Tourertreffen (Archivversion)

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Die Vorbereitungen für das 10. Tourertreffen vom 26. bis zum 28 Juni im österreichischen Serfaus laufen auf Hochtouren. Damit auch der Fahrspaß vor Ort nicht zu kurz kommt, arbeitet das ACTION TEAM derzeit schon eine tolle Pässe-Runde aus.

Glück gehabt. Keine Wolke am Himmel, Fernsicht bis zum Abwinken und die ersten Sonnenstrahlen im Gesicht. Nur die Täler unterhalb des 1427 Meter hoch gelegenen Wintersportorts Serfaus liegen noch im Schatten. Daniels Yamaha TDM säuselt leise in der frischen Morgenluft, Sekunden später erweckt Hans seine Ducati 916 zum Leben. Jetzt wissen auch seine Nachbarn, daß er wieder unterwegs ist. Aber diesmal fährt er nicht zum Spaß: Gemeinsam wollen die beiden zum Tourertreffen das Roadbook für eine Orientierungsfahrt erstellen - Daniel Lengwenus als erfahrener ACTION TEAM-Reiseleiter und der Serfauser Hans Auer, weil er hier jeden Weg und jeden Winkel kennt.Eine Orientierungsfahrt ausarbeiten? Soll heißen: eine Strecke auswählen und abfahren, unterwegs Kilometerstände und Abzweigungen notieren und schließlich zu einem vollständigen Roadbook zusammenstellen. Dazu entlang der Strecke Fragen ausdenken, die von den Teilnehmern während der Tour beantwortet werden müssen, und diese natürlich samt der Lösungen notieren. Alle paar Kilometer also die gleiche Prozedur. Anhalten, Helm ab, Handschuhe aus, Stift und Papier aus dem Tankrucksack kramen, alles Notwendige auf den zerknitterten Block kritzeln, weiterfahren. Und zwar sowohl schnell als auch fehlerfrei, denn Zeit für eine zweite Runde fehlt.Der grobe Verlauf der Tour stand bereits gleich am Abend nach der Ankunft in Serfaus fest, denn direkt vor der Haustür beginnen Strecken, die zu den attraktivsten der Alpen gehören und die praktisch nur noch zu einer großen Rundfahrt kombiniert werden müssen. Einzige Vorraussetzung: Dieser Ausflug soll für alle Gäste des Tourertreffens machbar sein, egal ob auf Honda Pan European oder KTM LC4 unterwegs - kernige Off Road-Passagen scheiden also von vornherein aus. Ein Bier später war die Tour auf der Landkarte zumindest mit dem Zeigefinger abgefahren: Reschenpaß, Stilfser-Joch, Umbrail-Paß, Ofenpaß, dann teilweise auf kleinen Nebenstrecken zurück nach Serfaus. Alles in allem zirka 220 Kilometer in drei Ländern, 10444 Höhenmeter und vermutlich ebenso viele Kurven. Eine runde Sache.Schon die Abfahrt von Serfaus nach Ried tief unten im Inn-Tal begeistert und treibt den letzten Schlaf aus den Augen. Steil geht´s bergab, enge Serpentienen und das alpine Panorama bieten bereits auf den ersten Kilometern einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen soll. Kurz darauf notiert Daniel in Pfunds die erste Frage, deren Antwort nur auf den ersten Blick leicht erscheint. Oder andersherum: Wer allzu schnell durch den Ort fährt, hat vermutlich Pech gehabt. Sicher ist dann nur ein Ticket der strengen Gendarmen. Die Aussichten auf den ersten Preis aber schwinden: eine Woche Ferien in Serfaus für zwei Personen. Gibt´s natürlich nur dann, wenn alle Antworten stimmen.Ein paar Fragen weiter geht´s durch das Kurvenwirrwarr, daß über Nauders bis hinauf zum 2083 Meter hohen Reschenpaß führt. Dann ab über die Grenze nach Italien, erst einmal Geld tauschen und einen Cappuccino bestellen. Soviel Zeit muß sein, zumal Daniel seine Notizzettel sortieren will, damit aus dem nur für ihn verständlichen Durcheinander von Richtungspfeilen, Kilometerzahlen und halbfertigen Sätzen später ein allgemein verständliches Roadbook werden soll. Schließlich verschwinden die beiden auf der Westseite des Reschensees, bis nach einer Weile hinter Sponding das gewaltige Ortlermassiv den Ausblick in Richtung Süden dominiert. Wer nach langer winterlicher Zweirradabstinenz endlich wieder in den Alpen unterwegs ist und dann auf dieses Panorama stößt, der greift spontan in die Eisen. Zu gewaltig erhebt sich diese Wand aus Fels und Stein, um einfach dran vorbeizufahren.Bremsen müssen die beiden auch vor der Auffahrt zum Stilfser Joch. Der Paß der Pässe, dessen 48 Kehren auf eine Höhe von 2758 Meter führen, ist Anfang Mai leider noch gesperrt - oben sieht´s vermutlich noch wie in der Antkarktis aus. Daniel und Hans zögern nicht lange. Wegen der Quizfragen für´s Roadbook müssen sie hinauf, zumindest bis zur Schneegrenze. Die kleine Schranke ist kein ernsthaftes Hindernis, dann zirkelt sich der enge Weg steil bergan. Zuerst durch dichten Wald, schließlich weit hinauf durch eine glänzende Welt aus Schnee, der teilweise zwei Meter hoch neben der Straße liegt, die immerhin bis zur 34. Kehre geräumt ist. Dann ist Schluß. Der Weg hoch zum Joch und von dort aus weiter zum Umbrail-Paß ist trotz aller Hoffnung leider wirklich nicht befahrbar. Also wieder zurück und über Sponding in die Schweiz nach Santa Maria fahren, wo die Nordrampe des Umbrail beginnt. Fürs Roadbook bedeutet dieses schlicht und einfach: improvisieren und die Kilometerangaben schätzen. Wird schon klappen.Ab über den Ofenpaß in Richtung Zernez und dann weiter nach Susch. Die Pausen werden kürzer, weil Daniel inzwischen während der Fahrt Richtungsangaben, Kilometerstände und sogar Fragen notiert: rechte Hand am Gas und mit links den Block vollschreiben, der von einem Spannriemen auf dem Tankrucksack gehalten wird. Spart `ne Menge Zeit und das lästige Gefummel mit den Handschuhen.Natürlich haben die beiden Scouts noch ein paar kleine Abstecher entlang der Strecke eingeplant, die von hier aus eigentlich schnurstracks nach Serfaus führt: kurvenreiche, zum Teil einspurige Sträßchen, die zu abgelegenen Bergdörfern führen, dann noch eine kurze Schotterpassage, die aber - wenn auch im Bummeltempo - selbst für Fahrer auf einer Ducati 916 zu bewältigen ist. Was sonst noch für Überraschungen auf die Teilnehmer dieser Ausfahrt warten? Sorry, Leute. Denn den genauen Verlauf der Route sowie den Fragenkatalog gibt´s erst am Samstag, den 27 Juni, um 9 Uhr am Start in Serfaus. Nur eines ist klar: Mitfahren lohnt sich.
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