Honda CBF 1000 F gebraucht kaufen

Tipps für den Gebrauchtkauf

Honda CBF 1000 F im Gebrauchtkauf.
Honda CBF 1000 F im Gebrauchtkauf.Die CBF 1000 F gefällt mit einem sichtlich moderneren Cockpit als ihre Vorgängerin, der Drehzahlmesser blieb analog.In vier Stufen lässt sich der Windschild händisch um 120 Millimeter in der Höhe verstellen, passend für jede Statur.Die Vier-in-eins-Anlage der CBF 1000 F macht den zweiten Endschalldämpfer der CBF 1000 obsolet – schade eigentlich.
9 Bilder

Das Bessere ist des Guten Feind. Das gilt auch für die Honda CBF 1000 F, welche 2010 die Nachfolge der CBF 1000 antrat – wenngleich das Wörtchen Feind angesichts ihres durch und durch freundlichen Wesens nicht so ganz passen will. Werden Gebrauchtkäufer auch heute noch mit ihr glücklich?

Das Kürzel „F“ – zunächst stand es wohl für „Fairing“, also Verkleidung. Denn Honda brachte die mit mehr Plastik verzierte Honda CBF 1000 F (Modellcode SC64) im Jahr 2010 nicht anstelle von, sondern als Ergänzung zu der bereits seit 2006 gebauten CBF 1000 (Typencode SC58). Bereits im Folgejahr 2011 jedoch fiel die alte CBF aus dem Programm, seither konnte das „F“ auch als „Fortsetzung“ gedeutet werden. Jedenfalls bis 2016, als die 1000 F im Zuge von Euro 4 ebenfalls aus der Honda-Modellpalette purzelte. Dort klafft seither eine Lücke.

Anzeige

Technisch ausgereift und stets zuverlässig

Denn diese Alleskönnerin, drehmomentstark, behände und absolut tourentauglich, war stets eine der umgänglichsten Tausender. War? Nein: ist! Denn auf dem Gebrauchtmarkt findet sich die Doppel-F in ausreichender, die Vorgängerin ­sogar in großer Zahl. Und beide geben hervorragende Gebrauchte ab. Selbst wenn Begriffe wie Volksmotorrad oder Brot-und-Butter-Bike immer einen schalen Beigeschmack haben – letztlich sind sie genau das: unkomplizierte Gefährten für alle Lebenslagen und passend für jedwede Fahrerergonomie. Das Ganze gepaart mit jenen Qualitäten, die man einer Honda typischerweise so zuschreibt, sprich: Sie gibt sich technisch ausgereift und auch bei hoher Laufleistung noch stets zuverlässig.

Foto: Emanuele Bella
Die CBF 1000 F gefällt mit einem sichtlich moderneren Cockpit als ihre Vorgängerin, der Drehzahlmesser blieb analog.
Die CBF 1000 F gefällt mit einem sichtlich moderneren Cockpit als ihre Vorgängerin, der Drehzahlmesser blieb analog.

Dies gilt vor allem für die Honda CBF 1000 F, nach einem Tausch der nur unzureichend gekühlten Lichtmaschine aber auch für die CBF 1000. Sonstige Unterschiede? Die F sieht wegen der dynamischeren Verkleidung fetziger aus, muss aber auf den zweiten Endschalldämpfer verzichten. Dank Alu- statt Stahlrahmen speckt sie um acht Kilo ab, mit ihrer um einen Liter erhöhten Spritkapazität geht sie genügsamer um – bei zugleich neun zusätzlichen Pferden, die der domestizierte Fireblade-Motor nun stemmt. Das Fahren selbst differiert derweil nicht allzu sehr. Das Fahrwerk der F ist insgesamt straffer und damit noch ­etwas besser abgestimmt, beide 1000er geben sich dank des schmalen 160er-­Hinterreifens äußerst handlich. Insofern: ­alte SC58 oder neuere SC64? Letztlich ­Geschmacks- und Preisfrage – beide sind höchst vernünftige Motorräder.

Modellpflege

2006: Einführung der Honda CBF 1000 (SC58) mit 98 PS. Insgesamt verkaufte sie sich bis zu ihrem Ausscheiden aus der Honda-Modellpalette über 13.000-mal in Deutschland. Angeboten wurde sie in Schwarz, Weiß, Silber, Rot, ­Orange, Grün und Blau, wobei die farbigen Varianten selten sind. Preislich lag die SC58 zunächst bei 7.990 Euro, später bei 9.990 Euro.

2010: Letztes Modelljahr der Honda CBF 1000 und zugleich erstes Verkaufsjahr der Honda CBF 1000 F (SC64). Hauptunterschiede sind die großzügigere Plastikverkleidung und der mit 107 PS stärkere Motor. Preis der Neuen: 10.890 Euro.

2016: Letztes Modelljahr der Honda CBF 1000 F aufgrund der Euro 4-Umstellung. Über die Jahre erfuhr die Honda keine technischen Updates, lediglich die Farbvarianten änderten sich von Jahr zu Jahr. Insgesamt wurde die CBF 1000 F in Deutschland gut 3.300-mal zugelassen.

Marktsituation

Honda CBF 1000 F und  Honda CBF 1000 finden sich in ausreichender Zahl auf dem Gebrauchtmarkt. Die ab 5.300 Euro erhältliche F ist etwas teurer, Schnäppchenjäger wählen die Vorgängerin.

Beispiel: EZ 07/2011, 22.740 km, kleinere Kratzer, aber technisch ohne Mängel, Preis: 5.490 Euro

Die 24.000er-Inspektion hat diese Honda CBF 1000 F bereits erhalten, der Honda-Händler gibt für einen Aufpreis zwei Jahre Garantie.

Foto: Wellbrock
Beispiel: EZ 07/2011, 22.740 km, kleinere Kratzer, aber technisch ohne Mängel.
Beispiel: EZ 07/2011, 22.740 km, kleinere Kratzer, aber technisch ohne Mängel.

Angebote ab 5.300 Euro (mittleres Preisniveau):

Beispielanzeige: 47.000 km, EZ 11/2012, HU 4/2019, 107 PS, scheckheftgepflegtes Motorrad; Zusatzausstattung wie Heizgriffe, Sturzpads und Sportauspuff, ein Jahr Gewährleistung, 5.490 Euro (Händlerangebot aus Bremen)

Günstige Angebote für die ab 2010 gebaute Honda CBF 1000 F beginnen bei rund 5.300 Euro. Hier finden sich Angebote sowohl mit hohen Laufleis­tungen und frischer HU als auch mit niedrigen Laufleistungen, dafür aber sehr bald fälligem TÜV-Besuch.

Angebote ab 6.800 Euro (hohes Preisniveau):

Beispielanzeige: 14.285 km, EZ 04/2013, HU neu, 1. Hand, 107 PS, scheckheftgepflegtes Motorrad mit frischem Service, Topcase, Unterverkleidung und Hinterradabdeckung. Ein Jahr Gewährleis­tung, 6.890 Euro (Händlerangebot aus Sachsen)

Als Rechtfertigung für höhere Preise gilt vor allem sinnvolles Zubehör, beispielsweise ein Koffersystem. Modellpflege gab es keine, daher sind jüngere Modelljahre kein wirkliches Argument. Dank der Haltbarkeit des Motors ist auch die Laufleistung eher nebensächlich.

Technische Daten Honda CBF 1000 F

Honda CBF 1000 F SC64, Modelljahr 2010

Motor

Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub: 75,0 x 56,5 mm
Hubraum: 998 cm³
Nennleistung: 79,0 kW (107 PS) bei 9.000/min
Max. Drehmoment: 96 Nm bei 6.500/min

Foto: Honda/Gerhard Rudolph
In vier Stufen lässt sich der Windschild händisch um 120 Millimeter in der Höhe verstellen, passend für jede Statur.
In vier Stufen lässt sich der Windschild händisch um 120 Millimeter in der Höhe verstellen, passend für jede Statur.

Fahrwerk

Rückgratrahmen aus Aluminium, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Feder­basis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Teilintegral-Bremssystem mit ABS.
Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 5.00 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 160/60 ZR 17

Maße + Gewichte

Radstand 1495 mm, Lenkkopfwinkel 64,0 Grad, Nachlauf 110 mm, Federweg v/h 120/120 mm, Sitzhöhe* 780–810 mm, Gewicht vollgetankt* 244 kg, Tankinhalt 20 Liter.

Messungen (MOTORRAD 6/2010)

Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Beschleunigung 0 –100 km/h*: 3,5 sek 
Durchzug 60 –100 km/h*: 4,2 sek
Verbrauch*: 4,8 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen

Händler-Interview

Udo Kutscher (61) kümmert sich schon seit 49 Jahren um neue und gebrauchte Hondas. Vor 22 Jahren hat er sich in Hückeswagen selbstständig gemacht, heute zählt Honda Kutscher zu den größten Motorradhäusern in NRW.

Foto: Udo Kutscher
Udo Kutscher.
Udo Kutscher.

MOTORRAD: Mal ehrlich, eine Tausender mit 160er-Hinterreifen: Lachnummer vorm Eiscafé oder Handlingwunder im Kurvenrevier?

Udo Kutscher: Das stimmt schon, unsere Kunden beurteilen das schmale Hinterrad als nicht besonders schön. Aber vom Handling her finden sie das Motorrad dann doch perfekt, und dafür sorgt eben auch der 160er-Hinterreifen. Also hat Honda mit dem schmalen Pneu eigentlich alles richtig gemacht.

MOTORRAD: Wie beliebt sind denn die beiden CBF als Gebrauchte? Und wer kauft sie?

Udo Kutscher: Die Honda CBF, und da mache ich keinen Unterschied zwischen SC58 und SC64, ist momentan mein bestverkauftes Gebrauchtfahrzeug. Das Alter der Interessenten reicht dabei von 35 bis hoch zu 70 Jahren. Für noch Jüngere ist sie hingegen weniger interessant, denen ist sie nicht sportlich genug und von der Optik her irgendwie zu …

MOTORRAD: … bieder?

Udo Kutscher: Ja. Die Honda CBF 1000 ist eigentlich schon ein biederes Fahrzeug. Aber eben mit einer Top-Performance.

MOTORRAD: Wer zieht den performanten Biedermeier als zukünftiges Motorrad in Erwägung?

Udo Kutscher: Wiedereinsteiger und Aufsteiger, Neueinsteiger weniger. Häufig kommen Interessenten, die früher eine CBF 600 gefahren sind und jetzt etwas mehr Hubraum, Leistung und Souveränität haben wollen. Andererseits aber auch Leute, die nach einer längeren Motorrad-Pause wieder reinkommen wollen, aber nicht zu klein anfangen möchten. Dafür ist das Motorrad optimal. Denn es ist zwar eine Tausender und hat ordentlich Leistung, verzeiht aber auch viel.

MOTORRAD: Welche der beiden würdest du empfehlen?

Udo Kutscher: Ich würde von der Optik her die SC58, also die ältere, nehmen. Das liegt vor allem am Doppelauspuff. Von der Performance würde meine Wahl aber ganz klar auf die Honda CBF 1000 F fallen.

MOTORRAD: Welche Kilometerleistungen sind denn bei der Honda CBF 1000 unbedenklich?

Udo Kutscher: Das fragst du jetzt nicht wirklich, oder?! Das ist eine Honda! Das Motorrad hat eine Lebens­erwartung von meiner Meinung nach gut und gerne 500.000 Kilometern!

MOTORRAD: Möchtest du uns sonst noch etwas sagen?

Udo Kutscher: Ich habe einen Wunsch: dass Honda so ein Fahrzeug wieder auflegt. Ein tourentauglicher Allrounder, Vierzylinder, vielleicht sogar mit ein paar Kubik mehr. Das fehlt uns derzeit im Portfolio.

Alternativen zur Honda CBF 1000 F

Kawasaki Z 1000 SX

Die Kawa ist vom Z 1000-Naked abgeleitet. Mit der vorderradorientierten Sitzposition taugt sie als touristischer Sportler. Vierzylinder-Reihenmotor, 138 PS, Gewicht 231 kg, 0–100 km/h 3,2 sek, Vmax 245 km/h, Verbrauch 5,5 Liter, ABS, ab 5.800 Euro*

Foto: Hersteller
Kawasaki Z 1000 SX (o.l.), Suzuki GSF 1250 S Bandit (o.r.) ,Triumph Sprint GT (u.l.) und Yamaha FZ1 Fazer (u.r.).
Kawasaki Z 1000 SX (o.l.), Suzuki GSF 1250 S Bandit (o.r.) ,Triumph Sprint GT (u.l.) und Yamaha FZ1 Fazer (u.r.).

Suzuki GSF 1250 S Bandit

Der Hubraumvorteil beschert der großen Bandit ordentlich Druck von unten. Für Fahrten zu zweit ist sie eine gute Wahl. Vierzylinder-Reihenmotor, 98 PS, Gewicht 255 kg, 0–100 km/h 3,5 sek, Vmax 230 km/h, Verbrauch 4,8 Liter, ABS, ab 3.000 Euro*

Triumph Sprint GT

Weniger Allrounder, mehr Tourensportler: Die dreizylindrige Triumph taugt eher für die lange Tour, weniger fürs Kurvenrevier. Dreizylinder-Reihenmotor, 130 PS, Gewicht 274 kg, 0–100 km/h 3,4 sek, Vmax 230 km/h, Verbrauch 4,8 Liter, ABS, ab 5.300 Euro*

Yamaha FZ1 Fazer

Selbe Idee wie die CBF 1000 F, aber sportlicher umgesetzt: In der Fazer will der aus der R1 stammende Motor gedreht werden. Vierzylinder-Reihenmotor, 150 PS, Gewicht 222 kg, 0–100 km/h 3,5 sek, Vmax 252 km/h, Verbrauch 6,0 Liter, ABS, ab 4.500 Euro*

*Von der Redaktion ermittelte Gebrauchtpreise

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote