Intermot-Neuheiten

Drunter & drüber: Intermot-Neuheiten 2001

Lukrativ, interessant, aber auch heiß umkämpft - so charakterisieren die meisten Anbieter den Zubehörmarkt in Deutschland. Zwar gibt der Verkauf an Neumaschinen leicht nach, doch der Motorradbestand und demzufolge auch die Nachfrage nach Bekleidung und technischem Zubehör sind riesig. Jeder noch so kleine Lieferant sucht daher in Deutschland sein Glück, nirgendwo ist folglich der Wettbewerb und der Kampf um Marktanteile so hart. Für den Konsumenten durchaus positiv, er profitiert von knapp kalkulierten Preisen und verlockenden Sonderangeboten.
Die Zeit der Schnäppchen dürfte allerdings allmählich zu Ende gehen: Erstens werden wohl einige Anbieter Opfer ihrer knappen Preiskalkulation, was einen gewissen Reinigungseffekt am Markt bewirken könnte. Zweitens zwingen ein schwacher Euro und ein starker Dollar oder Yen die meisten Importeure zu deutlichen Preiserhöhungen. Da betrifft im Übrigen teils auch die europäischen Hersteller, denn auch sie kaufen Rohmaterialien oft auf Dollarbasis ein.
Dass Umsatz und Gewinn zwei Paar Schuhe sind, hat etwa Shoei schmerzhaft erfahren müssen. Im Kampf um Marktanteile bauten die Japaner das Programm stetig nach unten aus, steigerten die Stückzahl. Doch in Zeiten des steigenden Yen-Kurses sind Sonderangebote wie der 299 Mark teure RXR, mit dem sicherlich kein Geld verdient wurde, nicht mehr tragbar. In Zukunft beginnt das Shoei-Programm bei 599 Mark. Lediglich Lagerbestände des unteren Preisegments drücken noch Importeur und Handel, die wie in den vergangenen Jahren auf den Frühjahrsmessen verschleudert werden dürften. Starke Umsatzeinbußen nimmt Shoei in Kauf, statt ehedem bis zu 150000 verkaufte Helme jährlich erwartet Importeur Schuh in Zukunft deutlich unter 50000 Stück.
Imageprobleme hat Arai keineswegs, die Japaner profitieren nun von solider Politik mit hohen Preisen und geringen Stückzahlen. Und eines dürfte klar sein: Billiger werden Arai-Produkte auch in Zukunft nicht. Eine relativ junge, aber erfolgreiche Marke ist Shark, in Frankreich bereits Nummer eins. Hierzulande zählen sie noch lange nicht zur Spitze. Doch das Programm ist breit gefächert, das Image aufgrund sehr guter Bewertungen in den Helmtests von MOTORRAD sowie dem starken Sportengagement gut. Neu sind neben dem Tophelm RXR für 2001 der Polycarbonat-Helm S 500 (300 Mark) sowie der Crosshelm MXR (500 Mark).
Für Nolan war der technisch extrem aufwendige und unter dem Label X-Lite angebotene X 901 offensichtlich eine schwere Geburt, sollte er doch bereits im letzten Fühjahr auf den Markt kommen (siehe Entwicklungsstory in MOTORRAD x/2000). Schuberth, bislang eher für funktionelle Helme mit bodenständigem Image bekannt, drängt ebenfalls in das obere Preissegment. Ein erster Schritt zur Imageförderung ist der sündhaft teure, extrem leichte QM1 wirken, ein Ableger des Formel-1-Helms von Nick Heidfeld. Zumindest haben die Braunschweiger das zeitweilige Visierproblem beim Concept und Profil nun im Griff, das zwar kulant behandelt wurde, doch den guten Ruf vorübergehend gefährdete.
Ein frischer Wind weht offensichtlich bei Uvex, die Nürnberger präsentierten gleich eine ganze Palette neuer Modelle. Neben den Aerodynamik-Helmen Wing und Wing RS kommt ein erster Klapphelm, der Flip-Up, sowie ein Jethelm mit Aeroschale, der Futura. Nicht minder spektakulär ist der Ixs-Highspeed-Helm HX 600 mit ausgeprägtem Heckspoiler, der bislang nur über Kawasaki als ZX-12R-Helm erhältlich war.
Bei der Bekleidung setzt sich immer stärker der Technolook durch. Nachdem die Karbonwelle den Handschuh-Markt aufgemischt hat, sind jetzt Lederkombis an der Reihe, fast alle neuen Modelle werden mit wilden Kunststoff-Applikationen aufgepäppelt. Aber auch Metalle kommen in Mode, entweder Edelstahl oder gar Titan. Dainese war hier Vorreiter, von der T-Age mit geformten Titanblech an Schultern und Knien kamen jedoch bisher lediglich vereinzelte Exemplare in den Handel. Über den Schutz- und Nutzeffekt der Metallverstärkungen kann vorerst nur spekuliert werden, zumindest optisch machen solche Applikationen einiges her. Ein weiterer Trend: raffinierte Oberflächenbearbeitung von Leder, etwa im Chrom-, Gold- oder Karbonlook. Aerodynamische Buckel aus dem Rennsport sind zumindest bei Einteilern anscheinend obligatorisch, kommen nun sogar auch bei Zweiteilern.
Bei den italienischen Herstellern setzt Dainese nach wie vor Akzente, vielleicht auch bei der Markteinführung des Airbags? Die Norditaliener stellte den Luftsack jedenfalls in den Mittelpunkt der Messeshow. Bisherige Airbag-Jacken krankten an der unbefriedigenden Auslösung über eine Reißleine. Dainese steuert den Prozess über Beschleunigungssensoren an Jacke und Motorrad, das könnte die Akzeptanz verbessern. Der Preis ist in jedem Fall ein Handicap, er soll um 2000 Mark liegen. Und was die Luftsäcke im realen Unfallgeschehen wirklich leisten, ist noch nicht bewiesen. Bei konventioneller Bekleidung erwächst Dainese mit Firmen wie Alpinestars, Axo, Spyke und Spidi im eigenen Land ernstzunehmende Konkurrenz, die auch auf den deutschen Markt drängt.
Technisch geht es auch bei den Rennstiefeln zu, Alpinestars, Gaerne, Sidi oder Oxtar zeigen schwer armiertes Fußwerk, über dessen Schutzwirkung sich zumindest in manchen Fällen streiten lässt. Die Richtung stimmt sicherlich, aber auch hier ist man anscheinend in einer Experimentierphase. Vorreiter dieses Trends ist unbestritten Daytona. Bisher schaffte es jedoch kein Mitbewerber, dem bewährten Daytona Evo mit dem aufwendigen Kevlar-Innenschuh ein adäquates Pendant entgegenzusetzen.
Neue Funktionsmaterialien sollen den Einsatzbereich von Anzügen und Kombis in Zukunft verbreitern. In Zusammenarbeit mit Dainese hat Gore ein Laminat aus Leder und Gore-Tex-Membran entwickelt, das vorerst nur in einer einfarbig schwarzen Kombi eingesetzt wird. Der Vorteil: Ein wasserdichter Innenanzug entfällt, Tragekomfort und Handhabung werden verbessert. Ebenfalls neu und bereits von mehreren Herstellern eingesetzt ist ein Funktionsmaterial aus der Weltraumforschung namens ComforTemp, hergestellt vom schweizerischen Textilspezialisten Schoeller. Das Material fühlt sich ähnlich an wie dünnes Neopren und enthält Microkapseln aus Parafin, die in gewissem Rahmen Wärme oder Kälte speichern und gezielt wieder an den Körper abgeben können. Im Outdoorbereich gibt es damit positive Erfahrungen, bleibt abzuwarten, ob auch der Motorradfahrer davon profitiert. BMW bietet bereits ab Oktober eine Funktionsjacke (300 Mark), einen Unteranzug (350 Mark) und Handschuhe (250 Mark) mit ComforTemp an.
Viel Schwung also im Bekleidungsbereich. Interessenten sollten allerdings nicht gleich den nächsten Laden stürmen, denn einiges ist zwar schon bald im Handel, aber so manche Artikel kommen erfahrungsgemäß erst im Laufe des Fühjahrs in die Läden.
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