Firmenporträt LS2

Die chinesische Nummer eins

Ein Ortstermin bei der chinesischen Firma LS2 verrät, wieso die Asiaten in der Branche so weit vorn mitspielen.Im grünen Bereich: Verwaltung (Bildmitte) und Produktionshallen (im Hintergrund) auf tropischen 270.000 m².In der Designabteilung wird mit selbs entwickelter Software gearbeitet. Etwa 20% der 1400 Mitarbeiter erledigen Entwicklungs- und Organisationsaufgaben.Handarbeit, wenn's schneller und günstiger als mit einem Automaten klappt. Yang Li Fei (42) bringt Visierdichtungen in Form.
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Hochwertige Motorradhelme aus China? Für gestandene deutsche Biker noch vor 15 Jahren nahezu undenkbar. Doch mittlerweile spielen die Asiaten in der Branche ganz weit vorn. Ein Ortstermin bei LS2, der chinesischen Nummer eins, verrät, warum dem so ist.

Geschichte wiederholt sich: Ende des 19. Jahrhunderts sah sich das englische Parlament genötigt, die heimische Wirtschaft vor billigen und vermeintlich minderwertigen Exporten zu schützen. Heraus kam ein Gesetz namens "Merchandise Marks Act". Fortan sollte die Angabe "Made in Germany" die Kunden vom Kauf abhalten. Der weitere Verlauf ist bekannt: Die als Warnhinweis gedachte Herkunftsbezeichnung wandelte sich zum Qualitätssiegel.

Womit wir bei der Bezeichnung "Made in China" wären. Für einige Motorradfahrer ist das immer noch ein Ausschlusskriterium, wenn es um den Kauf von Bekleidung und Zubehör geht. Für die gleichen Menschen übrigens, die ein Smartphone und eine Kamera nutzen, die in China zusammengebaut wurden. Wie auch immer – unsere Einstellung zu chinesischen Produkten ist manchmal etwas irrational. Und noch immer gilt die alte Kaufmannsweisheit, dass wer etwas Billiges bestellt, auch etwas Billiges bekommt. Aber das funktioniert nun mal auch umgekehrt, auch und gerade in China. Der MOTORRAD-Redaktion wird das immer dann bewusst, wenn man bei Produkttests verfolgen kann, wie sich eine Marke entwickelt. Zum Beispiel der größte chinesische Helmhersteller LS2, der sogar um den Titel "weltgrößter Motorradhelm-Hersteller" mitspielt.

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Noch vor ein paar Jahren nahm der gemeine Motorradfahrer die LS2-Helme bestenfalls als günstigen Beifang im Hein Gericke-Shop zur Kenntnis. Mittlerweile sind die Produkte des Familienunternehmens sogar bei renommierten BMW-Händlern zu finden und fahren ansehnliche Ergebnisse bei MOTORRAD-Helmtests ein. Zuletzt in Ausgabe 21/2017, in der ein LS2-Klapphelm mit dem Urteil "gut" auf dem vierten von zwölf Plätzen landete und es mit etwas weniger Gewicht und Lautstärke locker zum "sehr gut" gereicht hätte. Um die LS2-Erfolgsgeschichte zu verstehen, besuchte MOTORRAD das in der südchinesischen Kleinstadt Heshan (rund 500 000 Einwohner!) ansässige Unternehmen und schaute sich die Helmfertigung genauer an, eine unkonventionelle Mischung aus modernsten und recht archaischen Produktionsmethoden. Da, wo der Einsatz hochmoderner, gern auch westlicher Maschinen und Rohware sinnvoll erscheint, kommt Hightech zum Einsatz. Und da, wo ziemlich hand-feste Handarbeit zum Ziel führt, wird eben diese genutzt. Kurz gesagt: Alles läuft ex­trem pragmatisch. In Kombination mit ­einer ausgeprägten Fertigungstiefe, ul­tra-schnellen Entwicklungszeiten und einer hohen Flexibilität entsteht dann das, was nun auch bei Helmen kräftig zum Imagewandel von "Made in China" beiträgt.

Zahlen, Daten, Fakten

LS2 steht für "Liao System 2", wurde 2006 als Helmmarke eingeführt und begann 2008 über die in Barcelona ansässige Europa-Zentrale (Tech ­Design Team) mit dem Vertrieb in Europa. Firmengründer Arthur Liao (50) startete bereits 1990 mit der Helmfertigung für den heimischen Markt. Die LS2-Helme werden von "Jiangmen Pengcheng Helmets Ltd." in Heshan, rund 70 Kilometer südwestlich von Guangzhou ("Kanton") produziert. Rund 1400 Mitarbeiter fertigen pro Tag bis zu 8000 Helme. Der Deutschland-Vertrieb läuft über LS2 Germany.
Tel. 0 44 51/9 60 29 80
www.ls2helmets.com

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