Audi-Azubis bauen Motorrad (Archivversion)

Alu-Stifte

Ein Hobby-Crosser als Ausbildungsleiter und die Ausschreibung zum Wettbewerb »Jugend forscht« - fertig war die Idee zum Audi-Motorrad.

Ein Wettbewerb, fünf hochmotivierte Auszubildende, eine außergewöhnliche Idee und die konsequente Anwendung der Firmenphilosophie, das ergibt am Ende ein bislang unbekanntes Fahrobjekt mit dem nicht ganz eingängigen Namen »Audi TIF Alu«.Doch der Reihe nach. Fünf Auszubildende der Audi AG in Ingolstadt rannten auf der Suche nach einer erfolgversprechenden Idee für die Sparte Technik im Bundeswettbewerb »Jugend forscht« bei ihrem Ausbildungsleiter offene Türen ein. Hobby-Crosser Thomas Janßen kann kaum leugnen, daß die Entscheidung, eine KTM LC4-Enduro mit der geballten Aluminium-Technologie des Hauses Audi zu optimieren, nichts mit seiner Freizeitleidenschaft zu tun hat. »Dennoch muß klargestellt werden«, so Janßen, »daß die Jungs das Ding gebaut und mit ihren Ideen das Projekt bestimmt haben.«Das Ding ist, oberflächlich betrachtet, eine LC4 mit Alu-Brückenrahmen, überarbeitetem PDS-Federbein ohne Umlenkung und ohne Tank im herkömmlichen Sinne. Klarheit verschafft die Dekodierung der geheimnisvollen Typenbezeichnung TIF. Matthias Meyer, wie Björn Albinus und Teamsprecher Eugen Reibold als Fahrzeugbau-Azubi in der Entwickler-Crew, die von Fräser Dragan Pejcompsky und Modellbauer Eike Aden komplettiert wird, grinst: »TIF bedeutet ganz einfach: tank in frame.«Und genau dorthin, in den Rahmen, ist bei der Audi-Enduro der Benzintank entschwunden. Die hohlen Alu-Rahmenprofile können, verbunden mit einer als Überlaufbehälter dienenden Versteifung um den Einfüllstutzen, knapp acht Liter Treibstoff aufnehmen. »Genug für eine Cross-Rennversion«, stellt Janßen fest, »für eine Wettbewerbs-Enduro oder eine straßenzugelassene Version würden wir unter dem Sitz noch einen Alu-Zusatztank mit weiteren sieben bis acht Litern einbauen.«Dort befindet sich auch die Benzinpumpe, um den Sprit vom unteren Ende des Rahmen in den Einlaßtrakt zu befördern - und in der momentanen Entwicklungsstufe auch das Luftansaugsystem, welches aus Karbon gefertigt mit der Sitzbank eine Einheit bildet. Das TIF-Konzept spart gegenüber einer Serien-KTM nach Angaben der Audi-Biker rund acht Kilogramm und senkt den Schwerpunkt.Aber die fahrbereite Audi TIF ist längst nicht das Ende für die kreativen Alu-Stifte. Es exisitiert bereits ein zweiter Rahmen, der neben der tragenden und benzinführenden noch eine dritte Funktion übernehmen wird. Der Sprit wird nur noch im linken Holm fließen, der Überlaufbehälter fällt zugunsten des Alu-Tanks unter der Sitzbank weg. Dort wird dann genug Platz sein, weil die Luftführung in den rechten Rahmenholm verpflanzt wird. »Mit einem eigenen, kompakten Alu-Wasserkühler statt dem derzeitigen Triumph-Teil erreichen wir eine Silhouette, schmal wie ein Trial-Motorrad und einen noch tieferen Schwerpunkt.«Die zweite Stufe halten die jungen Audi-Forscher noch in der Hinterhand für die weiteren »Jugend forscht«-Runden. Die Regionalausscheidung Ingolstadt haben sie leicht gewonnen. Über das Bayern-Finale am 27. März streben sie in den bundesweiten Endkampf. »Da gibt es 10000 Mark als ersten Preis«, so Mannschaftskapitän Reibold hintergründig.Eine noch viel radikalere TIF-Version werden sie aber auch da noch nicht zur Verfügung haben. Die spukt nur in ihren Köpfen umher. Der extrem sparsame Dreizylinder-Motor des Drei-Liter-Autos VW Lupo TDI wäre der Ideal-Partner für das TIF-Konzept. »Aber als Automotor ist er nicht sehr ansehnlich und müßte verkleidet werden«, relativiert Janßen. Und bei aller Tradition im Zeichen der vier Ringe denkt bei Audi derzeit niemand an eine Zweiradfertigung.
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