Vergleichstest Cross-Stiefel (Archivversion)

Erd-Kunde

Sand, Dreck, Schlamm, Steine, dazu spitze Stahl-Fußrasten - Cross-Stiefeln wird das Leben nicht gerade leicht gemacht. Zwölf Top-Produkte im Vergleich.

Für sein mäßiges Ergebnis beim Weltmeisterschafts-Lauf fand ein namhafter Cross-Fahrer einmal eine überraschende Entschuldigung: »Mein Stiefel-Einfahrer war verletzt, meine neuen Stiefel waren so steif, ich konnte kaum schalten.« Diese nicht gerade professionelle, doch plausible Ausrede beweist, wie widerspenstig neues Off Road-Schuhwerk sein kann, beweglich werden die meisten Stiefel erst nach ein paar Stunden Einfahrzeit. Steif muß das Schuhwerk jedoch sein, denn noch viel mehr als auf der Straße sind im Gelände Beine und Füße die von Verletzungen am meisten bedrohten Körperteile. Aus diesem Grund sind Cross-Stiefel grundsätzlich erheblich schwerer und störrischer als Straßenstiefel. Besonders wichtig für Moto Cross-Einsätze ist eine stabile Sohle. Hier sind bei den Testkandidaten große Unterschiede erkennbar. Manche Sohlen lassen sich im vorderen Bereich kaum noch abknicken, das Gehen wird damit ziemlich unangenehm. Vor allem im mittleren Bereich sollte die Sohle aber möglichst stabil sein, damit die Füße bei harten Landungen nicht verletzt werden. Einige Stiefel haben hier sogar Stahl-Einlagen als Verstärkung. Der Schutz der Ferse gegen Schläge von hinten wird häufig vernachlässigt - leider, denn Verletzungen des Fersenbeins sind kompliziert. Eine Polsterung des Knöchelbereichs ist hingegen durchweg vorhanden, fällt allerdings mehr oder weniger üppig aus. Wer im Gelände aktiv ist, kombiniert die Stiefel mit weiteren Schutzmaßnahmen. Schienbeinschützer sind obligatorisch, Off Roader mit angeschlagenen Fußgelenken stützen diese durch Manschetten aus dem Orthopädiebereich. Viele Cross-Fahrer benutzen Knie-Orthese oder ein Knee-Brace, was beim Kauf der Stiefel berücksichtigt werden sollte. Diese tragen dick auf, so daß manche Modelle sich dann kaum noch schließen lassen.Sicherheit und Tragekomfort sind zwei Ziele, die sich nicht ausschließen, aber doch schwer unter einen Hut zu bringen sind. Bequem wie ein Turnschuh trägt sich keiner der Testexemplare, unterschiedliche Philosophien sind dennoch erkennbar. Neben leichten und flexibleren Stiefeln ohne viel Plastik-Schnickschnack gibt es schwerere Exemplare, die äußerlich mit großen Kunststoffteilen beplankt sind. Hobby-Enduristen und Gelegenheits-Off-Road sind mit leichten, beweglichen Stiefeln besser bedient. Sportler, ob Cross- oder Endurofahrer, sollten größen Wert auf möglichst sichere Stiefel legen.Neben der Sicherheit ist in der Praxis die Bedienung entscheidend. Hier hat sich viel getan. Früher gab es mühsam einzufädelnde Schnallen, dann mit Klettverschlüssen kombinierte Spannkordeln, heute überwiegend Schnellspanner, wie sie auch von Skistiefeln bekannt sind. Außer der einfachen Betätigung ist wichtig, daß die Verschlüsse sich leicht einstellen lassen und diese Einstellung auch behalten, was bei einer ganzen Reihe nicht der Fall ist. Alle getesteten Stiefel haben glatte oder geschuppte Sohlen. Die haben den Vorteil, daß sie zum Beispiel bei Kurvenfahrten besser über den Boden gleiten und nicht so schnell einhaken, somit das Verletzungsrisiko mindern. Um sicheren Stand auf den Rasten zu gewährleisten, schärfen Cross-Fahrer die Zacken der Rasten regelmäßig, daher verschleißen die Sohlen allmählich. Pfiffig ist beim Alpinestars die Möglichkeit, den mittleren Teil zu erneuern, beim Sidi ist gar die ganze Sohle geschraubt. Die anderen Hersteller bieten Tauschsohlen, die vom Schuhmacher neu verklebt werden müssen. Die Lebensdauer des ganzen Stiefels ist ohnehin begrenzt: Er wird im Lauf der Zeit weicher. Ausgelutschte Treter sind zwar bequem, die Schutzfunktion nimmt aber rapide ab. Profi-Crosser, die das Material umsonst bekommen, tauschen das Schuhwerk extrem oft, Hobbyfahrer können sich das wohl kaum leisten. Wer auf große Sicherheit Wert legt, sollte die Stiefel aber nicht so lange fahren, bis sie auseinanderfallen. Von Bedeutung für die Lebensdauer ist natürlich auch das Material. Billiges Spaltleder mit Farbüberzug mag am Anfang gut aussehen, die Deckschicht platzt aber schnell ab, das Leder bekommt Falten, der Stiefel gerät aus der Form. Länger halten die teureren Modelle aus dickem Oberleder (full grain leather). Ganz wichtig für den späteren Sitz ist, daß der Stiefel zu Beginn gleich richtig eingestellt wird, damit er sich dem Fuß anpaßt. Wird er zu locker eingestellt, gibt es Falten, wo keine entstehen sollten. Daher unbedingt von Anfang an die einzelnen Verschlüsse stramm einstellen. Beim ersten Mal muß es nicht unbedingt wehtun, zumindest aber unangenehm drücken. Dann mehrfach nachjustieren, so paßt sich der Stiefel allmählich der Fußform an. Beim Anziehen immer zuerst die unteren Verschlüsse spannen, dann Stück für Stück weiter nach oben vorgehen.
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Pflegetips (Archivversion)

Wer seine Stiefel nach dem Schlammbad in die Ecke wirft, wird nicht lange Freude daran haben, nur mit Pflege bleiben sie in Form. Auf jeden Fall die Stiefel nicht naß herumliegen lassen. Die Brutalo-Methode ist die Reinigung mit dem Dampfstrahler. Bequem und schnell, aber nicht gut fürs Leder. Die Deckschicht kann abplatzen, die Imprägnierung ist futsch, und die Feuchtigkeit wird in alle Ritzen und Nähte hineingeblasen. Wenn schon Dampfstrahler, dann nur bei extremem Schmutz und mit ausreichendem Abstand der Düse. Empfehlenswerter ist die Reinigung mit warmem Wasser und Bürste oder Schwamm. Jedoch nicht in der Badewanne, die Stahlkappen zerkratzen die Emaillierung. Besser kopfüber auf einen Stab stecken, so läuft nur wenig Wasser hinein. Dann in warmem Raum trocknen lassen, aber nicht auf die Heizung stellen oder in die Sonne legen. Zeitungspapier saugt die Feuchtigkeit innen heraus. Verschlüsse schließen und Stiefel gerade stehend lagern. Vor dem nächsten Einsatz mit Lederfett einreibenb, einige Hersteller bieten dieses zur optischen Auffrischung sogar in Stiefelfarbe. Ein guter Trick ist es, mit einem Fön den Stiefel anzuwärmen, so daß das Lederfett in Nähte und Leder eindringt. Speziell vor Regenfahrten oder Schlammschlachten sollte die Imprägnierung mit einem Spray verbessert werden.

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