IDM 2018 - Highlights der ersten Saisonhälfte

Halbzeit-Rapport

Das Duell der IDM Superbike 2018: Mikhalchik gegen Mackels

Der Auftritt am Schleizer Dreieck markierte die Halbzeit der Internationalen Deutschen Motorradmeisterscahft 2018. Grund genug, die Protagonisten, die Serie und Stars einer Analyse zu unterziehen.

Die IDM, sie lebt – und ist wieder auf dem Weg nach oben und nach vorn. Sprach man letztes Jahr, im ersten Jahr der Durchführung durch das MOTORRAD action team, noch vom Jahr Null, so kann man dieses Jahr getrost vom erfolgten und erfolgreichen Neustart der wichtigsten Motorrad-Rennserie in Deutschland sprechen. Und das obwohl erneut die Durchführung der Internationalen Deutschen Motorrad Meisterschaft erneut sehr lange auf der Kippe stand und – wenn man so will – erst im Warmup des ersten Events gesichert war.

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Das Jahr nach Reiti

Mit Verlaub: Es tut der IDM gut, dass Markus Reiterberger den nächsten Schritt in seiner Karriere gegangen ist. Nach allem, was der Obinger schon „auf dem Kerbholz“ hat, scheint es unvorstellbar, dass er gerade einmal 24 Jahre jung ist. Reiterberger hat schon Saisons im FIM Superstock 1000 World-Cup – wo er nun wieder unterwegs ist – und in der Superbike-Weltmeisterschaft gefahren. Drei Mal holte er den IDM Superbike Titel, letztes Jahr gewann er alle Rennen bis auf eines, wo er Zweiter wurde. Reiterberger „gehörte“ da schon nicht mehr in die IDM, wenn man es sportlich sieht. Nicht falsch verstehen: Als Type und Mensch gehört er einfach überall hin, wo coole Leute sind. Und positiv-verrückt-durchgeknallte. Sportlich gesehen bleibt Reiterberger der nun unsichtbare Benchmark in der IDM Superbike. Aber er ist eben nicht mehr da – und das kommt der Serie an sich zu Gute, weil eben nicht einer allein vorn herum fährt und dominiert. Stattdessen sind neue Namen aufs Tableau gewandert – die aber „hinten rum“ immer auf die Zeiten Reiterbergers schielen. Oftmals werden diese aber eben noch nicht erreicht.

Foto: Toni Börner
Neue Männer braucht das Land: Mackels, Mikhalchik, Puffe.
Neue Männer braucht das Land: Mackels, Mikhalchik, Puffe.

Und doch kann man im Vergleich einiges ablesen, einschätzen und einordnen. Zum Beispiel, wie stark ein Julian Puffe ist, gerade am Schleizer Dreieck. Denn es gibt in der Motorrad-Klasse auf dieser Naturrennstrecke nun gerade einmal zwei Piloten, die unter 1:25 und im Bereich von 1:24 Minuten fahren konnten: Reiterberger und Puffe dieses Jahr bei seiner Pole-Position. Sportlich dominiert weiter BMW, aber es sind drei verschiedene Fahrer aus zwei Teams, die den Takt angeben. Ilya Mikhalchik ist bei Van-Zon der direkte Nachfolger Reiterbergers und hat aus den ersten acht Rennen sieben Podeste gefahren – darunter sechs Siege. Klingt nach Dominanz, doch meist hatte er im Ziel Bastien Mackels im absoluten Schlepptau, oftmals waren es nur Zehntelsekunden, die über den Sieg entschieden. Oftmals klebte noch Puffe im Schlepptau.

Teamchef Werner Daemen ist begeistert. „Ich bin ganz zufrieden“, sagt er. „Für uns sind das zwei neue Fahrer und dann auch noch zwei junge Fahrer. Was mich auch zufrieden macht ist: Wir haben eine ganz neue Truppe auf der Mechaniker-Seite, gerade bei den Daten-Ingenieuren.“ Daemen weiß, dass das Thema Reiterberger weiterhin omnipräsent ist. „Alle haben immer gemeint, dass nur Markus den Unterschied macht“, analysiert er, was über seine Mannschaft erzählt wird. „Mittlerweile bin ich aber auch froh, dass unsere neuen Fahrer zeigen, dass es mit unseren Maschinen geht. Klar, sie sind noch nicht so schnell wie Markus, aber trotzdem gut dabei.“

Puffe bleibt in der Meisterschaft zwar theoretisch im Rennen, doch sind Mikhalchik und Mackels derzeit einfach stärker. „Wir haben Bastien von Yamaha zurück geholt und wir wussten, dass unser Motorrad auch auf einem sehr guten Stand ist“, fasst Mackels‘ Teamchef Benny Wilbers zusammen. „Die erste Saisonhälfte ist daher so gelaufen, wie ich es eigentlich erwartet habe.“ Mackels hat zwei Rennen gewonnen und eine 100-prozentige Podestquote.

Vier von fünf Marken auf dem Podest

Eine positive Entwicklung ist, dass mit BMW, Yamaha, Suzuki und Honda schon vier der fünf teilnehmenden Fabrikate auf dem Podest gestanden haben. Hinter den drei führenden BMWs klassiert sich zur Halbzeit der Österreicher Stefan Kerschbaumer auf seiner MPB Racing Yamaha – und das obwohl er beim zweiten Oschersleben-Lauf beide Rennen aus ließ, um sich an jenem Wochenende voll auf seinen Einsatz in der Langstrecken-Weltmeisterschaft zu konzentrieren. In Zolder feierte er Rang zwei – direkt vor seinem Teamkollegen Daniel Kartheininger, der siebter im Tableau ist.

Foto: Toni Börner
Jenz Holzhauer (Honda): Erst zufrieden, wenn wir ganz oben stehen.
Jenz Holzhauer (Honda): Erst zufrieden, wenn wir ganz oben stehen.

Auch der Schweizer Dominic Schmitter stand auf dem IDM-Superbike-Podest, wurde im zweiten Rennen des Jahres auf seiner Suzuki Dritter. Im ersten Lauf in Oschersleben hatte Jan Halbich auf Honda als Dritter auf dem Treppchen gestanden. Für dessen Teamchef Jens Holzhauer ist das noch nicht genug. „Zufrieden kannst du erst sein, wenn du ganz oben stehst“, sagt der Honda-Edeltuner aus Wittenberge.

Die beste Frau der IDM ist und bleibt Lucy Glöckner, die sich in Schleiz den fünften Startplatz erobert hatte. Im Rennen witterte sie ihre Chance auf ein Spitzenergebnis, wurde aber schließlich in die Wiese gedrückt und brach sich den dritten Lendenwirbel. „Das bedeutet ein paar Wochen Pause“, verriet sie uns. Ihre Racing-Kollegin Sarah Heide hat derweil alle Rennen des Jahres beendet. Die ersten Punkte sind bei ihr nur noch eine Frage der Zeit.

SSP600: Enderlein zieht davon

In der Supersport 600 führte in dieser Saison kaum ein Weg an Max Enderlein vorbei. Vier der sechs gefahrenen Rennen aht der Freudenberg-Junior gewonnen, ein Mal war er Dritter. Enderlein hat sich einen Vorsprung von 34 Punkten erwirtschaftet. Dabei hatte er aber in nahezu allen Rennen harte Konkurrenz, gegen die sich der Yamaha-Pilot durchsetzen musste, besonders in Kevin Wahr. Doch der hatte Querelen mit seinem Team und trennte sich, machte schließlich ab Schleiz wieder auf eigene Kappe – und gewann dort den zweiten Lauf. Im ersten Rennen war er noch Zweiter geworden, bekam aber noch eine nachträgliche Zeitstrafe für einen Frühstart aufgebrummt. Er ist Zweiter.

Foto: Toni Börner
Max Enderlein kann sich nur selbst stoppen.
Max Enderlein kann sich nur selbst stoppen.

Von Rang zwei bis vier geht es in der Supersport eh eng zu, Wahr hat 88 Punkte, Daniel Rubin 82 und Marc Buchner 80. Buchner konnte die beiden Rennen in Schleiz nicht fahren. In der Superstock-Wertung ist Marco Fetz der Dominator des Jahres gewesen und hat fünf von sechs Rennen gewonnen. Nur im ersten Lauf von Schleiz ging er in dieser Wertung nicht als Sieger hervor: Da war die Zeit von Moritz Jenkner, Sohn des ehemaligen GP-Siegers Steve Jenkner, gekommen. Der hat eine unglaublich konstante Saison hingelegt und stand fünf von sechs Mal auf dem Podest, in dem anderen Rennen wurde er Vierter. Fetz (145 Punkte) und Jenkner (114) liegen an der Spitze der Tabelle.

SSP300: 4 verschiedene Sieger aus 6 Rennen

In der IDM Supersport 300 konnten bislang nur zwei Fahrer mehr als ein Rennen gewinnen: Der Meisterschaftsführende Victor Steeman aus den Niederlanden und zuletzt in Schleiz sein KTM-Markenkollege Jan-Ole Jähnig.

Foto: Toni Börner
Victor Steeman liegt an der Spitze.
Victor Steeman liegt an der Spitze.

Die anderen Sieger hießen Dion Otten und Maximilian Kappler. Steeman liegt mit 113 Punkten an der Spitze der Gesamtwertung, hatte nur im ersten Rennen von Schleiz gepatzt, wo es nur drei Punkte für ihn gab. Ansonsten war er in allen Läufen Erster oder Zweiter.

Mit Konstanz, einem vierten, einem zweiten und vier dritten Plätzen hat sich Toni Erhard den zweiten Platz in der Tabelle erkämpft. Er hat 97 Punkte und liegt damit noch vor Otten, der auf 91 Zähler kommt. Jähnig war in Zolder nicht dabei, genau wie Kappler, daher liegen di beiden mit 79 und  74 Zähler auf vier und fünf.

Sidecar: Dominanz Sattler, Führung Streuer

Bei den Sidecars liegen die amtierenden Meister vom Team Bennie Streuer / Gerard Daalhuizen mit 131 Punkten an der Spitze der Halbzeitwertung. Die Niederländer hatten noch den Auftakt in Oschersleben mit einem Doppelsieg begonnen, seither gab es noch einen dritten Platz und zwei zweite Plätze – sowie einen „geschenkten“ Sieg.

Foto: Toni Börner
Projekt Titelverteidigung ist angeschoben.
Projekt Titelverteidigung ist angeschoben.

Nach den beiden zweiten Rängen vom Auftakt war die Zeit von Josef Sattler und Uwe Neubert gekommen: Prinzipiell siegte das Duo in den vier folgenden Läufen. Der Sieg von Rennen zwei in Zolder wurde dem Duo aber aberkannt, da bei der technischen Nachkontrolle Unstimmigkeiten am Motor festgestellt wurden. Sattler/Neubert flogen aus der Wertung und verloren die 25 Punkte. Daher liegen sie derzeit auf Rang zwei mit 115 Punkten um 16 Zähler hinter Streuer/Daalhuizen, wären sonst Führende der IDM Sidecar.

Vier Mal Dritter und ein Mal Zweiter, ein Ausfall: Andre Kretzer und Björn Bosch haben ebenfalls eine konstante Saison hingelegt und liegen mit 84 Punkten auf dem dritten Rang. Mike Roscher/Anna Bukard, das Deutsch-Schweizer-Mann-Frau-Duo, hat alle Rennen auf vier oder besser beendet – in Zolder erbte man den dritten Platz. Daher gibt es derzeit Platz vier der Tabelle mit 81 Zählern.

Die Cups: Weihe & Weinke

Im Suzuki GSX-R1000 Cup liegt Maximilian Weihe nach fünf Siegen und einem zweiten Platz mit 145 Punkten an der Spitze der Tabelle. Sein ärgster Verflger ist der Ungar Balint Kovacs, der quasi das Gegenstück Weihes ist: fünf Mal Zweiter und ein Sieg.

Im Twin-Cup hat Justus Weinke fünf Siege und einen zweiten Platz errungen und liegt daher klar an der Spitze des Feldes. Rennsport-Dinosaurier Kai-Uwe Lenz ist nach vier Podesten Zweiter.

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