Ducati 999 Biposto

Rote Sünde

Bereits kurz nach der Fahrpräsentation des Supersportlers erhielt MOTORRAD die erste Testmaschine von Ducati.

»Es ist eine Biposto!« Testchef Ralf Schneider war die Überraschung ins Gesicht geschrieben, als der Eiltransport aus Bologna vor der MOTORRAD-Werkstatt in Stuttgart ausgeladen wurde. In Windeseile versammelte sich die halbe Redaktion um das neue Ducati-Flaggschiff, und wie schon in Leserkreisen nach dem Fahrbericht (MOTORRAD 16/2002) waren die Aussagen zum neuen Design der 999 zwiespältig.
Unbestritten blieb jedoch, dass Ducati im Vergleich zu den Präsentationsmaschinen bei der Biposto-Version einiges geändert hat. Und das nicht zum Besten. Der Rahmen, beim Zweisitzer auch am Heck aus Stahlrohren gefertigt, wurde im Bereich der Heckaufnahme optisch nicht gerade verfeinert: stumpf angeschweißte Schmiedeteile, ein unschön integriertes Rohrstück, um das Federbein besser montieren zu können, und eine platzende Pulverbeschichtung an der Verschraubung. Kein Vergleich mit der schnörkellosen Rohrführung an der Präsentationsmaschine.
Ebenso unbestritten: Fahren lässt sich die Ducati 999 Biposto hervorragend. Das beginnt mit der angenehmen Sitzposition, die sich zudem mit verstellbaren Fußrasten und -hebeln optimal gestalten lässt. Für die Biposto leider nicht zu haben: die verschiebbare Tank-Sitzbank-Kombination. Auch ohne dieses den 999-Solisten vorbehaltene Extra glänzt die schlanke Italienerin mit einer tollen Kombination aus Handlichkeit und Stabilität. Knifflige Kurvenpassagen durcheilt die 999 unbeschwert und wie von selbst. Wer glaubt, die Neue sei deshalb eine weich gespülte 998, der irrt. Straffe Dämpferabstimmungen an Gabel und Federbein sorgen für genügend Rückmeldung über die Fahrbahnbeschaffenheit. Auch scharfes Beschleunigen in Schräglage über Bodenwellen bringt die 999 nicht aus dem Konzept.
Voller Elan geht der komplett neu abgestimmt Testastretta-Motor zu Werke. Auf den MOTORRAD-Prüfstand schmetterte der V-Twin satte 127 PS, und das an der Kupplung. Dazu kommt ein äußerst harmonischer Drehmomentverlauf, der von 4000/min bis 10000/min über 80 Nm liegt. Erfreulicherweise sind auch die Abgaswerte hervorragend, um die sich zwei U-Kats kümmern. Im Testbetrieb gibt es so nur Gutes über das Triebwerk zu berichten: Es hängt spritzig am leichtgängigen Gasgriff, wenn es auch nicht mehr ganz so sparsam wie in der 998 ist. Auf der Landstraße konsumiert der Desmo 5,4 Liter auf 100 Kilometer; eine 998 begnügt sich mit 4,8. Die Fahrleistungen liefert MOTORRAD in Ausgabe 19 nach. Bisher steht nur soviel fest: Der 999-Digitaltacho hört bei 280 km/h auf zu zählen, und die Duc zieht weiter.
Die MOTORRAD-Testmannschaft zieht ebenfalls weiter, zum Top-Test-Vergleich der 999 mit der 998. Denn dieses Thema bewegt wie kein anderes momentan die Ducati-Welt.
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