9 Motorrad-Lederkombis bis 1.000 Euro

Sportliche Zweiteiler im Test

Genau nachgemessen: unterschiedliche Lederdicken an verschiedenen Zonen.
Sportliche Leder-Zweiteiler bis 1000 Euro im Test.Platz 1: Dainese Assen.Platz 2: Modeka Chaser.Platz 3: Alpinestars Atem V3.
23 Bilder

Wahre Sportfahrer bekommen auch auf Landstraßen-Touren die Rennstrecke nicht aus dem Kopf: beste Linie suchen, Kurvenradien messerscharf feinjustieren, Bremspunkte clever setzen. Fürs genussvolle Training ohne Rundenzeiten-Druck sollte auch der Anzug passen: aus Leder, na klar! Neun Kombis im Vergleich.

Eine Lederkombi passt üb­licherweise wie ein Schuh, da sollte nichts verrutschen. So viel schon mal vorweg: Bei allen neun zweiteiligen Lederkombis im Test sitzen die Protektoren gut, das Leder ist qualitativ einwandfrei, und die Nähte sind solide gemacht. Ein Sportfahrertraining auf der Rennstrecke? Kein Thema. Bei der Sicherheit gibt es also kaum was zu mäkeln, in diesem ­Kriterium schlagen sie wohl sämtliche Textilanzüge gleicher Preisklasse.

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Platz 1: Dainese Assen

Anbieter: Dainese
Tel. 0 89/35 39 67 66
www.dainese.com
Preis: 799,95 Euro

Foto: Dentges, Lohse, mps-Fotostudio
Dainese Assen.
Dainese Assen.

Größen: 44 bis 64
Farben: Schwarz mit Weiß, Schwarz mit Weiß und Rot
Gewicht (in Gr. 54): 5,1 Kilogramm (ohne Knieschleifer)
Obermaterial: Rindsleder mit textilen Stretcheinsätzen (Polyamid)
Lederdicke: 1,4–1,5 mm
Herstellungsland: Ukraine

Positiv: Sehr guter Protektorensitz und großflächige Abdeckung, Knieschützer vorbildlich tief gezogen, bieten hervorragenden Schienbeinschutz, Hüftprotektoren serienmäßig; ausgezeichnete Schlagdämpfungswerte; dickes, solides, sehr abriebfestes Leder in guter Qualität, an ­relevanten Sturzzonen bis zu 1,6 Millimeter; robuster, großer und griffiger Metall-Verbindungsreißverschluss, einfaches Koppeln; gute Belüftung; gelungene Proportionen auch für Fahrer mit langen Extremitäten; hohe Beweglichkeit.

Negativ: Beweglichkeit im Stand durch sehr sportlichen, vorgeformten Schnitt etwas eingeschränkt, wenig alltagstauglich; leicht wulstiger Beinabschluss, kratzige Armabschlüsse; fällt sehr schmal an Schultern aus; wenig Stauraum.

Fazit: Der vorbildlich verarbeitete und viel ­Sicherheit bietende Dainese Assen macht auf dem Motorrad jeden sportlichen Bewegungsablauf prima mit. Für Touren etwas sperrig, für die Rennstrecke geeignet – toller Trainingsanzug!

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Platz 2: Modeka Chaser

Anbieter: Modeka International
Tel. 0 25 21/85 03 22
www.modeka.de
Preis: 499,90 Euro (+ Rückenprotektor 21,95 Euro, Hüftprotektoren, 11,95 Euro)

Foto: Dentges, Lohse, mps-Fotostudio
Modeka Chaser.
Modeka Chaser.

Größen: 34 bis 58
Farben: Schwarz mit Weiß und Gelb
Gewicht (in Gr. 54): 4,6 Kilogramm (ohne Knieschleifer)
Obermaterial: Rindsleder mit textilen Stretcheinsätzen (Poly­ester)
Lederdicke: 1,4 mm
Herstellungsland: Pakistan

Positiv: Leichter Einstieg, lässt sich beim Anziehen gut an der Wade verschließen; sauberer Ärmel­abschluss, insgesamt gute Proportionen und gelungene Passform; zwei große Jacken-Außentaschen, praktische Hosentaschen, Innentasche zwar etwas schlecht zugänglich, aber generell sehr viel Stauraum für Utensilien wie Geldbeutel, Schlüsselbund etc.; bequemer Schnitt, hohe Touren- und Alltagstauglichkeit; gute Schlagdämpfungswerte; geschmeidiges Leder, gute Verarbeitung; viele Größen erhältlich.

Negativ: Protektoren je nach Fahrerstatur nicht gut platziert; Bewegungsfreiheit im Brustbereich ­etwas eingeschränkt, leichtes Kneifen im Schritt.

Fazit: Für erstaunlich kleines Geld bietet Modeka mit der Chaser eine tolle touren- und alltagstaugliche Lederkombi in sehr ordentlicher Qualität und Ausstattung. Klasse Wahl für ­sicherheitsbewusste Landstraßenfahrer.

MOTORRAD-Urteil: gut

Platz 3: Alpinestars Atem V3

Anbieter: Alpinestars
Tel. 00 39/04 23/52 86 (Italien)
www.alpinestars.com
Preis: 999,95 Euro

Foto: Dentges, Lohse, mps-Fotostudio
Alpinestars Atem V3.
Alpinestars Atem V3.

Größen: 48 bis 60
Farben: Schwarz, Schwarz mit Weiß und Rot
Gewicht (in Gr. 54): 6,2 Kilogramm (ohne Knieschleifer)
Obermaterial: Rindsleder mit textilen Stretcheinsätzen (Poly­amid)
Lederdicke: 1,4 mm
Herstellungsland: Vietnam

Positiv: Liegt zwar knackeng an und benötigt etwas Eintragezeit, passt sich in Fahrt aber allen Bewegungen gut an; Hüftprotektoren serienmäßig; gute Bein- und Ärmellänge auch für Großgewachsene; Verbindungsreißverschluss läuft sauber, Koppeln einfach; bietet ordentlichen Stauraum für Touren; schön festes Leder, Protektoren umschließen vorbildlich, gute Sicherheit.

Negativ: Hose eher widerspenstig anzuziehen, an Hüfte sehr kurz geschnitten, wenn ungekoppelt: unkomfortabler Sitz; Hosenbund knapp ausgelegt, Reißverschluss ohne zusätzliche ­Sicherung, neigt zu ungewolltem Öffnen; Hüftprotektoren drücken; hohes Gewicht; Schlagdämpfungswerte mit Abzügen.

Fazit: Die Entwickler der Alpinestars Atem V3 haben einen vergleichsweise radikal sportlichen Schnitt mit touristischen Features wie etwa Außentaschen verwoben. Das eigentlich gute Konzept wirkt aber etwas unharmonisch umgesetzt.

MOTORRAD-Urteil: gut

Platz 4: Spidi Ignite/RR Pro

Anbieter: Spidi Sport
Tel. 01 73/8 15 89 53
www.spidi.com
Preis: 899,80 Euro

Foto: Dentges, Lohse, mps-Fotostudio
Spidi Ingnite/RR Pro.
Spidi Ingnite/RR Pro.

Größen: 46 bis 58
Farben: Schwarz mit Gelb, Grün, Rot oder Weiß
Gewicht (in Gr. 54): 5,0 Kilogramm (ohne Knieschleifer)
Obermaterial: Rindsleder mit textilen Stretcheinsätzen (Polyamid)
Lederdicke: 1,1 bis 1,3 mm
Herstellungsland: Ukraine

Positiv: Guter Sitz der Hose am Bund, bequemer Einstieg auch in die Jacke, leichtes An- und Ausziehen; Ellenbogenprotektoren mit sehr gutem Sitz, Nachrüstmöglichkeiten für Brustprotektoren; passende Proportionen an Ärmeln und Beinen; bester Tragekomfort, angenehm bei Touren mit Rastpausen und im Alltagsgebrauch; an relevanten Stellen dickes, robustes Leder.

Negativ: Verarbeitung der Nähte an manchen Stellen nachlässig; Schulterprotektoren sehr kleinflächig, umschließen nicht gut und verdrehen sich leicht beim Anziehen; fummeliger Frontreißverschluss, ging während Test teilweise von allein auf; Verbindungsreißverschluss an Futter angenäht, unzureichend stabil; im Vergleich nur mäßige Schlagdämpfungswerte der Protektoren.

Fazit: Die Spidi-Lederkombination aus Jacke Ignite und Hose RR Pro passt optisch einwandfrei und richtet sich mit hohem Tragekomfort vornehmlich an Sporttouristen. Die Verarbeitung ist für den Preis leider nicht so pralle.

MOTORRAD-Urteil: gut

Platz 5: Held Safer/Grind

Anbieter: Held
Tel. 0 83 21/6 64 60
www.held.de
Preis: 949,90 Euro

Foto: Dentges, Lohse, mps-Fotostudio
Held Safer/Grind.
Held Safer/Grind.

Größen: Herren 48 bis 60 plus Langgrößen
Farben: Schwarz, Schwarz mit Weiß und Blau oder Rot, Weiß mit Schwar
Gewicht (in Gr. 54): 5,7 Kilogramm (ohne Knieschleifer)
Obermaterial: Rindsleder mit textilen Stretcheinsätzen (Polyamid, Aramid)
Lederdicke: 1,3–1,4 mm
Herstellungsland: China

Positiv: Gute Anbindung ans Motorrad, griffiges Obermaterial im Schrittbereich; doppelter Reißverschluss an Wade, passt sich gut an; zwei Reißverschlüsse im Frontbereich bilden ein ­effektives Belüftungssystem, sehr sinnvoll für Fahrten im Hochsommer; zwei Innentaschen mit Reißverschlüssen; hohe Lederqualität, ­Aramidanteil bei Stretcheinsätzen, ordentliche Schlagdämpfungswerte, robuster Verbindungsreißverschluss, insgesamt hohe Sicherheit

Negativ: Sehr enge Passform, zu kurz geschnittene Ärmel; schlechte Beweglichkeit insbesondere beim Oberkörper, spannt und drückt im Schulter- und Brustbereich; Knieprotektoren reiben unangenehm; teils hakige Reißverschlüsse

Fazit: Die Held-Kombination Safer/Grind sieht chic aus, bietet gute Features, viel Sicherheit und ist prima verarbeitet. Da sie aber extrem knackig ausfällt, ist der sehr sportliche Schnitt nicht jedermanns Sache. Muss man mögen.

MOTORRAD-Urteil: gut

Platz 5: Rev’it Vertex Pro

Anbieter: Rev’it
Tel. 00 31/4 12/69 67 40 (Niederlande)
www.revitsport.com
Preis: 899,99 Euro

Foto: Dentges, Lohse, mps-Fotostudio
Rev’it Vertex Pro.
Rev’it Vertex Pro.

Größen: 46 bis 56
Farben: Schwarz mit Weiß oder Rot
Gewicht (in Gr. 54): 4,8 Kilogramm (ohne Knieschleifer)
Obermaterial: Rindsleder mit textilen Stretcheinsätzen (Polyamid)
Lederdicke: 1,2 mm
Herstellungsland: Vietnam

Positiv: Guter Waden- und Ärmelabschluss, Anzug fällt zwar tendenziell etwas groß aus, aber insgesamt passend proportioniert, besonders für Fahrer mit langen Armen und Beinen; Ellenbogen- und Schulterprotektoren umschließen vorbildlich; sehr gute Bewegungsfreiheit, hoher Tourenkomfort und sehr tragefreundlich auch abseits vom Motorrad; gut zugängliche Innentaschen; gute Belüftung; saubere Verarbeitung.

Negativ: Geringe Größenauswahl; etwas hakiger Verbindungsreißverschluss, fummeliger Frontreißverschluss; Knieprotektoren fallen recht klein aus und sind zu weit außen platziert; Stretch-Einsatz im Oberschenkel-Innenbereich wenig griffig, vermittelt je nach Motorrad wenig Halt an Tank und auf Sitzbank.

Fazit: Sportfahrer mit etwas mehr Körpervolumen sollten den Rev’it Vertex Pro anprobieren, denn der Schnitt ist großzügig, die Kombi aber dennoch schön sportlich. Auf längeren Touren kommt der Tragekomfort nicht zu kurz.

MOTORRAD-Urteil: gut

Platz 7: Vanucci Art XVII

Anbieter: Detlev Louis
Tel. 0 40/73 41 93 60
www.louis.de
Preis: 899,98 Euro

Foto: Dentges, Lohse, mps-Fotostudio
Vanucci Art XVII.
Vanucci Art XVII.

Größen: 48 bis 58
Farben: Schwarz mit Gelb, Orange oder Rot
Gewicht (in Gr. 54): 5,0 Kilogramm (ohne Knieschleifer)
Obermaterial: Rindsleder mit textilen Stretcheinsätzen (Polyamid, Aramid)
Lederdicke: 1,2 mm
Herstellungsland: Vietnam

Positiv: Gute Protektorenausstattung mit serienmäßigen Hüftprotektoren, sehr ordentliche Schlagdämpfungswerte, Schützer umschließen ­Gelenke angemessen; großer, griffiger Frontreißverschlussschieber; leichtgängiger Verbindungsreißverschluss, stressfreies Koppeln; prima belüftet, taugt für hochsommerliches Klima; große Innen- und Außentaschen plus Handyfach, viel Stauraum, praktisch für Tourenfahrer; klasse Ausstattung und Verarbeitung.

Negativ: In Fahrt bei sehr sportlichen Bewegungen etwas sperrig; drückt mitunter im Hüftbereich; wulstige Beinabschlüsse; kühlt unter 15 Grad Außentemperatur selbst bei moderatem Landstraßentempo sehr schnell aus; vergleichsweise schwer; schlecht zugängliche Taschen.

Fazit: Bei der Passform waren sich die unterschiedlichen Tester etwas uneinig, bei der Verarbeitung, Ausstattung sowie Schutzwirkung der tendenziell wohl eher touristischen Sportkombi Vanucci Art XVII weniger: klasse!

MOTORRAD-Urteil: gut

Platz 7: Furygan Raptor

Anbieter: Jopa Racing Products
Tel. 00 31/5 47/38 27 17 (Niederlande)
www.jopa.nl
Preis: 809,90 Euro

Foto: Dentges, Lohse, mps-Fotostudio
Furygan Raptor.
Furygan Raptor.

Größen: Herren S bis 3XL
Farben: Schwarz mit Rot, Weiß oder Weiß und Rot
Gewicht (in Gr. 54): 5,2 Kilogramm (ohne Knieschleifer)
Obermaterial: Rindsleder mit textilen Stretcheinsätzen (Polyamid)
Leder­dicke: 1,4 mm
Herstellungsland: Frankreich

Positiv: Thermofutter dienlich bei Touren im Frühjahr und Herbst, insgesamt gute Klimatisierung; Jacke sitzt ultrabequem und bietet sehr viel Bewegungsfreiheit; zwei gut erreichbare Außentaschen an Jacke, praktische, einfach zugängliche Einschubtasche innen; saubere Verarbeitung, schön griffiges Leder; hohe Alltagstauglichkeit; Protektorensitz bis auf an Knien einwandfrei; teilweise Kevlar-Unterfütterung in Sturzzonen.

Negativ: Hose sitzt am Bund zu eng; Kleber unter Lederapplikationen löste sich während des Tests; Schlagdämpfungswerte im direkten Vergleich wenig berauschend; umständlich beim Koppeln, keine stabile und feste Verbindung von Ober- und Unterteil, dadurch Sicherheitslücke.

Fazit: Gute Anlagen für einen klasse Sporttouring-Anzug sind bei der Furygan Raptor unverkennbar. Die Hose mit engem Schnitt und die fast schon blousonartige, ultrabequeme Jacke wollen aber nicht recht zusammenpassen.

MOTORRAD-Urteil: gut

Platz 9: Büse Silverstone Pro

Anbieter: Büse MX Import
Tel. 0 24 71/1 26 90
www.buese.com
Preis: 549,95 Euro

Foto: Dentges, Lohse, mps-Fotostudio
Büse Silverstone Pro.
Büse Silverstone Pro.

Größen: 46 bis 62 (Damengrößen 34 bis 44)
Farben: Schwarz mit Gelb, Grün, Rot oder Weiß
Gewicht (in Gr. 54): 4,3 Kilogramm (ohne Knieschleifer)
Obermaterial: Rindsleder mit textilen Stretcheinsätzen (Polyamid)
Lederdicke: 1,3 mm
Herstellungsland: Pakistan

Positiv: Verbindungsreißverschluss gut zu greifen und sauber zu schließen; gute Größenvielfalt; geringes Gewicht; Weitenverstellung an Waden funktioniert einwandfrei, ermöglicht leichtes Einsteigen; guter Sitz am Hosenbund; Protektoren umschließen gut die Gelenke und sind passend positioniert, gute Schlagdämpfung.

Negativ: Sehr rutschig auf der Sitzbank bei Schräg­lagenwechseln, wenig griffiges Obermaterial; partiell drückend und sperrig; reibende Ärmel­abschlüsse; teilweise etwas lieblose Verarbeitung und Qualität der Reißverschlüsse eher ­bescheiden; Hose fällt an Oberschenkeln sehr weit aus, je nach Fahrertyp Wulstbildung, Schnitt an Brust sehr beengend.

Fazit: Bei Verarbeitung und Ausstattung liegt die Büse Silverstone Pro im direkten Vergleich etwas hinten, beim Preis hingegen fast ganz vorn. Guter Gegenwert für einen soliden und ­ordentlich gemachten Leder-Zweiteiler.

MOTORRAD-Urteil: gut

Komfort, Praktikabilität, Preisgestaltung

Nun zählt für den auf Landstraßen entspannt sportelnden Fahrer aber nicht nur die Schutzwirkung. Tragekomfort und praktische Features wie Taschen, Handyfach oder Thermofutter spielen auf Tour und im Alltag eine große Rolle. Und einen einfach zu bedienenden Verbindungsreißverschluss weiß man spätestens im Sommer bei einer Rast zu schätzen, wenn man hitzebedingt die Jacke schnell loswerden möchte. Es ist übrigens immer wieder ein göttliches Bild, wenn sich Träger eines Einteilers beim Kaffeestopp wie Kunstturner verrenken müssen, um sich oben herum „freizumachen“. Mit einem zweiteiligen Sporttouring-Leder geht das wesentlich eleganter.

Außerdem sind Zweiteiler oftmals konzeptionell ohnehin eher auf Tourenfahrer zugeschnitten, zu erkennen an einer nicht ganz so auf gebückte Rennhaltung vorgeformten Passform. Den sportlicheren Vertretern des Genres, wie zum Beispiel der Dainese- oder Held-Kombi, darf man eine gewisse Radikalität trotzdem nicht vorhalten, wenn das Pendel mehr Richtung „Race“ als nach „Tour“ ausschlägt. Typsache.

Wofür genau werden nun aber die 500 bis 1.000 Euro pro hier vorgestellter Kombi angelegt? Zunächst wäre da die Lederqualität. Die Zeiten, als anständiges Rindsleder im Patchworkstil mit dünnen, billigen Teilen fragwürdiger Güte vermischt wurde, sind wohl vorbei. Die Testkandidaten maßen an fast allen Stellen Lederdicken von mindestens einem Millimeter, an Sturz­zonen sind es durch Doppelungen bis über vier Millimeter. Das ist stark.

Für den Tragekomfort mitentscheidend sind gut platzierte Stretcheinsätze (meist Polyamid-Gewebe), die im Idealfall durch hitzefeste Aramidfasern (Kevlar) unterstützt werden. Zusätzliche Schützer und Schleifer am Außenmaterial dienen zwar manchmal nur als Dekor, sauber und solide gemacht treiben solche Features den Preis aber zu Recht in die Höhe. Großflächige, die Gelenke gut umschließende CE-Protektoren an Schultern, Ellenbogen und Knien sind Pflicht, Hüftprotektoren wünschenswert, Brustprotektoren gelten als Kür. Nachrüstmöglichkeiten gehören zum guten Ton.

Sonderthema Rückenprotektor: Manche Sportfahrer benutzen ausschließlich perfekt körpernah anliegende Umschnallschützer, daher machen bereits vorab installierte, integrierte Rückenprotektoren nicht zwangsläufig immer Sinn.

Und einen nicht ganz unwichtigen Anteil bei der Preisgestaltung spielen Marketingkosten. Fährt etwa ein MotoGP-Fahrer für die Marke? Na, und wer zahlt wohl zumindest anteilig das Sponsoring? „Mir als Kunde doch schnuppe!“, sagen nun vielleicht Motorsport-Fans, die auf ihren Maschinen den Idolen nacheifern. Dürfen sie gerne, aber wie schon gesagt: Den Sturzschutz der eigenen Kombi bitte lieber auf der Rennstrecke erproben!

So testet MOTORRAD

Verschiedene Testfahrer fahndeten bei den Zweiteilern nach Wülsten, Kneif-, Druck- und Scheuerstellen. Und checkten gleichzeitig Protektorensitz, Bewegungsfreiheit in extremen Fahrhaltungen sowie Klimatisierung bei Landstraßentempo. Außerdem wurden Materialien, Konstruktion, Verarbeitung, Lederdicke und -qualität bewertet. Abschließend kamen im heimischen Labor bei einer Schlagdämpfungsprüfung die Protektoren noch unter den Hammer.

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