BMW-Treffen in Seefeld/Tirol (Archivversion)

Klappt’s?

Wenn sich 4000 Klapphelm-Träger treffen, können sie nur einer Marke huldigen: BMW. Heuer taten sie es erstmals mit Werksunterstützung, und anders Behelmte waren auch noch da.

Mit offenem Visier sollte Seefeld erobert werden. Dachte sich die Mehrzahl der Anreisenden des »1. Internationalen BMW Motorrad Bikermeetings«. Doch sie fuhren ins Leere, denn das Tiroler Örtchen gab sich nicht nur kampflos hin, sondern hieß alle Weißblauen herzlichst willkommen. Eine schlaue Taktik, die jeden imperialen Gesichtszug unter den spätestens am Ortseingangsschild hochgeklappten Helmschilden verscheuchte und freundliche Entdeckerlaune hervorrief. Da hatten sich – ganz offensichtlich – zwei gesucht und auf den ersten Blick gefunden: hier die praktisch veranlagten und oft genug durchaus betuchten BMW-Fahrer, dort das mittelständische Urlaubsidyll in der Nähe Innsbrucks.Eigentlich war in Seefeld ein Treffen des europäischen BMW-Clubs geplant, aber weil sich auch in München herumgespochen hat, dass Begeisterung gepflegt sein will, sattelte die Firmenleitung kurzfristig drauf, öffnete den Geldhahn und strickte ein attraktives Programm zusammen. Von der C1-Probefahrt über Enduro-Übungen mit der Paris-Dakar-Heldin Andrea Mayer bis zur Stunt-Show des genialen James-Bond-Doubles Jean-Pierre Goy war zwischen 6. und 8. Juli einiges geboten. Da mochte auch der Herrgott nicht hintanstehen und segnete die Veranstaltung zumindest an den ersten zwei Tagen mit passablem Wetter – was in diesem merkwürdigen Sommer schon was heißen will.Gewiss trug der weißblaue Himmel dazu bei, am Samstag über 6000 BMW-Fans nach Tirol zu locken. Andererseits sind etliche durchaus unspontan, mit Vorsatz also, in die Alpen gekreuzt: Der Preis für die weiteste Anreise ging an eine fidele Russentruppe, die sich auf blitzsauberen GS und RT von Moskau und Sankt Petersburg durchgeschlagen hatte. Esten waren auch da, gewannen beim Geschicklichkeitsturnier sogar den Siegerpreis. Ein Langzeit-Tourist aus Florida schaute vorbei, Ungarn, Slowenen, Franzosen, Skandinavier und Preußen rundeten das internationale Flair ab. Ein ganz normales Markentreffen also?Mitnichten, weil erstens schon der Name Bikermeeting auf andere als die alten Zeiten verweist und weil zweitens ein Blick über die Parkplätze genügte, um das neue Image der Marke BMW zu erfassen. Grob geschätzt hatten gerade mal zwanzig Prozent aller Motorräder zwei Ventile über jedem ihrer Zylinder, frühe K-Modelle also eingeschlossen. Je zehn Prozent fielen auf F 650 und neue K-Generation, der Rest waren Vierventil-Boxer. Die alten Fahrensleute, die Bing-Vergaser während der Fahrt synchronisieren können und die zwei Benzinhähne ihrer Gummikuh für Fortschritt halten, sind offensichtlich vom Aussterben bedroht. Heute braucht keiner mehr ein riesiges Werkzeugfach, heute wird einfach nur gefahren. Den Rest regelt der Diagnose-Stecker.Ist ja auch okay. Zumal Tachostände und das muntere, bisweilen engagiert-sportliche Treiben auf den Strecken rund ums Karwendel-Gebirge bewiesen, dass BMW immer noch die Kräder der Kilometerfresser baut. Unterstützend für diese These mag gelten, dass die sonst bei Treffen üblichen Pleiten und Pannen auf den Parkplätzen fast gänzlich ausblieben. Kein peinliches Gefußel, kein hektisches Rangieren. Und wer seine K 1200 LT bergab abgestellt hatte, der tat’s nicht aus Versehen, sondern um beim Neustart ganz cool den Rückwärtsgang vorführen zu können.Für einen reibungslosen Ablauf hatten zudem die Organisatoren viel getan. Was sowohl zur Klientel als auch zu Seefeld passte. Der Ort selbst war nämlich ebenfalls bestens präpariert, Hotelzimmer in allen Preislagen von mittel bis sehr hoch gut besucht, für die Zünftigen gab’s eine Wiese zum Zelten. Die hatten’s am Samstagabend besonders leicht, mussten nicht mal 300 Meter laufen zum riesigen Festzelt, in dem eine gigantische Fete stieg. Und dort, ja, genau dort, ließ dann der BMW-Fahrer den Fan raus. Von wegen kopfbestimmte Gore-Tex-Vertreter und so: kindliche Freude über die Boxer-Cup-Aktivisten Andy Hoffmann und Helmut Dähne, die bei der Anfahrt zur Bühne ordentlich Gummi verbrannten und das ganze Zelt mit beißendem Rauch füllten. Gegröhlte Freibier-Forderungen, als Vertriebschef Uhland Burkart in beinahe launiger Rede die Grüße der Firmenleitung überbrachte. Ausgelassenes Treiben auf der Tanzfläche, als zwei Combos gut abgehangenen Rock zelebrierten. Wobei der eine und die andere zu harten Drums und ekstatischen Riffs ein Standardtänzchen hinlegten. Warum auch nicht?
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