Test wasserdichte Sommerhandschuhe (Archivversion)

Trockenrocker

Den Tourenbiker freut’s im Regen, den Club-Rocker beim Spüldienst - ist der Handschuh wasserdicht, bleiben die Finger trocken. Immer? Ein Test von 14 membranbestückten Modellen wird’s weisen.

Sommer? Was ist Sommer? Das ist dann, wenn die Sonne scheint und es warm ist, pflegte meine Mutter zu sagen. Sommerhandschuhe sind dementsprechend die Handschuhe, die aufgrund ihrer Baustruktur zum Fahren in Hitze und Sonne geeignet sind.Bekanntermaßen sind die Sommer aber nicht mehr das, was sie einmal waren, und so regnet es immer öfter. Auch die Motorradfahrer sind nicht mehr das, was sie einmal waren, als ihnen ein kleiner Schauer nichts ausgemacht hat. So heißt Klimamembran heutzutage die Zauberformel (siehe Kasten Seite 140), mit der neben Nässeschutz auch gleich Winddichtheit und Atmungsaktivität versprochen wird. Und deren Einsatz ganz nebenbei ein Ende der schwarz verfärbten Finger bedeutet.14 mit Klimamembran bestückte Paare wurden getestet. Dabei reichte die Bandbreite von dünnen Sommerfingerling bis zum leicht gefütterten Handschuh für Ausflüge in kühlere Gefilde. Fünf Minuten Wassereimer (mit Gewichtskontrolle vorher/nachher, um die Wasseraufnahme zu bestimmen) und eine ausgedehnte Regenfahrt mußten die Probanten bestehen, um das Prädikat »dicht« zu erhalten. Immerhin x ist das gelungen.Weiterhin sollen sie - für Motorradfahrer ganz wichtig - gewissen Schutzkriterien genügen. Abriebfeste Materialien, Doppelungen der Stellen, die beim Sturz Kontakt mit dem Asphalt bekommen, eventuell Protektoren wünscht sich der sicherheitsbedürftige Mensch. Mit den reinen Ledermodellen fährt man bezüglich Abriebwert auf der sicheren Seite. Der Vorteil von Leder/Textilmix - im Warenangebot und damit im Test mit neun Paaren die weitaus häufigeren Modelle - liegt im dünneren Material. Damit freut sich der Fahrer nicht nur über ein weniger schweißtreibendes Innenklima, sondern auch über die kürzere Trockendauer.Auf Protektoren verzichten die meisten Hersteller, nur wenige Exemplare wie der Aktito Supra AX sind damit ausgestattet. Im Regen saugen sich die Schaumschützer voll wie Schwämme und sind Tage nicht mehr trocken zu bekommen.Länge der Stulpe, mittels Klettriegel eng verstellbar oder nicht, das ist eine Frage der persönlichen Philosophie. Wird der Handschuh unter Jacke oder Regenkombi gestopft, stört zuviel Material. Kommt die Jacke in den Handschuh, muß die Stulpe lang genug sein, sich außerdem eng verschließen lassen, daß beim Regen nicht die ganze Brühe zu den Fingern läuft.Ist es einmal innen feucht, gibt’s beim Rein- und Rausschlupfen meist ein großes Gewurschtel. Innenfutter und Membran (siehe Schnittbild Seite 140) sind nur ganz vorn an der Fingerkuppe mit dem Außenmaterial vernäht und verdrillen und verdrehen sich.Innendrin kann Nässe übrigens noch gänzlich unerwartet auftreten: Abends schön die nassen Handschuhe aufgehängt (Pflegetips Kasten Seite 139), sind sie am nächsten Morgen außen trocken, aber innen feucht. Die Membran, die Wassertropfen fernhält, aber Dampf durchläßt, funktioniert auch von außen nach innen - und die beim Trocknen entstehenden Moleküle wandern gen Futter.Wem das alles zu kompliziert erscheint, der kann sich auch einfach einen ganz normalen Lederhandschuh kaufen und bei Regen ein Hüllchen (siehe nebenstehender Kasten) drüberziehen. Dieses vermag wegen der zusätzlichen Luftschicht auch noch wärmen - wenn der Sommer mal wieder nicht hält, was Muttern versprochen hat.
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Handschuhe, wasserdichte: Vergleichstest (Archivversion) - Mit der richtigen Pflege zu einem langen Leben

Egal ob der Handschuh nun aus Leder oder einem Textil/Ledermix besteht, ohne die richtige Pflege ist es bald aus mit dessen Funktionstüchtigkeit. Alle Außenmaterialien sind imprägniert, damit sie sich nicht so schnell mit Wasser vollsaugen und leichter trocknen. Deshalb ist bei jeder feuchten Reinigungsaktion Vorsicht angesagt, damit die Originalimprägnierung nicht total herausgewaschen wird.Eine gute Wirkung läßt sich durch Ausbürsten in trockenem Zustand erzielen. Kleinere Flecken weichen einem sanften Wischen mit einem Schwamm, der mit einer weichen, pH-neutralen Waschlösung getränkt ist. Nie zu harten Lösungsmitteln wie Benzin oder Bremsenreiniger greifen. Für eine große Säuberung ist 30 Grad das Temperaturmaximum, das die Handschuhe vertragen, Feinwaschmittel die optimale Lösung. Und, um die Prozedur zu erleichtern, sollen die Handschuhe beim Reinigungsvorgang getragen werden. Mit der Öffnung nach unten aufgehängt, trocknen die Handschuhe am effektivsten, Schleudern, Trockner, direkte Sonne oder Heizungen sind zu meiden.Wirkt das Leder ausgelaugt, kann ein Lederpflegemittel oder Imprägnierspray neue Geschmeidigkeit und Wasserabweisung bringen. Auch die textilen Stellen freuen sich über eine regelmäßige Besprühung.

Handschuhe, wasserdichte: Vergleichstest (Archivversion) - Aufgeschnitten, reingeschaut - wo steckt denn die kleine Membran?

Ein Blick auf die durchgeschnitte Fingerkuppe zeigt: Dünn liegt die Klimamembran zwischen Außenhaut, Polster und Innenfutter. Ihre bekannteste Vertreterin heißt Gore-Tex, die aus Tetrafluorethylen, kurz Teflon genannt, besteht. Dessen mikroskopisch kleine Poren halten dicke Wassertropfen ab und lassen winzige Dampfmoleküle durch. Konkurrent Sympatex besteht aus Polyester, alle anderen Materialien wie Hipora und die ganzen Pores oder Texes, die sich unter illustren Namen auf dem Markt tummeln, sind Polyurethanbeschichtungen auf hauchdünnen Trägerstoffen. Aber nur wo Gore drauf steht, ist auch Gore drin. Und: Gore gibt als einziger ein Jahr Garantie, im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern, die sich streng an die gesetzlich vorgeschriebenen sechs Monate halten.

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