Aprilia Shiver 900 im 50.000 km-Dauertest

Italo-V2 geht auf die Langstrecke

In 4 Tagen ging es mit der Shiver 2.500 Kilometer durch die Alpen.Der V2 drückt schön aus dem Drehzahlkeller, ideal für die Berge.Besuch am Croce Domini-Pass.95-Aprilia-PS treffen einen Haflinger.
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Mit der Aprilia Shiver 900 reiht sich ein weiterer Neuzugang in den Dauertestfuhrpark der Redaktion MOTORRAD ein. Auch der italienische V2 muss sich über 50.000 km bewähren.

Der Dauertestfuhrpark der Redaktion MOTORRAD füllt sich zum Saisonstart wieder merklich. Ab sofort gesellt sich zu diesem illustren Kreis ein weiterer Zweizylinder - die Aprilia Shiver 900.

Kilometerstand: 15.600, 09/2018

Die Dauertest-Aprilia ist reif für ein kleines Update. Test-Chef Andreas Bildl ist an der Shiver ein leichtes Taumeln bei niedrigem Tempo aufgefallen. Die Kontrolle des Lenkkopflagers ergab eine Raststelle in Mittelstellung. Kurzfristige Abhilfe schaffte eine halbe Umdrehung weniger Vorspannung an der Lenkkopflagermutter. Jetzt geht’s wieder, fühlt sich aber vorne nicht mehr so satt an. Das Lenkkopflager wird damit wohl ein Fall spätestens für die 20.000 km-Inspektion.

Zudem mussten die Serienbremsscheiben plus Beläge am Vorderrad Wave-Scheiben plus neuen Belägen aus dem Zubehör weichen. Das vielfach kritisierte Rubbeln ist verschwunden, die Bremsleistung satt.

Kilometerstand: 13.700, 08/2018

MOTORRAD-Produktionerin Petra Wiesner hat sich mit viel Respekt der Aprilia Shiver 900 genähert. Mit einer Körpergröße von 1,64 Meter komme ich doch gerade mal mit den Zehenspitzen auf den Boden. Das Handling der Shiver ist da nicht ganz so einfach, zumal der Schwerpunkt gefühlt relativ weit oben liegt. Brems- und Kupplungshebel sind einstellbar, was mir  entgegenkommt. Das Display ist gut abzulesen, leider ohne Tankanzeige.

Die Sitzposition ist schön aufrecht und die Fußrasten sind beim Anhalten und Absetzen der Füße meinen Beinen nicht im Weg. Der Motor wärmt einem schon kurz nach dem Start die Füße und Unterschenkel - bei 36 Grad in der Innenstadt Stuttgarts etwas unangenehm. Dafür hat man oft freie Bahn, da die Shiver selbst beim weit Vorausfahrenden Gehör findet.

Getriebe und Schaltung find ich präzise, nur die schwergängige Kupplung führt bei kleinen Frauenhänden schnell zu Ermüdung.
Die Bremse vorne wirkt etwas bisslos, bremst aber ausreichend. Zu wenig Feedback liefert nach meinem Geschmack das Vorderrad - ich bekomm mit meinen 57 kg keinen Druck auf die Front.  Der Motor schiebt so gleichmäßig und kraftvoll, das macht richtig viel Spaß. Das etwas unwillige Einlenken und Nachlenken in Kurven meiner Kollegen kann ich bestätigen. Und trotzdem hab ich die Shiver lieb gewonnen: runterschalten und freuen :-)

Der satte Klang und der kraftvolle Schiebe-Motor machen es für mich zu einem sehr emotionalen Motorrad. Und schön ist sie sowieso.

Foto: Uli Baumann
Die Shiver trifft in den Bergen eine Rad-Installation.
Die Shiver trifft in den Bergen eine Rad-Installation.

Kilometerstand: 13.540, 08/2018

Bei km 10.867 stand an der Shiver der kleine Kundendienst an. Es gab frische Filter und frisches Öl sowie ein Update der Cockpit-Software. Die quietschenden Bremsbeläge wurden nachgeschliffen. Die kleine Inspektion schlug mit 123,95 Euro zu Buche.

Kurz darauf hat Online-Redakteur Uli Baumann die Aprilia Shiver auf eine Alpen-Intensiv-Tour entführt: 2.500 km in 4 Tagen. Und die Shiver hat sich wacker geschlagen. Der V2 zieht sauber aus dem Drehzahlkeller und hat auch in der Mitte immer ausreichend Leistung. Leistung oben raus brauche ich in den Bergen nicht. Die Laufkultur ist für einen V2 echt respektabel, nur das Konstantfahrruckeln nervt. Ein Gedicht ist - wenn man wie ich sowas mag - der Sound der Shiver. Ja, auch das Patschen beim Abtouren. Die Bremse ist von der Wirkung ausreichend, könnte aber mehr Biss haben. Und dröhnen tut sie auch noch nach der Inspektion. Das Federbein fühlt sich bei flotter Gangart, besonders mit Gepäck, etwas überfordert an - das Heck wird unruhig.

Nicht durchdacht ist das Gepäcksystem. Die Softbags lassen sich zwar am Träger festschließen, das Schloss sitzt aber in der Tasche. Wer abschließen möchte, muss zuerst wieder den Koffer ausräumen. Der Tankrucksack bietet viel Platz und ist gut fixiert. Nachbessern dürften die Italiener auch die Sitzbank, hier wäre für meinen Geschmack mehr Härte angesagt. Die Sitzposition ist dafür für mich (1,89 Meter, 85 kg) saubequem. Auch gibt sich die Shiver sehr genügsam und kam auf meiner Tour kaum über 4,5 Liter auf 100 Kilometer (Das Digitalcockpit kann echt fast alles und das recht gut, mir fehlt allerdings eine klare Tankanzeige). Und schön finde ich sie sowieso.

Foto: Gerd Mayer
Aprilia Shiver auf großer Allgäu-Alpen-Tour.
Aprilia Shiver auf großer Allgäu-Alpen-Tour.

Kilometerstand: 10.700, 8/2018

Bei meinem Erstkontakt mit der Aprilia Shiver braucht es eine Weile, bis wir uns aneinander gewöhnt haben, resümiert MOTORRAD-Grafiker Gerd Mayer. Denn sie gibt sich störrisch und lenkt nicht gerne ein. Auch in Wechselkurven ist Arbeit angesagt. Die Bremsen funktionieren eigentlich ordentlich, nerven allerdings mit lautem Quietschen und heftigem Bremsgerubbel auf den letzten Metern des Anhalte-Weges. Beim Heranfahren an Kreuzungen und Ampeln sorgt das für Unmut. Das wird ein Thema für die Inspektion…

Der Motor schlägt sich deutlich besser. Mit 95 PS hat die Shiver genug Dampf, um auf Landstraßen richtig Laune zu machen. Das Triebwerk geht auch angenehm zu Werke, hat schon früh genug Drehmoment um in Verbindung mit der gut dosierbaren Kupplung ohne viel Übung flott aus dem Stand zu beschleunigen. Dabei entwickelt der Motor einen schönen warmen Sound, nervt aber im Schiebebetrieb mit ausgiebigem Auspuffpatschen. Teilweise so laut, dass sogar der vorausfahrende auf der Africa Twin von seinem Moped soundmäßig nicht mehr viel mitkriegt. Eigentlich ganz geil, aber beim Fahren in der Stadt nicht wirklich politisch korrekt.

Eine erste Begegnung mit der Shiver ist in etwa so, als würde man sich zu einem Blinddate beim Italiener verabreden und trifft dort dann am vereinbarten Tisch eine junge Sophia Loren im knappen Abendkleid. Knackiger Hintern, schmale Taille, zwei pralle Zylinder, alles wunderbar. Man bestellt zwei Gläser teuren Wein, um das Date anzukurbeln. Die Gläser kommen, man blickt sich in die Augen, stößt an. Und dann trinkt Sophia das ganze Glas auf Ex und lässt einen Rülpser durch das Restaurant dröhnen, der alle Blicke auf sie lenkt…

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Ich finde die Aprilia Shiver 900 ausgesprochen hübsch. Alles wirkt gut verarbeitet und aufgeräumt. Der Qualitätseindruck bezüglich der Haptik und der Verarbeitung ist wirlich sehr ordentlich. Gefällt mir von der Optik her deutlich besser als die MT-Modelle von Yamaha oder auch die KTM-Nakeds. Mögen Underseat-Auspuffanlagen heute nicht mehr state-of-the-art sein, ich finde sowas immer noch cool. 90er-Jahre-Sozialisierung halt… Sie verzichtet auf Retro-Anbiederung, wirkt nicht zu technisch und trotzdem modern. Eine klassische Schönheit, mit designmäßig langer Haltbarkeitsdauer. Die sieht in 20 Jahren immer noch gut aus!

Das Getriebe schaltet exakt, aber hart. Ich habe viel probiert, um mit Schaltfuß und Kupplungshand ein bisschen mehr Ruhe reinzubringen, es ist mir nicht gelungen. Die Blinker-Armatur nervt ohne klare Rastungen, das bekommen sogar Chinesen mittlerweile deutlich besser hin. Die verstellbaren Handhebel kommen mir mit meinen kleinen Händen entgegen, das ist immer nett. Das Cockpit ist gut abzulesen, allerdings frage ich mich, warum ich keine Tankanzeige habe. Die Warnlampe und eine Anzeige für die gefahrenen Kilometer seitdem die Lampe anging müssen reichen. Schwach…

Da wir im gemäßigten Touren-Modus unterwegs waren, habe ich die unterschiedlichen Fahrmodi und die Anpassung der Traktionskontrolle nicht großartig ausgetestet. War im Fahrmodus „Tour“ mit der TCS auf Stufe 2 unterwegs.

Wäre sie was für mich? Wahrscheinlich nicht. Händlernetz und Ersatzteilversorgung mitunter schwierig, im Handling einfach den Tick zu störrisch. Und die Rülpser? Manchmal peinlich… Aber schön ist sie schon.

Foto: Volkmar Jacob

Kilometerstand: 9.300, 7/2018

Bei Kilometerstand 7.344 bekam die Aprilia einen neuen Satz Reifen spendiert. Kollege Volkmar Jacob hatte geplant, im Urlaub zirka 2.000 Kilometer auf die Italienerin zu brennen, der originale Hinterreifen (Pirelli Angel ST) wies aber nur noch ein Restprofil von zirka zehn Prozent auf – eindeutig zu wenig für die Tour. Vorne hätte der Gummi zwar durchgehalten, Restprofil zirka 40 Prozent. Aufgezogen wurden vorn und hinten Michelin Pilot Power 2CT auf – hinten in Originalgröße 180/55.

Wie offenbar auch mit der Erstbereifung, wirkt die Shiver mit den Michelins beim Einlenken etwas nervös, gar leicht kippelig. Außerdem benötigt sie öfters minimale Lenkkorrekturen während der gesamten Kurvendurchfahrt – zwar nicht wirklich schlimm, aber eben spürbar. Wie auf Schienen ist jedenfalls anders. Außerdem stellt sich die Fuhre bei Bodenwellen in Schräglage mitunter etwas auf. Das liegt wohl auch an der schmalen Dimension des Hinterreifens auf dem Sechs-Zoll-Rad. Erfahrungsgemäß ist das keine perfekte Kombination, denn die Reifenkontur fällt zu flach aus. Etwas gewölbter wäre besser. Daher müssen wir unbedingt mal einen 190er-Schlappen ausprobieren (Michelin-Freigabe liegt vor).

Ansonsten hat Kollege Jacob die Aprilia echt getaugt. Der Motor zieht schön kräftig von unten heraus und baut seinen Punch gleichmäßig auf. Lediglich in oberen Regionen wirkt das 95 PS-Aggregat etwas müder, doch mehr Power vermisst man zumindest in kurvenreichen Regionen selten. Dazu geht die Italienerin sanft ans Gas, das bei vorherigen Einträgen monierte Konstantfahr-Ruckeln nimmt man zwar zur Kenntnis, ist aber nicht weiter tragisch. Außerdem bietet der fast schon bedrohlich grollende V2 auch akustisch astreinen Unterhaltungswert. Beim Stop-and-go-Verkehr nervt die schwergängige Kupplung etwas, ihre Dosierbarkeit beim Einrücken ist aber top.

Die Bremsen benötigen für knackige Verzögerungen viel Handkraft. Das geht zumindest aus sportlicher Sicht besser. Dazu dröhnen die Anker kurz vorm Anhalten merkwürdig. Hier müssen wir bzw. die Werkstatt Ursachenforschung betreiben. Bei 10.000 Kilometer folgt ohnehin eine Inspektion, aktuell hat die Aprilia etwas über 9.300 Kilometer auf der Uhr.

Die Shiver positioniert ihren Piloten angenehm aufrecht, weder zu sportlich noch zu inaktiv – top! Wie bei vielen anderen Bikes auch freut man sich aber spätestens nach zweieinhalb Stunden auf einen Tankstopp, denn dann braucht das Hinterteil eine Pause. Trotzdem absolvierte ich einmal einen Zwölf-Stunden-Ritt, bei dem ich nach zirka der Hälfte öfters in die Rasten stehen musste, sonst wäre das nicht möglich gewesen. Denke mal, das Polster ist etwas dünn und weich geraten, worauf es sich nach einiger Zeit durchsitzt. Jedenfalls spüre ich meinen Arsch noch zwei Tage nach dieser Mamut-Distanz.

Praktisch für Touren ist der für die Shiver maßgeschneiderte, hauseigene Tankrucksack. Einfach das Trägerelement am Rahmen anbringen, Tankrucksack per Steckschnallen befestigen, fertig. Das Teil hat zwar keine durchsichtige Kartentasche und nur ein Hauptfach, in Zeiten von Navi und Smartphone-Apps benötigt man Kartenmaterial aber allenfalls zur Übersicht. Und für das Nötigste – Geldbeutel, Handy, Papiere, Wasserflasche, etc., genügt der Stauraum auf alle Fälle. Habe den Tankrucksack wirklich schätzen gelernt.

Unterm Strich ist die 900er-Shiver für um 9.000 Euro ein faires Angebot.

 

Kilometerstand: 6.128, 6/2018

„Hey Tobi, Fuhrparkmeister, ich brauche ein Motorrad, auf dem man auch Gepäck verzurren kann. Ich muss nach Italien!“ Mit dieser Ansage erschien Testredakteur Jens Möller-Töllner beim Fuhrparkleiter von MOTORRAD, Tobias Wassermann. „Italien?“ warf dieser zurück, „dann schnapp` dir die Aprilia Shiver 900“. 

Gesagt, getan. Und auch wenn die Wetteraussichten nichts Gutes verhießen, ging es nach dem Start südlich von Stuttgart erst mal auf der Landstraße in Richtung Memmingen im Allgäu. Allemal besser als stumpfes Rollen über die Autobahn. Ein guter Gedanke, die dunklen Wolken am Himmel machten jedoch schnell klar, dass der Landstraßenspaß schnell zu Ende sein würde. Dann eben doch rauf auf die Autobahn, hinter der Grenze das „Pickerl“ gekauft und weiter Richtung Brenner. Die Aprilia schnurrte wie ein Kätzchen, war durch die Tempolimits und das erhebliceh Verkehrsaufkommen allerdings auch nicht gefordert. So durfte ihr 95 PS starker V2 seinen lässigen Beat bis zum Ziel in Tesero kurz hinter Bozen beibehalten. Der Himmel gab zwar kurzfristig mal wolkenloses Blau preis, das aber mit dem letzten Anstieg Richtung Hotel in Tesero wieder nassem Grau wich. 

Foto: Möller-Töllner
Der Shiver-Ausflug von Test-Redakteur Jens Möller-Töllner führte zum Timmelsjoch.
Der Shiver-Ausflug von Test-Redakteur Jens Möller-Töllner führte zum Timmelsjoch.

Mehr wärmende Strahlen erwarteten den Dauertester samt Piloten auf der Rückfahrt gen Stuttgart. Und weil der Zeitdruck nicht allzu mächtig war, schied der direkteste Weg schnell aus. So blubberte die Aprilia früh morgens noch entspannt Richtung Meran, bevor es nach einigen weiteren Überbrückungskilometern mit der Anfahrt zum Timmelsjoch sportlicher wurde. Dem Drängen des Piloten nach knackigen Schräglagen stimmte die Shiver aber nur unwillig zu. Störrisch gab sich der aufgezogene Pirelli Angel ST, der jeden leichten Absatz in Fahrtrichtung mit einem leichten Wackler seitens des hinteren Reifens begrüßte. Für den italienischen V2 gibt es keine Reifenbindung, Pirelli selbst listet den Angel ST unter den eigens erstellten Freigaben aber nicht auf, empfiehlt andere Reifenpaarungen. Ob die besser mit der Shiver harmonieren, oder ob es doch letztendlich an der unglücklichen Kombination aus sechs Zoll breiter Felge und 180er-Hinterreifen liegt, muss der weitere Verlauf des Dauertest zeigen. Andere Reifen sind da der nächste Schritt. 

Überholvorgänge meistert die 900er lässig

Hinzu kommt, dass das Federbein hinten ohne Zug, also wenn das Gas komplett geschlossen ist, in Kurven schon mal klar einsackt, nur um dann beim Gasanlegen wieder aus der Feder zu huschen. Das fühlt sich dann immer ein wenig so an, als würde der Reifen hinten schon bei wenig Grad Schräglage wegrutschen. Kein schöner Eindruck, weshalb als erste Lösung die Zugstufe hinten weit geschlossen wurde. Das brachte etwas Linderung. Richtig sauber eilte die Shiver aber nie so ganz das Timmelsjoch hoch. Schade, weil der Motor beim flotten Galopp bergauf viel Spaß bereitet, seine 95 Pferde willig und engagiert antreten. Selbst Überholvorgänge meistert die 900er lässig aus dem Handgelenk.

Foto: Möller-Töllner
Der Pirelli-Reifen und die Shiver harmonieren nicht wirklich miteinander.
Der Pirelli-Reifen und die Shiver harmonieren nicht wirklich miteinander.

Und weil der V2 ein richtiger kleiner Freudenspender ist, ging es nach der ersten Abfahrt in Österreich ab Imst dann gleich wieder hoch aufs Hahntennjoch. Dessen Asphaltgüte lässt aus dieser Richtung gen Gipfel oft zu wünschen übrig, zeigte noch einmal deutlich auf, dass die Aprilia in Sachen Fahrwerk noch nicht optimal arbeitet. Weshalb nach der insgesamt 942 Kilometer langen Tour sofort eine Stippvisite in der Motorradwerkstatt folgte. Als erste Kur wurde die Vorspannung vorne reduziert und hinten erhöht. Ob das die entscheidende Verbesserung gebracht hat, müssen die nächsten Kilometer zeigen. Wir sind gespannt. 

Foto: Christian Vetter
Aprilia Shiver 900 auf Elsasstour.
Aprilia Shiver 900 auf Elsasstour.

Kilometerstand: 3.859, 5/2018

Seit ihrem Dauerteststart Anfang Mai 2018 hat die Aprilia Shiver schon knapp 4.000 Kilometer gesammelt. Dabei führten sie ihre Wege bereits drei Mal nach Frankreich. Testfahrer Christian Vetter lobt auf seinem Tripp die versammelte, aber nicht inaktive Sitzposition. In engen Serpentinen fährt sich die Shiver allerdings kippelig und nervös, es will sich keine saubere Linie einstellen. Ob es am Reifen (Pirelli Angel GT) liegt, wird sich erst nach einem Wechsel zeigen.

Gefallen haben Christian der saubere Druck ab 3.000/min. Die kraftvolle Mitte macht die Shiver zum optimalen Landstraßenfeger. Unter dieser Schwelle hackt der Antrieb sich durchs Leben, nervend ist auch das Konstantfahrruckeln, besonders bei kaltem Motor, sowie die Pendelneigung bei voller Beladung und hohem Speed (180 km/h).

Foto: Baumann
Erste Tour und schon über 2.000 km auf der Uhr.
Erste Tour und schon über 2.000 km auf der Uhr.

Kilometerstand: 972, 05/2018

Mit jungfräulichen 972 Kilometern auf der Uhr trat sie ihren Dienst an und wurde sogleich auf eine erste Tour durch das Elsass entführt, der die ersten 1.000 zusätzlichen Kilometer auf das Konto des Dauertesters spülte. Ausgerüstet ist unser Dauertestbike mit einem kleinen Windschild sowie Softbags für den Gepäcktransport. Kollege Stefan Kaschel notierte dabei seine ersten Eindrücke.

Es gibt viele, die haben sie nicht auf dem Zettel , schon gar nicht auf dem für ihren nächsten Motorradkauf. Aprilia Shiver – das ist und bleibt wohl auch in Zukunft eine eher graue Maus in der gerade so beliebten und umkämpften Motorrad-Mittelklasse. Daran wird vermutlich weder die  grelle Lackierung mit Gitterrohrverbund und Ventildeckeln in Signalrot etwas ändern, noch der MOTORRAD-Dauertest. Und dennoch: Jetzt ist sie da, die Shiver 900, und ihren ersten Trip hat sie auch bereits im stabilen Fahrwerk stecken.

Vier Tage Elsass, vier Tage Kurven und Fahrbahnbeläge aller Couleur, vier Tage kaum Verkehr. Das waren ideale Voraussetzungen, um eine erste Duftmarke zu setzen. Ausgestattet mit kleinen, aber durchaus praktischen Softbags und einem Tankrucksack aus dem Aprilia-Zubehörprogramm erwies sich die Shiver als angenehme, unkomplizierte Begleiterin. Die Ergonomie ist auch für Menschen über 1,80 Meter gelungen, das Cockpit ist übersichtlich, die Bremsen sind wirkungsvoll und gut dosierbar. Als echter Landstraßen-Held entpuppt sich der Motor, der weniger auf Spitzenleistung als auf verwertbaren Druckim mittleren Drehzahlbereich setzt. Ab zirka 3.500/min schiebt er polternd und mit Nachdruck an, fühlt sich im mittleren Drehzahlbereich pudelwohl und dreht auch gerne und willig bis in fünfstellige Drehzahlen.

Aber die braucht es selten. Häufig jedoch fällt die Drehzahl, speziell bei Ortsdurchfahrten, unter die 3.000er Marke, und dann schüttelt und rüttelt es heftig im Gebälk. Konstantfahr-Ruckeln ist ebenfalls ein Thema für den 90-Grad-V2, der seine übersichtlichen 95 PS bei knapp 9.000/min entwickelt. Also besser einen Gang niedriger durch die kleinen, beinahe verwunschenen Elsass-Orte mit ihren historischen Stadtkernen, indenen die Welt stehengeblieben scheint. Die Beziehung zur Shiver hingegen hat sich in diesen vier Tagen entwickelt: gelungene Ergonomie, ein Verbrauch zwischen fünf und sechs Litern (je nach Fahrweise) und eine damit verbundene Reichweite zwischen gut 200 und rund 300 Kilometern, ein ordentliches Fahrwerk und mit dem Pirelli Angel eine homogene Erstbereifung  – da flammt der Wunsch nach mehr nur selten auf. Der Wunsch nach einem Flammkuchen und einem guten Glas Wein hingegen fuhren immer mit. Ebenso wie die Gewissheit: Diese Aprilia wird schnell vom Mauerblümchen zur Mauerblume werden und den MOTORRAD-Dauertestfuhrpark bereichern. Garantiert!

Foto: Stefan Glück
Aprilia Shiver 900 auf dem Prüfstand.
Aprilia Shiver 900 auf dem Prüfstand.

Dauertest-Standards absolviert

Bevor der Zweizylinder aber endgültig in den Redaktionsalltag entlassen wurde, musste er sich auf dem Prüfstand messen lassen.

Danach folgte noch die Eingangsmessung sowie die Verplombung des Motors und eine Kompressionsmessung. Ungefähr bei 25.000 km veröffentlicht MOTORRAD dann eine Dauertest-Zwischenbilanz; nach 50.000 Kilometern folgen Abschlussmessungen, bevor der Motor der Shiver zerlegt und begutachtet wird.

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