Aprilia RX/SX 125 (2018) im Fahrbericht

Individuelle 125er

Die neue Aprilia SX 125 lässt sich sehr handlich durch Kurven jagen.
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Der 125er-Markt wächst wieder. In Europa und besonders in Deutschland. Das weiß auch Aprilia und vervollständigt mit einer Enduro und einer Supermoto sein Achtelliterangebot. Zur sportlichen RS und der unverkleideten Tuono gesellen sich nun die Aprilia RX 125 als Enduro und die Aprilia SX 125 als Supermoto.

Auf dieses breite Einsteigerangebot ist Aprilia zu Recht stolz. Wie in Tuono und RS kommt auch bei Aprilia RX 125 und Aprilia SX 125 der 124-cm³-Viertakter zum Einsatz. Aprilia schraubte jedoch, deutlich spürbar, an der Abstimmung. Kam der bei Zongshen gefertigte Einzylinder in der kleinen Tuono erst ab 7.000 Touren so richtig in Fahrt, zieht der Einspritzmotor in den hochbeinigen Schwestern sehr gleichmäßig und druckvoll durch. Trotzdem: Beide Modelle verlangen nach häufiger Schaltarbeit, die sechs Gänge lassen sich jedoch gut sortieren. Einigkeit herrscht auch bei der restlichen Konstruktion. Brückenrahmen und Schwinge aus Stahl, Kunststoffmotorschutz, LED-Rücklicht, schicke Plastics. Der hoch liegende Auspuff pröttelt on- wie offroad zurückhaltend leise. Die Verarbeitung ist für den aufgerufenen Preis ordentlich. Der breite Lenker mit Verstellmarken, der klappbare Schalthebel und abnehmbare Soziusrasten zeigen Liebe zum Detail. Wer jedoch scharfe Kanten und unschöne Schweißnähte sucht, wird welche finden.

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Unterschiede zwischen der RX und der SX

Identische Erbanlagen beim Fahrwerk. 41-mm-Upside-down-Gabel vorne, Federbein mit progressiver Umlenkung hinten. 240 mm Federweg vorne stehen 200 mm (Aprilia SX 125) bzw. 220 mm (Aprilia RX 125) hinten gegenüber. Die sportlich-harte Abstimmung zeichnet ein unvermitteltes Bild des Untergrunds, passt aber zum Wesen der Maschinen. Nur auf Asphalt der Sorte „Flickenteppich“ gleicht die Fahrt einer Rüttelpartie. Bei der Bereifung gehen RX und SX ihrem Naturell entsprechend unterschiedliche Wege.

Foto: Aprilia
Das schmale Heck findet in einer schlichten, aber schönen LED-Leuchte seinen Abschluss.
Das schmale Heck findet in einer schlichten, aber schönen LED-Leuchte seinen Abschluss.

Die Supermoto SX trägt standesgemäße 17-Zöller. Die Cheng Shin Tire-Erstbereifung verbreitet zunächst Skepsis im Fahrerlager. Doch die CST-Schlappen bieten trocken wie nass guten Grip. Adäquate Enduro-Ausstattung bei der Aprilia RX 125. 21 Zoll vorn, 18 Zoll hinten. Die Stollenreifen stammen ebenfalls aus Xiamen. Ihre Botschaft: weiterfahren, wo andere umdrehen. Aber kein Vorteil ohne Nachteil: Auf der Straße bieten die CST-Stollen nur mittelmäßige, laute Performance. Und bei Nässe ist auch mit 15 PS Vorsicht geboten. Weitere Unterschiede gibt es bei den Bremsen. Die Aprilia SX 125 vertraut auf gelochte Bremsscheiben, vorne 300 mm, hinten 240. Die Enduro ankert mithilfe einer Kombination aus 260er- und 240er-Wave-Scheiben. Bei Notbremsungen vertrauen beide Motorräder auf ein ABS, allerdings nur vorne. Laut Aprilia hätten Bremsversuche mit zusätzlich hinten wirkendem ABS keinen Vorteil gebracht. So lässt sich immerhin verschmerzen, dass das System nicht abschaltbar ist. Bremsdrifts und schreckfreies Bremsen auf Schotter sind damit kein Problem.

Alltagstauglich, sehr handlich und stabil

Ein weiteres Sicherheitsfeature mit drei Buchstaben: RLM, ausgeschrieben Rear Lift-up Mitigation. Das System soll ein Abheben des Hinterrads verhindern. In der Praxis gelang das nicht immer, bei provoziertem, blitzartigem Zupacken hebt das Heck auch gerne mal ab. Viel entscheidender als die Start- und Landefähigkeiten ist jedoch die Kurvenfreudigkeit der Leichtkrafträder. Was ihnen an Leistung fehlt, können die Einsteigerbikes im kurvigen Geläuf kompensieren. Je enger die Straßen, desto besser. Vollgetankt wiegt jedes Motorrad gerade einmal 134 kg. Die Supermoto lenkt dabei aufgrund ihrer 17-Zoll-Räder noch zackiger ein als ihre grobstollige Schwester. Ihre großen Speichenräder trumpfen dafür auf unbefestigtem Terrain auf. 

Foto: Aprilia
Lange Federwege und handliche 17-Zoll-Räder ergeben nahezu unbegrenzte Schräglagenfreiheit.
Lange Federwege und handliche 17-Zoll-Räder ergeben nahezu unbegrenzte Schräglagenfreiheit.

Alltagstauglich, sehr handlich und stabil sind jedoch beide Motorräder. Bis zur Höchstgeschwindigkeit von guten 110 Sachen. Je nach Gefälle und Rückenwind. Ablesbar ist das auf der kleinen LC-Anzeige, die bei Dunkelheit in angenehmem Orange leuchtet. Sie hält neben Geschwindigkeit, Tripmaster und Uhrzeit auch die Kühlwassertemperatur bereit. Drehzahlmesser oder Ganganzeige gibt es nicht, auch nicht auf Knopfdruck. Komfort wird im Italienischen eben kleingeschrieben, da machen die Aprilias keine Ausnahme. Die vielleicht erste Hürde stellt bereits die Sitzhöhe von 880 (Aprilia SX 125) bzw. 905 mm (Aprilia RX 125) dar. Damit nicht genug: Bereits nach einer guten Stunde wird die Sitzbank zur Strafbank. Aber das ist vielleicht einfach nur Gewöhnungssache. Mehr Eingewöhnung verlangen die beiden nicht. Denn flotter Fahrspaß stellt sich bei den ungleichen Zwillingen schnell ein. Zumal sie mit Preisen von unter 4.000 Euro auch in diesem Segment ein echter Preis-Leistungs-Tipp sind.

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