Kein Fischereihafenrennen 2018

Pause wegen fehlender Planungssicherheit

An Pfingsten ist für viele Fans und Fahrer Bremerhaven Pflichttermin. Nicht so 2018, denn das Fischereihafenrennen legt eine wegen fehlender Planungssicherheit eine Pause ein.

"Trotz frühzeitiger und fortgesetzter Bemühungen des Veranstalters war es nicht möglich, mit dem Deutschen Motorsportbund (DMSB) rechtzeitig eine ausreichende Planungssicherheit zu erzielen", so der Veranmstalter in seiner aktuellen Pressemitteilung. 2017 kam es bereits zu Verzögerung in der Planung, die Streckenabnahme erfolgte beispielsweise erst im März.

Hinrich Hinck, Vorstand der MSG Weserland und Geschäftsführer der German Road Racing GmbH, äußert seine Meinung hierzu deutlich:

Wie wir den Verantwortlichen ausführlich und wiederholt schriftlich und mündlich dargelegt haben, ist der Vorschlag des DMSB, eine so komplexe und kostspielige Veranstaltung auf der Grundlage mündlicher Versprechungen und einer vorläufigen Streckenlizenz vorzubereiten, für uns keine belastbare Arbeitsgrundlage. Eine so große Veranstaltung hat eine lange Vorlaufzeit. Es ist weder unseren treuen Fans noch den Fahrern noch unserem Team und der Stadt Bremerhaven zuzumuten, bis praktisch fünf Minuten vorm Rennen noch zu bangen, ob die in Aussicht gestellte Lizenz nun kommt oder nicht. Uns ist in den vergangenen Jahren durch Vertreter des DMSB immer wieder ausgezeichnete Arbeit im Bereich Sicherheit bescheinigt worden. Warum dennoch auf einem Verfahren bestanden wird, das dem DMSB bis zur letzten Sekunde eine Nichterteilung der Lizenz und damit eine Absage der gesamten Veranstaltung ermöglicht, ist für uns nicht nachvollziehbar. Es fehlt das Gefühl, an einem Strang zu ziehen. Denn eigentlich sollten wir alle doch dasselbe Ziel haben: beste Werbung für den Motorradrennsport in Deutschland zu machen!

Das soll jedoch keine generelle Absage des Fischereihafenrennens bedeuten. 2019 hoffen die Veranstalter wieder am Start zu sein

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Das Motorrad-Straßenrennen im Hafengelände von Bremerhaven wird auch Fishtown Grand Prix genannt und ist die zweitgrößte Motorrad-Rennsportveranstaltung. Größer ist nur der MotoGP am Sachsenring. Das Rennen wurde 1952 zum ersten Mal veranstaltet, seit 2000 findet es jährlich am Pfingstwochenende statt.

Streckenlänge: ca. 2.670 Meter
Fahrzeugklassen: elf
Klasse 1: Fishtown Superbike Open
Klasse 2: Fishtown Twins & Triples
Klasse 3: Fishtown Sidecars Classic
Klasse 4: Sound of Classics Junior
Klasse 5: Sound of Classics Senior
Klasse 6: Superbike Legends: The 80s
Klasse 7: Formel 2
Klasse 8: Superbike Legends: Big Classics
Klasse 9: Sidecar Champions Challenge
Klasse 10: Corsa Speciale
Klasse 11: Fishtown SuperTwin

Bericht vom Fischereihafenrennen 2017

Pfingsten 2017 feierte das Fischereihafenrennen seine 60. Auflage. Wer sich in unserer Rennszene auskennt, der weiß, dass mit dem Begriff „Fishtown“ kein städtischer Handelsplatz zum kommerziellen Verkauf von Meerestieren gemeint ist. Fishtown ist das wohl beliebteste Straßenrennen Deutschlands: ein buntes Volksfest mit ganz besonderer Atmosphäre und deshalb weit über unsere Landesgrenzen bekannt und geschätzt. Das international belegte Starterfeld beweist es. In elf unterschiedlichen Klassen pflügen die Fahrer um den 2670 Meter langen Kurs direkt im Hafen, der in nur einer Nacht errichtet und präpariert wird.

Die Zuschauer können sich an den zahlreichen Imbissbuden und Bierständen verköstigen und hinter den Strohballen hautnah die Rennen mitverfolgen. Stellenweise allerdings nicht mehr so hautnah wie in den Jahren zuvor. In der Vergangenheit gab es mitunter schlimme Unfälle. Die Familie Hinck bemüht sich als Veranstalter und Organisator des Fischereihafenrennens redlich darum, den Kurs so sicher wie möglich zu machen. Für die Umsetzung und das Engagement wurde Hinrich „Hinni“ Hinck, sozusagen der „Godfather of Fishtown“, während der diesjährigen Fahrerbesprechung von den Piloten mit lautem Jubel geehrt. Auf dem Kurs liegende Gullydeckel müssen vor dem Rennen extra versiegelt, Bordsteinkanten abgeflacht und an exponierten Stellen der Strecke Airfences aufgestellt werden. Ein enormer Aufwand. Doch die Auflagen scheinen noch härter zu werden. In diesem Jahr kamen nämlich Absperrgitter auf Betonsockeln hinzu, die maßgeblich dem Schutz der Zuschauer dienen sollen. Als Fahrer möchte man da aber sicher nicht einschlagen.

Auf der anderen Seite macht die Gefahr ganz klar einen großen Teil des Reizes aus: Auslaufzonen und Kiesbetten gibt es nicht. Der Asphalt ist wellig, und an getrockneten Grasquadern bleibt man eben hängen, wenn man sie zu eng umzirkelt. PS-Redakteur Tobi durfte das im vergangenen Jahr selbst erfahren, als er kurz vor Schluss mit dem Lenker einhakte und einen Podiumsplatz wegwarf. In diesem Jahr musste es unbedingt besser werden! In Klasse eins (Superbike-Open) sollte die Aprilia Tuono V4R nochmals unter Beweis stellen, wie hart sie gegen potente Superbikes und ihre erfahrenen Piloten austeilen kann. Für Klasse zwei (Twins & Triples) stellte Michael Galinski vom Yamaha IDM-Team MGM seine MT-09 zur Verfügung. Es dauerte das freie und die Zeittrainings über, bis ein passendes Fahrwerkssetup für Tobi gefunden war. Trotzdem sprang Startplatz fünf in der zweiten Reihe heraus, nur wenig hinter dem schnellen Lokalmatador Luca Hansen und Publikumsliebling Tilo Günther. „Wenn du hier nicht aufs Podium fährst, fahre ich nächstes Jahr wieder selber“, witzelte „Galle“ vor dem ersten Rennen. Dem PSler gelang daraufhin mit der MT-09 ein Blitzstart und er setzte sich direkt an die Spitze des Feldes. Ausgangs der ersten Kurve stellte Tobi unverzüglich unter Beweis, wie gut er mit Druck umgehen kann: Auf halbwarmen Reifen feuerte er das Ding per Lowsider weg. Vielleicht spielte auch die verschmutzte Fahrbahn eine Rolle. Zu diesem Zeitpunkt lauerte nämlich in jeder zweiten Ecke des Kurses eine abgebundene Ölspur, da zuvor einige Klassic-Racer gestürzt waren.

An der MT-09 war zum Glück nur der Bremshebel abgebrochen und die Maschine für das zweite Rennen im Handumdrehen wieder fit. Der PSler hatte ebenfalls großes Glück und blieb bei dem Rutscher unversehrt. Gleich darauf ging es mit der Aprilia in das erste Rennen der Superbike-Open. Ruhig bleiben und konzentrieren! Heraus kam Platz sieben. An der Spitze des Feldes war Tilo Günther und Luca Hansen nicht beizukommen. Auf Platz drei schaffte es der Tscheche Pavel Tomecek mit seiner ZX-10R. Im zweiten Rennen bei den Twins & Triples witterte Tobi seine Chance, legte diesmal nicht direkt nach dem Start ab und fuhr als Drittplatzierter über die Ziellinie. Wenn der Helm nicht gewesen wäre, hätten die Zuschauer den PSler für einen kurzen Augenblick in einer emotionalen Ausnahmesituation beobachten können.

Auch das zweite Rennen in der Superbike-Open verlief nach einem super Start mit der Hochlenker-Aprilia und Gesamtrang vier vorzüglich. Vorne lieferten sich einmal mehr Günther und Hansen einen spektakulären Schlagabtausch, den Günther für sich entscheiden konnte.

Traditionell fahren alle Piloten am Abend des Renntages eine Abschiedsrunde ohne Helm über die Strecke. Großzügig werden High-Fives an die Zuschauer verteilt und fröhlich Lärm veranstaltet. Nur wenige Stunden später erinnert kaum mehr etwas daran, dass hier eben noch Straßenrennen statt- fanden – ciao Fishtown, wir sehen uns im nächsten Jahr hoffentlich wieder!

Bericht vom Fischereihafenrennen 2016

Am Pfingstwochenende geht es rund zwischen den Fischhallen in Bremer- haven. Praktisch über Nacht entsteht ein 2,7 Kilometer langer Straßenkurs nach DMSB-Regularien. Die Strecke wird mit 2.000 Strohballen abgesteckt und durch Curbs an den Bordsteinen sowie auf rund 300 Metern von Airfences gesichert. Wo an einem Tag noch der frische Fisch angeliefert wird, kämpfen tags drauf 400 internationale Fahrer in elf Klassen (neu im Programm 2016: die SuperTwins 650) um Ruhm, Ehre und die beste Show.

Die Vorbereitungen für das Roadracing-Volksfest sind enorm. Als Organisator leistet die Familie Hink ganze Arbeit und wird dabei von zahlreichen Helfern unterstützt. Es lohnt sich, wie die Zuschauerzahlen von etwa 20.000 Besuchern belegen. Rennsport zum Anfassen mit offenen Fahrerlagern gibt es nicht oft, schon gar nicht inmitten einer solchen Kulisse. Allerdings mussten sich Fahrer und Zuschauer bei der diesjährigen Veranstaltung des unbeständigen Wetters erwehren. Es war am Sonntag kalt und regnerisch, aber zu den für Pfingst- montag angesetzten Rennläufen wurden die Bedingungen zunehmend besser.

Leider kam es bei den Superbike-Legends zu einem tragischen Unfall. Nur Sekunden nach Beginn des Rennens waren drei Maschinen gestürzt, was eine längere Prozedur aus medizinischer Versorgung der Verletzten, die umgehend erfolgte, und erneuter Vorbereitung der Strecke nach sich zog. Wie am Abend bekannt wurde, verstarb einer der Fahrer im Krankenhaus.
So schlimm ein Crash bei Straßenrennen ist, diesen Startunfall hätte keine Streckensicherung der Welt abwenden können. Es bleibt zu hoffen, dass das Fischereihafenrennen – es hat sich längst als Kultveranstaltung im nationalen Rennkalender etabliert – an Pfingsten 2017 sein 60-jähriges Jubiläum feiern darf.

Bericht vom Fischereihafenrennen 2015

Kennt ihr das? Nach einem langen Wochenende sitzt ihr mit einem Bier im Gartenstuhl und denkt: „Alta, was war das wieder ein geiles Wochenende?“ Das Grinsen bekommt man gar nicht mehr aus dem Gesicht. Dann war wohl wieder Pfingsten, und ihr habt mit 400 Fahrern aus 10 Nationen beim Fischereihafenrennen in Bremerhaven kräftig Gas gegeben. Ich mache das seit 2008 jedes Jahr, und die Atmosphäre dort hat mich vom ersten Moment an gepackt. Die Intensität dieser Rennen kommt von den Zuschauern, die dicht gedrängt ganz nah an der Strecke stehen und wirklich jedem Fahrer zujubeln – egal, ob du Erster oder Letzter wirst. Auf der Strecke wird gefightet, aber immer mit dem nötigen Respekt vor dem anderen Fahrer und der Piste. Denn keine Frage: Der Kurs rund um die Fischhallen auf normalem Alltagsbelag und haarscharf an Strohballen vorbei ist gefährlich.

Doch vor Jubel, Trubel, Heiterkeit muss man erst mal da sein. Und so packten wir vom Team GTR Racing alle Mopeds in den Bulli. Die letzten Jahre haben uns gelehrt, die Veranstaltung ist eigentlich nur Pfingstsonntag und -montag, aber man sollte freitags schon da sein, will man noch einen ordentlichen Platz bekommen. Außerdem ist schon ab Freitag die Hölle los. Auf dem Campingplatz direkt an der Strecke kennen die Mopeds bei manchen Fans die ganze Nacht nur eine Gasstellung: volle Pulle. Als unsere lustige Reisetruppe am Freitag bei bestem Wetter in Bremerhaven ankam, saßen die ersten Zuschauer schon da. Wie Reinhardt, nach eigenen Angaben ehemals Postbote. Er muss mit Kumpel Hennes schon mehrere Stunden auf die Fahrerkarawane gewartet haben, das verrieten jedenfalls zahllose leere Bierdosen. 

Samstagmittag wird im Hafen noch regulär gearbeitet

Aber wie das oft bei einmalig eingerichteten Rennstrecken ist, war an sofortiges Aufbauen nicht zu denken. Bis Samstagmittag wird hier im Fischhafen noch regulär gearbeitet und reihenweise Kübel mit Fisch hin und her gefahren. Die Besichtigungsrunde fällt auch ins Salzwasser, weil die Strecke erst von Samstagnachmittag bis spät in die Nacht aufgebaut wird. Der 2,7 Kilometer kurze Straßenkurs geht zwischen den Fischhallen hindurch und wird durch 2000 Strohballen am Rand der Piste erst richtig zur Rennstrecke. Die sturzgefährdeten Stellen wie Mövenkurve, Laola-Kurve, Lunedeich-Eck, Schrottkurve, Engelbrechtkurve und die FBG-Kurve werden zudem noch mit Airfences gesichert. Dann nimmt der DMSB die Piste ab, aber dazu kommen wir gleich noch.

Nach dem Aufbau wartet das Rennbüro, wo Luzi Brandt mit ihren Kollegen mit frechen Sprüchen jeden einzelnen Fahrer abfertigt. Mit einer C-Lizenz und passender Rennstreckenerfahrung kann hier eigentlich jeder starten, sofern er einen der begehrten Startplätze in einer der zehn Klassen ergattert. Dann bekommt man schon vor dem ersten gefahrenen Meter die begehrte Teilnehmer-Medaille mit dem Titelbild des jeweiligen Jahres. In diesem Jahr war mein Foto drauf, wie auch auf den Pokalen. Hat sich also doch gelohnt, hier immer den Showman rauszuhängen und die Zuschauer aus Dank für ihre Begeisterung immer mit Wheelies, Stoppies und Burnouts zu unterhalten. 
Foto: Dirk Schäfer
Von Organisator Hinrich Hinck (r.) war nicht nur Max Neukirchner (l.) begeistert!
Von Organisator Hinrich Hinck (r.) war nicht nur Max Neukirchner (l.) begeistert!

Newcomer fahren im Training mit Warnweste

Ein Nadelöhr ist die technische Abnahme. Wer die Schrauben nicht ordnungsgemäß gesichert hat oder mit alten Helmen anrückt, hat Pech und muss nachbessern. Was aber mittlerweile außergewöhnlich ist, es gibt hier keine Phon-Messung wie sonst auf den Rennstrecken. Beim Fischereihafenrennen ist es genau umgekehrt: Je lauter, desto besser – ganz nach dem Slogan des kultigen Events: „Laut, roh, echt!“ 

Für die Newcomer in Fishtown gab es am späten Samstagnachmittag noch einen Pflichttermin. Kenny Hinck, Sohn des Veranstalters Hinni, ging mit ihnen die zu diesem Zeitpunkt fast fertige Strecke einmal ab. Jeder Newcomer fährt, wie auf der Isle of Man, die Trainings mit gelber Weste, damit erfahrene Piloten gleich wissen, was los ist. Denn Fishtown hat nix mit permanenten Rennstrecken zu tun. Es ist buckelig wie auf einem Acker, an einigen Stellen rutschig wie auf der Eisbahn, und Auslaufzonen gibt es nicht. Man sollte also besonnen ans Werk gehen.

Um 20 Uhr war dann große Fahrerbesprechung mit Veranstalter Hinni, der für sein grenzenloses Herzblut für dieses Rennen tosenden Beifall erntete. Danach übernahm der DMSB, der seit 2014 hier das letzte Wort in Sachen Regeln und Sicherheit hat. Für große Diskussion sorgte schließlich die geänderte Schikane „Merkens Bremskurve“. Augenscheinlich sollte dort von Tempo 180 innerhalb von 10 Metern auf 20 km/h heruntergebremst werden. Von der Unmöglichkeit einer solchen Verzögerung ließen sich die Funktionäre auch nicht von den erfahrensten Fahrern überzeugen. Das Ergebnis im geführten freien Training am Sonntagmorgen: vier Unfälle wegen der Schikane. Nach Boykott von Fahrern wie „Mr. Hayabusa“ Elmar Geulen, Stefan Merkens, mir und etlichen mehr wurde im Gespräch mit dem Rennleiter dann schnell eine Lösung gefunden und die Schikane wieder umgebaut. Danach gab es das ganze Wochenende an der Stelle keinen einzigen Unfall mehr. Reden ist eben doch manchmal Gold. 

Kawasaki ZX-10R in der Superbike Open-Klasse

Und schon sind wir mittendrin im Trainingssonntag - bei super Sonnenschein und Temperaturen über 20 Grad. Es lief prächtig, denn ich konnte mich mit meiner auf Naked Bike umgebauten Kawasaki ZX-10R in der Superbike Open-Klasse knapp hinter Polesetter Julian Neumann und noch vor meinem Bruder Moritz und Toni Heiler in die erste Startreihe stellen. Mit der Wunderlich-BMW in Klasse 2 klappte es nicht ganz so gut. Von Startplatz zwei bis neun lagen alle innerhalb einer Sekunde. Mit 1.35,183 min war ich Neunter. Mit reichlich Livemusik im Zelt und Fachgesprächen im Fahrerlager klang der Sonntag schließlich aus.

Am frühen Pfingstmontag hörte ich schon leises Tröpfeln auf dem Wohnwagendach. Mist! Aber es war erst fünf Uhr früh, da geht vielleicht noch etwas bis zum Rennstart. Aber das erste Rennen in Klasse 2 war für 10.15 Uhr angesetzt, und Punkt zehn regnete es dann wieder. Ich hatte mit Frank Hoffmann von Wunderlich ausgemacht, dass wir bei Regen nicht fahren, da es im Hafen dann spiegelglatt wird. Aber nach der Einführungsrunde ging ich auch ins Rennen – allein schon für die Zuschauer, die haben ja auch Eintritt bezahlt. So fuhr ich mit Slicks raus, die Hälfte des Fahrerfeldes war gar nicht erst erschienen. Und auf einmal wurde ich nach acht Runden als 13. von der schwarz-weiß karierten Flagge abgewunken. 

Königsklasse Fishtown: Superbike Open

Dann legte die Sonne richtig los, und im Nu war nicht eine Wolke mehr am Himmel. Perfekte Bedingungen also für den ersten Höhepunkt des Tages, Rennen 1 der Königsklasse Fishtown: Superbike Open. Altmeister Toni Heiler fehlte leider, da er sich im Training unsanft zu Boden begab und im Krankenhaus am Knie behandelt wurde. Die Ampel schaltete auf Rot und ging sofort wieder aus. Ich hatte wahrlich keinen guten Start, und mein Bruder Mo und Julian Neumann bogen vor mir in die erste Rechts. Julian konnte ich in der darauf folgenden Links direkt überholen und dann schaute ich mir mein Bruderherz eine Runde lang an, bevor ich ihn vor der „Denkmalkurve“ ausbremsen und die Führung übernehmen konnte. Mit einer bis dato schnellsten Runde von 1.30,449 min und 23 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Stefan Merkens und weiteren 13 Sekunden auf Fritz Spenner konnte ich den ersten Lauf gewinnen – mein zweiter Sieg nach 2012. Mein Bruder Moritz und Julian sind bei der Verfolgung ein zu hohes Risiko gegangen und beide mit Sturz ausgeschieden, blieben aber unverletzt.

Die Siegerehrung war der Hammer. Mein 30 Mann starkes Team stand da und Speedwaylegende Egon Müller quasselte drauf los. Das sind die Momente, die dir dann im Garten beim Bier immer und immer wieder durch den Kopf gehen. Dass Julian Neumann im zweiten Lauf mit einer irren Bestzeit von 1.29,664 min die schnellste Runde markierte und sein erstes Fischereihafenrennen vor mir und meinem Bruder Moritz gewann, tut dem Gefühl keinen Abbruch. Das war ein super Wochenende. Auch die 25.000 Zuschauer haben in allen Klassen Rennsport vom Feinsten gesehen. Die Abschlussrunde im Hafen, in der alle Fahrer ohne Helm zusammen eine Runde drehen und sich vom Publikum verabschieden, ist eine einmalige Sache. So etwas habe ich noch nirgends in dieser Art erlebt, auch nicht beim internationalen Road Racing in der IRRC. Fischereihafenrennen, das ist echtes Gänsehaut-Feeling. Und unsere Mutter war froh, dass ihre Jungs wieder heil nach Hause kamen. 

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