Motorradreise in Peru - von Süd nach Nord

Geniales Reiseziel für Biker

In Peru, einem der vielfältigsten Länder der Erde, kann man zwischen den Extremen pendeln. Mehr Abwechslung, mehr Kurven, mehr Gebirgspässe, mehr Küstenstraßen, mehr Natureindrücke, mehr Sozialkontakte sind kaum möglich in sechs Wochen Lebenszeit. Ein geniales Reiseziel.
In Peru, einem der vielfältigsten Länder der Erde, kann man zwischen den Extremen pendeln. Mehr Abwechslung, mehr Kurven, mehr Gebirgspässe, mehr Küstenstraßen, mehr Natureindrücke, mehr Sozialkontakte sind kaum möglich in sechs Wochen Lebenszeit. Ein geniales Reiseziel.Die Piste von Cascas nach Contumazá ist vor allem im Nebel abenteuerlich.Plaza de Armas in Arequipa samt Kathedrale.Enduro-Freiheit auf der Paracas Peninsula.
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In Peru, einem der vielfältigsten Länder der Erde, kann man zwischen den Extremen pendeln. Mehr Abwechslung, mehr Kurven, mehr Gebirgspässe, mehr Küstenstraßen, mehr Natureindrücke, mehr Sozialkontakte sind kaum möglich in sechs Wochen Lebenszeit. Ein geniales Reiseziel.

Eisiger Wind rauscht in den Helm, dann geht die Sonne auf und der Titicacasee kommt in Sicht. Was für ein Blau! Wir legen uns in unzählige Kurven entlang des riesigen ­Andenmeeres. Im Hintergrund schneebedeckte Gebirgszüge der Cordillera, ein nicht enden wollendes, gänsehautmachendes Fahrerlebnis vor großer Kulisse.

Leute, wenn ihr von Süden her nach Peru einreisen wollt, besucht Copacabana! Nur ein paar Kilometer von der peruanischen Grenze entfernt gibt es eine Kathe­drale wie aus einem Märchen und (neben vielen unspektakulären Unterkünften) zwei Hotels in bester Panorama-Lage mit Gebäuden wie in einem Fantasy-Film. Sie gehören Martin Strätker, einem Jungen aus dem Ruhrgebiet, der vor gut 25 Jahren hier ansässig wurde. Martin hält sich kuschelige Alpakas als Rasenmäher und Wol­l­espender, betreibt ein Restaurant, das wohl in ganz Bolivien seinesgleichen sucht, und zeigt uns auf seiner chinesischen Enduro verschwiegene Pisten und Indio-Dörfchen entlang der Gestade des überirdisch blauen Sees.

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Das Tor zur tiefsten Schlucht der Welt

Der Lago Titicaca begleitet uns auch in Peru. Allerdings erreichen seine Ufer nicht mehr die dramatische Schönheit der bolivianischen Seite. So richtig herrlich wird es erst wieder auf dem Patampa-Pass: Da bestaunst du endlose Weiten und qualmende Vulkane. Einen Himmel fast so blau wie der Titicaca. Dazu atmest du dünne, aber extrem klare Luft. Und wunderst dich, dass dein Bike trotz 84-Oktan-Sprits, trotz Überladung auf fast 5.000 Metern immer noch läuft wie ein Uhrwerk.

Foto: Markus Biebricher
Auf dem Weg ins Colca-Valley: Taleinschnitt.
Auf dem Weg ins Colca-Valley: Taleinschnitt.

„Wenn ihr die Anden-Kondore in der Colca-Schlucht sehen wollt, müsst ihr bei Sonnenaufgang da sein“, sagt unsere Wirtin in Chivay, dem Tor zur tiefsten Schlucht der Welt. Schon wieder so früh raus? Wir müssen bitte erst mal in der Sonne auftauen. Dann geht's durch ein Tal, das aussieht wie am ersten Tag der Schöpfung. Die zunächst gut befahrbare Schotterpiste führt durch Yanque und Cabanaconde, ziemlich süße Dörfer. Dahinter frisst sich der Weg durch grob in den Fels gehauene Tunnel. Irgendwann ist der Rand der Colca-Schlucht erreicht. Kein Tourist weit und breit, nur ein einsamer Hund aus dem Nirgendwo und ein Blick in die Tiefe. Wenn man jetzt fliegen könnte.

Dann steigen sie auf. Wie schwarze Flugzeuge trägt sie der Aufwind an uns vorbei nach oben. Was für mächtige, erhabene Vögel, diese Kondore. Ein Geschenk, die Tiere auch außerhalb der „offiziellen Besuchszeiten“ ganz ohne ein Heer kamerazückender Chinesen zu erleben. Die gibt es dann später in Arequipa, wo wir im Schatten des mächtigen Vulkans Misti eine besondere Stadtkultur genießen. Das treue Motorrad bekommt Sprit mit 91 Oktan.

Anschließend weht uns der Wind aus den Bergen an die Küste. Ob es am Licht liegt oder an der Stimmung? Die viel gescholtene Panamericana überrascht bis Nasca mit Abschnitten, die sich dem Vorderrad in wilder Schönheit entgegenwerfen. Jeder Arbeitstakt unseres Einzylinders stampft diese Eindrücke unauslöschlich in Amygdala und Hippocampus. Und das sind ­immerhin jene Gehirnregionen, die für die emotionale Bewertung von Reizen und für die Gedächtnisbildung wichtig sind.

Müde Lkw-Fahrer und asthmatische Toyotas

Dafür, dass die Synapsen weiter glühen, sorgen die „Linien von Nasca“, jahrtausendealte Scharrbilder im Sand. Oder die mit gefühlt einer Million Kurven gesegnete Strecke nach Cuzco. Ruck, zuck drückt uns unser tapferer Einzylinder wieder auf über 4.000 Meter, gleitet durch verstaubte Felder, auf denen Bauern mit wettergegerbten Indio-Gesichtern dem kargen Boden eine kleine Ernte abringen. In den Weiten zwischen den Bergen grasen Vikunjas, deren Fell die kostbarste Wolle überhaupt liefert. Die scheuen Tiere sind das wahre Gold der Anden.

Das war im Jahre 1532 dem spanischen Eroberer Francisco Pizarro völlig egal. Er gierte nach Edelmetall und brachte mit ganzen 160 Kriegern und fiesen Tricks das übermächtige, straff organisierte Inkareich mit seinen 10 Millionen Einwohnern zu Fall. Das ehemalige Zentrum der Inka-Kultur ist Cuzco. Man nennt es auch „El Dorado“, die goldene Stadt, weil hier früher die meisten Häuser mit Gold verkleidet wurden. Doch Gold war nur Zierde. Bevor es die Spanier stahlen, gehörte das ganze Gold ausschließlich den Göttern.

Kleine Pisten und Straßen gehören uns allein. Größere Straßen sind frequentiert von müden Lkw-Fahrern und asthmatischen Toyotas, die auf den Totalausfall warten. Hinter jedem Menschen, den wir nach dem Weg fragen, verbirgt sich ein Schicksal. Zu gerne würden wir mehr wissen vom Leben dieser Einwohner, das einfach wirkt, aber in Wahrheit komplex ist. Was auch daran liegt, dass die alten Inka-Gottheiten jeden Tag neu humorvoll mit dem längst etablierten Christentum kombiniert werden müssen.

Der Verkehr ist das nackte Grauen

Kurz vor Lima besuchen wir die Halbinsel Paracas. Ein Naturreservat voller endloser wilder Sandwüsten, bizarrer Steilküsten und seltener Artenvielfalt von Seevögeln und Meeressäugern. Perus Hauptstadt ist dann der krasse Gegensatz zu dieser wundervollen Natur. Immerhin können wir uns hier wieder richtig frisch machen und unsere Enduro darf 98 Oktan genießen.

Später eiert das Motorrad mit 0 bis 10 km/h durch apokalyptische Autolawi­­nen. Ich zirkele mit den Alukoffern so dicht am Blech entlang, dass kein Blatt mehr dazwischen passt. Nervlich hoch belastete Kraftfahrer kämpfen in dieser Verkehrshölle um jede Lücke, auch wenn sie nicht reinpassen. Sodom und Gomorrha. Wer nicht mitkämpft, hat verloren.

Limas Altstadt mag zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen, der Verkehr aber ist das nackte Grauen. Innerhalb kürzester Zeit mutiert die deutsche BMW zum Ampelstartwunder. Danke, Lima, für den Intensivkurs in Fahrzeugbeherrschung und Verkehrspsychologie. Nach fünf Stunden im ersten und zweiten Gang bin ich froh, mal hochschalten zu können.

Die Bebauung lässt nach, es dämmert. Rechts weht Wüstensand auf die Straße, links fällt das Gelände steil ab zum Meer. Dann frisst Dunkelheit die Landschaft auf, du gleitest durch die Schwärze und kommst dir vor wie ein Weltraumsurfer. Huacho ist noch 120 Kilometer entfernt, Zeit und Raum verschwimmen. Nach gefühlten Ewigkeiten durch die Küstenwüste kommt der Ort in Sicht, doch unsere vorgebuchte ­Unterkunft liegt weit außerhalb mitten im Nirgendwo. Der Lichtkegel stanzt eine Schneise durch die Felder. Dann endet die Piste an einer Mauer. Dahinter wartet Deisy Vega Rojas und ihr kleiner Garten Eden.

Apokalyptische Wand aus Regenwolken

Die temperamentvoll-kultivierte Frau verwöhnt uns mit Lebensweisheiten, Rei­se­tipps, energetisch aufgeladenem Wasser, selbst angebautem Obst und Gemüse aufs Feinste. Ihre „Villa Kitzia“ ist nach ihrer Tochter benannt, die den Gästen Spanischunterricht erteilt. Kitzia ist erst sieben, doch mit dieser Autorität könnte sie auch einer Berliner Hauptschulklasse ­Respekt abnötigen.

Man muss sich mit Gewalt lösen, sonst kommt man niemals in die lang ersehnte Cordillera Huayhuash. Deisy steckt uns noch Granadillos und Thunfisch ins Gepäck, man weiß ja nie. Auf einer schmalen, stark geflickten Straße drückt unser Einzylinder nach Osten. Dann kommt der Abzweig zur Piste, die sich steil nach oben schraubt. Wir kommen viel langsamer ­voran als gedacht. Wollen es nicht wahr­haben, aber die imposanten Berge verber­gen sich hinter einer apokalyptischen Wand aus Regenwolken.

In diesem Tempo haben wir keine Chance. Wir drehen und wagen einen neuen Anlauf von Barranca aus. Ruta Número 16 führt Richtung Huaraz, Hauptanziehungspunkt in der Cordillera Blanca. Es wäre gut, wenn wir da heute noch hinkämen. Die wohlige Küstenwärme hält bis auf etwa 3.000 Meter vor, dann frisst sich eisige Kälte in die Kombis. Zudem schlagen jetzt Nebel und Regen erbarmungslos zu. In den Dörfern jagen wie Geister Hunde aus dem Nebel, die Enduro ist ihr Feind. Man sieht nichts mehr, stochert im Schneckentempo durch grandiose Landschaften, die man noch nicht mal erahnen kann.

Mehr als 30 km/h sind lebensgefährlich ...

Tropfnass und durchgefroren halten wir mitten im Nichts. Endzeitstimmung macht sich breit, dann bollern plötzlich zwei V-Strom-Piloten aus dem kolumbia­nischen Cali heran. Zu dritt tasten wir uns durch die dicke Suppe. Es geht bis weit über 4.000 Meter hoch, die Straße ist spiegelglatt. Wie Vulkanasche fällt schwarze Nacht herab. Mehr als 30 km/h sind lebensgefährlich, doch unsere BMW-Suzuki-Schicksalsgemeinschaft rettet einen Rest von Moral ganz knapp bis in das unerreichbar scheinende Ziel.

Schlotternd mieten wir uns im erstbesten Hostal ein. Jetzt erst mal eine heiße Dusche, doch das Rinnsal bleibt eiskalt. Lasst uns besser nicht über die Nacht reden. Lieber über den Tag: Erst cruisen wir entlang des Rio Santa nach Norden, dann drückt uns die Enduro ab Carhuaz steil in die Berge Rich­tung San Luis. Atemberaubend die Strecke, endlos die Kehren, hin und wieder zieht sich einer der 6.000er die Wolkendecke vom Antlitz. Felsbrocken liegen auf der stark geflickten Straße. Der Punta Olímpica liegt auf 4.890 Metern. Blau glitzert dahinter die Laguna Belaúnde, grün darunter ihre Kollegin Laguna Yanarraju. Jetzt bleibt die BMW im Schnee stecken. Die Welt versinkt im Weiß, es gibt keine Geräusche und Entfernungen mehr. Weiterfahren? Unmöglich! Also warten, bis es wieder aufklart.

Spät am Nachmittag erst schraubt sich das Motorrad die Kehren hinunter, bis die ersten Dörfer auftauchen. Und die ersten Bäume. Fast alles Eukalyptus, der energisch seinen typischen Duft verströmt. Man lädt uns zu einem Dorffest ein. „Was wir feiern? Das Ende des Schuljahres“, lautet die Antwort auf unsere Frage. Die Frauen tragen bunte Röcke und einen hoch aufragenden, kunstvoll verzierten Hut.

Foto: Markus Biebricher
Der Hafen von Lagunillas bei Paracas.
Der Hafen von Lagunillas bei Paracas.

Häuser aus Adobe-Ziegeln säumen ungeteerte Dorfstraßen. Einfach sind sie, oft unverputzt, die Küche liegt vor der Haustüre. Kinder werden im Spülbecken gewaschen, die Alten sitzen umhüllt von ihren Ponchos auf dem Lehmboden und schauen zu. Transportmittel für landwirtschaftliche Güter ist der Esel, Lamas und Vikunjas treffen wir im Norden Perus nicht mehr an.

Und die Cordillera Blanca? Scheint die Deutschen nicht zu wollen. Auch die folgenden Tage soll es schwere Regen- und Schneefälle geben, was in den Bergen nicht ungefährlich ist. Was tun? Warten? Oder über die Cordillera Negra die 200 Kilometer zur sonnengetränkten Küste? Die Entscheidung fällt zugunsten der Wärme, wir queren die Negra auf spektakulären Straßen. Immer, wenn du glaubst gleich unten zu sein, tut sich unter dir ein neuer, noch tiefer liegender Canyon mit Haar­nadelkurven auf. Verkehr? Hier haben es Busse und Lkws schwer. Auf 2.500 Metern über dem Meer wird es schon wärmer, ab Casma rollt sich dann wieder wüstenhafte Landschaft vor dem Lenker aus.

Leute, wenn euch jemand erzählen sollte, die Küste hier im Norden sei langweilig, glaubt ihm nicht! Der Sonnenuntergang im Fischerdorf Tortuga ist einzigartig, der Sand am Strand von Atahualpa bei Chim­bote vom Feinsten, das Badeerlebnis intensiv, weil es zwar tolle Surfwellen, aber auch heimtückische Unterströmungen gibt.

Todesstraße endet erst nach vier Stunden

Die Menschen sind extrem hilfsbereit und kommunikativ, das Reisen ist daher entspannter als im touristischeren Süden Perus. Hier im Norden stellt man mit nie ermattendem Elan die „W-Fragen“ (Woher, Wohin, Warum, Wie teuer, Wie schnell?)

Die Frage, die wir uns stellen, beginnt ebenfalls mit „W“: Wollen wir noch ein letz­tes Mal versuchen, die Berge herauszufordern? Ja! Also auf nach Osten. Auf ­einem verschwiegenen Sträßchen Richtung Cajamarca. Kurz hinter Cascas beginnt eine Piste, die es in sich hat: Alle zehn Meter eine Kehre, der Untergrund ist schon im trockenen Zustand schwierig. Regnen sollte es hier nicht. Unbarmherzig schraubt sich der Weg gen Himmel, Palmen und Kakteen bleiben zurück, mitunter fährt man direkt durch einen kleinen Bauernhof. Wieder nähern wir uns der 4.000er-Marke. Und erneut wird es dunkel, obwohl es erst Mittag ist. Oh Dios, lass es jetzt nicht regnen. Der Herr zeigt Erbarmen, schickt aber derart dichten Nebel auf die Piste, dass wir selbst im ersten Gang untertourig unterwegs sind. Menschen oder Tiere schälen sich erst in letzter Sekunde aus der Suppe, bisweilen fällt der Fels neben der Piste senkrecht ab.

Eine Todesstraße, die erst nach vier Stunden im schönen Andenstädtchen Contumazá auf rund 2.800 Metern endet. Von hier aus führt ein schmales Asphaltband in Richtung der Zufahrtsstraße 08 nach Cajamarca. Anzahl und Dichte der Kurven markieren einen neuen Rekord, zumindest wenn wir über leidlich asphaltierte Straßen reden. Rund 80 Kilometer vor Cajamarca dann wieder Nebel, Regen und gefährlich nachlassender Grip. Okay, die Berge wollen uns auch diesmal nicht. Wenn man sich Cajamarca erkämpft hat, wartet allerdings eine pulsierende Mini-Metropole mit toller Altstadt, eindrucksvollen Kirchen und kultureller Vielfalt.

Foto: Markus Biebricher
Neugierige Fischer im Trockendock von Yacila.
Neugierige Fischer im Trockendock von Yacila.

Und immer warten nahbare Menschen: In San Juan die alte Dame, die nicht weiß, welche Straße zur Küste führt, weil sie den Ort in 80 Jahren nie verlassen hat. Die Polizisten in Chilete, die uns zum Mittagsbier verführen wollen. „Wir sind nicht im Dienst, also trink, Amigo.“

Wer von Chiclayo nach Piura will, kann auf der neuen Panamericana in unmittelbarer Küstennähe Kilometer machen. Al­ternativ gibt es die alte, länger dauernde Verbindung durch die Sechura-Wüste. Genau das Richtige für Touristen, die Wild-West-Romantik suchen oder in abgelegenen Dörfern nach handgemachter Keramik fahnden. Tatsächlich finden sich Meister, die sich beim Töpfern zusehen lassen.

Noch viel mehr ist möglich, hier im Norden Perus. Im Fischerdorf Yacila bekommen wir einen Schnellkurs in klassischem Holzbootbau, im Floßfischen und Meerestierezerlegen. In Puerto Blanco ­helfen wir Fischern, ihren Kutter ins Wasser zu schieben. Eine elendige Plackerei auf Baumstämmen, der Motorradfahrer aus Alemaña hat zu wenig Muskeln, sagen die Pescadores. Weiter draußen wird vom Boot aus fangfrischer Fisch an den Anleger gebracht. Ein Spektakel, das von See­löwen, Pelikanen, Fregattvögeln und 14 großen Seeschildkröten mitgestaltet wird. Alle sind hungrig und erjagen sich in spektakulären Stunts ihren Teil der Beute.

Spektakulär ist später auch die Reise nach Talara. Sowohl Karten als auch das Navi gaukeln eine Piste in Meeresnähe vor, lediglich ein kleiner Fluss namens Rio Chira müsse überwunden werden. „No Pro­blem“, sagt der Mitarbeiter einer Öl­firma, „mit diesem Motorrad könnt ihr durch­fahren.“ „No Problem“, sagt ein Fahr­rad­fahrer, „dahinten gibt es eine Fähre.“

Vamos, doch die Furt ist viel zu tief, die „Fähre“ ein marodes Ruderboot. „No Pro­blem“, meint der Käpt’n. Voreilig rutscht die BMW das Steilufer runter, doch wie soll sie jemals in die viel zu kleine Schaluppe kommen? Endlich, Dorfbewohner drücken uns zurück auf die Piste. Hätten sie nicht geholfen, die BMW wäre im Ufersand verrottet – und wir hätten so schnell keinen Fahrtwind mehr im Gesicht gespürt.

Infos zur Motorradreise durch Peru

Allgemeines: Peru liegt im westlichen Südamerika und grenzt im Norden an Ecuador und Kolumbien, im Osten an Brasilien, im Südosten an Bolivien, im Süden an Chile und im Westen an den Pazifik. Seine größten Flüsse sind der Amazonas und dessen Quellflüsse Río Apurímac, Río Urubamba, Río Ucayali und Río Marañón. Titicacasee und Lago Junín sind die größten Seen zwischen den Andenketten.

Die höchsten Berge: Nevado Huascarán (6768 m), Yerupaja (6634 m), Coropuna (6425 m), Ampato (6310 m), Chachani (6075 m), Alpamayo (5947 m) und der Vulkan Misti (5822 m). Peru besteht aus drei Landschaftszonen inklusive ihrer klimatischen Besonderheiten: Die Costa (Küste), macht zwölf Prozent der Staatsfläche aus, die Sierra (Anden, Hochland) bringt es auf 28 Prozent. Regenwald und Nebelwald (Selva) bedecken üppige 60 Prozent des Grundes. Die Costa steht unter dem Einfluss des Humboldtstroms und ist weitestgehend eine Küstenwüs­te. Im südlichen Bereich der Costa bis zur Hauptstadt Lima sind Regenfälle im gesamten Jahr selten. Nördlich davon nehmen Bodenqualität und Regenfälle zu. Die Temperaturen schwanken zwischen 12 ° C im Winter und 35 ° C im Sommer. Auch die Flora Perus ist vielfältig. In den trockenen und sandigen Küstenebenen wachsen nur wenige Gräser, wohingegen im Regenwald üppige Vegetation herrscht: Kautschuk, Mahagonibäume und Vanillepflanzen sind hier heimisch, während im Hochgebirge Kakteen und Mesquiten gedeihen.

Die Küsten­ebene wird von Möwen, Seeschwalben, Eidechsen, Skorpionen, Robben und Pinguinen bevölkert. In den peruanischen Küstengewässern tummeln sich Sardinen, Hummer, Makrelen sowie etwa 30 Wal- und Delfinarten. Tiere der fruchtbareren Regionen im Osten sind Gürteltiere, Alligatoren, Jaguare, Pumas, Papageien und Flamingos. In der Gebirgsregion leben die höckerlosen Kamele wie Lamas, Alpakas und Vikunjas. Übrigens: Peru gilt mit 1.800 Arten als das Land mit der größten Diversität an Vögeln weltweit.

Zudem hat das Land einen großen Anteil indigener Bevölkerung. 37 Prozent der Einwohner sind Mestizen, 47 Prozent indianischer Abstammung. Letztere gehören überwiegend zu den Völkern, die noch die alten Sprachen Quechua und Aymará sprechen. 15 Prozent der Peruaner sind europäischer Abstammung, der Rest besteht aus Afroperuanern und Asiaten. Im Regenwald an der Grenze zu Ecuador leben rund 15 bisher nicht kontaktierte Indianergruppen („No Contactos“), die einen international anerkannten Rechtsanspruch auf Isolierung besitzen.

Geschichte: Ein zentrales Element in der Historie Perus ist das Reich der Inka. Mächtig, grausam, perfekt durchorganisiert und ein Totenkult, der die Expansion des Reiches notwendig machte. Es entstand um 1200 und umspannte bis 1532 große Teile der heutigen Staaten Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien und Chile. Die auf den Hochebenen Perus gelegene Stadt Cuzco war kulturelles Zentrum und Hauptstadt. Spanische Eroberer um Francisco Pizarro brachten das Welt­reich zu Fall. Bis heute bestimmen Relikte der Inka-Kultur das Bild Perus, mischt sich das Christentum verträglich mit Inka-Elementen.

Sehenswürdigkeiten: Die ganze Vielfalt des Landes äußert sich in zahllosen Sehenswürdigkeiten, für deren Begutachtung man Monate bräuchte. Daher hier nur eine   knappe und willkürliche Auswahl: Lima, Cuzco, Machu Picchu, Nasca, Are­­quipa, Colca-Canyon, Yanque, Chachapoyas (Kuelap), Paracas Peninsula, Cordillera Blanca (Huaraz), Ollantaytambo, Trujillo, Mo­yobamba, Tambopata, Cajamarca, Huacachina-Oase. Letztere, der Ti­ticacasee und Machu Picchu sind heutzutage leider touristische Abfertigungsmaschinerien. Daher den Titicaca besser auf der bolivianischen Seite besuchen. Weitaus weniger touristisch als der Süden präsentiert sich der Norden Perus.

Reisezeit Im europäi­schen Winter ist das Wetter in den peruanischen Anden klar und kühl. An der Küste ist es oft neblig-trüb, aber wärmer. Im europäischen Sommer verhält es sich oft umgekehrt.

Sicherheit: Die Sicherheitslage ist bis auf wenige Gebiete unbedenklich, doch nachts sollte man als „reicher Gringo“ nicht unbedingt alleine durch dunkle Stadtviertel streifen. Peruaner sind sehr hilfsbereit, im nördlichen Teil intensiviert sich diese Tugend nochmals deutlich.

Übernachten: Wildes Zelten ist möglich, aber nicht verbreitet, Campingplätze sind rar, Hostales finden sich aber in nahezu allen ­Orten zu sehr günstigen Tarifen bis in höhere Preisregionen. Besondere Empfehlung: Hotel „Villa Kitzia“ in Huacho der charmanten Gastgeberin Deisy Vega Rojas. Adresse: Psj.Escolar S/N Pueblo Viejo, Santa ­Maria, Huacho, Peru. Telefon: 00 51/ 9 80 82 87 84, Infos im Netz: https://hotelvillakitzia.com

Motorräder/Organisierte Reisen: Top-Adresse für den Transport von Motorrädern nach Südamerika: InTime Forwarding & Courier, Olaf Kleinknecht, www.intime-ham.com, info@intime-ham.com, Telefon 0 40/59 35 92 40.

Gute Adresse für Motorrad-Vermietungen und spannende, sicher organisierte Touren zu vielen Higlights des Landes, aber auch grenzübergreifend: Motoviajeros Peru S.A.C, Ivan und Inés Guerrero, Av. Los Faisones 196, La Campina – Chorillos, Lima, 09
Peru, Telefon 0051/989/032678, ventas@motoviajerosperu.com, www. motoviajerosperu.com oder auch pe.touratech.com,www.gs-sportreisen.de; www.delbondio.de; www.gat-motorradreisen.de; www.overcross.com; www.motoaventura.de; www.edelweissbike.com; www.perumoto.com

Literatur:
Karin Muller: Entlang der Straße der Inka, National Geographic.
Ulrike Fokken: Gebrauchsanweisung für Peru.
Inés de Castro: Inka – Könige der Anden.
Martin Morales: Ceviche – Peruanische Küche.
Stefan Loose: Reiseführer Peru.

Karten:
Freytag & Berndt: Peru, 1:1.000.000.
Michelin: Peru, 1:1.500.000.
Reise Know-How Mapping Project: 1:1.500.000, www.maps4u.com

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