So entsteht ein Reiseführer (Archivversion)

GUT zu wissen

Kein Trip ohne Reiseführer, das ist klar. Doch wie entsteht eigentlich das nützliche Werk?

Als Robert Geißler im Jahr 1863 zu seiner Reise entlang der Weser
startete, brach er tatsächlich mehr oder weniger ins Ungewisse auf. Kein Internet, kein Telefon und praktisch keine Infos – Reiseführer, wie wir sie gewohnt sind,
gab es vor 141 Jahren nicht. Allenfalls Erzählungen, deren praktischer Wert äußerst dürftig gewesen sein dürfte.
Wer heutzutage losfährt, erhält über jeden Winkel auf dieser Welt garantiert zumindest einen Reiseführer, der die notwendigen Infos für einen Trip liefert. Dabei ist es eigentlich fast egal, ob man auf einem Motorrad, mit Rucksack oder im Auto unterwegs ist – die grundsätzlichen Informationen sind für jeden Reisenden gleichermaßen von Bedeutung. Und müssen
aufwendig recherchiert werden. »Das
kann heute natürlich im Voraus zu einem
Großteil per Internet erledigt werden«, erklärt Roland Hanewald, Autor des oben
abgebildeten Reiseführers »Nordseeküste Niedersachsens« aus dem Reise Know-How-Verlag. »Zum Glück verfügen Fährgesellschaften, Hotels oder Fahrzeugvermieter in der Regel über eigene Seiten, auf denen sie über ihr aktuelles Angebot informieren.«
Die Recherche vor Ort ist beim Erstellen eines Reiseführers für Roland
Hanewald und seine Kollegen jedoch nach wie vor unersetzlich. »Ein interessierter
Leser merkt sofort, wenn ein Buch nur am
PC entstanden ist, weil diesem Werk jede Authentizität fehlen würde«, sagt Michael Müller, Chefredakteur des gleichnamigen Reiseführerverlags. In der Regel sind
Reisebuchautoren bereits längere Zeit im entsprechenden Land oder betreffender Region herumgereist. Im Idealfall leben
sie sogar dort – eine besondere Neigung macht sich nicht nur bemerkbar, sondern oft sogar bezahlt: Neben der Kompetenz soll der Reiseführer ja auch jede Menge Sinnlichkeit und Leidenschaft vermitteln.
Die Recherche vor Ort kann je nach Größe der Destination bis zu fünf oder sechs Monate dauern. Fremdenverkehrsämter sind auch für Reisebuchautoren erste Anlaufstelle, um aktuelle Infos zu ergattern, die für Touristen interessant sein könnten. Dann heißt es, möglichst viele Hotels, Restaurants, Campingplätze, lokale Reiseveranstalter, Sehenswürdigkeiten, Strände und so weiter abzuklappern, um alle denkbaren Infos einzusammeln – und um den Wahrheitsgehalt der Internet-Angaben zu überprüfen. Nach dem Schreiben des Buchs, das weitere Monate in
Anspruch nehmen kann, ist die Arbeit allerdings keinesfalls beendet: Reiseführer werden von den Autoren spätestens alle zwei bis drei Jahre komplett aktualisiert, da sie sonst praktisch unverkäuflich sind. Also müssen die Autoren ständig am Ball bleiben, nicht nur via Computer.
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