Buchtipp Perfekt fahren mit dem Motorrad

Die andere Motorrad-Fahrschule

Von der Technik des Motorrads, über das Motorradfahren selbst, Fahrtipps, Fahrpsychologie, Pflege und Umgang mit dem Bike sowie Gebrauchtkauf-Ratgeber, Ausrüstungs- und Trainingstipps ist auf 240 Seiten alles dabei.

Bei dieser ganz anderen Fahrschule bringen namhafte Referenten ihre Erfahrung aus vielen Jahren ein und geben Profitipps für besseres Motorradfahren. Dieses Buch hilft, selbst effektiv mit der Maschine zu üben, die Grundlagen der Fahrphysik besser zu begreifen, sich selbst und seine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, mental zu trainieren und das eigene Verständnis für technische Abläufe zu schärfen.

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Foto: Motorbuch Verlag
»Perfekt fahren mit MOTORRAD«
»Perfekt fahren mit MOTORRAD«

»Perfekt fahren mit MOTORRAD« wurde von Michael Pfeiffer, Chefredakteur von MOTORRAD, zusammen mit Co-Autor Nicolas Streblow modernisiert und liegt nun in überarbeiteter und aktualisierter Auflage vor, um technische Veränderungen im Motorradbau aufzugreifen.

Das Buch könnt ihr hier für 19,95 Euro bestellen: www.motorradonline.de/perfekt-fahren

Auszug aus dem Kapitel "Tricks für Serpentinen"

Für viele Flachland-Bewohner werden sie beim ersten Mal zum Alptraum: Serpentinen oder Haarnadelkurven, an denen die Alpen reich sind. Und doch lassen sich Serpentinen mit Genuss bewältigen, wenn man ein paar entscheidende Regeln beachtet. Wichtig sind dabei Kurventechnik und Blickführung. Zum Einsatz kommt auch hier wieder die Technik des Hinterschneidens (siehe Abschnitt »Richtig Kurvenfahren« in Kapitel 3).

Foto: Tobias Rall
In den beiden oberen Kehren empfiehlt sich das Hinterschneiden, also spätes Einlenken und den Scheitelpunkt nach etwa zwei Dritteln der Kurve setzen. Anders dagegen in der untersten Kehre: Hier ist keine Sicht auf den Gegenverkehr möglich, weshalb man die engste Linie wählt.
In den beiden oberen Kehren empfiehlt sich das Hinterschneiden, also spätes Einlenken und den Scheitelpunkt nach etwa zwei Dritteln der Kurve setzen. Anders dagegen in der untersten Kehre: Hier ist keine Sicht auf den Gegenverkehr möglich, weshalb man die engste Linie wählt.

Die Kurve wird möglichstweit außen angefahren, und vor allem in Linkskurven achten wir darauf, dass zu keinemZeitpunkt der Kopf in die Gegenfahrbahn ragt. Bis auf die Gegenfahrbahn führt uns die Linie aber schon mal in Rechtskurven, gerade dann, wenn sie innen sehr steil sind. Ich muss aber auf dieser Linie gut sehen können und bereit sein, blitzartig nach innen rein zu ziehen. Denn diese Sicherheitslinie ist in Rechtskurven nur so lange sicher, wie das Außenbleiben auch tatsächlich einen Sichtvorteil bringt. Auf besonders schmalen Pässen, an der Felswand entlang, mit dichtem Bewuchs oder in völlig unübersichtlichen Spitzkehren hingegen empfiehlt sich die engste Linie, also ganz rechts bleiben in Rechts wiein Linkskurven. Sonst kann man sich unverhofft einem extra breiten Reisebus oder Laster gegenüber sehen.

Bewährt hat sich dabei der Fahrstil Drücken: Mit aufrechtem Oberkörper wird die Maschine über den Lenker nach unten gedrückt. Von den Südländern kann man sich auch getrost den Gebrauch der Hupe abschauen, um im engen, unübersichtlichen Winkelwerk auf sich aufmerksam zu machen. Vor und auch noch in der Serpentine nach oben beziehungsweise unten schauen. Hierbei wieder aktiv den ganzen Kopf drehen. Nur so lassen sich entgegenkommende Fahrzeuge rechtzeitig ausmachen. Je nach Übersichtlichkeit der Serpentine die passende Linie wählen, also entweder Hinterschneiden oder wenn nötig die engste Linie in Kombination mit reduziertem Tempo.

Inhaltsverzeichnis des Buches
Inhaltsverzeichnis des Buches "Perfekt fahren mit MOTORRAD".

Das Hinterschneiden – also das späte Einlenken in die Kurve – bietet allerdings viele Vorteile. Zunächst einmal den, dass wir deutlich die Gefahr reduzieren, am Kurvenausgang in den Gegenverkehr oder in den Straßengraben »getragen« zu werden. Und jenen, dass die Serpentine mit relativ langsamer Kurvengeschwindigkeit angefahren wird, weshalb sich das Motorrad mit ganz wenig Gas schnell stabilisieren lässt.

Alternativ kann man das Tempo auch mittels Hinterradbremse regulieren; dabei das Gas leicht geöffnet lassen. Diese Technik sieht auf Serpentinenstrecken ausgesprochen elegant aus und entspannt zudem, weil das lästige Lastwechselruckeln entfällt, das beim Gasöffnen und -schließen entsteht. Bei Serpentinen bergab hilft auch, am Scheitelpunkt die Kupplung ziehen, hochschalten und mit Gas nun im nächsthöheren Gang wieder einzukuppeln. Auch so ist der gerade bei harsch abgestimmten großen Zweizylindern störende Lastwechselschlag leicht zu verhindern, sehr angenehm und vor allem ein Sicherheitsgewinn gerade bei Nässe.

Vor der großen Alpentour ist es ratsam, im Flachland etwas zu üben: Eine enge Acht aufmalen oder mit Pylonen/Plastikflaschen markierenund das Tempo nicht nur über den Gasgriff, sondern auch über die Hinterradbremse bestimmen. Ideal hierfür wäre natürlich ein schräger Parkplatz. Wichtigstes Handwerkszeug für enge und steile Kurven in egal welchen Bergen ist aber nach wie vor die immer wieder trainierte, bewusste Blickführung um die Kurve herum und die an Tempo und Umgebung angepasste Sicherheitslinie.

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