Vergleichstest Regenkombis über 100 Mark (Archivversion)

Schaumschläger

Elf Regenkombis der oberen Preisklasse wollen nicht nur unter der Dusche, sondern auch bei ausgiebigen Fahr- und Nässetests zeigen, dass sie ihr Geld wert sind.

Es gibt kein schlechtes Wetter, höchstens die falsche Kleidung, lautet eine alte Motorradfahrerweisheit. Die hilft natürlich nicht zuletzt bei Regen. In den vergangenen Jahren erobern zwar mehr und mehr Fahreranzüge den Markt, die der Lederkombi in puncto Wasserdichtigkeit ganz klar überlegen sind, doch den besten Schutz bei kräftigen Niederschlägen bieten noch immer die guten alten Regenkombis, selbst wenn sie nur als Ergänzung dienen. Stellt sich noch die Frage, ob es eines der Schnäppchenangebote für weniger als 50 Mark tut oder ob sich der Kauf einer hochpreisigen Kombi rechnet. MOTORRAD nahm elf Kandidaten der Preisklasse 129 bis 169 Mark genauer unter die Lupe, um diese Frage zu klären.Schon auf den ersten Blick zeigt sich die aufwendigere Verarbeitung der Regenhüllen. Sie kommen deutlich farbenfroher daher als die Billigangebote (siehe auch Test Regenkombis bis 50 Mark in MOTORRAD 8/1997). Um die ganzen Nahtstellen dauerhaft vor eindringender Nässe zu schützen, sind sie bei allen Modellen zusätzlich von innen getapet (verschweißt). Die aufwendigere Machart zeigt sich auch beim Frontreißverschluss, der bei allen diagonal verläuft und für bequemeren Einstieg sorgen soll - was in der Praxis aber nicht immer gelingt, vor allem dann, wenn man versehentlich das falsche Bein erwischt.Zu den weiteren qualitativ hervorstechenden Merkmalen gehören komplette oder teilweise Innenfutter (mit Ausnahme der gänzlich ungefütterten Kombis von Dainese und Frank Thomas) sowie Reißverschlüsse und Klettriegel an Armbündchen und den Beinen. Billigkombis weisen an diesen Stellen nur Gummizüge oder wenig haltbare Kunststoff-Druckknöpfe auf. Doch auch in der oberen Preisklasse gibt es Unterschiede. Frank Thomas bevorzugt zwei Klettriegel an den Beinen, die sich dadurch zumindest ausreichend fest schließen lassen. Erstaunlicherweise verzichten gleich sechs Teilnehmer (Difi, Harro, Orina, Reusch, Schuh und Uvex) auf die so wichtigen Klettriegel an den Armbündchen. Die vorhandenen Gummizüge passen sich nur ungenügend an, leiern schnell aus und neigen während der Fahrt zum Hochrutschen.Und damit wären wir auch schon bei den Fahrversuchen. Mit allen Kombis ging’s auf die Autobahn zum Flatter-Test. Auf einer gut 20 Kilometer langen Teststrecke wurde die Geschwindigkeit schrittweise von 100 auf 180 km/h gesteigert und die Kandidaten ausgiebig dem Fahrtwind auf der unverkleideten Yamaha XJR 1200 ausgesetzt. Hier zeigte sich schnell, dass die meisten Kombis viel zu weit geschnitten sind und hoffnungslos zu flattern beginnen. Bei Modellen, die an den Armbündchen nur Gummizüge aufweisen, führt dies - wie bereits angedeutet - unweigerlich zum Hochrutschen. Auch knapp geschnittene Beinlängen rutschen oft die entscheidenden Zentimeter über den Stiefelschaft hinauf. Und dann hat Regenwasser leichtes Spiel, die Treter zu füllen.Ob und an welchen Stellen die Kombis Wasser durchlassen, ermittelte MOTORRAD in einem zehn-minütigen, mit einem Hochdruckreiniger simulierten Wolkenbruch. Peter Badtmann, erprobter MOTORRAD-Mitarbeiter für Nässetests (siehe zum Beispiel wasserdichte Textiljacken in MOTORRAD 6/1999), pellte sich nacheinander in die Kombis, setzte sich auf die XJR, strich sämtliche wassersammelnden Falten am Diagonalreißverschluss glatt und ließ sich brav abduschen. Etliche gefüllte Gummistiefel und nasse T-Shirts später hatte er es überstanden.Die Ergebnisse sind ernüchternd. Fast alle Regenkombis verzeichnen leichte Wassereinbrüche im Schrittbereich. Verantwortlich dafür sind die Diagonalreißverschlüsse, die bei normaler Sitzhaltung auf dem Motorrad am Übergang vom Bauch zum Oberschenkel nahezu horizontal verlaufen und somit Wasser eine Chance geben, leicht einzudringen. Absolut trocken blieb Testmann Peter nur in den Überziehern von Difi und Ixs.Aufgrund leichter Verarbeitungsschwächen reicht es der Difi-Kombi aber nur zu einem »empfehlenswert«. Bereits nach zweimaligem Gebrauch rissen das Innenfutter im Schritt und der Kordsamt am Kragen. Außerdem fielen die zu kurzen Beine und das beim Anziehen extrem störende Innenfutter in den Beinen negativ auf. Apropos auffallen: Damit andere Verkehrsteilnehmer die Regenkombiträger bei widrigen Sichtbedingungen besser wahrnehmen, sind nahezu alle Kandidaten mit reflektierenden Streifen, Emblemen oder anderen auffälligen Merkmalen ausgestattet.Fazit: Mehr als dichthalten können auch die teuren Regenkombis nicht. Und selbst diese wichtigste Funktion erfüllen sie nicht immer zur vollen Zufriedenheit. Dennoch, durch die hochwertige Verarbeitung und somit in der Regel deutlich längere Haltbarkeit als Billigkombis, sind sie allemal eine Überlegung wert. Und sei es nur, um in der kühlen Übergangszeit durch ihr dünnes Innenfutter für ein zusätzliches Wärmepolster zu sorgen.
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