Aprilia RSV mille (Archivversion)

Mille...

... grazie, Aprilia. Manchmal hilft einem die Unbedarftheit der Hersteller, Neuheiten aufzudecken. Für MOTORRAD-Leser enttarnt: die Aprilia RSV mille, Jahrgang 2004.

Dass Aprilia mit der RSV mille seit Jahren ein heißes Eisen im Supersportler-Feuer hält, ist der Szene bestens bekannt. Allerdings schlief die Konkurrenz nicht und entwickelte fleißig weiter. Vor allem leistungsmäßig setzten Honda mit der VTR 1000 SP-2 und Ducati mit der 998 S und R den Maßstab bei rund 135 PS. Da kann Aprilias Spitzenmodell, die Mille R, mit 125 PS nicht mithalten. Und die normale Mille hinkt zwar in der Spitzenleistung nicht allzu viel hinter einer 998 und 999 her, wohl aber in der Leistungsentfaltung. Aprilia muss also nachlegen. Spätestens 2004 dürfte es soweit sein: Eine völlig neue RSV mille wird in den Showrooms der Händler zu bewundern sein.Normalerweise halten die Hersteller mit dem Nachfolgemodell möglichst lange hinterm Berg. Zu groß ist die Gefahr, dass die alte Maschine sonst nicht mehr verkauft wird. Den Aprilia-Versuchsfahrern war diese Weisheit der Marketingstrategen offensichtlich wenig präsent, fuhren sie doch seelenruhig mit dem Prototyp bei einem öffentlichen Renntraining in Rijeka mit. Und damit nicht genug. In der Mittagspause stellten sie die Maschine einfach an der Boxenmauer ab und zogen von dannen. So hatte ein aufmerksamer Leser Zeit und eine Kamera parat, diese ganz besondere Aprilia abzulichten. Was er vor die Linse bekam, begeistert. Die 2004er-Mille hat mit ihrer Vorgängerin offensichtlich nur noch die Grundauslegung gemein. Der 60-Grad-V2 wird nach wie vor in einem Leichtmetall-Brückenrahmen werkeln. Sonst ist alles anders. Die Maschine wirkt viel schmaler, niedriger und leichter. Aggressiv nach vorne geduckt, die Front mit einem schon im Stand gierig ansaugenden Zentraleinlass zwischen den beiden Scheinwerfern verziert, signalisiert die Tausender Angriffslust.In die Spiegel und das Heck integrierte Blinker lassen die Mille viel hochwertiger als bisher erscheinen. Wunderschön: das als Band in den Höcker integrierte Rücklicht. Der Blick ins Cockpit verrät ebenfalls einen Neuanfang. Asketisch beschränkt man sich bei Aprilia auf einen analog anzeigenden Drehzahlmesser mit integrierter Multifunktionanzeige. So muss das sein bei einem echten Supersportler.Um Platz für die nun mit zwei Töpfen ausgestattete Auspuffanlage zu schaffen, wurde die Hinterradschwinge gebogen ausgeführt. Das obere Kettentrumm führt deswegen durch einen Tunnel im linken Schwingenarm. Vorne wie hinten kommen feinste Öhlins-Federelemente zum Einsatz, die zumindest an dem Prototyp voll einstellbar sind. Der neue Rahmen, durch eine besondere Profilgebung steifer und trotzdem leichter, besitzt im Lenkkopfbereich einen Einlasskanal zur Airbox. Die kann bei hohen Geschwindigkeiten einen Ram-Air-Effekt aufbauen und damit für ein paar zusätzliche PS sorgen. Gute 140 Pferde soll der neue V2 leisten. Und, so der Teilnehmer an dem Renntraining, für gehörigen Vorschub taugen. Dabei drehe die neue Mille viel höher als dieVorgängerinnen und könne es durchaus mit japanischen 1000er-Vierzylindern aufnehmen. Vollgetankt soll die RSV unter 210 Kilogramm wiegen und damit der leichteste V2-Supersportler werden. Manches ist freilich noch ein wenig Spekulation. Außerdem haben die Aprilianer noch ein gutes Jahr Zeit, ihr neues Baby fertig zu entwickeln. Da kann sich einiges an den Kenndaten ändern. Eines steht jedoch schon jetzt fest. Bis dahin werden sie sich sicher ein wenig vorsichtiger in der Öffentlichkeit bewegen. Denn die Neue lässt die Alte wirklich alt aussehen.
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