Yamaha MT-09 im 50.000 km-Dauertest

Im Umgang eigen, aber sehr beliebt

Früher Vogel fängt den Wurm: hier in den italienischen Alpen.
Vorneweg: In der Fahrergunst liegt der Motor vorn. Beim Fahrwerk dagegen ist noch viel Luft nach oben.Phänomenal: Dem Motor sollte man einen Orden verleihen.Hoch hinaus: Die Dauertest-MT sah auch viele Pässe von oben.Früher Vogel fängt den Wurm: hier in den italienischen Alpen.
37 Bilder

Die MT-09 ist Yamahas erster Reihendreizylinder seit den XS-Modellen. Und wurde gleich ein Volltreffer. Mittlerweile hat die Yamaha MT-09 im Dauertest über 50.000 Kilometer zurückgelegt. Wir ziehen Bilanz.

Es sind wohl nur wenige Maschinen mit so viel Neugier und großen Erwartungen im Dauertest-Fuhrpark empfangen worden wie die Yamaha MT-09. Nach den ersten teils euphorischen Tests genoss ihr Dreizylinder bereits bei Dienstantritt im Oktober 2013 den Ruf, ein ganz großer Wurf zu sein: Druck in allen Lebenslagen, sahnige Drehfreude. „Ihr Motor ist ein wahr gewordener Traum für die Landstraße“, schwärmte Kollege Roman Kirschbauer im ersten Test und resümierte: „Verdammt viel Motorrad fürs Geld.“ Klarer Fall, so ein Ding muss in den Dauertest. Den trat dieYamaha MT-09 mit fast jungfräulichen 520 Kilometern an. Und Roman sorgte sogleich für den ersten Eintrag im Fahrtenbuch: „Liebe MT-09, ich freue mich sehr, dass du da bist“, notierte er, wohl stellvertretend für viele andere.

Aber wie das so ist bei vielen glühenden, heiß und innig begonnenen Beziehungen, irgendwann kehrt der Alltag ein. Sprich: simple Transporttätigkeit von A nach B, dröger Stadtverkehr und der tägliche Weg zur Arbeit statt lustvollem Landstraßenbrennen. Und prompt findet sich der erste nörgelige Eintrag über die ruppige Gasannahme im Fahrtenbuch. Ein Makel, der sich fortan wie ein kräftiger roter Faden durch den Dauertest der Yamaha MT-09 zog. Das taten allerdings auch die begeisterten Kommentare über die Leistungsfähigkeit des famosen Dreizylinders. Sein unglaublich breites nutzbares Drehzahlband, sein begeistertes Hochdrehen und den druckvollen Antritt des Drillings, der sich seine Leistungsbereitschaft noch nicht einmal über Gebühr honorieren ließ. 5,0 Liter/100 km sind angesichts seiner Performance mehr als okay. Wobei Tanken bei der MT-09 mit Geduld verbunden ist – zumindest, wenn man die letzten zwei Liter noch in den mit 14 Litern relativ kleinen Tank hineinbringen will. Denn die sickern nur langsam in das Spritfass hinein. Eine lästige Schrulligkeit am Rande, wie auch die progressiv anzeigende Tankuhr.

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Foto: mps-Fotostudio
Im Rahmen einer Rückrufaktion kam die MT-09 bei Kilometerstand 3.833 ein neues ABS-Steuergerät.
Im Rahmen einer Rückrufaktion kam die MT-09 bei Kilometerstand 3.833 ein neues ABS-Steuergerät.

Feucht-fröhliches Aufsitzen am Morgen

Davon abgesehen zeigte sich die Yamaha MT-09 für eine komplette Neukonstruktion von der erfreulich robusten Seite. Ausfälle bis zur Dauertest-Zwischenbilanz bei Kilometerstand 32.615: null. Was nicht heißt, dass sie nicht doch in die Werkstatt musste. Gleich zu Beginn des Dauertests wurde im Zuge eines Rückrufs die ABS-Steuereinheit getauscht. Ein weiterer betraf nach rund 23.000 km den Tausch des Scheinwerferkabels.

Neben absoluter Zuverlässigkeit waren es also eher Kleinigkeiten im täglichen Gebrauch, mit denen die Yamaha MT-09 im Alltag auffiel. Mal blieb der Lichthupen-Knopf ohne Funktion. Dann wurden der äußerst unzureichende Spritzschutz bei Regenfahrten und die undichten Nähte der Sitzbank moniert, die nach einer regnerischen Nacht im Freien für ein feucht-fröhliches erstes Aufsitzen am Morgen sorgten.

Foto: markus-jahn.com
Herbstausfahrt 2014, eine lose Lenkkopfmutter macht einen kurzen Stopp notwendig.
Herbstausfahrt 2014, eine lose Lenkkopfmutter macht einen kurzen Stopp notwendig.

Bis dahin hatte die Yamaha MT-09 mit ihrer betörenden Leistungsabgabe zwar ein Highlight setzen können, aber keine weiteren. Kritik gab es beispielsweise für das wenig neutrale, kippelige Lenkverhalten. Welches sich mit der richtigen Reifenwahl ein wenig mildern ließ. Bei der Reifenempfehlung rauschte die Yamaha MT-09 beispielsweise mit Continental Road Attack2 Evo oder Michelin Pilot Road 4 mit mehr Neutralität um die Kurven. Wobei nicht nur das Lenkverhalten, sondern auch die weiche Fahrwerksabstimmung für kritische Fahrtenbuch-Einträge sorgte. Dinge, die sich durchaus auch in den meisten Leserzuschriften wiederfinden. Dazu gesellten sich mit zunehmender Testdauer Klagen über das hakelig schaltende Getriebe und die schlecht dosierbare Kupplung. Im Zusammenspiel mit der harten Gasannahme im Stadtverkehr eine ziemlich nervige Kombination.

Deshalb bekam die Yamaha MT-09 im Rahmen der 30.000-km-Inspektion ein neues Motormapping aufgespielt, das die Gasannahme zumindest vorerst etwas beruhigte. Bei der Gelegenheit implantierte die Werkstatt eine neuere Version des Kettenspanners, der die bis dahin monierten Ticker-Geräusche aus dem Motor eliminierte.

Foto: Rainer Froberg
Keine Überraschungen in der Werkstatt.
Keine Überraschungen in der Werkstatt.

Moderate Inspektionskosten

Apropos Inspektionen: Alle 10.000 km muss die Yamaha MT-09 in die Werkstatt. Die Kosten für die erste und dritte Inspektion fielen mit jeweils rund 200 Euro erfreulich moderat aus. Die 20.000er-Wartung schlug mit 574 Euro schon kräftiger zu Buche. Zieht man allerdings den darin enthaltenen Kettensatz (254 Euro mit Montage) ab, liegen die Kosten mit rund 320 Euro durchaus im Rahmen. Erst die vierte Inspektion ging kräftiger ins Geld. Schließlich sind bei 40.000 km erstmals die Kontrolle des Ventilspiels und der Tausch des Luftfilters vorgesehen. Ohne den zu diesem Zeitpunkt fälligen erneuten Tausch des Kettensatzes wurden knapp 650 Euro fällig.

Weniger moderat waren zu diesem Zeitpunkt die akustischen und mechanischen Lebensäußerungen des Dreizylinders. Unter anderem monierte der Autor einen heulenden sechsten Gang. Ein Phänomen, das sich auch vereinzelt in den Leserzuschriften wiederfand. Dazu hatte die Gasannahme inzwischen wieder zu alter Härte zurückgefunden. „Miserables Kaltfahrverhalten, Gasannahme übel, und das Getriebe wird auch nicht besser“, ließ FUEL-Frontmann Rolf Henniges seinem Unmut über die Yamaha MT-09 im Dauertest freien Lauf.

Foto: www.bilski-fotografie.de
Kaum Ablagerungen an Brennräumen und Ventiltellern.
Kaum Ablagerungen an Brennräumen und Ventiltellern.

In puncto Vibrationen und mahlende Geräusche rückte die Kupplung in den Fokus. Wegen möglicherweise verschlissener Dämpferelemente wurden bei Kilometerstand 46.533 der Korb und wegen blau angelaufener Stahlscheiben das Lamellenpaket getauscht. Der Korb auf Garantie, die Kupplungsscheiben auf Rechnung. Fortan war es um die mechanische Laufruhe des Dreizylinders deutlich besser bestellt, und Einträge wegen des hakenden Getriebes oder einer rupfenden, schlecht dosierbaren Kupplung blieben auf den letzten 3500 Kilometern des 50.000-Kilometer-Dauertests der Yamaha MT-09 aus.

Nur etwas mehr als zwei Jahre hatte sie benötigt, um die 50.000 Kilometer abzuspulen. Trotz der vielen Kritiken zu den Umgangsformen von Motor und Fahrwerk. Sie hat etwas, diese Yamaha MT-09 und ihr Dreizylinder. Trotz der harten Sitzbank und überschaubarer Gepäcktransport-Möglichkeiten, die sie nicht gerade zum Langstrecken-Brenner stempelten. Die MT-09 war eine beliebte Begleiterin und ständig unterwegs. Eine gute Portion Spaß muss beim Fahren letztlich wohl doch stets dabei gewesen sein.

Überraschung auf dem Prüfstand

Die Skeptiker unkten dennoch bereits, ob denn die Mechanik wirklich schadlos über die Distanz gekommen sei. Und wurden von der abschließenden Leistungsmessung schwer überrascht. Die Yamaha MT-09 stand fast noch ein Quäntchen besser im Futter als zu Beginn des Dauertests.

Auch die übliche Kompressionsmessung am Ende der Distanz schien zu sagen: „Alles im grünen Bereich, Leute, keine Aufregung.“ Ja, aber die Vibrationen? Das hakelnde Getriebe und die harte Gasannahme? Das alles musste doch Spuren im Innern hinterlassen haben? Also ran ans Eingemachte, Motor aus dem Rahmen holen, zerlegen, die Einzelteile reinigen und vermessen. Sauber aufgereiht, gaben die Innereien der Yamaha MT-09 aber ein ganz anderes Bild ab: nämlich das einer bis in die Grundfeste soliden Konstruktion.

Kolben und Zylinder: maßhaltig und ohne Riefen. In den Laufbuchsen sind sogar noch die Honspuren zu sehen. Beide Nockenwellen: ohne erkennbaren Verschleiß. Haupt- und Pleuellager liegen innerhalb der Einbautoleranz. Lediglich leichte Druckspuren an einem Hauptlager ergeben ein etwas ungleichmäßiges Tragbild. Da Yamaha aber kein Verschleißmaß angibt und sich alle Lager innerhalb der Einbaumaße bewegen, gelten sie als maßhaltig und sind damit okay.

Foto: markus-jahn.com
Die MT-09 zeigt sich im Unterhalt genügsam.
Die MT-09 zeigt sich im Unterhalt genügsam.

Gasannahme inzwischen deutlich verfeinert

Ohne Befund auch die Ölpumpe. Das Getriebe: einwandfrei, keinerlei Auffälligkeiten im sechsten Gang. Das Gleiche gilt für Schaltwalze und Schaltgabeln, die hakeligen Gangwechsel schienen wohl auf das Konto der hart beanspruchten Kupplung zu gehen. Lediglich Kolbenbolzen und -auge des mittleren Zylinders zeigen – unbedenkliche – Laufspuren. Die Kolben selbst dagegen: einwandfrei. Die Sitze der Auslassventile sind leicht verbreitert und zeigen Brandspuren. Die Ventile dagegen tragen praktisch keine Ablagerungen, der Ölverbrauch der Yamaha MT-09 war über die Testdistanz ohnehin vernachlässigbar. Die Druckverlustprüfung ergab dann auch keinen nennenswerten Druckverlust, alle Ventile praktisch dicht, einmal frisch einschleifen, zusammenbauen und weiterfahren. So das Fazit zum Motor. Für ein völlig neu konstruiertes Aggregat ein ausgezeichnetes Ergebnis.

Auch das Fahrwerk zeigte sich trotz zweier Winter bis auf leichtes Spiel an der Umlenkung in ordentlichem Zustand. Was sich vom Packtaschenträger aus dem eigenen Zubehörprogramm mit unschönen Rostspuren an Halteplatten und Verschraubung nicht sagen lassen kann. Weil die Yamaha MT-09 aber letztlich im Unterhalt recht genügsam ist und mit 8,3 Cent/Kilometer (ohne Benzin, ohne Wertverlust) ihrem Besitzer nicht allzu schwer auf der Tasche liegt, Yamaha die Gasannahme inzwischen deutlich verfeinert hat, steht einem Fortgang der Erfolgsgeschichte eigentlich nichts im Wege.

Betriebskosten auf 50.000 Kilometern

12 Liter Öl à 15,39 Euro184,68 Euro
3 Ölfilter à 11,18 Euro33,54 Euro
1 Luftfilter à 24,02 Euro24,02 Euro
6 Zündkerzen à 13,00 Euro78,00 Euro
1 Satz Bremsbeläge hinten à 32,85 Euro32,85 Euro
2 Satz Bremsbeläge vorne à 42,11 Euro84,22 Euro
1 Kupplungszug30,41 Euro
1 Satz Kupplungsbeläge230,25 Euro
2 Kettensätze341,55 Euro
Bremsflüssigkeit7,19 Euro
Kleinteile, Schmierstoffe88,10 Euro
Dichtungen65,83 Euro
Inspektionen und Reparaturen1106,31 Euro
Reifen (inkl. Montage, Wuchten und Entsorgen)1858,00 Euro
Kraftstoff3671,31 Euro
Gesamtkosten7836,26 Euro
Anschaffungskosten8295,00 Euro
Wertverlust3845,00 Euro
Schätzpreis (Händlerverkaufspreis)4450,00 Euro
Kosten pro Kilometer (ohne Wertverlust)15,7 Cent
Kosten pro Kilometer (mit Wertverlust)23,4 Cent

Wartung und Reparaturen

km-Stand
ABS-Steuereinheit getauscht (Rückruf)3833
Reifen vorne und hinten erneuert, Bridgestone S 2010.468
Lichthupe defekt16.157
Reifen vorne und hinten erneuert, Dunlop Roadsmart 219.056
Kettensatz erneuert21.303
Scheinwerferkabel (Rückruf)22.954
Reifen vorne und hinten erneuert, Michelin Pilot Road 425.034
Kupplungszug erneuert25.415
Steuerkettenspanner erneuert (Garantie), neues Mapping aufgespielt29.756
Bremsbeläge vorne erneuert30.530
Reifen vorne und hinten erneuert, Pirelli Angel GT35.344
Kupplungszug, Kettensatz und Bremsbeläge hinten erneuert40.810
Reifen vorne und hinten erneuert, Bridgestone BT 02044.769
Kupplung getauscht46.533

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