Reisebericht - Motorradfahren in Japan

Rund um den Fuji-san

Motorradfahren in Japan: Rund um den Fuji-san.
Motorradfahren in Japan: Rund um den Fuji-san.Herbststimmung am Motosu-See: der Himmel grau in grau, doch wir cruisen durch ein wogendes Meer aus bunten Blättern.Motorradfahren in Japan: Rund um den Fuji-san.Das kann doch nicht gut gehen – eine Reise zum Fuji ohne ein Bike aus heimischer Fertigung. Da hüllt sich der heilige Berg doch lieber in Wolken. Gut, dass uns Touristin Angela aus Hongkong mit einer Eins-a-Kopie fürs Erinnerungsfoto aushelfen kann.
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Sie bauen Motorräder ohne Ende, aber kann man eigentlich in Japan auch anständig Motorrad fahren? Der Wunsch war ein delikater und das Ziel ein sehr hohes. Doch wer wagt, der gewinnt. Showdown im Schatten des mächtigen Fuji-san.

Die Frage lange Zeit vor unserer Reise in das Motorradland der Welt löst bei unseren Gastgebern große Irritationen aus: „Ihr wollt was? Motorrad fahren? In Japan? Alleine? Auf der Straße?“ – Ja, ja, ja und nochmals ja. Wir können förmlich durchs Telefon sehen, wie sich 12.000 Kilometer entfernt bei Hisao Suganuma, seines Zeichens Ingenieur beim Reifenhersteller Bridgestone, Schweißperlen auf der Stirn bilden. Die Jungs meinen es ernst. Reicht es nicht, dass wir über Jahrzehnte Millionen von Motorrädern aller Formen und Facetten über die Ozeane geschickt haben? Dass wir passende Reifen „made in Japan“ liefern? Dass wir selbst für Langnasen geeignete Helme bauen? Müssen sie jetzt bei uns auch noch Motorrad fahren? Müssen – nein, aber wir wollen! Japan auf zwei Rädern erleben.

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In der Ferne erhebt sich der Fuji-san

Monate später spuckt uns der Shinkansen „Kodama 639“ nach einer rasend schnellen Etappe von Tokio 120 Kilometer weiter südwestlich in Mishima aus. Vom hoch gelegenen Bahnsteig aus schauen wir an diesem frühen Herbstmorgen auf eine triste Geschäftsmetropole. Eng bebaut, grau in grau, von Tausenden Stromtrassen überspannt. Schön ist anders. Doch am Horizont können wir die gewaltigen Umrisse unseres Tagesziels ausmachen. Denn in der Ferne erhebt sich der Fuji-san aus dem Dunst der Präfektur Shizuoka. Der Berg der Berge Nippons, Wahrzeichen, Heiligtum, Attraktion für Touristen, aber auch für Einheimische. Wer den 3.776 Meter hohen Vulkan einmal bezwingt, sei weise, sagt ein japanisches Sprichwort. Wer es zweimal tut, ein Dummkopf.

Dem Dunst folgen dicke Wolken

Als wir bei Rental 819 die Bikes für die Tour übernehmen, fragen wir uns, ob wir es überhaupt wagen wollen. Die Wallfahrt zum Fuji, ausgerechnet mit Heavy Metal von Harley-Davidson? Ist das Hisaos Rache für die Schweißperlen, die wir ihm anfangs beschert haben? Egal, wir satteln auf und zuckeln im Start-Stopp-Modus aus Mishima hinaus. Grüne Welle? Braucht man in Nippon wohl nicht. Alle 200 Meter eine Ampel, und jede steht auf Rot. Auch das ist Motorradfahren in Japan. Und mit jedem Halt verlieren wir unser angepeiltes Ziel immer mehr aus den Augen. Kaum haben wir die Stadtgrenze überschritten, folgen dem Dunst dicke Wolken, dann ausgiebige Schauer. Und schließlich ist der einzigartige Panoramablick durchs Visier auf den Fuji futsch.

Regentropfen werden zu Schneeflocken

Nicht minder beeindruckend ist aber der goldgelb strahlende Waldtunnel, durch den wir uns auf der Passage zu den fünf Seen rund um den Fuji-san schwingen. Die Kirschblüte im Frühjahr ist das eine, das andere farbenfrohe Highlight eindeutig der Herbst in Japan. Über die Subaru-Line treiben wir die Twins zur Bergstation Gogome auf 2.300 Metern. Die Regentropfen werden zu Schneeflocken, die Finger zu Eiszapfen, doch die magische Kuppe bleibt uns auch hier oben verborgen. Rutschen wir die glitschige Sackgasse also wieder runter. Selbst aus der wohl bekanntesten Perspektive am Motosu-See, welche die alten 5.000-Yen-Scheine ziert, schauen wir gegen eine graue Wand. Frustriert wollen wir schon abdrehen, als wir uns erinnern: Sind nicht auch Geduld und Demut typisch japanische Tugenden? Wir lassen die Twins am Ufer austickern, flitschen Steine übers Wasser und lassen Gedanken fliegen. Wind kommt auf, die Nachmittagssonne brennt sich ein Loch durch die Wolken – und plötzlich spiegelt sich die Schneekuppe im Wasser. Jawohl, 10.000 Jahre, er lebe hoch, der Fuji-san – Banzai!

Weitere Infos zu einer Motorradreise nach Japan

Kaiserreich, Industrienation, Inselstaat... Japan ist nicht auf eine Formel zu bringen. Noch facettenreicher wird es, wenn man bestimmte Regionen per Bike bereist.

Allgemein:

Urlaub in einem der am dichtesten besiedelten Länder dieser Welt? Warum nicht! Japan kann auf jeden Fall mit einer unglaublichen Vielfalt an Natur und Kultur punkten. Allein die Anzahl der Inseln ist gewaltig. Über 6.800 nennt der ost­asiatische Staat im Pazifik sein Eigen. Am bekanntesten sind die vier Hauptinseln: Hokkaido im Norden, Shikodu und Kyushu im Süden sowie die flächenmäßig größte: Honshu, auch die Wiege der japanischen Kultur (u. a. mit der alten Kaiserstadt Kyoto). Brodelnder Hotspot ist natürlich Tokio, eine unglaubliche Metropole mit einem irren Mix aus futuristischen Wolkenkratzern (Roppongi Hills), schwindelerregenden Türmen (Pflicht: der 634 Meter hohe Tokyo Skytree), aber auch beeindruckenden Tempel- und Parkanlagen rund um den Kaiserpalast. Stichwort dazu: Japan ist zwar eine parlamentarische Demokratie, aber auch eines der letzten Kaiserreiche dieser Welt. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man die japanische Tradition verstehen will. Essen und Trinken kann sehr speziell, exqisit und teuer, doch in den traditionellen Bierhäusern wiederum sehr bodenständig und schmackhaft sein.

Anreise:

Japan-Flüge sind extrem teuer, mit entsprechendem Buchungsvorlauf ist aber der Zwölf-Stunden-Flug selbst bei renommierten Airlines (Lufthansa, ANA) hin und zurück für weniger als 800 Euro zu bekommen. Im Land selbst sollte man mindestens einmal mit den Shinkansen-Highspeedzügen, die von Kawasaki gefertigt werden, unterwegs sein. Die Tickets sind nicht billig, doch den 300-km/h-Ritt allemal wert.

Motorradfahren:

Deutlich langsamer ist man auf dem Bike unterwegs. An den Linksverkehr hat man sich schnell gewöhnt, doch im Vergleich zu anderen asiatischen Staaten fahren Japaner extrem defensiv und zurückhaltend. Der deutsche Führerschein muss vor der Reise übersetzt werden (der Internationale gilt nicht), die Kosten betragen rund 25 Euro. Infos: www.japan.diplo.de. Rental 819 ist ein Motorradvermieter mit über 100 Standorten im ganzen Land, der vom Yamaha-Jog-Roller (ca. 30 Euro/Tag) bis zur Suzuki Hayabusa (ca. 120 Euro) ein breit gefächertes Angebot hat. Infos: www.rental819.com. Lohnenswerte Ziele: die Fuji-Region südlich oder die Tama-Berge nördlich von Tokio.

Weitere Infos über Japan:

Hauptstadt: Tokio
Fläche: 382.871 km²
Gründung: 660 v. Chr.
Währung: Yen
Einwohnerzahl: 127 Millionen

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