Aprilia-Werbekampagne (Archivversion)

Schöner Schein

Werbung und Realität passen oft genauso wenig zusammen wie eine Moto´6.5 auf die Pisten Südamerkas. Aprilia ist da anderer Meinung.

Ein wenig Fantasie gehört dazu: Unter Deinen Endurostiefeln breitet sich das trockene Hochland der südamerikanischen Anden aus. In der Ferne stoßen schneebedeckte, fast 7000 Meter hohe Gipfel tiefe Löcher in den blauen Himmel. Plötzlich eine Staubfahne, die auf der schnurrgeraden Piste schnell näher kommt. Dann die schmale Siluette eines Motorrades, Du freust dich schon, und...hoppla, was ist das? Auf jeden Fall keine dieser mit Alukoffern und Benzinkanistern behängten Reisedampfer vom Schlage R 100 GS oder Africa Twin. Vor Dir hält, Du glaubst es kaum, eine Aprilia Moto´6.5., dieses Designerstück, auf dem Du allerhöchstens einen Juppie beim Brötchenholen erwartet hättest. In Deutschland. Du glaubst du bist in einem Film? Stimmt. Kurz darauf stoppt ein Citroen Mehari, dieser Pseudojeep aus Plastik mit dem Triebwerk einer Ente. Zwei braungebrannte Typen steigen aus, dann beginnt der eine zu filmen. Allerdings nicht zum Spaß, sondern für das italienische Fernsehen. Jetzt verstehst Du überhaupt nichts mehr, fragst nach dem warum. Ernaldo Emerson Gattafoni, so heißt der Kerl auf der Aprilia, beginnt zu erzählen. Von einem Traum, den er hatte. Immer schon wollte er auf einem Motorrad durch Südamerika reisen. Doch diese Fahrt sollte einen tieferen Sinn haben. Zufällig fand er ein Buch mit dem Titel Latinoamerica. Darin ging es um eine 11000 Kilometer weite Motorradreise, die bereits 1951 stattgefunden und neun Monate durch Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Kolumbien und Venezuela geführt hatte. Ein Tagebuch, geschrieben von Ernesto Che Guevara, dem berühmten Revolutionär, der später an der Seite von Fidel Castro für die Befreiung Cubas kämpfte. Ernaldo erzählt Dir weiter, daß Che Guevara damals gereist sei, weil er die Ursachen des menschlichen Elends auf diesem Kontinent erforschen wollte. Dieses sei auch seine Motivation für diese Reise auf den Spuren von Che. In 35 Tagen wolle er nun dieselbe Strecke fahren, 11000 Kilometer weit. Das sei Zeit genug für ihn, um ähnliche Eindrücke zu erhalten.Alles schön und gut. Aber warum um Himmelswillen auf einer Moto´ 6.5, an der sich kaum Gepäck befestigen läßt und die mit einer Reichweite von 160 Kilometern schon während der ersten Etappe hilflos verdursten würde? Und wenn schon Aprilia, warum dann nicht die geländetaugliche Pegaso? Jetzt sprich plötzlich der Kameramann. »Wegen der Optik, weil die runden Formen und die Farben einfach perfekt zu der Landschaft Südamerikas paßen.« Aha, klingt logisch. Für Gepäck und Sprit ist schließlich genug Platz im Auto, und solcher Ballast stört ohnehin im Film.Also doch nur ein Werbegag? Nun ja, Aprilia gefiel die Idee mit dem Film, darum haben sie nur allzu gerne das Motorrad bereitgestellt. Nur hat die Presestelle in Noale kein Interesse an Che Guevara. Sie wollen den Verkauf der Moto´6.5 ankurbeln. Und das Bike, so hört man aus Italien, hat die Reise problemlos überstanden. Wie gesagt, ein wenig Fantasie gehört dazu.
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