Südamerika (Archivversion)

Unser Team im All


Fleißige Besucher der MOTORRAD-online-Seiten wissen’s schon: Der UNTERWEGS-Redakteur Schröder reist sechs Monate durch Südamerika. Fast ein Drittel der Zeit ist um.

Wir fahren. Endlich. Auf der Panamericana zwischen Santiago de Chile, dem Startpunkt unserer Reise, und der Hafenstadt Puerto Montt. Vergessen der Stress der letzten Wochen, die unzähligen Formalitäten. Vorbei der tägliche Stop-and-go-Horror-Trip ins Stuttgarter Büro. Für sechs Monate. Dafür freie, verwegene, gewundene Pisten und Strecken. Durch Chile, Argentinien, Bolivien und Ecuador. Zwei BMW, ein Zelt, Schlafsäcke, Kochgeschirr, ein paar Klamotten und die Kreditkarten – damit werden wir die nächste Zeit auskommen müssen. In einem halben Jahr sind wir vermutlich pleite. Aber reich an Erlebnissen. Wir lassen es langsam angehen. Franca bewegt seit zwei Jahren zum ersten Mal wieder ein Motorrad, und Schotter hatte sie bisher noch nie unter die Räder genommen. Und jetzt ist sie auf einer BMW F 650 GS mit dabei. Und macht ihre Sache gut. Sehr gut sogar. Denn die Pisten sind stellenweise ziemlich übel. Mehr als Tempo 40 ist oft nicht drin. Bald wird es allerdings richtig ernst: auf den Strecken, die bis 5000 Metern hoch in die Anden oder durch die Atacama-Wüste führen.Zunächst ging es aber erstmal per pedes auf den fast 3000 Meter hohen Vulkan Villarrica, im so genannten kleinen Süden Chiles gelegen. Dann auf Stollen über kleine Wege und Pisten durch die Anden, die in diesem Teil von Chile und Argentinien allerdings kaum höher als 4000 Meter sind. Wir genießen die Tage an den vielen traumhaft schönen Seen rund um Bariloche in Argentinien und zwischen Puerto Varas und Temuco in Chile. Mit den Motorrädern gelangen wir an Stellen, wo außer uns niemand mehr unterwegs ist. Doch die Bikes haben auch Nachteile. Heftige Regenfälle verwandelten die Straßen in Flüsse, die argentinische Pampa in einen Ozean. Zwischendurch dachten wir, unsere Klamotten würden nie mehr trocknen. Mit einem Kanu wären wir streckenweise sicher schneller vorangekommen. Unser Zeitplan gerät bereits aus den Fugen. Nun, nach sechs Wochen und rund 5400 Kilometern – davon etwa 1500 Kilometer Pisten – haben wir La Serena (Chile) erreicht. Vorgestern noch im Schnee am Cumbre-Pass zwischen Mendoza und Santiago, heute an den Stränden des Pazifik, morgen wieder hoch in die Anden: Vor uns liegt der 4730 Meter hohe und 560 Kilometer lange San-Francisco-Pass. Dann geht’s via Salta und dem Sico-Pass in die Atacama-Wüste. Und die Motorräder? Laufen wie am Schnürchen! Meine blaue R 1100 GS, bisher eher als Stuttgarter »Café Racer« im Einsatz, fällt besonders im motorradverrückten Argentinien auf – Mega-Tank und IMO-Bordcomputer sind der Hit. Selbst Harley-Fahrer in XXXXXXX lassen ihre Bikes stehen, um die Zega-Boxen zu bestaunen. Ob ich mit dem schweren Hobel auch im Sand glücklich bin, wird sich zeigen. Dennoch bin ich jeden Tag aufs Neue überrascht, wie leicht die »Monsterkuh« im Gelände marschiert. Franca schwört auf den Einzylinder, der nie mehr als 3,5 Liter schluckt, sich völlig unbeeindruckt von Schotter-, Wellblech- oder Sandpisten zeigt und Kälte, Höhenluft und diverse Umfaller einfach wegsteckt.So, fürs erste genug erzählt. Der Zeitplan, ihr wisst schon. Vorher schnell noch ins nächste Internet-Café, da www.motorradonline.de schon wieder nach Reise-News schreit. Freiheit hat nun mal ihren Preis...
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