Benzinloses Motorrad

The Sound of silence

Irgendwann ist Schluss mit Erdöl. So in 40, 50 Jahren. Aber noch lange nicht Schluss mit Motorradfahren, meinen zwei Designer.

Foto: Sdun
Benzinloses Motorrad
Benzinloses Motorrad
Milliarden an Forschungsgeldern steckt die Automobilindustrie in die Entwicklung von Antrieben für eine irgendwann drohende benzinlose Zeit. Versuchsträger gibt’s schon längst, in Form von Pkw und Autobussen mit Brennstoffzellen etwa. Vehikeln also, bei denen das Gewicht so gut wie keine Rolle spielt. Was vom Motorrad wahrlich nicht behauptet werden kann.
»Na, 154 Kilogramm fürs komplette Motorrad sind doch okay«, sagt Alexander Kraus, der mit seinem Freund Sebastian Schnabel ein solches entbenziniertes Zweirad bauen wollte. Als Diplomarbeit an der Fachhochschule Schwäbisch Gmünd. Dass es dann doch nur zu einem Modell reichte, Maßstab 1:3, lag nicht an technischen Problemen, behaupten die zwei. Sondern daran, dass es an Kohle fehlte und an Zeit. »Alle Teile für dieses Motorrad sind entwickelt und zu kaufen.«
Die Brennstoffzelle zum Beispiel, die im schwarzen Block tief unten im Motorrad sitzt. Ihr Prinzip: durch Oxidation von Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O) Strom erzeugen. O liefert freundlicherweise die Luft, und das in rauen Mengen und für lau, reines H dagegen muss das Motorrad mit sich führen, statt Benzin. Und
da fangen die Probleme an. Man kann H
in einem »Hybridspeicher« lagern, völlig ohne Druck, wo die Wasserstoffatome sich bis zur gefälligen Freisetzung mit
anderen Stoffen verbinden. Aber dieses System fällt schwer ins Gewicht. Also H unter hohem Druck speichern, 600 bar. Fragt sich nur, was im Falle eines Unfalls mit den Flaschen und dem H drin passiert. Im schlimmsten Fall mutieren die
zu Granaten und werden präventiv von den Amis im Antiterrorkampf kassiert. Da haben Forschung und UNO also noch
einiges zu tun.
Sei’s drum. Der Strom aus dieser Brennstoffzelle füttert in der Kraus-/ Schnabelschen Zukunftsvision einen Elektromotor in der Nabe des Hinterrads. 20,5 PS lässt der raus. Dickere Dinger wären drin, aber dann fängt der Trouble mit der Dämpfung an – wegen viel zu
deftiger ungefederter Massen. Also
müssen, um kurzfristig Spitzenleistungen abzurufen, zwei Batterien, Lithium-Ionen-Blöcke, ran, die Energie nicht nur ab-
geben, sondern auch aufnehmen, fast
alles umwandeln, was an Power von den Bremsen kommt. Resultat: 150 Kilometer Reichweite und fast so viel an Speed. Auf diesen sinnigen Antriebsstrang haben die zwei Designer eine witzige Sitzgarnitur
à la Funbike montiert, aber prinzipiell sind auf dieser Basis und im Baukastensystem alle Stilelemente drin. Vom Chopper bis zur Enduro. Außerdem muss noch eine Hifi-Anlage drauf. Denn so eine Maschine macht null Lärm. Und das ist nicht gut
für die Verkehrssicherheit.
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