EWC 8h Slowakei 2018

YART-Yamaha beendet die Durststrecke

Seit 2009 hatte das YART-Yamaha-Team von Mandy Kainz in der Langstrecken-Weltmeisterschaft nicht mehr gewonnen. Bei den 8 Stunden der Slowakei aber standen Max Neukirchner, Marvin Fritz und Broc Parkes ganz oben auf dem Podest.

Die Mannschaft hatte aber erneut kein problemfreies Rennen. „Nach fünf Runden fiel die Elektronik aus und unsere Jungs mussten komplett ohne Helferlein fahren“, sagte Kainz. „Das haben sie aber mit Bravour gemeistert und es spricht noch mehr für die Qualität dieser drei Piloten.“

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Foto: Yamaha
Max Neukirchner, Marvin Fritz und Broc Parkes standen ganz oben auf dem Podest
Max Neukirchner, Marvin Fritz und Broc Parkes standen ganz oben auf dem Podest

Davon abgesehen aber lief es bei YART bestens – so gut, dass man mit einer cleveren Taktik sogar einen Boxenstopp weniger fahren konnte, als die Konkurrenz von GMT94 Yamaha mit David Checa, Niccolo Canepa und Mike di Meglio. Die holten sich am Ende den zweiten Rang. „Wir wussten, dass wir hier in der Slowakei Probleme haben würden, aber Dunlop hat uns einen neuen Hinterreifen mitgebracht, der hat geholfen“, so Checa. „Am Ende konnten wir ganz vorn mitspielen und das war nicht so schlecht. Sicher, wir wussten vorher, dass YART stärker sein würde, letztes Jahr hatten wir nur Glück, dass sie Probleme gehabt hatten und wir nur darum gewonnen hatten. Dieses Jahr hatten sie dann Glück, dass sie einen Stopp weniger fahren konnten und sie haben gewonnen. Aber die letzten drei Jahre haben wir in Oschersleben gewonnen, darum erwartet dort mal wieder einen Angriff von uns!“

Le Mans-Sieger holen Rang drei

Die Le-Mans-Sieger von F.C.C. TSR Honda France mit Freddy Foray, Alan Techer und Josh Hook rundeten das Podest als Dritte ab, auch sie blieben noch in der selben Runde wie die Sieger und hatten im Ziel 1:17 Minuten Rückstand – also etwas mehr als eine halbe Runde. Auch das japanische Team kam mit acht Boxenstopps aus. Sie landeten vor der #111 Honda und dem Oscherslebener Team NRT48 von Ingo Nowaczyk, die die beste BMW stellten. Direkt dahinter auf sechs landete das Mercury Racing Team mit dem rein-tschechischen Trio aus Karel Hanika, sowie Jakub und Matej Smrz.

Weiterhin noch nicht ausgereift ist die neue Suzuki GSX-R1000 und so mussten die Rekord-Weltmeister vom Suzuki Endurance Racing Team „SERT“ nach einer Reihe von Problemen und Schrauberleistungen mit dem siebten Rang vorlieb nehmen. Rang acht ging an die Startnummer 8 vom Bolliger Team Switzerland mit Roman Stamm, Sebastien Suchet und Robin Mulhauser. Sie stellten die beste Kawasaki, noch vor dem SRC-Team mit der #11. Die hatten in der ersten Stint-Phase mit Randy de Puniet noch die Führung übernommen, dann stürzte der Franzose. Später im Rennen rollte man eine halbe Runde vor Pflichtboxenstopp ohne Sprit aus und verlor weiteren Boden, sodass am Ende nicht mehr als der neunte Platz drin war.

Auf dem zehnten Platz gewann das Team #333 Yamaha Viltais Experience die Superstock-Wertung. Damit stand ein weiterer Deutscher ganz oben auf dem Slovakia-Ring-Podest: Florian Alt gewann zusammen mit seinem französischen Teamkollegen Axel Maurin und dem Belgier Vincent Lonbois. Der zweite Platz in der Superstock-Wertung ging an ATOMIC68 Suzuki.

GERT56 auf Rang 13

Mit Gesamtrang 13 holte GERT56 aus Pirna in Sachsen den ersten Podestplatz in der Superstock-Klasse für die Mannschaft. Julian Puffe, Filip Altendorfer und Rico Löwe durften sich über Platz drei freuen – wenngleich nicht ohne Probleme. „Wir hatten einen platten Reifen und mussten somit einen Extra-Stopp einlegen“, verriet Puffe. „Da hatte sich Rico Löwe etwas eingefahren, da lag irgendwas auf der Strecke rum. Später haben wir noch beim Fahren einen Reifensticker verloren und noch eine 30-Sekunden-Durchfahrtsstrafe bekommen. Ohne das alles wäre viel mehr drin gewesen, denn ich hatte mir am Start auf meinem ersten Stint schon die Führung erkämpft.“ Trotzdem war die Freude über Platz drei auf dem Treppchen mehr als groß.

Auf Rang 14 sah das WSB-Endurance Racing Team das Ziel. Hier hatte Startfahrer Danny Märtz mal wieder auf der ersten Runde Pech – wie schon im Vorjahr. „Dieses Mal musste ich wieder in der letzten Rechts vor Start-Ziel durch’s Kies und war dann mit Abstand Letzter“, sagte er. „Aber letztes Jahr sind wir dann auch 20 Minuten vor Ende ausgefallen – dieses Mal haben wir es ins Ziel geschafft.“

Dieses Schicksal ereilte dieses Jahr das Suzuki-Junior-Team mit der #72, die damit wenige Minuten vor Rennende ein sicher geglaubtes Podest verloren. Motorschaden.

Bei Motobox Kremer Racing gab es mehrfach Probleme, die Pace der Piloten Geoffroy Dehaye, Jan Viehmann und Christopher Kemmer wäre zu viel mehr fähig gewesen. Doch es gab einen Sturz, einen Felgenschaden und damit einen Plattfuß und viele kleine Reparaturarbeiten, sodass am Ende nicht mehr als der 26. Platz heraussprang.

Das Team LRP Poland hatte neben Arnaud Friedrich noch Lucy Glöckner ins Rennen geschickt und damit auf zwei pfeilschnelle Deutsche gesetzt. Glöckner allerdings stürzte nach einem defekten Reifen und wird derzeit noch an der Schulter untersucht. Erste Diagnosen haben keine Brüche hervorgebracht, doch darauf wollten sich die Ärzte im Krankenhaus zehn Kilometer vom Slovakia-Ring entfernt nicht festlegen. Glöckner wollte in Deutschland weitere Ärzte konsultieren. Später stürzte Friedrich aufgrund eines Folgeschadens des Sturzes von Glöckner.

Qualifying

Josh Hook, Freddy Foray und Alan Techer haben sich und dem Team F.C.C. TSR Honda France bei der dritten Saisonstation der FIM Endurance-Weltmeisterschaft 2017/2018 die Pole-Position am Slovakia-Ring gesichert. Mit 2:04,619 (Hook), 2:04,217 (Foray) und 2:04,221 (Techer) fuhren alle drei Piloten eine konstant-schnelle Pace und kamen auf ein Rundenzeitmittel von 2:04,352 Minuten. Das bedeutete die Pole-Position um gerade einmal 0,080 Sekunden im Mittel.

Startplatz zwei ging an YART Yamaha (Broc Parkes, Marvin Fritz, Max Neukirchner). Den dritten Startplatz holte das Suzuki Endurance Racing Team SERT #2 mit Vincent Philippe, Etienne Masson und Gregg Black. GMT94 (Mike di Meglio, Niccolo Canepa, David Checa) und die #11 Team SRC Kawasaki (Julien da Costa, Randy de Puniet, Jeremy Guarnoni) rundeten die Top-Fünf ab.

NRT48 von Ingo Nowaczyk aus Oschersleben kam mit Kenny Foray, Stefan Kerschbaumer und Peter Hickman mit 0,773 Sekunden Rückstand auf den sechsten Startplatz. Die Top Ten komplettierten #111 Honda Endurance Racing, #21 Mercury Racing, #96 Moto Ain und #50 Team April Moto Motors Events.

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Die Startverschiebung wurde eifrig diskutiert.
Die Startverschiebung wurde eifrig diskutiert.

Verlegung des Rennstarts sorgt für Zunder

Noch vor den ersten Trainings am Donnerstag, wurde am Mittwochabend der Rennstart für den Samstag von 14 auf 12:30 Uhr vorgezogen. Als offizielle Begründung wurden „Sicherheits-Gründe“ genannt. Es hielten sich aber verschiedenste Gerüchte über die wahren Gründe – eines davon war, dass der Hubschrauber aufgrund der Strommasten Nachts nicht landen könne. „Das ist Schwachsinn“, erläuterte Amir Ghanem, Teammanger bei #21 Mercury Racing, gegenüber MOTORRADonline. Und er muss es wissen, denn er fliegt beruflich selbst die größten Airbusse. „Es haben sich einige Teams beschwert, weil es hier dunkler als an anderen Strecken ist und deren Fahrer damit nicht so schnell waren“, sagte er weiter. „Die Verantwortlichen haben gemeint, sie hätten sich mit den Top-Teams unterhalten: Aber bei mir war keiner. Wir sind derzeit Fünfter in der WM, da sollten wir wohl dazu gehören.“

Streckenrekord im Nachttraining

In 2:03,543 Minuten zeigte Max Neukirchner, dass man in der Nacht am Slovakia-Ring sehr wohl schnell fahren kann. Der Deutsche brach damit den bestehenden EWC-Streckenrekord – und war um über eine Sekunde schneller als der versammelte Rest der Welt.

Im zweiten Qualifying hatte Roman Stamm vom Team Bolliger Switzerland einen Sturz. Der Schweizer musste in der letzten Rechts vor Start-Ziel aus dem Sattel der Kawasaki. „Wenigstens habe ich mir nichts getan, aber es tut mir für das Team leid“, sagte Stamm zu MOTORRADonline. Am Ende reichte es für die Mannschaft – Stamm hat Robin Mulhauser und Sebastien Suchet als Teamkollegen – zum elften Startplatz.

Das LRP Team Poland startet in der Slovakei mit Jaroslav Cerny, Lucy Glöckner und Arnaud Friedrich. Alle drei Piloten fuhren Zeiten im Bereich von 2:06 Minuten, was zum zwölften Startplatz reichte.

Die #65 Motobox Kremer Yamaha mit Geoffroy Dehaye, Jan Viehmann und Christopher Kemmer landete auf Startplatz 19.

Aussitzen des zweiten Qualifyings

Am Freitag entschieden viele Teams, in der Box zu bleiben, die meisten davon, um Reifen zu sparen. Denn seit die Anzahl der Gummis limitiert ist, haben die meisten Mannschaften echte Kopfarbeit, um für Trainings, Qualifyings und Rennen hin zu kommen.

„Das ist eigentlich absoluter Mist“, sagte NRT48-Pilot Kenny Foray im Gespräch mit MOTORRADonline. „Normal sollten wir fahren, vor allem ja auch für die Show. Aber so schauen wir zu. Das ist ein komisches Gefühl, die anderen jetzt fahren zu sehen. Aber es nutzt ja nichts, es kommt ja im Rennen darauf an und da wollen wir einfach jede Stunde voll angreifen und pushen – da müssen wir die ganze Zeit pushen.“

Auch YART Yamaha setzte aus, Broc Parkes, Marvin Fritz und Max Neukirchner hatten schon am Donnerstag ganze Arbeit geleistet und sich die provisorische Pole-Position gesichert. Der Deutsche Neukirchner springt – wie schon in Le Mans – für den Japaner Takuya Fujita ein. Fujita war beim Alpe-Adria-Lauf am Wochenende zuvor auf gleicher Strecke gestürzt und verletzte sich am linken Ellbogen.

Auch das Team GERT56 blieb an der Box. „Wir sparen uns die Reifen für das Rennen“, verriet Teammanager Karsten Wolf MOTORRADonline. Einen Rückschlag erlitt die Mannschaft bereits bei den Tests Anfang der Woche, als der eigentliche Stamm-Pilot Horst Saiger stürzte und sich das linke Handgelenk brach. Saiger wird daher auch nicht bei der NorthWest200 und bei der Isle of Man TT an den Start gehen. Eingesprungen ist bei GERT56 dafür der ehemalige IDM-Laufsieger Filip Altendorfer. Die Truppe wird von Platz 21 aus ins Rennen gehen.

Die WSB-Endurance-Mannschaft von Robert Schüler ist in der Slovakei mit Danny Märtz, Thomas Hainthaler und Johannes Hoffmann unterwegs und holte Startplatz 25. „Wir haben im Training aber nichts verrücktes gemacht, sondern nur für das Rennen gearbeitet“, verriet Schüler MOTORRADonline. „Ich will, dass sich das Motorrad für unsere Fahrer immer gleich anfühlt.“

Mit der Startnummer #100 ist auch das HRT100 – Hertrampf Racing Endurance Team mit Dominik Vincon, Marco Nekvasil und Oliver Skach am Start. „Klares Ziel ist wieder die Zielankunft“, so Dennis Hertrampf zu MOTORRADonline. Im Training gab es ein Elektronik-Problem und einen Motordefekt, darum hofft die Mannschaft jetzt, dass das Pech schon vor dem Rennen abgegessen ist.

Kein Team Penz

Das Wepol Racing by penz13.com Team von Rico Penzkofer fehlt in der Slowakei. Die Mannschaft hatte beim Bol d’Or den zweiten Platz und bei den 24 Stunden von Le Mans den dritten Platz errungen. Mit zwei Podesten aus zwei Rennen steht die Truppe voll im WM-Kampf, aber „das Geld ist alle“, lässt Penzkofer wissen. Die EWC-Motorräder der Mannschaft sind bereits auf einem Internet-Portal zum Verkauf aufgetaucht. Die Road Racing Einsätze von Penz13 bleiben davon unberührt.

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