Demo gegen Honda

Der Wing-Kampf

Aus Unzufriedenheit über ihr Bike haben Gold-Wing-Fahrer eine Demo gegen Honda organisiert. Der Importeur versprach Besserung.

Der 15. September 2003 war für die Mitarbeiter der deutschen Honda-Zentrale in Offenbach turbulent: IAA-
Eröffnung in Frankfurt, Startschuss für
die Mailänder Messe Eicma, die größte Motorradneuheiten-Messe des Jahres, und – nicht eben alltäglich – eine Demo vor der eigenen Haustür. Rund 50 stinksaure Fahrer einer GL 1800 Gold Wing entrollten in der Sprendlinger Landstraße Transparente und bauten eine Verstärkeranlage auf. Die Lautsprecher aufs Bürogebäude gedreht, musste sich jeder bei Honda anhören, was der Kundschaft so alles nicht passt. Und das war eine ganze Menge.
Hauptgrund für die vom Stuttgarter Gold-Wing-Fahrer Michael Klinkert organisierte Demo: Bei langsamer Fahrt neigt das knapp 25000 Euro teure Bike dazu, massiv zu überhitzen. Ferner prangerten die Goldwinger die angeblich lausige Lackqualität und die aus ihrer Sicht algemein maue Verarbeitungsqualität an. Und sie waren wütend, weil Honda beinahe zwei Jahre lang nicht auf weniger drastisch vorgebrachte Einzelbeschwerden reagiert habe. »Wir fühlen uns von Honda hingehalten und verarscht«, brachten gleich mehrere Protestler ihre Meinung fast gleichlautend auf den Punkt. Dazu Forderungen, bei der GL 1800 nicht nur massiv nachzubessern, sondern ihren Käufern auch eine Art Schadenersatz
zu leisten – in Form von 3500 Euro
Rückzahlung vom Kaufpreis, wegen des zu befürchtenden schlechteren Wiederverkaufswerts des Motorrads.
Die Stimmung unter den Demonstranten war nicht eben euphorisch, als sich Honda-Manager Walter Tief (55, großes Foto) aus dem Bürogebäude und ans Mikro wagte. Was der Leiter der Ressorts Qualität und Service dann aber zu sagen hatte, dürfte so manchen erstaunt haben: »Ja, das Problem existiert, und wir haben zu lange mit seiner Lösung gewartet«, streute Tief seinem Brötchengeber und sich Asche aufs Haupt. Gleichzeitig versicherte er, dass Honda davon ausgehe, die jetzt angelaufene Umrüstaktion werde effektiv sein. Im Rahmen dieser Aktion wird bei allen rund 1000 GL 1800 in Deutschland die elektronische Motorsteuerung getauscht, bei einigen auch Teile des Kabelbaums und unter Umständen sogar die Zylinderköpfe, da diese teilweise zu enge Kühlwasserkanäle haben. Außerdem gab Tief zu, »Fehler im Umgang mit Ihnen als Kunden gemacht« zu haben und versicherte: »Wir werden niemanden im Stich lassen.« Die Goldwinger hörten’s mit Skepsis, zollten aber artigen Beifall. Ihr technischer Sprecher Hajo Henkert: »Der Ball ist jetzt bei Honda, uns bleibt nur abzuwarten.“
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