Motorradreise auf Hawaii

Dem Paradies ganz nah

Motorradreise in Hawaii.
Hawaii - ein Sepktakel der Natur. Auf Harleys unterwegs ein Traum!So einfach kann die Entsorgung auf Maui sein: Die alten Kisten werden gestapelt, und der Urwald wird sie sicher bald überwuchern.Alles so schön bunt hier: Willkommen auf Hawaii, dem „Aloha-State“ der USA.Karge Landschaft entlang der Straße hinauf zum Haleakala-Krater auf Maui.
22 Bilder

Traumziel Hawaii. Lohnt es sich wirklich, 16 Stunden zu fliegen, um diesen Archipel im Pazifik zu besuchen? Und ob, Hawaii ist ein Spektakel der Natur: kochende Lava auf Big Island, dampfende Urwälder auf Maui, die unglaubliche Na Pali Coast auf Kauai. Und dazu noch auf Harleys unterwegs.

Ist es nicht immer gut, die Wahl zu haben? Nein, ist es nicht. Wie an diesem samtig-warmen Januartag auf Maui, als uns Russ von Harley-Davidson die Wahl zwischen drei Bikes lässt. Eine rote Sportster Roadster, eine schwarze Road King und ein 560-Kilo-Trike. Ein Dreirad? Hey Mann, so alt fühle ich mich noch lange nicht! Also keine Wahl. Birgit hat sich blitzartig den Schlüssel der schicken Roadster gegriffen, da bleibt mir nur die Road King. Mit so einem Monstrum über Mauis Bergstraßen schraddeln? Oha, die Vorfreude wird von Respekt gefressen. Birgit grinst. Ich nicht. Also los, versuchen wir, uns aneinander zu gewöhnen. Geradeaus auf dem Highway geht klar, das 380-Kilo-Trumm mag solches Terrain, heißt schließlich Road King.

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Unzählige Windungen und Kehren

Aber wir wollen gleich zum höchsten Punkt der Insel, dem 3.055 Meter hohen Vulkan Haleakala. Und das geht nicht ohne Kurven. Schon bald legt sich die Straße mit dem Berg an, unzählige Windungen und Kehren, allesamt in perfekten Radien angelegt, ein einziger Traum. Maximaler Fahrspaß. Sagt Birgit, als ich sie irgendwann einhole, sie am Straßenrand auf mich wartet. „Lass uns doch mal die Mopeds tauschen.“ „Vergiss es“, höre ich nur, und in einer grandiosen Klangwolke donnert Birgit mit der Roadster bergwärts.

Foto: Jo Deleker
So einfach kann die Entsorgung auf Maui sein: Die alten Kisten werden gestapelt, und der Urwald wird sie sicher bald überwuchern.
So einfach kann die Entsorgung auf Maui sein: Die alten Kisten werden gestapelt, und der Urwald wird sie sicher bald überwuchern.

Cool bleiben, ausloten, was mit der Road King so geht. Und das ist zum Glück mehr, als ich befürchtet habe. Die Landschaft wird karger, gelbes Gras, ein paar fette Eukalyptusbäume, immer öfter Lavafelder. Fahren wie in Trance, bis wir oben am Gipfel, der den schönen Namen Pu’u Ula’ula trägt, in einer anderen Welt ankommen. In der riesigen Caldera wabern Wolkenfetzen um braune und schwarze Krater, alle längst erloschen, aber Zeugen einer feurigen Vergangenheit, als der Vulkan vom Meeresboden bis auf 3.055 Meter gewachsen ist. Die Sonne verschwindet hinter der Nachbarinsel Lanai, weiße Passatwolken liegen wie flauschige Teppiche über dem Ozean. 150 Kilometer südlich sehen wir die Riesenvulkane von Big Island, Mauna Kea und Mauna Loa, beide über 4.100 Meter hoch.

Willkommen auf Hawaii

Ein magischer Sonnenuntergang, trotz der Kälte und der dünnen Luft sind wir stumm vor Staunen. Willkommen auf Hawaii. Aloha. Die Nacht auf dem Campingplatz Hosmers Grove ist frostig, aber mit jedem verlorenen Höhenmeter kommt die weiche Wärme der Tropen zurück. Wir wollen Maui umrunden, die dicken Twins bollern bald durch sattgrüne Wiesen, vorbei an den schmucken weißen Holzhäusern von Keokea, der Südküste entgegen. Im Regenschatten des Haleakala gedeihen nur noch karge gelbe Gräser, trockenes Weideland und Kakteen. Der Piilani Highway ist eine schmale Landstraße, eine wunderbare Berg-und-Tal-Bahn fast ohne Verkehr mit feinen Aussichten über die raue Küste. Überraschende Einsamkeit. Es wird immer grauer, die ersten Regentropfen platschen auf die riesige Scheibe der Road King, als wir das winzige Café Kaupo erreichen. Zwei kanadische Harley-Piloten kommen entgegen, ihre T-Shirts und Jeans triefen vor Nässe, sie erzählen vom heftigen Regen im Osten. In den auch wir bald eintauchen, zum Glück geschützt von guten Regenkombis. Wolkenbruch, braunes Wasser strömt über die Piste, Zähne zusammenbeißen, schon bei Tempo 60 schmerzen die fetten Tropfen auf der Nase. Selber schuld, wenn man stilsicher mit Jethelm unterwegs ist.

Foto: Jo Deleker
Mordors Reich: Uralte Mangobäume formen eine dunkle Allee, eine Szene wie aus dem Film „Der Herr der Ringe“.
Mordors Reich: Uralte Mangobäume formen eine dunkle Allee, eine Szene wie aus dem Film „Der Herr der Ringe“.

Am Ostkap in Hana finden wir ein billiges B&B, schäbige Zimmer, aber trocken. Nur das zählt. Der Wetterbericht warnt vor Überschwemmungen. Und dafür fliegen wir um die halbe Welt? Aber am nächsten Morgen kämpft sich die Sonne durch die Wolken, der Regenwald dampft, die Harleys nehmen zischend und polternd ihre Arbeit auf. Vor uns liegt die legendäre Hana Road, 617 Kurven, 70 einspurige Brücken, für Amis Abenteuer pur. Wer das überlebt, schmückt sich stolz mit dem T-Shirt „I survived the Hana Road.“

Sooo weit weg vom deutschen Winter

Nun, ganz so dramatisch wird es nicht, aber überwältigend schön. Ein fotogener Stapel ausgemusterter Autos im Urwald am Straßenrand, braun gischtende Wasserfälle und die sacknasse Straße, die fast nie geradeaus führt. Die Road King und ich werden zwar keine ziemlich besten Freunde mehr, aber wir kommen inzwischen gut miteinander aus. Wenn nur nicht die US-Dunlop-Reifen wären, für Marathonlaufleistungen bekannt, für ihren Nassgrip gefürchtet. Locker bleiben, „hang loose“, wie die Hawaiianer zu sagen pflegen. Auf einer schmalen Landzunge verteilen sich die hübschen bunten Holzhäuser von Keanae unter Palmen, der Pazifik wirft wütende Wellen gegen die Lavaküste. Südsee-Idylle. Sooo weit weg vom deutschen Winter. Helm ab und genießen. Genau so hatten wir uns Hawaii erträumt. Es ist fast Abend, als wir die Hana Road überlebt haben und die letzten Kurven vor Kahului im sauberen Strich nehmen. Selbst mit der Road King. Als wir die verdreckten Bikes wieder abgeben – sorry, aber wir haben einfach keinen Dampfstrahler gefunden –, grinst Russ uns breit an: „Dirty bikes? I love dirty bikes.“

Foto: Jo Deleker
Mystische Baumriesen an der Lavaküste bei Laupahoehoe, Big Island.
Mystische Baumriesen an der Lavaküste bei Laupahoehoe, Big Island.

Auf zur nächsten Insel, der nördlichsten und ältesten des Archipels, Kauai. Dort gibt es nur Sackgassen, der zerklüfteten Topografie sei Dank, aber drei absolute Höhepunkte. Den 20-Kilometer-Traumstrand Polihale, im Winter viel zu gefährlich zum Schwimmen wegen hoher Wellen und fieser Strömungen, den grandiosen, 1.000 Meter tiefen Waimea-Canyon und eine der wildesten Küsten unseres Planeten, die Na Pali Coast. Kein Weg führt dorthin, allenfalls eine schwierige Trekkingroute, kein Schiff fährt hinaus bei Siebenmeterwellen, es bleibt nur der Hubschrauber. Wir chartern einen winzigen viersitzigen Hughes 500 ohne Türen, perfekt zum Fotografieren. Mit 1.150 Dollar pro Stunde gewiss kein Sonderangebot, aber die beste Möglichkeit, die Na Pali Coast hautnah zu erleben.

Was für eine wilde Welt!

Ben, unser Pilot, fährt selber eine Sporty, meint nur lapidar, Heli fliegen ist wie Motorrad fahren in drei Dimensionen. Genauso fliegt er auch. Haarsträubende Kurven durch den Waimea-Canyon, 90 Grad Schräglage, nichts für schwache Nerven und Mägen, über uns der lärmende Rotor, neben uns nichts als Tiefe. Halleluja. Und dann die Na Pali Coast, atemberaubend, wild, zerklüftet, mächtige Wellen schäumen gegen rostrote Felsen. Noch nie haben wir eine solche Küste gesehen. Die tiefen grünen Schluchten rund um den uralten Vulkan Wai’ale’ale – mit elf Meter Regen pro Jahr rekordverdächtig nass – sehen aus wie im Film Jurassic Park, der teilweise genau hier gedreht wurde, jeden Moment erwarte ich, einen Brontosaurus im Urwald zu sehen. Was für eine wilde Welt!

Foto: Deleker
Die Lieblingsbeschäftigung der Hawaiianer. Kein Wunder bei solchen Wellen.
Die Lieblingsbeschäftigung der Hawaiianer. Kein Wunder bei solchen Wellen.

Schnitt. Weiter nach Big Island, auch Hawaii genannt, die mit Abstand größte Insel des Archipels. Drei riesige Vulkane dominieren Hawaii, der schlafende Hualalai und die beiden Giganten Mauna Kea und Mauna Loa, deren sanfte Flanken erst jenseits der 4100-Meter-Marke enden. In Kailua an der Westküste holen wir die Harleys ab, eine Sporty 48, die sich Birgit sofort unter den Nagel reißt, und eine leuchtend-orange Breakout. Chuck, der Rental Manager, hat sie extra für mich reserviert, weil sie so fotogen ist. Fotogen schon, aber mit ihrem extralangen Radstand und dem absurd breiten 240er-Schlappen sicher kein Garant für dynamisches Kurvenwedeln. Das allerdings gibt es auf Big Island ohnehin selten. Chopper Country. Im Gegensatz zu Maui und Kauai ist Hawai’i eher arm an Sensationen. Aber es gibt sie. Auf dem langen und eintönigen Hwy 19 bollern die Harleys durch öde Lavafelder nordwärts. Zeit, auf dem Ergonomie-GAU Breakout eine halbwegs erträgliche Sitzposition zu finden. Gar nicht so einfach. Kaffeepause in Kohala, der Motor ist noch nicht aus, als uns ein grinsender Mann anspricht. Ist völlig begeistert, dass wir extra aus good old Germany kommen, um hier Harleys zu fahren. Er erzählt, dass seine Mutter mit 64 die Zeit für reif genug hielt, den Führerschein zu machen und sich eine Sportster kaufte. Jetzt sei sie 76 und denke ernsthaft über eine Softail nach.

Mit der Dämmerung kommt die Magie

Durch die üppig grünen Wiesen der Kohala Mountains wechseln wir rüber zur Ostküste, bestaunen die Schneehaube auf dem Mauna Kea und folgen der 19 südwärts bis zum Campingplatz Laupahoehoe. Was für ein Paradies! Eine große Wiese, umrahmt von mächtigen Bäumen, direkt am Pazifik, dessen lange Welen an die Lavaküste gischten. Tage könnten wir hier bleiben, aber es locken die Lavaströme des Kilauea am Südostzipfel der Insel. Endlich wird es spannend, wir tauchen ein in eine fantastische Allee uralter Mangobäume, deren massive Äste über der Straße zu einem Tunnel zusammendrängen. Und dann von pechschwarzen Lavaströmen abgelöst werden, die in den letzten 35 Jahren vom Kilauea- Vulkan bis ins Meer geflossen sind. Ein Lavastrom fließt noch heute in den Pazifik, um ihn zu sehen, müssen wir acht Kilometer wandern. Eine weiße Rauchsäule markiert diese Stelle. Aufmerksame Ranger passen auf, dass auch keiner der zahlreichen Zuschauer die Absperrung ignoriert. Aus sicherer Entfernung können wir ein einzigartiges Schauspiel bewundern. 1.100 Grad heiße Lava fällt über die Steilküste 20 Meter tief ins Meer. Das sorgt für grandiose Explosionen, leuchtend orange Lavafetzen fliegen in den dunklen Abendhimmel. Maximale Gänsehaut. Eine vage Vorstellung davon mag vielleicht das Bild links vermitteln.

Foto: Jo Deleker
Pure Faszination: Wenn die flüssige, 1100 Grad heiße Lava ins Meer fließt, explodiert sie zu leuchtenden Projektilen, die durch die Nacht zischen.
Pure Faszination: Wenn die flüssige, 1100 Grad heiße Lava ins Meer fließt, explodiert sie zu leuchtenden Projektilen, die durch die Nacht zischen.

Ein paar Kilometer bergwärts spuckt der Pu’u O’o-Krater seit Jahren diese frische Lava aus. Nicht weit davon kocht in der großen Caldera des Kilauea, Halema’uma’u genannt, ein Lavasee, einer von ganz wenigen weltweit. Aus sicherer Entfernung vom Jaggar Visitor Center können wir zusehen, einen Blick ins Innere der Erde werfen, das dumpfe Blubbern der kochenden Lava hören. Mit der Dämmerung kommt die Magie, leuchtende Lavablasen platzen aus dem See, illuminieren die brüchigen Kraterwände und die Wolke giftiger Dämpfe, die aus dem Krater aufsteigt. Ist das der Blick in die Hölle? Ach was, wir sind dem Paradies ganz nah. Mahalo. Danke Hawaii.

Weitere Infos zu einer Motorradreise auf Hawaii

Hawaii ist teuer und mindestens 16 Flugstunden entfernt. Trotzdem lohnt eine Reise auf das pazifische Archipel vor allem wegen der grandiosen Natur.

Allgemeines

Acht größere Inseln vulkanischen Ursprungs bilden den Archipel, der sich um den 20. nördlichen Breitengrad mitten im Pazifik verteilt. Hawaii ist etwas größer als Thüringen, höchster Berg ist der Mauna Kea mit 4.205 Metern. Vom Meeresboden bis zum Gipfel misst er sogar 9.000 Meter.

Geschichte

Vor 1200 bis 1500 Jahren segelten Polynesier mit ihren Ausleger-Kanus über 5.000 Kilometer bis Hawaii. Das gelang ihnen dank ausgefeilter Navigation. Es gefiel den Polynesiern so gut, dass sie gleich auf Hawaii blieben. Der englische Entdecker James Cook war 1778/1779 mehrmals auf Big Island, wurde dort nach Streitigkeiten mit den Bewohnern getötet. 1894 endete das Königreich, wurde zunächst eine Republik und 1898 von den USA annektiert. Der „Aloha-State“ ist seit 1959 Teil der USA.

Reisezeit

Das Klima ist tropisch feucht mit Tagesmaxima von 25 Grad im Winter, bis 32 Grad im Sommer. Im Winter fällt vor allem an den Nordküsten viel Regen, meist in heftigen tropischen Schauern. Die Südküsten im Windschatten der Berge sind generell sehr trocken.

Anreise

Es gibt keine Direktflüge ab Europa, Umsteigen in den USA oder Kanada ist obligatorisch. Flugpreise im Winter ab 1.000 Euro. Zur Einreise ist ein Reisepass nötig, zudem muss online rechtzeitig das ESTA-Formular ausgefüllt werden (https://esta.cbp.dhs.gov/esta). Für die Motorradmiete reicht der deutsche Führerschein. Interinsulare Flüge sind häufig und günstig. Es gibt keine Fähren.

Übernachten

Reisen in Hawaii ist mindestens doppelt so teuer wie in Mitteleuropa. Hotels unter 100 USD sind kaum zu bekommen, zudem sind sie im Dezember und Januar oft ausgebucht. Portale wie www.booking.com erleichtern die Suche. Auf den Inseln gibt es wenige, aber schöne Campingplätze, manche müssen etwas umständlich vorab online oder persönlich bei der Behörde reserviert werden. Kosten zwischen drei und 21 Dollar pro Person.

Motorräder

Über die lokalen Harley-Davidson-Händler lassen sich vorab Motorräder auf Maui, Kauai und Big Island mieten (www.hawaiiharleyrental.com). Einfacher geht das bei Best City Travel in Helmbrechts (www.motorrad-reisewelt.de), die ebenfalls auf die offiziellen Harley-Dealer vor Ort zugreifen. Fast alle Modelle werden vermietet, meist neuwertig und wenig gelaufen. Preise je nach Modell pro Tag ab 120 Euro. Best City Travel bietet zudem geführte Touren mit Komplettarrangement an, z. B. 17 Tage ab 6.545 Euro. Infos auch unter 0 92 52/9 11 20. Weitere Anbieter von Miet-Harleys für Maui: www.cu-rider.com, www.eaglerider.com

Reiseführer & Karten

Sehr gut sind die englischsprachigen Lonely-Planet-Reiseführer, die es separat für jede Insel gibt und pro Buch 22,25 Euro kosten. Ebenfalls gut, wenn auch nicht so detailliert, sind die Reiseführer vom Reise-Knowhow-Verlag für 23,90 Euro und von Iwanowski für 25,95 Euro. Vom Reise-Knowhow-Verlag kommt auch eine genaue Hawaii-Landkarte im Maßstab 1:200.000 für 9,95 Euro.

Infos

Whale-Watching-Touren Maui: www.hawaiioceanproject.com
Nationalparks: www.nps.gov/state/hi/index.htm
Hawaii-Infos: http://int.gohawaii.com/de, www.hawaii-guide.com, www.lovebigisland.com, www.helicopters-kauai.com, www.hawaii-info.de

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