Aprilia RSV mille Tuono Fighter (Archivversion)

Donner und Doria

Nach der exklusiven, auf 200 Stück limitierten Tuono R präsentiert Aprilia auf der Intermot die Tuono Fighter auf Basis der RSV mille. Garantiert unlimitiert. MOTORRAD drehte vorab schon eine erste aufschlussreiche Runde am Gardasee.

Gut, das mit dem Beinamen Fighter hätte nicht sein müssen. Wirklich nicht. Aber so sind sie eben, diese Marketing-Leute. Wollen das Motorrad einfach in irgendeine Schublade stecken. Dabei spricht dieses Motorrad wirklich für sich. Dass kein Chopper dabei herauskommt, wenn man eine Aprilia RSV mille von allem Plastik befreit und einen breiten Lenker montiert, war vorhersehbar bei so einer Basis. Am viel gelobten, voll einstellbarem Fahrwerk änderte sich dementsprechend fast nichts. Die Upside-down-Gabel stammt von Showa, das Federbein von Sachs-Boge. Bei der Bremsanlage allerdings wollte es Aprilia nicht übertreiben, weshalb Brembo-Vierkolbensättel mit je zwei Bremsbelägen zum Einsatz kommen, nicht die Variante mit vier Einzelbelägen. Letztere benötigt zwar weniger Handkraft, aber spricht beinahe schon bissig an. Und das braucht in Anbetracht des bevorzugten Reviers der Tuono niemand. Eine gute Entscheidung also.Freilich steht einem Rennstreckenausflug mit dem Naked Bike nichts im Wege. Doch seine eigentlich Bestimmung findet dieses Motorrad auf der Landstraße. Das macht einem die Aprilia bereits auf den ersten Metern unmissverständlich klar. Nicht irgendwo, sondern auf einer alten Bergrennstrecke im Schatten des Monte Baldo am Gardasee tritt sie mit ihrer bequemen Sitzposition an, bei ihrem Fahrer für entspannte Stimmung zu sorgen. Und anderen Zweiradpiloten, vorzugsweise aus der Lenkstummel-unter-der-Gabelbrücke-Supersport-Fraktion, freundlich in den Allerwertesten zu treten. Wie sich das für einen ordentlichen Fighter eben gehört.Kurven in allen nur erdenklichen Radien, schnelle Schräglagenwechsel, Schläge, Wellen, Asphaltaufbrüche – das meistert die Tuono mit links, beinahe aufreizend lässig. Sofort stellt sich eine magische Verbindung zwischen Fahrer und Motorrad ein. Alles passt. Kröpfung und Breite des Lenkers ebenso wie Position und Höhe der Fußrasten. Der V2, seit jeher kein feingeistiger Zeitgenosse, quittiert Bummeltempo mit Kettenschlagen, kommt immer noch hemdsärmelig, etwas rustikal daher. Aber ist bewährt und standfest. Und besitzt nach erneuter Überarbeitung mehr Druck im mittleren Drehzahlbereich, verspricht Aprila. Das erste Serienmotorrad jedenfalls macht einen beinahe vergessen, dass die Tuono über die ziemlich lang geratene Standard-Übersetzung der Mille verfügt, vorne 17 Zähne, hinten 42, so kraftvoll geht es ab 4000/min zu Werke.Nach wenigen Kilometern fühlt man sich heimisch. Das Selbstvertrauen wächst von Kurve zu Kurve. Die Dunlop D 207 RR kommen auf Betriebstemperatur. Eine gut gewählte Erstbereifung, weil sich die Tuono beim beherzten Hineinbremsen in Schräglage nicht widerspenstig aufstellt. Beeindruckend, wie einfach sich enge Radien mit der Aprilia fahren lassen, wie neutral sie sich dabei verhält, obwohl auf der Sechs-Zoll-Felge ein 190er aufgezogen ist. Und auch beim Herausbeschleunigen stellt sie sich nicht urplötzlich auf, sondern zieht unbeindruckt ihre Bahn. Ein Lob am Rande: Als Option ist ein 180er-Hinterreifen bereits in den Fahrzeugpapieren eingetragen. Erfahrungsgemäß beeinflusst der schmalere Pneu das ohnehin schon gute Handling nochmals positiv. MOTORRAD wird es bald ausprobieren. So mancher Kollege brennt bereits auf die erste ausführliche Testfahrt mit diesem kompromisslosen, radikalen, aber sehr fahrbaren Landstraßen-Supersportler namens Aprilia Tuono, Beiname Fighter.
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