Kaufberatung Suzuki Intruder C/M 800

Lohnt sich der Cruiser gebraucht?

Suzuki Intruder C/M 800 im Gebrauchtkauf.
Suzuki Intruder C/M 800 im Gebrauchtkauf.Lang gezogene Kotflügel, Trittbretter und Drahtspeichenfelgen sind Kennzeichen der C 800 ab 2005 bis 2009.Ebenfalls von 2005 bis 2009 gebaut, setzt die M 800 auf ein maskulineres Styling mit kurzen Kotflügeln und Fußrasten.Im Rahmen des Euro 3-Updates übernimmt die C 800 die Seitendeckel der M 800. Neu ist die zweifarbige C 800 C mit Gussrädern.
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1986 kam die Intruder 750, einer der ersten echten Japan-Chopper. In den Jahren folgten zahlreiche „Truden“, von der schmalen 125er bis zur mächtigen 1800er. Mittendrin: die Suzuki Intruder C/M 800.

Intruder, auf Deutsch: „Eindringling“. Kein positiver Name, eher provokant – und das passt. Denn die Intruder-Familie – von der kleinen 125er über die Mittelklasse um 750 Kubik bis hin zum fetten 1800er – drang ein: in das amerikanisch besetzte Cruiser-Segment. Besonders bekannt: Die Intruder 1400 von 1986, aber auch in der kleinen Hubraumklasse war man mit der 750er präsent. Aus ihr gingen 2001 die Suzuki Intruder VL 800 LC Volusia und parallel dazu die Marauder hervor – übersetzt „Plünderer“. Hinter den nicht gerade schmeichelhaften Bezeichnungen stecken Motorräder, die mit Unkompliziertheit und Drehmoment der Seele schmeicheln. Nochmals moderner in Form der Suzuki Intruder C 800 und M 800, die 2005 auf Volusia und Marauder folgen.

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Keine Cruiser der üblichen, dicken Sorte

Das Kürzel C steht für Classic, M für Muscle Bike. Beides ist dabei übrigens vor allem auf das Erscheinungsbild bezogen. Technisch gibt es kaum Unterschiede, beide Suzuki Intruder 800 kommen mit wartungsarmem Kardan und setzen auf den altbewährten, wassergekühlten 45-Grad-Vau-Zwo anno 1986 – nun allerdings mit elektronischer Einspritzung und immerhin 805 Kubik. Damit sind sie zwar keine Cruiser der üblichen, dicken Sorte – aber cruisen kann man mit ihnen auch allemal.

Foto: Suzuki
Lang gezogene Kotflügel, Trittbretter und Drahtspeichenfelgen sind Kennzeichen der C 800 ab 2005 bis 2009.
Lang gezogene Kotflügel, Trittbretter und Drahtspeichenfelgen sind Kennzeichen der C 800 ab 2005 bis 2009.

Trotz eher beschaulichen 53 PS beglückt der gerippte Motor mit einem maximalen Drehmoment von 69 Nm, das er bis zum Modelljahr 2008 bei 4.000/min, später schon bei 3.200/min aus dem Brennraum schüttelt – ideal für geschmeidiges Cruisen. Kurvengeschlängel und Highspeed hingegen meidet der mit 262 Kilo recht leichte Cruiser mit den fetten Ballonreifen lieber. Dafür ist Suzuki Intruder 800 mit ihrer eher mauen Einscheibenbremse nicht gemacht. Die Trommelbremse hinten ist da auch keine Hilfe. Besser also immer vorausschauend fahren. Dann lassen sich die entspannte Sitzhaltung und der elastische Vau-Zwo standesgemäß genießen.

Modellpflege

2004: Letztes Modelljahr der Suzuki Intruder VL 800 LC Volusia mit 51 PS starkem Vergasermotor. Optisch beinahe mit der ab 2005 ­erhältlichen Suzuki Intruder C 800 identisch, ­allerdings Fahrerfußrasten statt Trittbrettern. Preis: 7.950 Euro. Zulassungen in D: 760 Stück

2005: Markteinführung der Suzuki Intruder C 800 und M 800. C-Version ähnelt optisch der Volusia, die M 800 der vormaligen Marauder. Wichtigste Neuerung: Einspritzsystem, die Leistung steigt auf 53 PS. Preise: 7.490 Euro (M 800) / 7.950 Euro (C 800). Zulassungen in D: 497 Stück

2006: Die C 800 C erfährt kleinere Änderungen: andere Beifahrer-Fußrasten, Reserve-Warnlampe mit Blinkfunktion und Zündschlüssel mit Intruder-Logo. Zulassungen in D: 380 Stück

2007: Überarbeitungen an Handbremszylinder und -hebel, Modifikation von Schaltereinheiten und den Anzeigen im Tachometer. Preis: 8.190 Euro. Ebenfalls erhältlich ist ein Sondermodell mit Scheibe, Schutzbügel und Sissybar für 8.655 Euro. Neue Farben: Rot und Weiß. Zulassungen in D: 513 Stück

2009: Überarbeitung des Motors: neues ­Einspritzsystem und Doppelzündung. Das maximale Drehmoment von 69 Nm liegt nun früher an: bei 3.200/min. Ebenfalls geändert: Kotflügel und Tachometer in neuem Design, LED-Rücklicht, Kennzeichenhalter unterhalb statt oberhalb des Rücklichts. Neue Version der Intruder: C 800 C mit Gussfelgen statt Drahtspeichenfelgen und in Zweifarblackierung: 8.390 Euro. Zulassungen in D: 400 Stück

2014: Sondermodell C 800 B: Black Edition komplett in Schwarz für 9.640 Euro. Zulassungen in D: 290 Stück

2016: Letztes Modelljahr aller Intruder, da sie kein Update auf Euro 4 erhalten. Zulassungen in D: 81 Stück

Marktsituation

Niedriges Preisniveau ab 4.000 Euro:

Beispielanzeige: 28.000 km, EZ 06/2005, HU bis 03/2019, 2. Hand, scheckheftgepflegt; auf 48 PS gedrosselt, mit neuen Reifen, Zubehörauspuffanlage, Satteltaschen, Griffheizung und Windschild. VB 4.100 Euro (Privatanbieter aus Sachsen).

Unter 4.000 Euro gibt es keine Angebote, darüber dann zunächst Modelle der ersten Jahrgänge bis 2009, meist mit Laufleistungen zwischen 20.000 und 50.000 Kilometern. Nicht immer, aber oft gehört sinnvolles Zubehör wie Satteltaschen zum Angebot.

Foto: Suzuki
Im Rahmen des Euro 3-Updates übernimmt die C 800 die Seitendeckel der M 800. Neu ist die zweifarbige C 800 C mit Gussrädern.
Im Rahmen des Euro 3-Updates übernimmt die C 800 die Seitendeckel der M 800. Neu ist die zweifarbige C 800 C mit Gussrädern.

Mittleres Preisniveau ab 5.000 Euro:

Beispielanzeige: Suzuki Intruder C 800 M, 17.400 km, EZ 07/2011, HU bis 01/2019, 2. Hand, zweite Generation, 53 PS, unverbasteltes und gepflegtes Motorrad, nachgerüstete Soziussitz-Abdeckung. VB 5.500 Euro (Privatanbieter aus Hessen).

Im mittleren Preisbereich finden sich (teils zu teure) Händlerangebote der früheren Modelljahre sowie Privatofferten der überarbeiteten Intruder ab 2009 mit neuem Styling und Doppelzündung. Die Laufleistungen liegen im niedrigen fünfstelligen Bereich.

Hohes Preisniveau ab 6.500 Euro:

Beispielanzeige: C 800 C, 4.204 km, EZ 04/2014, HU neu, 1. Hand, scheckheftgepflegt, mit Windschild, Sturzbügel und Satteltaschen, ein Jahr Gewährleistung, zwei Jahre Garantie möglich. 6.990 Euro (Händlerangebot aus Sachsen-Anhalt).

Wer bereit ist, 6.500 Euro und mehr auszugeben, erhält wahlweise eine C 800 oder M 800 der zweiten Generation in Beinahe-Neuzustand: Laufleistungen unter 10.000 Kilometern, reichlich Zubehör und mindestens zwölf Monate Händlergewährleistung.

Händler-Interview mit Olaf Brandt

Olaf Brandt (51) hat als freier Händler in Vechta (www.top-moto.de) aktuell zirka 150 Gebrauchte von sieben Marken bei sich stehen. An guten Bikes hat er immer Interesse. Dazu gehört für ihn definitiv auch die 800er-Intruder.

MOTORRAD: Gut drei Viertel der Gebrauchtangebote im Netz stammen von Händlern. Können Sie das erklären?

Olaf Brandt: Die Intruder ist ein gutes und solides Motorrad. Privatbesitzer trennen sich nur selten von ihr. Und wir Händler wissen eben auch, wie pro­blemlos und wertstabil die Intruder ist, daher nehmen wir sie gerne in Zahlung und verkaufen sie guten Gewissens mit Gewährleistung weiter.

MOTORRAD: Und wer kauft sie dann?

Olaf Brandt: Genussfahrer, denen die 90 km/h manchmal lieber sind als 100. Sie fahren damit zur Eisdiele oder rund um den Kirchturm. Also keine Tourenfahrer, sondern Nahstrecken von 50 bis maximal 100 Kilometern. Meist sind es Wiedereinsteiger, die das Motorradfahren einst für Haus und Kinder aufgegeben hatten – nun wollen sie einfach ein bisschen Cruiser fahren. Ohne wahnsinnig viel Geld auszugeben, sie suchen etwas Vernünftiges.

Foto: Suzuki
Ab 2009 erscheint auch die M 800 in neuem Look. Ihre Lampenmaske zitiert die der großen 1500er- und 1800er-Schwestern.
Ab 2009 erscheint auch die M 800 in neuem Look. Ihre Lampenmaske zitiert die der großen 1500er- und 1800er-Schwestern.

MOTORRAD: Stichwort „vernünftig“: Reichen die 53 PS?

Olaf Brandt: Zum Cruisen allemal, schließlich ist ja genügend Drehmoment vorhanden. Mit der Intruder heizt man nicht, da fühlt sich der Motor nicht wohl. Überholen funktioniert zwar prima, aber letztlich mahnt auch die Einscheiben-Vorderbremse eher zum Langsam-Fahren und Genießen.

MOTORRAD: Welche Intruder eignet sich dafür am besten?

Olaf Brandt: Alle. Zwischen C und M gibt es zwar optische Unterschiede, entscheidend sind aber eher Preis und Laufleistung. Für manche sind selbst Volusia und Marauder noch interessant. Ansonsten gibt es in der Beliebtheit keine großen Unterschiede zwischen Modellen und Baujahren.

MOTORRAD: Was wird denn gerne am Bike gemacht?

Olaf Brandt: Häufig gibt’s eine Sissybar, auch der Auspuff wird gerne getauscht, das ist aber teuer. Außerdem werden oftmals Sturzbügel verbaut, und Taschen spielen natürlich auch immer eine Rolle.

MOTORRAD: Wenn jemand bei euch eine Intruder in Zahlung gibt, worauf steigt der dann um?

Olaf Brandt: Das kommt tatsächlich nur selten vor. Wenn Kunden aber umsteigen, dann auf einen größeren Chopper oder weil sie doch mal noch eine Harley fahren wollen. Aber eigentlich nehme ich die nur selten in Zahlung … Leider! (lacht)

MOTORRAD: Gibt es noch etwas, was Sie gerne zur C 800 und M 800 sagen möchten?

Olaf Brandt: Beides sind tolle Motorräder. Wer eine hat: Ich würde sie gerne kaufen! Das sind einfach schöne Fahrzeuge und sehr problemlose, treue Gesellen.

Technische Daten Suzuki Intruder C 800

Typ C 800, Modelljahr 2014

Motor

Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor, vier Ventile pro Zylinder, Einspritzung, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, Fünfganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub: 83,0 x 74,4 mm
Hubraum: 805 cm³
Nennleistung: 39,0 kW (53 PS) bei 6000/min
Max. Drehmoment: 69 Nm bei 3200/min

Fahrwerk

Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Zentralfederbein, Scheibenbremse vorn, Trommelbremse hinten. Speichenräder mit Alu-Felgen: 3.00 x 16; 4.00 x 15
Reifen: 130/90-16; 170/80-15

Maße + Gewichte

Radstand 1655 mm, Lenkkopfwinkel 56,4 Grad, Nachlauf 138 mm, Federweg vorn/hinten 140/105 mm, Sitzhöhe 700 mm, Gewicht vollgetankt 277 kg, Tankinhalt 15 Liter.

Messungen (MOTORRAD 13/2009)

Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h*: 6,8 sek
Durchzug 60–100 km/h*: 6,2 sek
Verbrauch*: 4,4 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen

Die Alternativen

Honda Shadow 750

Ab 2004 mit Kardan, schon seit jeher mit wassergekühltem 52-Grad-V2, glänzt die Honda mit überragender Zuverlässigkeit. Zweizylinder-V-Motor, 45,6 PS, Gewicht 267 kg, 0–100 km/h 7,8 sek, Vmax 151 km/h, Verbrauch 4,2 Liter, ab 3700 Euro*

Foto: Yamaha, Triumph, Kawasaki, Emanuele Bella
Honda Shadow 750 (lo.), Kawasaki VN 900 Classic/Custom (ro.), Triumph Speedmaster (lu.), Yamaha XVS 950 A (ru.)
Honda Shadow 750 (lo.), Kawasaki VN 900 Classic/Custom (ro.), Triumph Speedmaster (lu.), Yamaha XVS 950 A (ru.)

Kawasaki VN 900 Classic/Custom

Kawas Cruiser überzeugt in Classic- oder Custom-Ausrichtung mit elastischem V2- Motor und pflegeleichtem Riemenantrieb. Zweizylinder-V-Motor, 50,3 PS, Gewicht 280 kg, 0–100 km/h 6,7 sek, Vmax 154 km/h, Verbrauch 4,5 Liter, ab 4200 Euro*

Triumph Speedmaster

Als Reihentwin geht die Speedmaster eigene Pfade im Cruiser-Bereich, an ihr gefallen Fahrwerk, Bremsen und Sitzposition. Zweizylinder-Reihenmotor, 61,2 PS, Gewicht 266 kg, 0–100 km/h 5,7 sek, Vmax 172 km/h, Verbrauch 4,9 Liter, ab 5300 Euro*

Yamaha XVS 950 A

Erst 2009 eingeführt, ist die XVS mit ihrem kräftigen 60-Grad-V2 bislang noch eher selten als Gebrauchtbike zu finden. Zweizylinder-V-Motor, 53,6 PS, Gewicht 280 kg, 0–100 km/h 7,3 sek, Vmax 155 km/h, Verbrauch 4,3 Liter, ab 4900 Euro*

Weitere Infos zur Suzuki Intruder C/M 800

Tests in MOTORRAD:

9/2005 (Fahrbericht), 13/2005 (Vergleichstest), 13/2009 (Vergleichstest), 18/2011 (Gebrauchtkauf)

Literatur:

Eine spezielle Reparaturanleitung ist für die Familie der 800er-Intruder nicht erhältlich. Eine Wartungsanleitung (allerdings nur auf Englisch) und viele weitere Dokumente hat www.trudensammlung.dietrude.de übersichtlich zusammengestellt. Noch mehr Infos erhält man beispielsweise im Intruder-Forum auf www.trudenforum.com. Mit knapp 4.000 Mitgliedern und fast 8.000 Themen finden sich dort Antworten auf beinahe alle Fragen. Gleichgesinnte helfen dort auch bei allen weiteren Problemen und Anliegen.

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