D., Thomas: Porträt des Fantastischen Vier (Archivversion)

Der da

Kaum zu glauben: Thomas D. von den Fantastischen Vier ist nicht nur zu geil für diese Welt, seit neustem ist er sogar zu geil für Stuttgart. Deshalb macht er jetzt die Mücke. Und seine wahre Geliebte, die Monster-Duc, nimmt er mit.

Den Stuttgarter Rappsoden Thomas D. hat es verdammt schwer erwischt: »Diese Formen, einfach phantastisch!« Wie im ersten Hit der Fantastischen Vier ist es justament mal wieder »die da, die da an der Ecke steht«. Doch bei dieser Liaison kommt ihm Bandkollege Smudo garantiert nicht in die Quere. Auf silbergraue Italienerinnen steht bei den Fanta Vier allein Thomas D. »Ich liebe dieses Motorrad.« Freilich nicht immer und überall, obwohl das Musikantenkradl sogar am Freitag kann. Denn Thomas outet sich als »rasanter Schönwetter-Kurzstreckenfahrer« und gesteht: »Die längste Strecke, die ich bisher an einem Stück gefahren bin, war zu einem Termin in Frankfurt.«Das soll jetzt anders werden: Die Duc soll hinaus in die große weite Welt, mitsamt Thomas D. »Stuttgart wird mir zu eng.« Aber was ein echter Schwabe ist, der nimmt sein Häusle einfach mit. Im Fall des vom Friseur zum selbsternannten Bandphilosophen mutierten Thomas ist das nunmehr eins auf Rädern. Seit Mammutmobil - 17 Jahre alt, neun Meter lang und zweieinhalb breit - sieht aus, als wäre es jenseits des Großen Teichs vom Band gelaufen, stammt tatsächlich aber aus Bad Waldsee. Wie der Herr, so’s Gscherr, philosophiert der Schwabe als solcher gern über seinem Viertele. Da macht auch Thomas D. keine Ausnahme. Sein Wohnmobil gleicht seiner Musik: schwäbische Wertarbeit im amerikanischen Look. Mit einem wichtigen Extra freilich: der Monster auf dem Motorradhalter hintendrauf. Mit dem Bike will er PR machen. Für seine erste Soloplatte. »Ich fahre an den Rand der Großstädte, hole dort die Duc vom Träger und besuche die ganzen Radiostationen.« Bei schlechtem Wetter gedenkt der notorische Genußfahrer die moderierenden Jungs und Mädels in sein gut beschalltes Mobil zu locken. Wo er ihnen dann den schwer autobiographischen Bezug seines Opus »TD solo«« verklickern kann. Rappt der reimstarke Thomas in der Hitsingle »Rückenwind« doch so wunderschön: »Ich laß nur zurück, was keiner braucht, Last, die mich unten hält, obwohl sie selbst nicht taucht.« Diese Verse - wer könnte das bestreiten? - tauchen nicht nur was, sie sind obendrein voll aus dem Leben gegriffen. Der Popstar hat seine 135 Quadratmeter Stuttgart geräumt und alles beim Thomas D. Super-Sell Out verkauft. D Punkt ist übrigens ein Künstlername, bürgerlich heißt Thomas: Dürr.Der Schwabenflüchtling äugt auf den silbernen Jethelm, in dessen Glanz er den Sitz seiner blondierten Haare überprüft, zieht sich Jacke, halblang, und Handschuhe, im Paar, über. Und kommt ins Sinnieren. Darüber, wie er aufs Krad kam. Am Anfang war die Yamaha XT. »Auch ein schönes Teil.« Bis es dann monströs wurde. »Die Duc ist das erste Straßenbike, das mir richtig gut gefallen hat.« 1995 sah er also rot mit 600 Kubik. Ein Jahr später überkam ihn ein herrliches Grauen: die 750er Monster. »Die gab’s auch in Silbergrau, das ist meine Lieblingsfarbe. Außerdem können ein paar PS mehr nicht schaden.«Im Prinzip ja. Es sei denn, die Pferdlein kriegen ausgerechnet vor blitzenden Starenkästen die Sporen. Danach mußte er Studio und Büro vier Wochen lang zwangsweise per Skateboard anrollen. Auch in engen Kurven ließ sich der Silberne Reiter schon mal gehen, trennte sich unfreiwillig von seiner Duc. Worauf er ein paar Schrammen vernarben und einen neuen Tank montieren lassen mußte. Der Blechschaden ärgert den sparsamen Schwaben bis auf den heutigen Tag. »Das Ding war echt zu teuer. Dabei hätte man den alten Tank sicher gut ausbeulen können.« »Peinlich, peinlich«, erinnert sich Thomas an den unrühmlichen Abgang. Aber es gibt Schlimmeres: »Die Kiste vorn an der Ampel abzuwürgen.« Vor den Augen der feixenden Autofahrer. »An der Schlange vorbeifahren, das muß sein, sonst könnte ich mich gleich ins Auto hocken.« Oder ins Wohnmobil. Was er momentan gar treulich tut. Statt Muttern ruft täglich ein Südwestfunker an, und Thomas darf öffentlich-rechtlich sagen, wie’s ihm gerade geht. Außerdem spendet er Trost. All jenen Fans der Fantastischen Vier, die alpträumen, daß sein Solo-Trip den hippen Schwaben-Hoppern den Garaus bereiten könnte. »Mein Projekt ist nicht das Ende der Band. Die nächste Platte der Vier ist schon in der Mache.«Aber jetzt macht er erst mal selbst die Platte, will die Uhr der Duc in Richtung 10 000 treiben. Wenn nicht wieder mal die Kette reißt. »Dreimal bin ich den Bordstein runtergefahren, dreimal war die Kette ab. In der Werkstatt haben sie mich schon für bescheuert gehalten.« Was die Mechaniker nicht wußten. Dieser Mann sprengt einfach alle Ketten.
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D., Thomas: Porträt des Fantastischen Vier (Archivversion)

Thomas D., 29, fährt seit neun Jahren Motorrad. Zusammen mit seinen Kumpels Smudo, Andy Y. und Dee Jot Hausmarke gründete er 1991 die Fantastischen Vier. Ihr Album »Jetzt geht’s ab« war die erste wirklich erfolgreiche deutschsprachige Hiphop-Produktion. Mit »TD Solo« veröffentlichte Thomas 1997 sein erstes Soloalbum.
Auf welchem Motorrad möchten Sie auf keinem Fall gesehen werden?Auf einem Japaner, der auf Harley macht.Welchen Fahrfehler entschuldigen Sie am ehesten?Zu schnell, bin ich auch immer.Was zeichnet Ihren Fahrstil aus?An der Ampel immer der Schnellste zu sein.Ihre größte Blamage als Motorradfahrer?Vorn an der Ampel die Kiste abwürgen.Ihr Motorradheld in der Wirklichkeit?Ich bin mein eigener Held, wenn ich fahre.Harley und Champs Elysées - wer wäre Ihre Sozia?Eine langhaarige Rockerbraut mit französischem Akzent.Alpen und Ducati - wer wäre dabei?Eine langhaarige Rockerbraut mit schwäbischem Akzent.Wen können Sie sich überhaupt nicht auf einem Motorrad vorstellen?Helmut Kohl.Wer sollte eigentlich Motorrad fahren?Die Gold Wing-Fahrer.Was treibt Sie beim Motorradfahrer zur Verzweiflung?Die superpeniblen Motorradkollegen.Wem würden Sie gern mal unter die Kombi schauen?Pamela Anderson.

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