Zubehör-Bremsen im Test (Archivversion)

Chopper Stopper

Nicht nur Harleys bremsen schlecht,
auch die Plagiate aus Fernost kommen
nur mit Mühe zum Stillstand. Gibt´s Abhilfe?

Wenn kopiert wird, dann konsequent: dumpfes V2-Gebrummel, klackende Getriebe, mäßige Fahrwerke garniert mit miesen Bremsen. So isser halt, der echte Chopper. Doch beim Thema Bremsen ist Schluß mit lustig. Denn was die Konstrukteure hier verbauen, ist in vielen Fällen die reinste Zumutung. Schlapp, mit teigigem Druckpunkt und miserablem Heißbremsverhalten. Die mickrige Bremsanlage der beliebten Suzuki VS 1400 hat beispielsweise schon nach einer einzigen Vollbremsung aus 120 km/h ihre liebe Mühe. MOTORRAD erprobte daher zwei Möglichkeiten zum Thema Nachrüstbremsen. Nummer eins: Eine Billet-Sechskolbenzange (Team Metisse, Preis 795 Mark, Telefon 054 75/206), die sich ohne Adapter und durch mitgelieferte Distanzscheiben paßgenau und ohne umständliche Schrauberei anstatt der mickrigen Zweikolben-Zange montieren läßt. Nur das Einfädeln der sechs einzelnen Beläge erfordert etwas Geschick. In Verbindung mit einer steiferen Stahlflexleitung brachte die Billet-6-Zange tatsächlich eine hervorragende Bremsleistung. Bereits bei geringer Handkraft stimmte der breite Vorderradreifen ein lautstarkes Pfeifkonzert an, das durch die stark progressive Wirkung schnell in eine totale Blockade übergehen kann. Etwas weniger Biß und eine bessere Dosierbarkeit wären wünschenswert, um sich an die maximale Verzögerung heranzutasten. Dafür macht die Billet-Zange auch im Fading-Test eine sehr gute Figur. Mehrere Bremsvorgänge von 60 auf 0 Stundenkilometer und eine Vollbremsung von 120 auf 0 km/h steckte die Billet-Anlage ohne Hitzekollaps weg. Doch der dicke Hund kam am Ende des Testzyklus. Die original Bremsscheibe war den thermischen Belastungen nicht gewachsen und verformte sich zur Schüssel. Der Grund: bei der starr an der Nabe verschraubten Stahlscheibe treten durch den stark erhitzten Bremsring und den kühleren, sternförmigen Innenteil extreme Spannungen auf. Dabei verzieht sich die Bremscheibe zu einem regelrechten Teller, der auch nach dem Abkühlen nicht mehr seine urspünglich plane Form einnimmt. MOTORRAD installierte anschließend die Nachrüst-Bremsscheibe mitsamt Vierkolbensattel vom amerikanischen Zubehör Hersteller Performance-Machine (HD Magic Twins, Preis 970 Mark, Telefon 07254/74974) Stattliche sieben Millimeter (Serie fünf) dick, paßt die Scheibe ohne Änderungen an die Suzuki-Nabe und verspicht durch das größere Werkstoffvolumen eine bessere Wärmeaufnahme. Der gefräste Vierkolben- Bremssattel wird mittels paßgenauem Aluminium-Adapter der VS 1400-Halterungen angepaßt. Durch die verzinkte Öberfläche verlangt die PM-Bremsscheibe nach einer langen Einbremsphase, funktioniert danach aber recht ordentlich. Zwar nicht ganz so wirkungsvoll wie die Billet-Zange, aber feinfühliger zu dosieren, stellt auch die PM-Anlage das original Suzuki-Teil locker in den Schatten. Doch leider versagte selbst dieses Ensemble beim Fading-Test. Wegen irreparabel verzogener Bremscheibe, mußten die Fahrversuche auch mit den PM-Bremsen vorzeitig abgebrochen werden. Fazit: Wirksamere Bremszangen tragen zur aktiven Fahrsicherheit bei, genügen allein aber nicht, um die rund fünf Zentner Chopperstahl unter extremen Beanspruchungen zu bändigen. Nur Bremsscheiben mit schwimmender Lagerung, wie sie laut Importeuren von Billet und PM nun in Vorbereitung sind, können den Massen Einhalt gebieten. Wer seinen Chopper ümrüsten will, sollte sich darübner im klaren sein, daß er die deutlich bessere Wirkung der beiden Anlagen nur im Notfall nutzen sollte. Extremen Dauerbelastungen, etwa bei einer Paßabfahrt, sind sie in Verbindung mit der überforderten Einzelscheibe nicht gewachsen.
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