60 Jahre Vespa

So ein Blech

Der Bann ist ungebrochen: Selbst mit 60 Jahren wirft das berühmte Blechkleid der Vespa noch keine Falten. Nur das Bild, das die Marketingstrategen von ihr zeichnen, hat sich in sechs Jahrzehnten stark verändert.

Foto: Vespa
1972 wirbt Vespa mit Hippie-Motiven.
1972 wirbt Vespa mit Hippie-Motiven.
Oft strapaziert, selten angemessen: die Rede von der lebenden Legende. Auf die Vespa trifft sie tatsächlich zu. Der italienische Roller, der dieser Tage seinen 60. Geburtstag feiert, brachte ganze Generationen auf die Räder. Mindestens 16 Millionen Stück wurden bislang weltweit verkauft, wahrscheinlich sogar weit mehr – exakte Zahlen kennt angesichts der vielen Lizenz- und Nachbauten selbst der Mutterkonzern Piaggio nicht.
In 60 Jahren Vespa-Geschichte gab es 140 Modelle, der Roller erfuhr dabei – so rechneten fleißige Statistiker aus – mehr als 20000 Modifikationen. Mit drei PS, 98 cm3, Zweitaktmotor und Dreiganggetriebe startete die Vespa 98 im Jahr 1946 ihre einzigartige Karriere; das aktuelle Jubiläumsmodell Vespa GT 60° (oben links) verfügt über 250 cm3, Viertakt-Vierventilmotor und 22 PS. Optisch kehrte der ewige Roller nach ein paar eckigen Ausrutschern inzwischen zu den runden Formen der Nachkriegszeit zurück.
Stärker als die Vespa selbst änderte sich über die Jahre das Bild, das die Werbung von ihr zu prägen versuchte. Zunächst einzigartiges und billiges Fort-
bewegungsmittel für alle Zwecke, dann Alternative zum Auto, später Hippie-Vehikel und Sparbüchse, wurde die Vespa schließlich zum coolen Kultobjekt mit Stil und Eleganz. Wie wir wurden, was wir sind – sechs Jahrzehnte Vespa-Werbung geben darüber augenzwinkernd Auskunft.
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Piaggio - der Mutterkonzern

Die Firma entstand 1884 in Ligurien als Holzverarbeitungsbetrieb. Gründer Rinaldo Piaggio baute Eisenbahnwaggons und Straßenbahnen, später kamen Boots- und vor allem Flugzeugmotoren hinzu, für die er in Pontedera in der Toskana ein neues Werk eröffnete. Nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte sein Sohn Enrico den enormen Bedarf an einfachen Fortbewegungsmitteln und beauftragte seinen besten Mann, den Flugzeugingenieur Corradino D’Ascanio, mit der Entwicklung. Der fand Motorräder schmutzig und unbequem, daher bekam sein Roller eine selbsttragende Karosserie mit aus-
ladenden Formen, die vor Wind und Wetter schützten; das Stahlblech dafür stammte aus dem Flugzeugbau. Eine Triebsatzschwinge eliminierte die leidige, weil schmutzige Kette, die Gangschaltung saß am Lenker, und statt der Gabel kam eine Kurzschwinge zum Einsatz, die den Reifenwechsel erleichterte: Die Vespa war geboren. 1964 wurde die Firma aufgeteilt, Enrico Piaggio bekam die Roller
in der Toskana, sein Bruder Armando die Flugzeuge in Ligurien.
Im gleichen Jahr heiratete Umberto Agnelli aus der Fiat-Familie
in die Roller-Dynastie ein – Italiens Medien feierten das Ereignis
als »Hochzeit auf sechs Rädern«. Wie alle Zweiradbauer litt Piaggio
in den folgenden Jahrzehnten unter dem Siegeszug des Autos,
doch die Vespa erwies sich als unverwüstlich. Mit der Übernahme von Gilera in den 90ern hielten sportliche Roller Einzug, Präsident des Unternehmens wurde der junge Fiat-Erbe Giovanni Agnelli jr., der jedoch 1997 an Krebs starb. Piaggio wurde verkauft und landete Ende 2003 bei dem Unternehmer Roberto Colaninno. Der erwarb zudem Aprilia und Moto Guzzi und steht nun dem größten Zweirad-Konzern Europas vor, der sieben Werke in Italien, Spanien, Indien und China mit über 6000 Beschäftigten unterhält. Seit Juli 2006 wird Piaggio an der Börse gehandelt.

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