Kurz, Hermann: Porträt (Archivversion)

Kurz-Geschichte

Über Moto Cross und Superbike zum Straßen-Grand Prix-Sport: Teamchef Hermann Kurz startet 1996 mit Yamaha zu einer neuen Aufgabe durch.

Willi Bauer, Roland Diepold, Harald Ott, Pit Beirer, Ernst Gschwender, Mario Rubatto - so unterschiedlich diese Motorradsportler auch sein mögen, sie haben dennoch eines gemeinsam: Alle sechs fuhren einmal mit Erfolg für das Suzuki-Team von Hermann Kurz. Fast zwei Jahrzehnte lang waren die gelben Kurz-Renner vor allem im Off Road-Sport eine Macht. 20 DM-Titel im Moto Cross und Enduro festigten den Ruf des Teamchefs als Talentsucher und Meistermacher.Mitte der 80er Jahre wagte sich Hermann Kurz erstmals auf den Asphalt. Das beachtliche Resultat: zwei Vizetitel von Ernst Gschwender in der Superbike-DM auf der damals brandneuen Suzuki GSX-R 750. Zehn Jahre später feiert das Kurz-Team nun ein Comeback im Straßenzirkus. Allerdings unter ganz anderen Vorzeichen: 1996 heißt die Arena Straßen-Grand Prix und die Marke Yamaha. Auch im Moto Cross hat der schwäbische Rennstall inzwischen die Fahnen gewechselt. 1993 gab Hermann Kurz sowohl den Import der Moto Cross-Maschinen als auch die Verantwortung für die Sporteinsätze an die deutsche Suzuki-Zentrale nach Heppenheim zurück: »Die Belastung, rund 600 Cross-Maschinen pro Jahr zu vermarkten, war mir einfach zu groß geworden.« Das sportliche Erbe des Kurz-Teams wurde allerdings nicht sonderlich gepflegt. So fühlte sich Deutschlands Vorzeige-Crosser Pit Beirer, unter Kurz-Regie zum Spitzenfahrer in der WM gereift, von Suzuki vernachlässigt und kehrte den Gelben bald den Rücken.Im vergangenen November kam es nach monatelangen Verhandlungen dann zu einer Entscheidung, die selbst Insider überraschte. Kurz, der sich nach der langen Suzuki-Zeit schon fast als Leibeigener der japanischen Firma gefühlt hatte, übernahm das offizielle Cross-Engagement des deutschen Yamaha-Importeurs Mitsui. Und im Januar setzte der 45jährige noch eins drauf, als er sich entschloß, auch Boß des 125er Straßen-Grand Prix-Teams von Yamaha zu werden. Dabei fand der eigentliche Broterwerb von Hermann Kurz bislang noch gar keine Erwähnung. In Rosenberg bei Schwäbisch Hall führt der gelernte Kfz-Mechaniker, der sich zum Maschinenbautechniker und dann zum Betriebswirt weiterbildete, eine Vertretung für BMW, Suzuki und Yamaha. Wie kriegt man diese Fülle von Aufgaben unter einen Hut? Extrem stark delegieren und sich auf das wesentliche konzentrieren - das sind Schlagworte moderner Manager-Schulung, die Hermann Kurz verinnerlicht hat. So versucht er eine Balance zwischen Beruf, Familie und seinen Hobbys zu finden, zu denen zum Beispiel der Besuch von Wirtshaus-Stammtischen gehört. Eine ideale Gelegenheit, sich zu erholen und die Relation zu den alltäglichen Dingen des Lebens zu behalten: »Bei den Gesprächen geht es nicht um Motorsport.« Darüber hinaus verweilt Hermann Kurz gern in der Natur, erzählt stolz, daß er mit der Hand Forellen fangen kann und in seinem Heimatort mit 71 Kilo den Rekord beim Steinpilzsammeln hält.Im neuen Grand Prix-Team, mit dem Kurz das Yamaha-Werk in der 125er Straßen-WM vertritt, hat er die technische Verantwortung zwei erfahrenen Strategen übertragen. Chefingenieur ist der Österreicher Harald Bartol, als Chefschrauber wurde Jochen Schmids ehemaliger Mechaniker Heinz Röhrich engagiert. In dessen Werkstatt bei Heilbronn sind die im edlen Silber lackierten Kurz-Renner stationiert.Als Fahrer hat das Yamaha-Werk die Japaner Yoshiaki Katoh und Youishi Ui vorgegeben, dazu kommt für Wild Card-Einsätze und die Europameisterschaft das 16jährige spanische Talent José-Ramon Ramirez. Die neue Mannschaft soll den chaotischen Auftritt der Martinez-Truppe vergessen machen, die zuletzt für den 125er Yamaha-Einsatz in der WM verantwortlich war. Was in Anbetracht der gewissenhaften Teamführung, der im Vergleich zum Vorjahr kräftig überarbeiteten Maschinen sowie der ermutigenden Ergebnisse bei den Vorsaisontests und beim EM-Lauf in Cartagena auch gelingen sollte. »Ich erwarte Katoh und Ui in der WM unter den ersten Zehn, sonst wäre ich enttäuscht«, formuliert Hermann Kurz sein Ziel für die erste Grand Prix-Saison.
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Kurz, Hermann: Porträt (Archivversion)

Hermann Kurz45 Jahre alt, Beruf: Betriebswirt, verheiratet, drei Kinder: Diana (20 Jahre), Julia (15), Veronika (11), Hobbys: Radfahren, Wandern, Natur, Stammtisch Autogrammadresse: Kurz-Zweiradsport GmbH, Geiselroter Heidle 1, 73494 Rosenberg1965 -1978 Starts bei Moto Cross- und Enduro-Wettbewerben1975 - 1993 Eigenes Moto Cross- und Enduro-Team mit Suzuki. Cross-DM-Titel mit Willi Bauer (250 und 500 cm³/1975), Emil Schwarz (125 cm³/1978), Walter Gruhler (500 cm³/1981), Roland Diepold (125 cm³/1982), Dietmar Lacher (125 cm³/1983, 1984), Alain Lejeune (125 cm³/1985), Harald Ott (125 cm³/1988), Pit Beirer (125 cm³ und Inter-DM, 1991, 1992), Alexander Hofmann (80 cm³/1992).Enduro-DM-Titel mit Dirk von Zitzewitz (250 cm³, Meister aller Klassen/1990, 1991), Jens Scheffler (350-cm³-Viertakt/1990), Paul Listl (80 cm³/1991), Kai-Armin Pfefferle (500 cm³/1991, 1992).1985-1986 Superbike-DM Team mit Ernst Gschwender und Mario Rubatto auf Suzuki GSX-R 750. Zwei Vizetitel (Gschwender). 1996 Yamaha Moto Cross-Team mit Roland Diepold, Edwin Evertsen, Dave Strijbos, Rudy Versteeg, Jef Janssen, Josef Dobes; Yamaha-Straßen-Grand Prix-Team (125 cm³) mit Yoshiaki Katoh, Youishi Ui und José-Ramon Ramirez.

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