Fototraining für Motorrad-Fotografie

Bildungsreise mit dem MOTORRAD action team

Rolf (56), Manager aus Backnang. 
Blende: f/9.0
Schärfentiefe: 35mm
Verschlusszeit: 1/400
Lichtempfindlichkeit: 200Kai (50), Kfz-Meister aus Helsa-Wickenrode. 
Blende: f/5.6
Schärfentiefe: 40mm
Verschlusszeit: 1/500
Lichtempfindlichkeit: 125Hans (65), Pensionär aus Stein/CH. 
Blende: f/8.0
Schärfentiefe: 18mm
Verschlusszeit: 1/1600
Lichtempfindlichkeit: 25012 Bilder

Wie Motorrad-Fotografie am besten gelingt, konnten neun Teilnehmer eines speziellen Fotokurses „on the road“ im Berchtesgadener Land erlernen. Mit Erfolg: Die besten Fotos dieser „Reisegeschichte“ stammen von ihnen.

Die Sonne lacht, Blende acht! Viereckig denken! Weg von der Mitte! – Fotoweisheiten. Die Kursteilnehmer nehmen die Tipps von Profifotograf Gerhard Eisenschink dankbar an, schließlich bleiben einem knackige Slogans besser im Kopf hängen, etwa, wenn es schnell gehen muss an der Kamera. Jetzt muss es schnell gehen. Acht Männer und eine Frau liegen im Gras am Kurvenrand einer sorgfältig ausgewählten Spitzkehre mitten auf der Rossfeld-Panoramastraße im Berchtesgadener Land, einige drücken noch hektisch an den Bedienelementen ihrer Apparate herum oder drehen an den Objektiven. Das Motorengeräusch der herannahenden Zweizylindermaschine schwillt an. In wenigen Sekunden wird die Africa Twin durchs Bild rauschen, dann müssen alle Einstellungen passen. Letztes Maßnehmen, tief durchatmen, uuund: klick, klick klick.

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Kein Wellness-Urlaub!

„Morgenstund, Geruch im Mund“, flachst Eisenschink. Wieder so eine spezielle Weisheit für Fotografen, diesmal aber in scherzhaft abgewandelter Form. Er geht zu den einzelnen Hobbyknipsern, die sich nun wieder aus ihrer Kauerstellung erheben, und begutachtet die Ergebnisse auf den Displays. Abends zuvor im Hotel-Seminarraum gab es den Theorieteil des Motorrad-Fotokurses, der dieses Jahr im Juni erstmalig vom MOTORRAD action team angeboten wurde. Hintergrund: Bei vielen Trainings und Reisen beklagen sich Motorradfahrer darüber, dass sie trotz anständigem Fotoequipment selten wirklich prickelnde Bilder von ihren Erlebnissen vor Ort einfangen. Warum also nicht ein Training, das Motorrad und Fotografie verbindet? Bei Weizenbier und Cappuccino ließen sich die aus halb Deutschland und der Schweiz angereisten Teilnehmer des Pilot-Workshops also zunächst abends Grundlagen zu Motivwahl, Gestaltung, technischer Umsetzung und zu Kurvenfotos von Profi Eisenschink vermitteln. Der, überzeugter Frühaufsteher, brachte da schon den Morgenstund-Spruch. Meinte, um Sechse rum fange man die besten Bilder. Prima Gelegenheit, Theorie in Praxis umzusetzen.

Den Teilnehmern dämmerte: Das hier wird kein Wellness-Urlaub, hier wird richtig gearbeitet. Gut so, denn am Ende möchte man nutzbares Fotowissen statt nur ein paar glückliche Schnappschüsse mitbringen. Einige sind mit High-End-Ausrüstung angereist, andere besitzen nur eine kompakte Kamera. Auch beim fotografischen Vorwissen gibt es Unterschiede. Der eine hat sogar schon eine Reisereportage in einem Magazin veröffentlicht, andere kennen nur die Stellung „Programmautomatik“ an ihrer Knipse, wobei genau jene es sind, für die dieses Foto-Training maßgeschneidert ist. Kursleiter Eisenschink geht auf jeden einzelnen ein, der frühe Start und nur gut 80 Tageskilometer lassen zum Glück genügend Zeit dazu. Der Profi prüft Bilder und Einstellungen, die Hobby-Fotografen fragen nach Tricks und Kniffen. Das Motorengeräusch schwillt wieder an, alle gehen in Position. Eisenschink blickt lächelnd nach oben. Das Wolkenband platzt auf, die Sonne lacht.

Foto: Rolf Geissler und Thorsten Dentges

Rolf (56), Manager aus Backnang

Das Motiv-Arrangement ist dem Hobbyfotografen klasse gelungen. Er hat Kurve und Motorräder perfekt in die Landschaft eingebunden, linksseitig im unteren Drittel. Der sauber konturierte Berg Watzmann im Hintergrund (passende Schärfentiefe!) sowie der Bergbauernhof geben Orientierung und führen den Betrachter sofort ins Berchtesgadener Land. Die Maschinen kommen dank kurzer Belichtungszeit scharf heraus. Top-Aufmacherbild!

Foto: Kai Sypniewski und Thorsten Dentges

Kai (50), Kfz-Meister aus Helsa-Wickenrode

Der frühe Vogel … Kai saß bereits um sechs Uhr morgens auf dem Motorrad, wartete auf stimmungsvolles Licht und Wolkenspiel zum optimalen Ausleuchten. In der Kurve auf der Lauer liegend arbeitet er in großer Unschärfe einen Teil der Vegetation am Straßenrand (rechter Bildrand) ins Motiv mit ein und erzeugt so extra Spannung. Dann: Finger am Auslöser, Serienbild, tak-tak-tak-tak, und das fahrende Fotomodell wird gekonnt abgeschossen!

Foto: Hans Güttinger und Thorsten Dentges

Hans (65), Pensionär aus Stein/CH

Extravaganz durch Perspektivwechsel – mit starkem Weitwinkel überträgt der Fotograf bewusst etwas verzerrt diese Momentaufnahme der Rast aus der Sicht des Helmträgers. Eigentlich ganz einfach: Kamera richtig einstellen, ab in den Helm, klick, fertig. Die Idee macht dieses Foto so stark, so kann selbst eine langweilige Situation wie eine Fahrpause interessant abgebildet werden. Ein Hingucker.

Foto: Marco und Thorsten Dentges

Marco (42), Manager aus Sandhausen

Um Roman und seine Oldie-BMW ideal abzulichten, hockte sich Fotograf Marco im Kurvenscheitel tief nieder und drückte mit sehr kurzer Belichtungszeit ab. Die weiße Asphaltmarkierung vorn und die hölzerne Leitplanke hinten bringen Schwung ins Bild, weil der Betrachter den Linien folgt. Die Sonne steht links und leuchtet Maschine und Fahrer gut aus. Fahrdynamik kommt super rüber.

Foto: Uli und Thorsten Dentges

Uli (45), Rechtsanwalt aus Frankfurt

Weil leicht herangezoomt, hebt sich der scharf abgelichtete Motorradfahrer (kurze Belichtungszeit, daher keine Bewegungsunschärfe) vor der imposanten, leicht unscharfen Bergwand (große Entfernung, außerhalb höchster Schärfentiefe) besser ab und zieht, obwohl nur kleines Bildelement, die Aufmerksamkeit auf sich. Schönes Beispiel für eine stimmige Gewichtung von Landschaft, Straße und Motorrad.

Foto: Frank Müller und Thorsten Dentges

Frank (45), Tischlermeister aus Warburg

Das am Scheinwerfergitter aufgeprallte Insekt bringt mehr Tempo und typisches Touringfeeling rüber als viele andere Aufnahmen mit fahrenden Motorrädern. Der Makrofokus liegt auf Flügel und Hinterteil vom toten Flugviech, die Wiese in Unschärfe funktioniert als homogener Hintergrund. Frank hatte Tier und dieses Top-Motiv erlegt und den richtigen Blick fürs Detail!

Foto: Wolfgang und Thorsten Dentges

Wolfgang (45), Elektrotechnikmeister aus Rosenberg

Kaum Schräglage, ein ruhiger Moment. Dennoch erahnt man durch Straßenverlauf und alpiner Felswand im Hintergrund: Hier macht das Fahren Spaß! Wolfgang stand bei dieser Aufnahme gut 300 Meter von der mit Tempo 80 fahrenden Maschine entfernt, das Teleobjektiv mit großer Brennweite konnte hier seine Vorteile ausspielen und bildet Teile der Fahrbahn malerisch verwaschen ab, während das Hauptmotiv gestochen scharf herauskommt.

Foto: Elke und Roman Zimmermann und Thorsten Dentges

Elke und Roman (61/59), Ingenieure aus Neuwied

Schärfe-Unschärfe – trotz genügend Licht haben die beiden Kursteilnehmer die Blende etwas stärker als üblich geöffnet, sich in weniger als einem Meter an der stehenden BMW positioniert und eine Brennweite im Telebereich gewählt. Der verschwommen dargestellte Kickstarter (im Vordergrund rechts unten) spiegelt sich im Chrom scharf wider und zeigt sich so erst richtig. Spannender Effekt!

Infos zum Fototraining für Motorrad-Fotografie

Kursprogramm: Am Tag der Anreise zum Hotel in der Nähe von Berchtesgaden startet nach kurzer Begrüßungsrunde spätnachmittags abends der Theorieteil. Zusätzlich zur zusammengestellten Kursmappe mit Tipps und Tricks erklärt der Profifotograf mittels Beispielfotos Grundsätzliches zu Motorrad-Fototechniken, Sehweisen, aber auch zu typischen Fehlern beim Knipsen. Am nächsten Morgen kann man auf Wunsch bereits vor dem Frühstück bei der „Sonnenaufgangstour“ an einem Shooting aktiv teilnehmen – hinter der Kamera oder eventuell auch als Fotofahrer vor der Linse.

Im weiteren Verlauf des Tages setzen die Teilnehmer ihre in der Theorie gewonnenen Kenntnisse auf der Rossfeld-Panoramastraße an verschiedenen Locations in der Praxis um. Je nach Kameratyp und -ausstattung bekommen die Hobbyfotografen geeignete Techniken vermittelt und sollen diese erproben. Auch Teamarbeit mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen stehen auf dem Programm.

Am späten Nachmittag werden die Ergebnisse am Bildschirm gesichtet, diskutiert und beurteilt. Ziel ist es, aus der Vielzahl von Bildern seine persönlichen Top-Ten-Shots herauszufiltern, die nach dem Abendessen in einer gemeinsamen Fotoshow auf der Leinwand gezeigt werden. Am Folgetag können die Fähigkeiten – wiederum auf der Rossfeldstraße – bis zum Mittagessen vertieft werden.

Termine, aktuelle Infos und Anmeldungen unter www.actionteam.de.

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