BMW G 310 R im 50.000 Kilometer-Dauertest

Mit neuer Bremse wieder auf Tour

Auch ein Besuch im mondänen Marienbad stand auf dem Reiseprogramm.
BMW G 310 R bei einem Ausflug ins Remstal. Kilometerstand: 17.790.Das Dauertest-Motorrad wurde mit allerlei Zubehör von Wunbderlich aufgerüstet. Dazu gehört auch ein Tankrucksacksystem in verschiedenen Varianten
23 Bilder

Die BMW G 310 R ist bei MOTORRAD zum Dauertest über 50.000 Kilometer angetreten. Hier erfahrt ihr alles darüber, wie sich der kleine Einzylinder über diese Distanz schlägt.

BMWs Einstiegs-Roadster G 310 R traf am 17.5.2017 in der Redaktion ein – nach einer ziemlich langen Vorlaufzeit. Direkt nach der ersten Fahrpräsentation im September 2016 hatte MOTORRAD die Fühler nach der kleinen Nackten im Programm der Münchner ausgestreckt. Auch, weil der Einzylinder mit seinen 34 PS aus genau 313 cm³ Hubraum in Indien gefertigt wird. Bleibt die spannende Frage: Stimmt die Qualität? Wohl nicht ganz – zumindest nicht bei den ersten Modellen. Anfang Oktober 2016 sollte die G 310 R in den Handel kommen. BMW stoppte die Auslieferung, sagte Probe­fahrten ab. Laut BMW entsprach ein ­Zulieferteil nicht den durch die eigene Qualitätsprüfung vorgegebenen Langzeit­eigenschaften. Aber es kam noch dicker: Mitte April 2017 folgte nach Auslieferung der ersten Exemplare ein Rückruf. Wegen vier Schrauben mit falschen Reibwerten an der Lenkerklemmung und eines Fehlers bei der Montage des vorderen Bremssattels musste BMW nachbessern.

Keine ganz so guten Vorzeichen für den Start der Dauertest BMW G 310 R, die aber ohne Zweifel ihre Qualitäten hat. Was die kleine BMW im Dauertest erlebt, lest ihr hier.

 

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Foto: Dentges
Der nachgerüstete Wunderlich-Windschild sieht zwar nicht unbedingt gut aus, erfüllt allerdings seinen Zweck.
Der nachgerüstete Wunderlich-Windschild sieht zwar nicht unbedingt gut aus, erfüllt allerdings seinen Zweck.

Kilometerstand: 20.750, 6/2018

Ich dachte schon beim Visier meines Nolan-Helmes: Das muss im vorherigen Leben eine Schaufensterscheibe gewesen sein… Beim Wunderlich-Windschild für die kleine BMW bin ich mir nun dessen sicher: Wow, was für ein Panorama-Fenster! Die Scheibe sieht an der 310 zwar komplett bescheuert aus, wirkt aber. Bei Tempo 130 auf der Autobahn nimmt sie Druck vom Helm und der Schulterpartie, ich muss dann meine 1,87 Meter nicht ganz so zusammenfalten. Angenehm!

Foto: Petra Wiesner
BMW G 310 R auf ihrem Tschechien-Tripp.
BMW G 310 R auf ihrem Tschechien-Tripp.

Kilometerstand: 19.800, 6/2018

Ende Mai ging es für die kleine BMW mit Kollegin Petra Wiesner Richtung Vogtland und Tschechien. Hier ihre Eindrücke von der G 310 R: Nettes, handliches Motorrad. Fühlt sich sehr leicht an. Mittelmäßiger Bodenkontakt, komme nicht mit dem ganzen Fuß auf den Boden (1,64 m). Leider keine einstellbaren Brems- und Kupplungshebel. Display sehr schlecht ablesbar bei Sonnenschein. Sehr kleine und unscheinbare Blinkeranzeige. Tolle Motorbremse, vordere Scheibenbremse dafür nicht ganz so toll. Die Wunderlich-Scheibe ist sehr angenehm und entlastet den Fahrer spürbar, aber sie ist auch extrem hässlich. Die Plastik-Handschützer finde ich unnötig. Das Tankrucksacksystem von Wunderlich ist etwas umständlich in der Handhabung, aber funktioniert. Er hat zu wenig Unterteilungen innen (nur ein großes Fach). SW-Motech mit Tankring find ich besser.

Nach diesem Tripp steht die 20.000 km-Inspektion für die Dauertest-BMW an.

Foto: MPS-Fotostudio
Bereitete Probleme und wurde getauscht: Hinterradbremse.
Bereitete Probleme und wurde getauscht: Hinterradbremse.

Kilometerstand: 17.700, 5/2018

Nachdem die Hinteradbremse immer wieder Probleme mit der Gangbarkeit zeigte, die sich auch mit neuen Belägen und gereinigten Kolben nicht beheben liesen, wurde jetzt die komplette Hinterradbremse getauscht.

Die kleine BMW taugt ganz gut für den Pendelverkehr. Leistung passt in der Stadt, Kupplung (dass der Hebel beim Kuppeln jedes Mal klimpernd an das Ausgleichsgewicht am Lenkerende stößt, nervt etwas), Getriebe, Fahrverhalten alles soweit stimmig. An der ein oder anderen Stelle wünscht man sich beim Durchschlängeln einen etwas schmaleren Lenker. Kritik gibt es auch für das Kaltstartverhalten. Obwohl sie die frische Frühsommernacht in der Garage verbrachte, startet sie morgens wirklich schlecht.

Foto: Baumann
Auch in den Alpen bereitet die G 310 R reichlich Spaß.
Auch in den Alpen bereitet die G 310 R reichlich Spaß.

Kilometerstand: 15.790, 2/2018

Reifenwechsel auf Dunlop Sportsmart2 Max: Ob der bemängelte matschige Druckpunkt der Bremse oder der unaufmerksame Fahrer schuld war, dass die BMW bei der Herbstausfahrt am Heck des Redaktionsbullis anklopfte, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls hat sie jetzt ein neues, rundes Vorderrad.

Kilometerstand: 15.394, 2/2018

Steuerkopflager musste nachgestellt werden.

Kilometerstand: 13.200, 10/2017

Bei einem leichten Auffahrunfall (10 km/h) hat die Vorderradfelge einen Schlag abbekommen. Im Fahrbetrieb ist davon aber nichts zu spüren. Felge wurde getauscht, Gabel ohne Befund vermessen.

Kilometerstand: 11.000, 9/2017

Auch die BMW G 310 R hat die aktuell grassierende Kupplungsseuche erwischt. In kaltem Zustand, so sagen es die ersten Einträge bei Kilometer 5.500 km im Fahrtenbuch, neigt sie zum Rupfen, auch um die Schaltbarkeit des Getriebes ist es nicht zum Besten bestellt. Dem matschigen Druckpunkt der Bremse wurde durch Entlüften anlässlich der 10.000 km-Inspektion (117,10 Euro) versucht beizukommen. Mit mäßigem Erfolg. Der linke Blinker zeigt sich von innen beschlagen.

Dennoch bereitet „das Kleine“, wie sie gerne genannt wird, auch gestandenen Fahrensmännern durchaus Spaß und wurde bereits zweimal durch die Alpen gescheucht. An- und Abreise auf eigener Achse selbstverständlich inklusive. Andere wiederum bezeichnen die BMW als "üble Gurke".

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