Eurobike AG (Archivversion)

Was nun?

Die Eurobike AG, laut Eigenwerbung europaweit größter Anbieter von Motorradbekleidung und -zubehör, hat Insolvenz angemeldet. Wie geht’s weiter?

An sich ist das ein höchst profitables Geschäft. Wir sehen die Insolvenz inzwischen mit frohen Augen«, sagte Erik Karrenberg bei einer Pressekonferenz Ende Juli. Der Geschäftsführer der Hein Gericke Vertriebs GmbH hofft, dass der Bekleidungs- und Zubehör-spezialist, der zur Eurobike AG gehört, durchstartet. »Das Unternehmen braucht Kapital«, erklärt der vorläufige Insolvenzverwalter Biner Bähr. »Erste Kaufange-bote liegen vor. Ziel der Verhandlungen mit Interessenten ist die Weiterführung des Geschäftsbetriebs der gesamten Eurobike-Gruppe.« Als heißester Kandidat unter den potenziellen Käufern gilt das US-Unternehmen Fairchild.Am 15. Juli hatte die Eurobike AG samt ihrer Tochterfirmen Hein Gericke Vertriebs GmbH, Hein Gericke Holding und Paul A Boy (GoTo Helmstudios) beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenzanträge gestellt, nachdem zwei Banken Kredite gekündigt hatten. Die Gesamtverbindlichkeiten von Eurobike wurden am 31. März 2003 auf rund 191 Millionen Euro beziffert. »Wir haben in den letzten vier Jahren 42 Millionen Euro Zinsen bezahlt«, beklagt Vorstandschef Peter Mrosik. Die Schuldenlast hat sich Eurobike durch ausgedehntes Shopping aufgehalst. Nachdem Gründer Hein Gericke seine Firma gleichen Namens 1987 ans eigene Management verkauft hatte, nannte Vorstand Herbert Will die Hein Gericke GmbH flugs Eurobike und verleibte ihr Polo, die GoTo Helmstudios sowie die US-Firma Intersport Fashions West ein. Erst der Kauf der defizitären Großhändler Schuh und Difi erwies sich als Flop, der Will 2001 seinen Job kostete und der Eurobike das Genick brach.Bis ein neuer Investor gefunden ist, läuft der Geschäftsbetrieb weiter. Das Arbeitsamt Düsseldorf sichert die Gehälter der rund 200 von insgesamt 375 Eurobike-Angestellten, die von der Insolvenz betroffen sind, voraussichtlich drei Monate lang. »Die Shop-Partner bekommen Provisionen und die Lieferanten ihr Geld für die neue Ware, die sie nach dem 15. Juli ausliefern«, so Biner Bähr. Die ausländischen Tochterfirmen von Hein Gericke in Frankreich, England und anderen Staaten mit insgesamt über 80 Läden sowie die Intersport Fashions West in den USA sind von der Pleite nicht betroffen. Unklar ist bisher, ob und wie Polo weiterhin zur Eurobike gehört. Eine hundertprozentige Tochter der Eurobike, die Firma Helmet House, hielt 80 Prozent an Polo. Der Geschäftsführer von Polo, Klaus Esser, erklärte am 27. Juni, Polo sei aus der Eurobike AG ausgeschieden. »Das ist eine juristische Frage, die ich prüfen lasse«, sagte Biner Bähr. »Ich glaube aber, wir werden uns mit Klaus Esser einigen. So viel steht fest, ein möglicher Investor muss mit Polo sprechen.«Während Polo profitabel wirtschaftete, ging es bei der Firma Hein Gericke stetig bergab. Karrenberg: »Wir hatten nie eine eigene Kreditlinie für den Einkauf. Deshalb haben wir die letzten Jahre ständig unter Liquiditätsengpässen gelitten und konnten die Ware in diesem Saisongeschäft nicht rechtzeitig an die 82 Shops in Deutschland ausliefern. Unsere Handelsvertreter bekamen nicht genügend Provisionen, mussten Leute entlassen. Das war eine negative Abwärtsspirale.« Jetzt hoffen Shop-Partner und Geschäftsführung auf eine Restrukturierung. Die Bekleidungskollektion für 2004 soll Mitte September fertig sein. »Modern, sportlich und ohne Gimmicks«, verkündet Björn Gericke, Geschäftsführer der Firma G-Lab, die für Hein Gericke einen Großteil der Kollektion entwirft. »Der Markenname und das Potenzial sind da«, sagt der Sohn des Firmengründers. »Wir haben viel Know-how im Bereich funktionelle Sicherheitsbekleidung. Wir könnten genauso bei der Bekleidung für Mountainbike-Fahrer oder Snowboarder mitmischen.« Wer jetzt große Lagerverkäufe erwartet, hat sich getäuscht. »Die kann’s mangels Masse nicht geben«, so Ralf Baches, der für die Einkaufskoordination bei Hein Gericke zuständig ist.Stand die Aktie der Eurobike am 30. September 1997 auf dem Höchstand von 21,50 Euro, so ist sie Ende Juli 2003 noch 0,28 Euro wert. »Ich habe knapp zwölf Millionen Mark versenkt«, sagt Hein Gericke, der momentan einen Aktien-anteil von gut zehn Prozent an Eurobike hält. »Wenn ein neuer Investor kommt, stehe ich Gewehr bei Fuß, damit wir den Laden wieder auf Vordermann bringen. Aber ich dränge mich nicht auf.“
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