Interview (Archivversion)

Interview

Massimo Bordi schrieb seine Diplomarbeit 1973 über den Vierventil-Desmo-V2. Heute ist er Generaldirektor von Ducati

Warum sind italienische Motorräder so anders?Das liegt vor allem an den geringen Stückzahlen: Die Japaner produzieren 500000 Motorräder pro Jahr, alle italienischen Hersteller zusammen dagegen nur 50000 – Roller außen vor. Das heißt, wir müssen völlig anders vorgehen, was Investitionen und technische Lösungen anbelangt.Woran liegt es, daß italienische Motoren fast immer Zweizylinder sind?Zunächst ist ein Vierzylinder viel komplizierter und teurer. Dann haben wir wenig Erfahrung damit. Während der 60er Jahre, als in Europa alle aufs Auto setzten und nichts in die Entwicklung von Motorrädern investiert wurde, hielten wir uns mit Einzylindern über Wasser. Als der Markt wieder auflebte, war der logische nächste Schritt der Zweizylinder. Daraus entstand ein spezielles Know-how, das heute bewußt eingesetzt wird, um sich von den Japanern zu unterscheiden.Stichwort Gitterrohrrahmen: Gibt es da heute nicht bessere Lösungen?Aus technischer Sicht bringt ein Alu-Deltaboxrahmen keine großen Vorteile, allerdings ist er in Massenproduktion leichter zu fertigen – gerade mal vier Schweißnähte, das läßt sich mit Robotern gut umsetzten. Beim Gitterrohrrahmen braucht es mehr Handarbeit.Stimmt es, daß italienische Hersteller aus sturem Prinzip auf italienische Zulieferer setzen?Nein. Allerdings kaufen wir so viel wie möglich in Europa ein, schon wegen der kürzeren Wege. Doch wenn die Qualität nicht genügt, importieren wir auch aus Japan. Schweren Herzens, weil das oft das Aus für eine kleine europäische Firma bedeutet.
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote