht lautet: Auch als Gebrauchte weiß die 700er-MT noch immer mit ihren Tugenden zu beeindrucken. Mit Power, Handlichkeit, Ausstattung, Design – und wie sich mittlerweile herausgestellt hat, auch mit Zuverlässigkeit.

Natürlich gibt es auch bei ihr ein paar Ecken und Kanten. Ein leichtes Kribbeln bei konstanter Drehzahl um 5500/min beispielsweise. Oder das mitunter etwas hakelig zu schaltende Getriebe. Und schließlich die einzige wirkliche Problemzone: Die im LC-Display integrierte Ganganzeige gab sich nicht nur beim MOTORRAD-Dauertester als Wackelkandidat, auch in Internet­foren wird von Aussetzern in höheren Gängen berichtet. Ansonsten ist in Sachen Technik alles picobello.

Verbesserungspoten­zial bietet derweil das Fahrwerk: Gabel und Federbein sind vielen Fahrern zu weich. Yamaha hat im aktuellen Modelljahr 2018 darauf reagiert, für frühere Modelle bieten verschiedene Fahrwerksspezialisten Ersatz in Form neuer Gabelfedern oder eines ­Zubehör-Federbeins.

Die MT-07 ist also zweifelsohne ein ­solides Motorrad. Und doch hat sie als Gebrauchte ein Problem: den Neupreis. Der war und ist nämlich vergleichsweise niedrig, weshalb die durchaus gerechtfertigten Gebrauchtpreise beinahe zu hoch wirken. Ein Argument für den Gebrauchtkauf ist aber die Ausstattung: Komfort-Sitzbank, Windschild, Sturzbügel oder Gepäckbrücke. Bezieht man dieses Zubehör in die Rechnung mit ein, lässt sich beim Gebrauchtkauf gut sparen.

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Modellpflege

2014: Einführung der Yamaha MT-07 mit Reihenzweizylinder und 270 Grad Hubzapfenversatz. Lediglich 180 Kilogramm, ein sehr niedriger Preis von unter 6000 Euro und die Möglichkeit der Drosselung auf 48 PS machten das 690-Kubik-Bike sehr attraktiv. ABS war im ersten Jahr optional. Farben: Schwarz, Grau, Rot, Weiß, Blau/Grau. Preise: 5495 Euro (MT-07), 5995 Euro (MT-07 ABS). Im Oktober desselben Jahres Rückrufaktion zur Montage eines modifizierten Batterie-Plus-Kabels.

2015: Neue Farbe: Extreme Yellow. Preiserhöhung auf 5895 Euro ohne, 6395 Euro mit ABS. Sonderversion Moto Cage mit Vorderradfelge, Rahmen, Motorschutz, Kühlerblenden und Handprotektoren in Rot (7195 Euro).

2016: MT-07 nur noch mit ABS erhältlich. Neue Farbe Night Fluo. Preise unverändert.

2017: Preiserhöhungen: MT-07 auf 6695 Euro, Moto Cage auf 7295 Euro.

2018: Fürs aktuelle Modelljahr modernisiert: überarbeitetes Fahrwerk, veränderter Kunststofftank, neues Scheinwerfer-Design, angepasste Sitzposition. Farben: Night Fluo, ­Yamaha Blue und Tech Black. Preis: 6795 Euro.

Händler-Interview

Wundern Sie sich eigentlich darüber, dass MOTORRAD eine Gebrauchtberatung für die MT-07 schreibt? Schließlich spielt sie erst seit Kurzem eine Rolle auf dem Motorradmarkt …

Das stimmt, aber es ist eben eine wesentliche Rolle. Und zwar sowohl für Motorradfahrer, die mit der MT-07 ein geniales Motorrad zu einem günstigen Preis erhalten, als auch für Yamaha: Nach einer längeren und zögerlichen Modellpolitik haben sie mit der MT-09 und ganz besonders mit der MT-07 gerade noch die Kurve gekriegt.

Seither mischt die MT-07 den Motorradmarkt ordentlich auf, bietet sie doch sehr viel Motorrad für recht wenig Geld. Empfehlen Sie bei einem derart günstigen Neupreis überhaupt einen Gebrauchtkauf oder doch lieber gleich den Neukauf?

Letztlich muss das natürlich jeder selbst entscheiden. Es gibt aber bereits viele gepflegte Fahrzeuge aus erster Hand, die gebraucht angeboten werden. Da lassen sich durchaus bis zu 2000 Euro gegenüber dem Neukauf sparen. Und da der Einstiegspreis eben so günstig war, haben viele Erstbesitzer gleich noch in einen Zubehörauspuff investiert, das Motorrad tieferlegen lassen oder zumindest verstellbare Hebel montiert. Gebrauchtkäufer können davon natürlich profitieren.

Wie erklären Sie sich diese für ein so junges Bike ungewöhnliche Präsenz auf dem Gebrauchtmarkt?

Das hat zwei Gründe. Zum einen ist die MT-07 ein Motorrad für Einsteiger beziehungsweise Wiedereinsteiger. Daher orientieren sich viele Besitzer recht bald neu. Außerdem liegt es natürlich an den verkauften Stückzahlen: Es gibt einfach sehr viele MT-07 in Deutschland. Und woran es übrigens ganz sicher nicht liegt: an irgendwelchen technischen Unzulänglichkeiten.

Die technische Zuverlässigkeit stellte die MT-07 auch im MOTORRAD-Dauertest unter Beweis: Abgesehen von der manchmal streikenden Ganganzeige gab sich die MT über 50 000 Kilometer keine Blöße. Wie sehen Ihre Erfahrungen in Sachen Zuverlässigkeit aus?

Auch bei uns hat die MT-07 einen guten Ruf, was die Technik angeht. Wir hatten allerdings ein paar Modelle, bei denen das Lenkkopflager einen Rastpunkt aufwies. Darauf sollte man bei der Besichtigung achten. Ansonsten gibt es keine spezifischen Mängel, Interessenten sollten aber natürlich auf die üblichen Punkte achten, also beispielsweise Scheckheftpflege und den Verschleiß von Kette und Reifen.

Stichwort „scheckheftgepflegt“: Die Service-Intervalle liegen bei 10 000 Kilometern, das Ventilspiel soll alle 40 000 Kilometer kontrolliert werden. Sind das praxisgerechte Vorgaben?

Was das Ventilspiel angeht, sind wir etwas skeptisch. Wir hatten schon Modelle, bei denen nach einer Laufleistung von 15 000 Kilometern das Ventilspiel korrigiert werden musste. Das hört man aber notfalls bei der Besichtigung durch ein lautes Klappern im Zylinderkopf.

Wie lautet Ihre Prognose für die nächsten Jahre, was die MT-07 angeht?

Wir halten die MT-07 für sehr preisstabil. Und da sie nur wenig direkte, ernst zu nehmende Konkurrenz hat, wird sie sich gebraucht wie neu sicherlich auch weiterhin gut verkaufen.

Technische Daten Yamaha MT-07

Yamaha MT-07, Modelljahr 2015

Motor

Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub: 80,0 x 68,6 mm
Hubraum: 690 cm³
Nennleistung: 55 kW (75 PS) bei 9000/min
Max. Drehmoment: 68 Nm bei 6500/min

Fahrwerk

Brückenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, ABS.
Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße + Gewichte

Radstand 1400 mm, Lenkkopfwinkel 65,5 Grad, Nachlauf 90 mm, Federweg vorn/hinten 130/130 mm, Sitzhöhe* 805 mm, ­Gewicht vollgetankt* 184 kg, Tankinhalt 14,0 Liter.

Messungen (MOTORRAD 9/2014)

Höchstgeschwindigkeit: 207 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h*: 3,8 sek
Durchzug 60–100 km/h*: 4,0 sek
Verbrauch*: 3,5 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen

Die Alternativen

Honda CB 650 F

Mit ihrem Reihenvierzylinder liegt die Honda nicht nur in Sachen Leistung, ­sondern auch beim Gewicht ganz vorne. Vierzylinder-Reihenmotor, 87 PS, Gewicht 212 kg, 0–100 km/h 3,8 sek, Vmax 195 km/h, Verbrauch 4,3 Liter, ABS, ab 5000 Euro*

Zum Fahrbericht: Honda CB 650 F

Zum Vergleichstest: Honda CB 650 F, Kawasaki ER-6n, Yamaha MT-07 und Suzuki SV 650

Foto: markus-jahn.com, Emanuele Bella, factstudio.de
Honda CB 650 F (l.o.), Kawasaki ER-6n (r.o.), KTM 690 Duke (l.u.), Suzuki Gladius (r.u.).
Honda CB 650 F (l.o.), Kawasaki ER-6n (r.o.), KTM 690 Duke (l.u.), Suzuki Gladius (r.u.).

Kawasaki ER-6n

Solide, sympathisch und grundehrlich: Kawas nackter Zweizylinder wurde als Nachfolger der ER-5 bis 2016 gebaut. Zweizylinder-Reihenmotor, 72 PS, Gewicht 208 kg, 0–100 km/h 3,9 sek, Vmax 200 km/h, Verbrauch 4,0 Liter, ABS, ab 4100 Euro*

Zum Vergleichstest: Honda CB 650 F, Kawasaki ER-6n, Yamaha MT-07 und Suzuki SV 650

KTM 690 Duke

Mit ihrem großen Einzylinder gibt sich die große Duke ruppiger als ihre Konkurrenz, macht aber gerade deshalb richtig Spaß. Einzylinder-Motor, 73 PS, Gewicht 170 kg, 0–100 km/h 3,8 sek, Vmax 188 km/h, Verbrauch 4,0 Liter, ABS, ab 5000 Euro*

KTM 690 Duke

Zum Vergleichstest: KTM 690 Duke vs. Yamaha MT-07

Suzuki Gladius

Suzukis oftmals als etwas pummelig verschrienes Schwert glänzt vor allem mit dem nach wie vor brillanten V2-Motor. Zweizylinder-V-Motor, 72 PS, Gewicht 206 kg, 0–100 km/h 3,9 sek, Vmax 200 km/h, Verbrauch 4,0 Liter, ABS, ab 3500 Euro*

Zum Vergleichstest: Kawasaki ER-6, Yamaha MT-07, Ducati Monster und Suzuki Gladius 650

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